Rum

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Dieser Artikel behandelt das alkoholische Getränk Rum; zu anderen gleichnamigen Bedeutungen siehe Rum (Begriffsklärung).

Rum (wahrscheinlich abgeleitet vom englischen Dialektwort rumbullion, „Aufruhr, Tumult“[1]) ist ein alkoholisches Getränk. Er wird aus Melasse, seltener aus frischem Zuckerrohrsaft gewonnen. Abgewandelte Produkte sind Rum-Verschnitt (in Deutschland; es müssen mindestens 5 % Rum enthalten sein, der Rest kann neutraler Alkohol aus anderen Rohstoffen sein) und Inländer-Rum (in Österreich; wird aus Rumalkohol und Aroma hergestellt). Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 Volumenprozent.[2][3]

Rum wird in der Karibik, in Mittelamerika, Südamerika sowie den Philippinen, Australien, Madagaskar, Mauritius, Indien, Réunion, den Kanaren, Kap Verde und in einigen anderen Ländern produziert.

In Norddeutschland und Skandinavien beruht die frühe Popularität von Rum auf den intensiven Handelsaktivitäten der sogenannten dänischen Westindienflotte, die ihren Haupthafen im 18. Jahrhundert in der damals dänischen Rumhandelsstadt Flensburg hatte und durch Handelsschiffe Rum aus der Karibik und insbesondere von den Jungferninseln nach Europa importierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Europa des 15. Jahrhunderts war Rum zwar bekannt, denn nachdem die Christen Granada erobert hatten, kannten sie das Getränk, sie waren aber nicht in der Lage, den süßen Saft aus der Melasse des Zuckerrohrs herzustellen. Christoph Columbus hatte die Pflanze auf seiner zweiten Reise nach Amerika (1493) auf Hispaniola eingeführt. Dem widerspricht allerdings das Tagebuch Pizarros, der in ebendiesem Jahr in der bestehenden Zuckerrohrernte/Rumherstellung bei Motril arbeitete. Erst sehr viel später sollte die damals einzige zuckerliefernde Pflanze ihre Reise nach Brasilien und in die um 1500 neugewonnenen Kolonien der Europäer beginnen und dort Fuß fassen. Man kam schnell auf die Idee, daraus Rum zuzubereiten. Die erste urkundliche Erwähnung fand das Getränk um 1650 als „rumbullion“ (engl. etwa: großer Tumult) sowie am 8. Juli 1661 durch den Gouverneur von Jamaica. Bereits 1667 wurde dieses Getränk „ron“ (kastilisch) bzw. „rhum“ (französisch) genannt. Etwa seit dieser Zeit erhielten Angehörige der Royal Navy täglich um die Mittagszeit eine Rum Ration, die jeweils etwa 70 Millilitern umfasste und erst 1970 abgeschafft wurde (zuvor hatten die englischen Seeleute Anspruch auf Bier gehabt). Seit 1740 erhielten die Matrosen den Rum dann im Verhältnis 1:4 vermischt mit heißem Wasser. Nicht zuletzt durch diesen Brauch wurde Rum, oft als Grog getrunken, weltweit zu einem typischen Seefahrergetränk.

Industrielle Produktion[Bearbeiten]

Als die Begründer der modernen Rumherstellung gelten Don Bacardi und Felice Presto, die den Prozess der Herstellung des weißen Rums nahezu gleichzeitig um 1850 auf den karibischen Inseln Kuba und Jamaika entwickelten. Die bis 1890 sehr bekannte Presto Destillery auf Jamaika wurde von Einheimischen zerstört, was den finanziellen Ruin der kleinen, aber doch weit bekannten Destillerie bedeutete. Spätere Versuche von Prestos Cousin, Gregory Nissen, die Brennerei wieder aufzubauen und sie in altem Glanze erstrahlen zu lassen, blieben erfolglos. Bacardi hingegen ist auch heute noch der weltgrößte Hersteller der Rum-Spirituose.

Herstellung[Bearbeiten]

Zuckerrohrfeld
Melasse

Ein Gemisch von Melasse (bei industriellem Rum) oder gehäckseltem Zuckerrohr, Zuckerrohrsaft und Wasser ergibt die Maische. Diese Maische wird fermentiert und damit zur Gärung gebracht und hat danach einen Alkoholgehalt von etwa 4 % bis 5 %. Dieser Zuckerwein wird destilliert. Das Destillat hat dann einen Alkoholgehalt von 65 % bis 75 %. Mit destilliertem Wasser verdünnt, erhält man weißen Rum. Die eigentliche Herstellung von Rum ist damit abgeschlossen. Darüber hinaus finden häufig Lagerungen in gebrauchten Holzfässern (z. B. aus der Whiskey-Herstellung) statt, um dem Rum eine eigene Geschmacksnote zu verleihen. Um weißen Rum besserer Qualität zu erhalten, wird dieser mehrere Monate in Edelstahlfässern gelagert.

In Eichenfässern gelagert, verliert der weiße Rum Alkohol, nimmt Geschmacksstoffe der Fässer auf und erhält eine dunklere Farbe. Für braunem Rum wird auch Zuckercouleur oder Karamellsirup zum Färben benutzt. Brauner Rum ist aromatischer als weißer und weist eine eher süßliche Note auf.

Im Gegensatz zur Cachaça oder zum Rhum agricole wird als Ausgangsprodukt in den meisten Fällen Melasse, nicht frischer Zuckerrohrsaft, verwendet. Verbrauchsfertig wird der Rum mit destilliertem Wasser auf meistens 40 %, 50 % oder 55 % Alkoholgehalt verdünnt.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

  • Original Rum – importiert, wird unverändert verkauft (bis zu 74 %),
  • Echter Rum – Original Rum, wird hier auf Trinkstärke (min. 37,5 %) herabgesetzt,
  • Overproof Rum - Rum mit einem Alkoholgehalt über 57,15 %, wird hauptsächlich zum Mixen von Cocktails verwendet,
  • Flensburger Rum-Verschnitt – braune Mischung aus Rum, Wasser und Neutralalkohol, die mindestens 5 % Original-Rum enthält, Alkoholgehalt mindestens 37,5 % (meist 40-42 %), angewendet von Flensburger Rumhäusern wie Pott, Balle, Hansen, Asmussen, Johannsen, da im 18. Jahrhundert ein hoher Einfuhrzoll auf Spirituosen erhoben wurde, und bis heute bei deutschen Rumhäusern gang und gäbe,
  • Kunst-Rum (in Österreich: Inländer-Rum) – mit üblicherweise 38 % eines der zahlreichen Fabrikate und in Deutschland synonym für den Inländer-Rum ist der Stroh Rum mit auch 60 % und 80 %,
  • Blended Rum - Mischung verschiedener Original-Rums,
  • Flavoured Rum - in entsprechendem Extraktionsverfahren aromatisierter Rum (min. 37,5 % - bei geringerem Alkoholanteil als "Spirituose - " bzw. "Likör auf Rumbasis bezeichnet [Bsp.: Cpt. Morgan Spiced Gold oder Bacardi Oak Heart]), [Bsp. für echten Flavoured Rum: Clement Orange],
  • Rhum Agricole - nur geringer Anteil an der gesamten Rumproduktion (etwa 3 %), in den französischen Überseedépartements (Réunion, Martinique, Guadeloupe) und auch auf Haiti übliche sogenannte 'landwirtschaftliche Herstellung' aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft [Bsp.: Barbancourt, Clément, Depaz, J.M., La Favorite, La Mauny, Neisson, Sainte Etienne, St. James, Trois Rivières, Isautier, Rivière du mat, Savanna]

Qualität[Bearbeiten]

Guter Rum zeichnet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Zuckerrohrbränden durch eine lange Reifung in Holzfässern aus, ähnlich Whisky oder Cognac. Je länger das Destillat im Holzfass reift, desto abgerundeter erscheint sein aromatisches Geschmacksbild. Ein Nebeneffekt ist die erst gelbliche, dann braune Färbung, die das zunächst farblose Destillat dabei annimmt. Allerdings sollte man sich von der Farbe nicht täuschen lassen. Viele Hersteller färben ihren Rum nachträglich mehr oder weniger stark mit Zuckercouleur (z. B. Bacardi Black), um eine gleichbleibende Färbung zu garantieren. Andersherum kann auch farbloser „weißer“ Rum eine Zeit lang in Edelstahlfässern gereift sein (typisch: 6–30 Monate). Falls in Eichenfässern gereift, entziehen ihm einige Hersteller durch Filtrierung die Farbe.

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Rhum agricole wird Rum genannt, der auf den französischen Antillen hergestellt wird. Er unterscheidet sich von normalem Rum vorrangig durch seine Herstellung aus frischem Zuckerrohrsaft. Diverse weitere Hersteller benutzen ebenso dieses Verfahren.
  • Martinique-Rum: Für das Departement gibt es das Décret vom 5. November 1996, nach dem ein „Rhum Vieux Agricole“ mit Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) hergestellt werden kann. Folgende Qualitätsstufen sind festgelegt:
    • Weißer Rum (Rhum Agricole AOC blanc) muss mindestens 3 Monate in Edelstahlfässern gelagert werden, um Sauerstoff aufzunehmen und um sich zu homogenisieren.
    • AOC (rhum paille oder rhum ambré) muss mindestens 1 Jahr in Eichenfässern lagern.
    • Mindestens drei Jahre gelagerter Rum wird "alter Rum" (rhum vieux agricole) genannt. Es gibt folgende drei Qualitätsstufen:
      • VO mindestens 3 Jahre in Eichenfässern gelagert
      • VSOP mindestens 4 Jahre in Eichenfässern gelagert
      • XO mindestens 6 Jahre in Eichenfässern gelagert.

Darüber hinaus gibt es Rum "hors d'age", der meistens 10 Jahre und länger gelagert ist. Eine Flasche Rum dieser Jahrgangssorten kann leicht mehrere 100 € kosten. Die verschiedenen Destillerien verwenden Fässer unterschiedlicher Provenienz, teilweise neue Fässer, teilweise solche in denen früher Bourbon Whiskey in den USA gereift wurde oder alte Bordeaux- und Cognacfässer. Dadurch erhält der Rum aus verschiedenen Destillerien verschiedene Geschmacksnoten.

  • Jamaika-Rum zeichnet sich durch einen sehr kräftigen, würzigen Geschmack aus, der manchmal als scharf empfunden wird. Minderwertige Qualitäten sind wegen dieser Geschmacksintensität pur fast nicht trinkbar und werden in der Regel mit Wasser (Grog) oder anderem Alkohol gemischt (verschnitten). Höherwertige Brände werden in Cocktails oder auch pur genossen.
  • Rum-Verschnitt beruht auf der Tradition alter Flensburger Rumhandelshäuser, den aus Dänisch-Westindien importierten Jamaika-Rum mit Monopolalkohol und Wasser auf Trinkstärke zu verschneiden. Der Jamaika-Rum war dazu besonders wegen seines intensiven Geschmacks geeignet. Flensburg gehörte lange Zeit zu Dänemark.
  • Als „Tschechischer Rum“ wurde früher ein aus Zuckerrüben gewonnener Brand bezeichnet. Nach dem EU-Beitritt Tschechiens heißt dieses Getränk nunmehr Tuzemak anstatt Rum.

Marken[Bearbeiten]

Darüber hinaus gibt es noch viele Rum-Marken, die auf den alten „Habitations“ (Gütern) hergestellt werden. Hierzu wird der destillierte Rum von einer der sieben Destillerien gekauft und in der Habitation in Eichenfässern gereift (weißer Rum in Edelstahlfässern gelagert) und später dort abgefüllt. Bekannte Marken sind:

Museum[Bearbeiten]

Flensburg, als einzige historische deutsche Rum-Metropole mit ehemals über 300 Brennereien, verfügt über ein Rum-Museum, das die Herstellung, die Geschichte des Rums und des Deutsch-Dänisch-Westindischen Rum-Handels beschreibt. Ebenfalls interessant sind die Informationen zu Flensburg als ehemals größten europäischen Rumherstellungs- und Handelsstandort. Das Museum befindet sich im Schifffahrtsmuseum Flensburg, direkt an der Flensburger Schiffbrücke.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anatoly Liberman: The Rum History of the Word “Rum” (Beitrag in seinem Blog The Oxford Etymologist, 6. Oktober 2010)
  2. Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008, Anhang II, 1. Rum (siehe auch: Spirituosen bei www.was-wir-essen.de)
  3. Mindestalkoholgehalt von Spirituosen – Die Bundesbehörde der Schweizerischen Eidgenossenschaft