Olympische Sommerspiele 1984/Fußball

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Olympisches Fußballturnier 1984
Olympische Ringe Fußball
Anzahl Nationen 16
Olympiasieger FrankreichFrankreich Frankreich (1. Titel)
Austragungsort Annapolis, Cambridge,
Palo Alto, Pasadena
Eröffnungsspiel 29. Juli 1984
Endspiel 11. August 1984
Spiele 32
Tore 84  (∅: 2,63 pro Spiel)
Zuschauer 1.425.181  (∅: 44.537 pro Spiel)
Torschützenkönig JugoslaweJugoslawe Borislav Cvetković
JugoslaweJugoslawe Stjepan Deverić
FranzoseFranzose Daniel Xuereb
(je 5 Tore)
Gelbe Karten 72 (∅: 2,25 pro Spiel)
Rote Karten 12 (∅: 0,38 pro Spiel)

Bei den XXIII. Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles wurde ein Wettbewerb im Fußball ausgetragen. Erstmals durften Profi-Spieler an diesen Spielen teilnehmen. Voraussetzung war aber, dass keiner dieser Spieler bei einer vorherigen Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen hatte. Eine Ausnahmeregelung galt für Afrika und Asien.

Erstmals in der Geschichte des olympischen Fußballturniers fanden keine Spiele im eigentlichen Olympiastadion in Los Angeles statt, sondern im Harvard Stadium in Cambridge, im Navy-Marine Corps Memorial Stadium in Annapolis, im Stanford Stadium in Palo Alto und im Rose Bowl Stadium in Pasadena.

Mit dem Titelgewinn Frankreichs wurde erstmals seit 1948 wieder eine westeuropäische Mannschaft Olympiasieger und mit Brasilien konnte seit 1928 wieder eine südamerikanische Mannschaft das Finale erreichen. Es war zudem das erste und bisher einzige Mal, dass ein Land in einem Jahr Europameister und Olympiasieger wurde.

Die über 1,4 Millionen Zuschauer bei den 32 Spielen bedeuteten bis zum Turnier 2012 in London Rekord bei einem olympischen Fußballturnier. Das Turnier gilt auch als internationale Geburtsstunde der La Ola, zwei Jahre vor der Fußballweltmeisterschaft 1986 in Mexiko.

Qualifikation[Bearbeiten]

In Europa gab es vier Qualifikationsgruppen. Die Sieger der Qualifikationsgruppen 1–3 qualifizierten sich direkt für die Olympischen Spiele. Die sechs Mannschaften wurden zunächst in zwei Untergruppen eingeteilt, die beiden Gruppensieger ermittelten in Hin- und Rückspielen die Teilnehmer. Es qualifizierten sich die Sowjetunion, die DDR, Jugoslawien und Frankreich. Hinzu kam der Titelverteidiger Tschechoslowakei.

Aufgrund des Olympiaboykottes der Ostblockstaaten verzichteten die DDR, die CSSR und die UdSSR auf eine Teilnahme. An ihrer Stelle wurden die nichtqualifizierten Mannschaften der BRD, Norwegens und Italiens eingeladen.

In Südamerika wurden zunächst zwei Gruppen mit je 3 Mannschaften ausgespielt, die beiden Gruppenbesten zogen in die letzte Gruppe ein, wo sich wiederum die beiden besten Mannschaften qualifizierten. Teilnehmer waren: Brasilien und Chile. Argentinien zog seine Mannschaft noch vor Beginn der Qualifikation zurück.

In Nordamerika wurden zunächst in drei Runden die drei besten Mannschaften ermittelt, die in einer Gruppe in Hin und Rückspielen die beiden Teilnehmer ermittelten. Es qualifizierten sich Kanada und Costa Rica.

Die gesamte afrikanische Qualifikation wurde im Pokalmodus ausgetragen. Hierbei konnten sich Ägypten, Marokko und Kamerun durchsetzen.

In Asien gab es zunächst fünf Qualifikationsgruppen, die beiden Gruppenbesten qualifizierten sich für das Endturnier in Singapur. Dort wurde in zwei Gruppen à 5 Mannschaften gespielt, die beiden Gruppensieger qualifizierten sich direkt für die Olympischen Spiele, die beiden Gruppenzweiten trugen ein Play-Off Spiel aus. Es qualifizierten sich Katar und Saudi-Arabien als Gruppensieger. Der Irak besiegte Südkorea mit 1:0 und qualifizierte sich ebenfalls für das Endturnier in den USA.

5 aus Europa SowjetunionSowjetunion SowjetunionDeutschland BRBR Deutschland BR Deutschland   Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDRNorwegenNorwegen Norwegen
  TschechoslowakeiTschechoslowakei TschechoslowakeiItalienItalien Italien FrankreichFrankreich Frankreich Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien
2 aus Südamerika Brasilien 1968Brasilien Brasilien ChileChile Chile  
3 aus Afrika Agypten 1972Ägypten Ägypten KamerunKamerun Kamerun MarokkoMarokko Marokko
3 aus Asien Irak 1963Irak Irak KatarKatar Katar Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien
3 aus Nordamerika Costa RicaCosta Rica Costa Rica KanadaKanada Kanada Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten (Gastgeber)

Westdeutscher Kader[Bearbeiten]

Trainer: Erich Ribbeck

Position Spieler Geburtstag Alter Verein
1 Bernd Franke 12. Feb. 1948 36 Eintracht Braunschweig
2 Manfred Bockenfeld 23. Jul. 1960 24 Fortuna Düsseldorf
3 Roland Dickgießer 9. Nov. 1960 23 SV Waldhof Mannheim
4 Dieter Bast 28. Aug. 1951 32 Bayer 04 Leverkusen
5 Bernd Wehmeyer 6. Jun. 1952 32 Hamburger SV
6 Guido Buchwald 24. Jan. 1961 23 VfB Stuttgart
7 Jürgen Groh 17. Jul. 1956 28 Hamburger SV
8 Rudi Bommer 19. Aug. 1957 26 Fortuna Düsseldorf
9 Dieter Schatzschneider 26. Apr. 1958 26 Hamburger SV
10 Andreas Brehme 9. Nov. 1960 23 1. FC Kaiserslautern
11 Frank Mill 23. Jul. 1958 26 Borussia Mönchengladbach
12 Walter Junghans 26. Okt. 1958 25 FC Schalke 04
13 Alfred Schön 13. Jan. 1962 22 SV Waldhof Mannheim
14 Peter Lux 4. Okt. 1962 21 Eintracht Braunschweig
15 Uwe Rahn 21. Mai 1962 22 Borussia Mönchengladbach
16 Christian Schreier 4. Feb. 1959 25 VfL Bochum
17 Dieter Schlindwein 7. Feb. 1961 23 SV Waldhof Mannheim

Gruppenphase[Bearbeiten]

Gruppe 1[Bearbeiten]

29. Juli 1984 in Cambridge
Chile Norwegen 0:0
29. Juli 1984 in Annapolis
Katar Frankreich 2:2 (1:0)
31. Juli 1984 in Cambridge
Norwegen Frankreich 1:2 (1:1)
31. Juli 1984 in Annapolis
Chile Katar 1:0 (0:0)
2. August 1984 in Annapolis
Chile Frankreich 1:1 (1:0)
2. August 1984 in Cambridge
Katar Norwegen 0:2 (0:2)
Rang Land Tore Punkte
1 FrankreichFrankreich Frankreich 5:4 4:2
2 ChileChile Chile 2:1 4:2
3 NorwegenNorwegen Norwegen 3:2 3:3
4 KatarKatar Katar 2:5 1:5

Gruppe 2[Bearbeiten]

30. Juli 1984 in Cambridge
Kanada Irak 1:1 (0:0)
30. Juli 1984 in Annapolis
Jugoslawien Kamerun 2:1 (1:1)
1. August 1984 in Cambridge
Kamerun Irak 1:0 (1:0)
1. August 1984 in Annapolis
Jugoslawien Kanada 1:0 (0:0)
3. August 1984 in Annapolis
Irak Jugoslawien 2:4 (0:2)
3. August 1984 in Cambridge
Kamerun Kanada 1:3 (0:1)
Rang Land Tore Punkte
1 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 7:3 6:0
2 KanadaKanada Kanada 4:3 3:3
3 KamerunKamerun Kamerun 3:5 2:4
4 Irak 1963Irak Irak 3:6 1:5

Gruppe 3[Bearbeiten]

30. Juli 1984 in Palo Alto
BR Deutschland Marokko 2:0 (1:0)
30. Juli 1984 in Pasadena
Brasilien Saudi-Arabien 3:1 (1:0)
1. August 1984 in Palo Alto
Brasilien BR Deutschland 1:0 (0:0)
1. August 1984 in Pasadena
Marokko Saudi-Arabien 1:0 (0:0)
3. August 1984 in Palo Alto
BR Deutschland Saudi-Arabien 6:0 (4:0)
3. August 1984 in Pasadena
Brasilien Marokko 2:0 (0:0)
Rang Land Tore Punkte
1 Brasilien 1968Brasilien Brasilien 6:1 6:0
2 Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 8:1 4:2
3 MarokkoMarokko Marokko 1:4 2:4
4 Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien 1:10 0:6

Die Olympiaauswahl des DFB konnte sich aufgrund des Olympiaboykottes der Ostblockstaaten qualifizieren. Der von Erich Ribbeck trainierten Mannschaft gehörten Spieler wie Andreas Brehme, Uwe Rahn, Bernd Franke (Tor), Guido Buchwald, Rudi Bommer, Frank Mill, Dieter Bast, Dieter Schatzschneider, Bernd Wehmeyer und Peter Lux an. Beim ersten Spiel gegen Marokko konnte ein Sieg durch Tore von Rahn und Brehme erzielt werden. Das Siel gegen Brasilien verlor man mit 1:0 durch ein Tor von Augilmar Oliveira. Beim 6:0 Kantersieg gegen Saudi-Arabien trafen Schreier (zweimal), Bommer (zweimal), Rahn und Mill.

Gruppe 4[Bearbeiten]

29. Juli 1984 in Cambridge
Vereinigte Staaten Costa Rica 3:0 (2:0)
29. Juli 1984 in Pasadena
Italien Ägypten 1:0 (0:0)
31. Juli 1984 in Palo Alto
Ägypten Costa Rica 4:1 (1:0)
31. Juli 1984 in Pasadena
Italien Vereinigte Staaten 1:0 (0:0)
2. August 1984 in Palo Alto
Ägypten Vereinigte Staaten 1:1 (1:1)
2. August 1984 in Cambridge
Costa Rica Italien 1:0 (1:0)
Rang Land Tore Punkte
1 ItalienItalien Italien 2:1 4:2
2 Agypten 1972Ägypten Ägypten 5:3 3:3
3 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 4:2 3:3
4 Costa RicaCosta Rica Costa Rica 2:7 2:4

Gastgeber USA schied aufgrund eines weniger geschossenen Tores gegenüber den Ägyptern aus. Im letzten Spiel gingen die USA in der 7. Minute in Führung, Emad Soliman konnte aber den Ausgleich für die Ägypter erzielen, die sich damit für das Viertelfinale qualifizieren.

Viertelfinale[Bearbeiten]

5. August 1984 in Palo Alto
ItalienItalien Italien ChileChile Chile 1:0 n.V.
5. August 1984 in Pasadena
FrankreichFrankreich Frankreich Agypten 1972Ägypten Ägypten 2:0 (1:0)
6. August 1984 in Palo Alto
Brasilien 1968Brasilien Brasilien KanadaKanada Kanada 1:1 n.V. (1:1, 0:0), 5:3 n.E.
6. August 1984 in Pasadena
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland 5:2 (2:2)

Das Viertelfinalspiel verlor Deutschland deutlich gegen Jugoslawien mit 5:2. Cvetković (dreimal), Radanović und Gračan trafen für Jugoslawien und Bommer und Bockenfeld für Deutschland.

Halbfinale[Bearbeiten]

8. August 1984 in Palo Alto
ItalienItalien Italien Brasilien 1968Brasilien Brasilien 1:2 n.V. (1:1, 0:0)
8. August 1984 in Pasadena
FrankreichFrankreich Frankreich Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 4:2 n.V. (2:2, 2:0)

Spiel um Bronze[Bearbeiten]

10. August 1984 in Pasadena
ItalienItalien Italien Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 1:2 (1:0)

Finale[Bearbeiten]

Frankreich Brasilien
FrankreichFrankreich
11. August 1984 in Pasadena (Rose Bowl Stadium)
Ergebnis: 2:0 (0:0)
Zuschauer: 101.799
Schiedsrichter: Jan Keizer (NiederlandeNiederlande Niederlande)
BrasilienBrasilien


Albert RustPhilippe Jeannol, Michel Bibard, Jean-Louis Zanon, William AyacheGuy Lacombe, Dominique Bijotat, Jean-Philippe RohrJean-Claude Lemoult, François Brisson (79. Patrice Garande), Daniel Xuereb (87. Patrick Cubaynes)
Trainer: Henri Michel
GilmarRonaldo Silva, Pinga, Mauro Galvão, Andre Luiz FerreiraDunga, Ademir, Tonho, (58. Milton Cruz) – Silvinho, Gilmar Popoca, João Leiehart Neto (58. Chicão)
Trainer: Jair Picerni
Tor 1:0 François Brisson (55.)
Tor 2:0 Daniel Xuereb (60.)

Medaillenränge[Bearbeiten]

Rang Medaillengewinner
Gold
FrankreichFrankreich
Frankreich
William Ayache, Michel Bensoussan (TW), Michel Bibard, Dominique Bijotat, François Brisson, Patrick Cubaynes, Patrice Garande, Philippe Jeannol, Guy Lacombe, Jean-Claude Lemoult, Jean-Philippe Rohr, Albert Rust (TW), Didier Sénac, Jean-Christophe Thouvenel, José Touré, Daniel Xuereb, Jean-Louis Zanon
Trainer: Henri Michel
Silber
Brasilien 1968Brasilien
Brasilien
Ademir, Milton Cruz, Luiz Henrique Dias (TW), Andre Luiz Ferreira, Mauro Galvão, Tonho, Gilmar (TW), João Leiehart Neto, Gilmar Popoca, Silvinho, Pinga, David Cortez Silva, Paulo Santos, Ronaldo Silva, Dunga, Chicão, Luiz Carlos Winck
Trainer: Jair Picerni
Bronze
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien
Jugoslawien
Mirsad Baljić, Mehmed Baždarević, Vlado Čapiljić, Borislav Cvetković, Stjepan Deverić, Milko Đurovski, Marko Elsner, Nenad Gračan, Tomislav Ivković (TW), Srečko Katanec, Branko Miljuš, Mitar Mrkela, Jovica Nikolić, Ivan Pudar (TW), Ljubomir Radanović, Admir Smajić, Dragan Stojković
Trainer: Ivan Toplak

Beste Torschützen[Bearbeiten]

Rang Spieler Tore
1 JugoslaweJugoslawe Borislav Cvetković 5
JugoslaweJugoslawe Stjepan Deverić
FranzoseFranzose Daniel Xuereb
4 BrasilianerBrasilianer Gilmar Popoca 4
5 DeutscherDeutscher Rudi Bommer 3
JugoslaweJugoslawe Jovica Nikolić
KanadierKanadier Dale Mitchell
FranzoseFranzose François Brisson
9 DeutscherDeutscher Uwe Rahn 2
DeutscherDeutscher Christian Schreier
17 DeutscherDeutscher Andreas Brehme 1
DeutscherDeutscher Manfred Bockenfeld
DeutscherDeutscher Frank Mill

Weblinks[Bearbeiten]