Robert Harting

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Robert Harting Leichtathletik
Robert Harting

Robert Harting (2008)

Nation Deutschland
Geburtstag 18. Oktober 1984
Geburtsort CottbusDeutsche Demokratische Republik
Größe 201 cm
Gewicht 126 kg
Beruf Sportsoldat
Karriere
Disziplin Diskuswurf
Bestleistung 70,66 m (22. Mai 2012 in Turnov)
Verein SCC Berlin
Trainer Werner Goldmann
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Weltmeisterschaften 3 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Europameisterschaften 2 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Jugendweltmeisterschaften 0 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Spiele
Gold 2012 London 68,27 m
Logo der IAAF Weltmeisterschaften
Silber 2007 Ōsaka 66,68 m
Gold 2009 Berlin 69,43 m
Gold 2011 Daegu 68,97 m
Gold 2013 Moskau 69,11 m
Logo der EAA Europameisterschaften
Silber 2010 Barcelona 68,47 m
Gold 2012 Helsinki 68,30 m
Gold 2014 Zürich 66,07 m
Logo der IAAF Jugendweltmeisterschaften
Silber 2001 Debrecen 62,04 m
letzte Änderung: 14. August 2014

Robert Harting (* 18. Oktober 1984 in Cottbus) ist ein deutscher Diskuswerfer und in dieser Disziplin Olympiasieger sowie amtierender Welt- und Europameister. Zwischen 2012 und 2014 wurde er dreimal in Folge zum Sportler des Jahres in Deutschland gewählt.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Robert Harting wurde als ältester Sohn von Gerd und Bettina Harting in Cottbus geboren. Beide Eltern waren frühere Leistungssportler im DDR-System. Der Vater, ein Offsetdrucker, war ebenfalls Diskuswerfer, die Mutter, eine Krankenschwester, war Kugelstoßerin.[1] Harting hat einen jüngeren Bruder, Christoph (* 1990), der ebenfalls Diskuswerfer ist und 2012 Deutscher Meister (U23) wurde.[2][3]

Harting spielte ab dem zehnten Lebensjahr Handball beim USC Cottbus. Er wechselte ab dem 13. Lebensjahr zum LC Cottbus.[1] Dort ging er mit Erfolg dem Diskuswerfen und Kugelstoßen nach und wechselte als 17-Jähriger 2001 zu LG Nike Berlin. Ab 2004 konzentrierte sich Harting, der die Kugel an die 18 Meter stieß und Vize-Jugendmeister in dieser Disziplin geworden war, nur noch auf das Diskuswerfen.[4]

Robert Harting lebt in Berlin, wo er als Stabsunteroffizier/Feldwebelanwärter[5] Sportsoldat der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist. Er gehört dem Sportklub SC Charlottenburg an[6] und studiert an der Universität der Künste Berlin[7] Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.[8] Zu seinen Hobbys zählt er die Abstrakte Malerei.[1]

Er ist mit der Diskuswerferin Julia Fischer liiert.

Sportliche Erfolge[Bearbeiten]

2001 wurde Harting Vize-Jugendweltmeister. Deutscher Jugendmeister war er zudem von 2001 bis 2003 im Diskuswerfen und 2003 auch im Kugelstoßen. 2006 wurde er U23-Europameister. In diesem Jahr nahm er auch an den Europameisterschaften in Göteborg teil. Dort verfehlte er aber, mit 59,87 m auf Platz 13 liegend, knapp das Finale der besten Zwölf.

2007 folgte seine bis dahin erfolgreichste Saison. Im Juli wurde er in Erfurt mit 63,79 m Deutscher Meister. In den beiden Jahren zuvor war er Vizemeister geworden, und im Jahr 2004 hatte er den vierten Platz belegt.

Im August folgte schließlich die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Ōsaka. Er gewann dort mit 66,68 m überraschend die Silbermedaille und musste sich nur dem Esten Gerd Kanter geschlagen geben.

2008 konnte Harting, wie auch in den Folgejahren, seinen Deutschen Meistertitel verteidigen. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking belegte er den vierten Platz.[9]

Harting nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 2011 in Daegu

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin wurde Harting mit einer Weite von 69,43 m Weltmeister und feierte damit seinen bis dahin größten sportlichen Erfolg. Im folgenden Jahr errang er bei den Europameisterschaften 2010 in Barcelona die Silbermedaille. 2011 verteidigte er in Daegu seinen Weltmeistertitel mit einer Weite von 68,97 m und widmete die Medaille seinem in Afghanistan gefallenen Bundeswehrkameraden Markus Matthes.[10][11]

Nachdem er die ganze Saison über Kniebeschwerden hatte, wurde er im Oktober 2011 an der Patellasehne operiert,[12] die ihm aber weiterhin Probleme bereitete.[13]

Harting übertraf am 19. Mai 2012 bei den Werfertagen in Halle (Saale) zum ersten Mal die 70-Meter-Marke und steigerte damit seine persönliche Bestleistung auf 70,31 m.[14] Drei Tage später verbesserte er seine Bestmarke beim Leichtathletik-Meeting in Turnov nochmals auf 70,66 m.[15] Harting trat bei den Europameisterschaften 2012 in Helsinki an und wurde mit einer Weite von 68,30 m zum ersten Mal in seiner Karriere Europameister.[16]

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann Harting mit einer im fünften Versuch erzielten Weite von 68,27 m die Goldmedaille.[17] Es war der erste Olympiasieg in der Leichtathletik für Deutschland seit dem Jahr 2000.

Harting verteidigte bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau mit einer erreichten Weite von 69,11 m ein weiteres Mal seinen Weltmeistertitel. Auch bei den Europameisterschaften 2014 in Zürich sicherte er sich mit einer Weite von 66,07 m erneut den Titel, sein fünfter in Folge bei Großereignissen. Im September 2014 zog er sich beim Lauftraining einen Kreuzbandriss zu.[18]

Leistungsentwicklung[Bearbeiten]

2003 59,54 m
2004 64,05 m
2005 66,02 m
2006 65,22 m
2007 66,93 m
2008 68,65 m
2009 69,43 m
2010 69,69 m
2011 68,99 m
2012 70,66 m
2013 69,91 m
2014 68,47 m

Kontroverse[Bearbeiten]

Vor den Weltmeisterschaften in Berlin 2009 befürwortete Harting die Freigabe von Doping-Mitteln.[19] Während der Weltmeisterschaften in Berlin äußerte sich Harting kritisch zu einer Aktion von Doping-Opfern der DDR. Teil dieser Aktion war die Verteilung von Pappbrillen an die Zuschauer, um plakativ auf den im Verborgenen weiter stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen[19]. Hierzu kommentierte Harting: „Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen die Brillen springen, damit die wirklich nichts mehr sehen.“[20] Die Äußerung wurde sowohl vom Deutschen Leichtathletik-Verband als auch von der Öffentlichkeit scharf kritisiert. Der DLV-Vizepräsident Eike Emrich ließ jedoch in einer Stellungnahme folgendes verlauten: „Mit der Bitte um Nachsicht führt Robert Harting an, dass die Anspannung des Qualifikations-Wettkampfes nachwirkte und zu unakzeptablen Äußerungen geführt hatte. Dies wurde dadurch verstärkt, dass Diskussionen um die Dopingproblematik in der Vergangenheit wiederholt seine Konzentration auf die Vorbereitung gestört hatten.“ Robert Harting spielte mit seinen Äußerungen auf die Kritik an seinem Trainer Werner Goldmann an, der mit Doping zu DDR-Zeiten in Verbindung gebracht wurde.[21]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Robert Harting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Löer, Wigbert: Schleuder-Trauma. In: stern, 2. August 2012, Nr. 32 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  2. Ergebnis DM-U23,abgerufen am 9. August 2012
  3. Breiding, Theo ; Arlt, Sebastian: Duell unter Brüdern. In: Berliner Morgenpost, 17. Juli 2010, Nr. 192, S. 22.
  4. Robert Harting. In: Internationales Sportarchiv 01/2011 vom 4. Januar 2011, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 26/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  5. Nominierte Bundeswehrsportler PDF
  6. Der andere Harting in: Potsdamer Neueste Nachrichten vom 1. September 2011
  7. ..UdK Berlin wünscht ihrem Studenten Robert Harting alles Gute für Olympia 2012... auf UdK Berlin, abgerufen am 8. August 2012
  8. Diskus-Goldjunge Harting: Alles in Buddha! in: Berliner Kurier vom 24. August 2011
  9. 19.08.: Fünfmal Edelmetall für Deutschland peking.ARD.de, 19. August 2008
  10. Diskuswerfer Harting: Medaille für einen gefallenen Freund bundeswehr.de, 31 August 2011
  11. Jens Hungermann: Leichtathletik: Die klaren Worte von Weltmeister Robert Harting welt.de vom 30. August 2011
  12. Operierter Harting: «Fühle mich richtig gut» news.de, 23. Oktober 2011, abgerufen am 13. August 2012
  13. Diskus-Recke Harting auf dem Weg zum Triple spox, 1. Juli 2012, abgerufen am 14. August 2012
  14. Diskus-Weltmeister Harting knackt die 70-m-Marke Focus online vom 19. Mai 2012, abgerufen am 20. Mai 2012
  15. Robert Harting legt nach
  16. Endstand EM 2012
  17. Endergebnisse Diskus Olympia 2012, abgerufen am 8. August 2012 (englisch).
  18. Kreuzbandriss bei Robert Harting Sport1.de, 11. September 2014, abgerufen am 1. September 2014.
  19. a b Eklat bei Leichtathletik-WM: Harting beleidigt Dopingopfer spiegel.online vom 18. August 2009
  20. Thomas Hahn: Wüster Angriff gegen Dopingopfer SZ vom 18. August 2009
  21. DLV-Stellungnahme vom 18. August 2009 Deutscher Leichtathletik-Verband
  22. Verleihung des Verdienstordens
  23. Silbernes Lorbeerblatt 2012
  24. Harting schlägt Vettel. Süddeutsche.de, 16. Dezember 2012, abgerufen am 16. Dezember 2012.
  25. Sportler des Jahres: Obergföll, Harting und FC Bayern. zdfsport.de, 15. Dezember 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.