Ronnie James Dio

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Ronnie James Dio (2009)

Ronnie James Dio, eigentlich Ronald James Padavona (* 10. Juli 1942 in Portsmouth, New Hampshire; † 16. Mai 2010 in Houston), war ein US-amerikanischer Hard-Rock- und Heavy-Metal-Sänger (der Bands Elf, Rainbow, Black Sabbath, DIO und Heaven and Hell) und galt in diesem Bereich der Musik als einer der bedeutendsten Rocksänger. Er machte die Mano cornuta im Heavy Metal bekannt.[1]

Werdegang[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Ronnie James Dio 2009

Dio spielte ab seinem fünften Lebensjahr auf Drängen seines Vaters Trompete und Bassgitarre. Im Jahre 1957, im Alter von 14 Jahren, spielte er zum ersten Mal in einer Band. Es handelte sich um die Schulband The Vegas Kings aus Cortland. Der Bandname wechselte über Ronnie & The Rumblers in Ronnie and the Red Caps.

Um 1960 benutzte Dio zum ersten Mal den Künstlernamen Dio (italienisch für „Gott“). Laut eigener Aussagen in Interviews nutzte er das Pseudonym in Anlehnung an einen Mafioso aus Florida namens Johnny Dio, der ihn zu der Zeit beeindruckte.

Nach erneutem Wechsel des Bandnamens in Ronnie Dio and the Prophets erschienen diverse Singles und ein erstes Album, mit dem Titel Dio at Domino’s. Die Aufnahme entstand im Szene-Lokal Domino’s Restaurant, einem beliebten Tanztreff in Cortland, für den die Band längere Zeit spielte und so erste lokale Bekanntheit erlangte. Das Repertoire enthielt neben wenigen Eigenkompositionen hauptsächlich Chartmusik der 1950er und 60er Jahre.

Elf[Bearbeiten]

Die Band Ronnie Dio & The Prophets hatte bis zum Jahr 1967 Bestand. Neben einigen Besetzungswechseln änderte man auch den Namen in The Electric Elves. Einer Anekdote zufolge entstand der Name aufgrund einer Hänselei des damaligen Gitarristen Dick Botoff, der sich darüber lustig machte, dass der zweite Gitarrist Nick Pantas aufgrund seiner geringen Körpergröße und seiner Schuhe wie ein Elf aussehe. Fortan trug dieser den Spitznamen „Elf“. Das optische und akustische Erscheinungsbild der Band wandte sich allerdings mehr und mehr ab vom Pop hin zum Rock.

Am 12. Februar 1968 wurde die Band in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem Gitarrist Nick Pantas ums Leben kam. Alle Insassen wurden verletzt. Dio selbst schlug mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des Wagens und trug Verletzungen davon.

Erst im Mai des Jahres spielte man wieder zusammen. Man strich das Wort „Electric“ aus dem Bandnamen und nannte sich fortan The Elves. Dieser Name hatte bis ins Jahr 1972 hinein Bestand.

Zu Beginn der 1970er Jahre tourte die Band durch College-Kneipen und erstellte Material für ein erstes Studioalbum, zu dem ihr jedoch ein Plattenvertrag fehlte. Eines Abends wurden Ian Paice und Roger Glover von Deep Purple Zeuge eines Auftrittes der Band und boten ihr an, die Platte zu produzieren. Das erste, schlicht Elf genannte Album erschien. Aufgrund der Beziehung zu Paice und Glover konnte sie, nun unter dem Namen Elf, als Vorgruppe von Deep Purple auf deren US-Tour 1972 auftreten.

Nach erneuten Besetzungswechseln gab Dio den Bass auf, um sich auf seinen Gesang zu konzentrieren. Die Band wechselte für die Produktion ihres zweiten Albums den Standort und zog nach England um. Als Produzent fungierte erneut Roger Glover, auf dessen Solo-Projekt Butterfly-Ball and the Grasshopper’s Feast Dio ein paar Songs interpretierte. 1974 erschien die zweite Platte von Elf. Man gab ihr zwei verschiedene Titel, Carolina County Ball in Europa und LA / 59 in Amerika und Japan. In dieser Zeit wurde das Interesse von Ritchie Blackmore, dem Gitarristen von Deep Purple, an Dio geweckt. Das dritte und letzte Album der Band Elf erschien 1975 unter dem Titel Trying to Burn the Sun. Die Platte erlangte Bekanntheit innerhalb der Rockszene.

Rainbow[Bearbeiten]

Ronnie James Dio (links) mit Ritchie Blackmore 1977

Noch während der Arbeiten am Album entstanden in Zusammenarbeit von Dio und Blackmore zwei Songs, die auf einer Single erscheinen sollten: Black Sheep of the Family und Sixteenth Century Greensleeves. Die Single erschien jedoch nicht, vielmehr formierte Ritchie Blackmore, der Deep Purple verlassen hatte, den Rest der Band Elf zu seinem neuen Projekt Rainbow. Mit dieser Band nahm Dio mehrere erfolgreiche Alben auf, darunter auch Klassiker wie „Rainbow Rising“ und „Live on Stage“. Die Band ging international auf Tour und konnte einige Bekanntheit erlangen.

1976 wurde das Verhältnis zwischen Dio und Blackmore zunehmend belastet, da beide zunehmend unterschiedliche musikalische Ziele verfolgen wollten. In einem Interview äußerte Dio, er sei dem gitarrenorientierten Heavy Rock zugeneigt gewesen, während Blackmore Rainbow kommerzieller ausrichten wollte. Ende 1978 trennten sich die Wege der beiden, als Blackmore sämtliche Mitglieder außer Cozy Powell entließ, obwohl die Band gerade an einem Album arbeitete.

Black Sabbath und Solo[Bearbeiten]

Dio schloss sich daher ab November Black Sabbath an, die einen Ersatz für Ozzy Osbourne suchten. Er nahm mit der Band die Alben Heaven and Hell und Mob Rules auf. Aufgrund persönlicher Differenzen trennte sich der Sänger nach drei Jahren wieder von Black Sabbath und gründete im Oktober 1982 seine eigene Band Dio.

Der Stil seiner nach ihm benannten Band kann als eine Melange von Rainbow und Black Sabbath angesehen werden: Ein dynamischer Hard Rock bzw. Metal mit Texten, die meist mystisch, geheimnisvoll und voller Rätsel sind und sich durch eine expressive Bildersprache auszeichnen. Die Gruppe nahm Album-Klassiker wie Holy Diver, The Last in Line und Dream Evil auf.

Nach einem weiteren kurzen Zwischenspiel bei Black Sabbath (1991–1993) war Ronnie James Dio weiterhin der Sänger und Bandleader von Dio.

Hear ’n Aid[Bearbeiten]

Erwähnenswert ist auch das von Dio gestartete Projekt Hear ’n Aid (1986). Nach dem Vorbild von Band Aid brachte Dio verschiedene Musiker des Hardrocks und Heavy Metals zusammen, um den Song Stars aufzunehmen. Mitwirkende Musiker an dem Projekt waren u. a. Queensrÿche-Sänger Geoff Tate, Dave Murray und Adrian Smith von Iron Maiden, Rob Halford von Judas Priest, Yngwie J. Malmsteen, Don Dokken (Dokken) Paul Shortino (Rough Cutt), Eric Bloom und Donald „Buck Dharma“ Roeser von Blue Öyster Cult, Neal Schon und viele andere.

Heaven And Hell[Bearbeiten]

Ronnie James Dio bei einem Auftritt mit Heaven and Hell

2007 war Dio mit seinen Ex-Black-Sabbath-Kollegen Tony Iommi, Geezer Butler und Vinnie Appice unter dem Namen Heaven and Hell auf Tournee. Am 24. April 2009 erschien das erste und zugleich letzte Album von Heaven And Hell mit dem Titel The Devil You Know.

Erkrankung und Tod[Bearbeiten]

Am 25. November 2009 gab seine Frau bekannt, dass Ärzte bei ihm Magenkrebs im Frühstadium entdeckt hätten.[2] Am 16. Mai 2010 verstarb Ronnie James Dio im Alter von 67 Jahren, nachdem er sich im April noch optimistisch gezeigt hatte, den Krebs zu besiegen.[3][4] Kurz vor Dios Tod sagte seine Band Heaven & Hell ihre komplette Tour ab, wovon auch zahlreiche Festivals und Konzerte im deutschen Sprachraum betroffen waren.[5] Mitglieder seiner ehemaligen Band sind u. a. mit Tim Owens als die Band Dio Disciples unterwegs, in der sie Ronnie James Dios bekannteste Songs live aufführen.

Diskografie[Bearbeiten]

Elf

  • Elf (1972)
  • L.A.59/Carolina County Ball (1974)
  • Trying to Burn the Sun (1975)

Roger Glover

  • The Butterfly Ball (1974)

Rainbow

  • Ritchie Blackmore’s Rainbow (1975)
  • Rainbow Rising (1976)
  • Rainbow on Stage (1977)
  • Long Live Rock’n’Roll (1978)
  • Live in Germany 1976 (1990)
  • Live in Munich 1977 (2006)
  • Live in Düsseldorf 1976 (2006)
  • Live in Cologne 1976 (2006)
  • Live in Nürnberg 1976 (2006)

Black Sabbath

Kerry Livgren

  • Seeds of Change (1980)

Dio

Heaven & Hell

  • Live from Radio City Music Hall (Doppel-CD) (2007)
  • The Devil You Know (2009)
  • Neon Nights: 30 Years of Heaven & Hell – Live in Europe/Neon Nights – Live at Wacken (Deutscher Titel) (2010)

Deep Purple & the London Symphony Orchestra

  • Live at the Royal Albert Hall (1999)

Deep Purple

  • Live at the Rotterdam Ahoy 30th October 2000 (2001)

Sonstiges

  • Hear ’n Aid (Benefiz-Sampler) – Stars (1985)
  • Dr. X (Gesangsrolle) auf Queensrÿches Operation Mindcrime II (2004)
  • Kickapoo – Tenacious D
  • God Rest Ye Merry Gentlemen auf dem Metal-Weihnachtslied-Sampler We Wish You a Metal Xmas and a Headbanging New Year (2008)

Filme
Dio hat einen kurzen Auftritt in Kings of Rock von Tenacious D. Der jugendliche Darsteller von Jack betet in dieser Szene ein Plakat an, auf dem Dio abgebildet ist, nachdem sein Vater (gespielt von Meat Loaf) sein Zimmer von sonstigen Rockband-Plakaten „gesäubert“ hat. Dio antwortet dem Jungen und erteilt ihm den Auftrag, nach Hollywood zu gehen und die größte Rockband aller Zeiten zu gründen. Auch im Dokumentarfilm Metal – A Headbanger’s Journey von Sam Dunn hatte Dio einen Auftritt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sam Dunn, Scot McFadyen, Jessica Joy Wise: Metal – A Headbanger’s Journey (Interview mit Ronnie James Dio auf dem Wacken Open Air)
  2. roadrunnerrecords.com
  3. Todesmeldung auf roadrunnerrecords.com
  4. Visions.de: Ronnie James Dio – Gestern verstorben
  5. Heaven & Hell sagen komplette Tour ab – Nova Rock, Sonispheres, Optimus Alive High Voltage und Bloodstock betroffen, abgerufen am 3. Juni 2011

Weblinks[Bearbeiten]