Tom Corbett

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Tom Corbett (2013)
Corbetts Unterschrift

Thomas Wingett „Tom“ Corbett, Jr. (* 17. Juni 1949 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und seit dem 18. Januar 2011 Gouverneur des Bundesstaates Pennsylvania.

Frühere Jahre und politischer Aufstieg[Bearbeiten]

Ausbildung und juristische Laufbahn[Bearbeiten]

Tom Corbett wurde am 17. Juni 1949 in Philadelphia geboren. Sein Vater Thomas Corbett Sen. (1905–1995) verdiente sich als Anwalt und amtierte von 1965 bis 1970 als stellvertretender Attorney General von Pennsylvania.[1] Corbett studierte Pädagogik am Lebanon Valley College, was er im Jahr 1967 erfolgreich abschloss. Danach war er ein Jahr lang als Lehrer tätig. Im Jahr 1968 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der St. Mary's University Law School, wo er 1971 erfolgreich seinen Abschluss erwarb. Von 1971 bis 1984 diente er in der 28. Infanteriedivision der Pennsylvania Army National Guard, wo er bis zum Captain aufstieg. Seine juristische Laufbahn im öffentlichen Dienst begann im Jahr 1976 als Assistent des Distriktstaatsanwalts. In dieser Funktion lag sein Schwerpunkt vor allem auf der Anklage und Verurteilung von Personen, denen der Straftatbestand Vergewaltigung zur Last gelegt wurde. Vier Jahre später, im Jahr 1980, erhielt er eine Beförderung zum Assistenten des Bundesstaatsanwalts. Ab 1983 war Corbett für mehrere Jahre in der Privatwirtschaft als Rechtsanwalt tätig. 1988 wurde er damit beauftragt, die gerichtliche Kontrolle des Allegheny County Gefängnis zu betreuen. Kurz darauf, im Mai 1989, wurde er von US-Präsident George Bush zum dann Bundesstaatsanwalt für den westlichen Distrikt von Pennsylvania ernannt. Zum Zeitpunkt seiner Ernennung war Corbett mit knapp 40 Jahren der jüngste Bezirksstaatsanwalt in seinem Bundesstaat. Dieses Amt hatte er bis Mai 1993 inne, als er vom neuen Präsidenten Bill Clinton, einem Demokraten, in dieser Funktion ersetzt wurde. Danach war Corbett erneut als Rechtsanwalt in der Privatwirtschaft tätig.[2]

Rund acht Jahre, von 1997 bis 2005, zwischen seinen Amtszeiten als Attorney General seines Heimatbundesstaates, war Corbett als privater Anwalt tätig. Zunächst fungierte er als juristischer Berater der Firma Waste Management, 1999 eröffnete er seine eigene Kanzlei mit dem Namen Thomas Corbett and Associates, in der er bis zu seiner Kandidatur als Attorney General von Pennsylvnia arbeitete.[3][2]

Attorney General von Pennsylvania (1995–1997 und 2005–2011)[Bearbeiten]

Im Oktober 1995 trat der bisherige Attorney General von Pennsylvania Ernie Preate nach Korruptionsvorwürfen zurück. Gouverneur Tom Ridge ernannte Corbett daraufhin zum Nachfolger von Preate. Obwohl der Attorney General des Bundesstaats für vier Jahre durch die Bürger gewählt wird, hatte der Gouverneur für den Rest der Amtszeit einen neuen Mandatsträger zu ernennen, weil die Verfassung des Bundesstaates keine gesonderte Nachwahl vorsieht. Seine Ernennung musste allerdings auch von der State Legislature bestätigt werden. Dabei knüpften die Demokraten ihre Zustimmung an die Bedingung, dass sich Corbett nach Ablauf der Amtsperiode nicht zur Wiederwahl stellen würde. Bei dieser Gegebenheit handelt es sich in Pennsylvania um eine gängige Praxis: Amtsträger, wie in Positionen vom Gouverneur ernannt wurden, die eigentlich durch Wahlen besetzt werden, treten nach Ablauf der Amtszeit nicht zur Wiederwahl an. Im November 1996, als die nächste turnusgemäße Wahl des Attorney Generals anstand, trat Corbett also nicht für eine Bestätigung an. Im Januar 1997 schied er daher aus der Regierung aus. Sein Nachfolger wurde Mike Fisher. Seine erste Dienstzeit als Attorney General, die nur etwas mehr als ein Jahr weilte, war ohne besondere Vorkommnisse.[3]

Im November 2004 kandidierte er für das Amt des Attorney Generals und gewann diese Wahl gegen den Demokraten Jim Eisenhower mit 50,4 Prozent der Stimmen knapp. Im Januar 2005 kehrte Corbett folglich erneut in das Amt des Attorney Generals zurück. Am 4. November 2008 wurde er mit 52,3 Prozent in diesem Amt wiedergewählt. Corbetts Sieg war von hohem medialen Interesse begleitet: Er hatte in Pennsylvania das mit Abstand beste Ergebnis eines Republikaners eingefahren, an einem Tag, der von eher ungünstigen Verhältnissen für seine Partei geprägt war. Parallel fand nämlich die Präsidentschaftswahl 2008 statt, bei der demokratische Kandidat Barack Obama in Pennsylvania eine deutliche Mehrheit auf sich vereinte. Auch die anderen Wahlen an diesem Tag gingen landesweit zu Gunsten der Demokraten aus. Im Januar 2009 begann er seine zweite Amtszeit als Attorney General.

Corbett als Attorney General von Pennsylvania im Jahr 2008

In Corbetts Dienstzeit als Generalstaatsanwalt von Pennsylvania fiel ein aufsehenerregender Missbrauchsskandal an der Penn State University, der auch international eine umfassende mediale Rezeption erfuhr. Dabei wurde dem Football-Trainer Jerry Sandusky der sexuelle Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Im Jahr 2009 berief Corbett in seiner Funktion als Attorney General eine Grand Jury ein, die im Jahr 2012 (nachdem Corbett bereits Gouverneur war) eine Verurteilung Sanduskys zu mehreren Jahrzehnten Gefängnis herbeiführen konnte. Corbett wurde in den Medien und der Öffentlichkeit dafür kritisiert, dass der Urteilsspruch gegen Sandusky erst drei Jahre nach der Einberufung der Grand Jury erfolgte. Zu erheblicher Kritik an Corbett kam es im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal auch, als im Sommer 2012 die Bewilligung von drei Millionen US-Dollar durch den Stab von Gouverneur Corbett an die Organisation The Second Mile bekannt wurde. Diese Non-Profit-Organisation wurde von Sandusky selbst gegründet, um sexuell missbrauchten Kindern zu helfen und spielte eine Rolle bei der Aufdeckung der Vorwürfe. Sandusky selbst verließ The Second Mile jedoch bereits im Jahr 2010. Einige US-Medien bezeichneten die Freigabe der Gelder an die Organisation als absurd.[4] Der frühere FBI-Dirktor Louis Freeh widersprach jedoch den gegen Corbett erhobenen Anschuldigungen. Seiner Meinung nach können Corbett auf sachlicher Ebene keine Vorwürfe bei der Handhabung des Skandals gemacht werden.[5]

Obwohl Corbett während seiner Amtszeit als Gouverneur einer Ausweitung der von Präsident Obama initiierten Gesundheitsreform zustimmte, schloss er sich im März 2010 17 republikanischen Kollegen bei einer Klage vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Reform an. Die republikanischen Attorney Generals argumentierten, das wenige Tage vorher vom Kongress verabschiedete und dem Präsidenten unterzeichnete Gesetz sei verfassungswidrig, da es US-Bürger zum Abschluss einer Krankenversicherung zwinge. Angestrebt wurde die Aufhebung der Reform durch das Gericht. Im Sommer 2012, nachdem sich weitere zehn weitere Bundesstaaten der Klage anschlossen, erklärten die Richter das Gesetz jedoch für verfassungskonform.[6]

Im Januar 2011 legte Corbett nach seiner Wahl zum Gouverneur den Posten als Attorney General nieder. Als Gouverneur ernannte er dann William H. Ryan junior vorrübergehend zum Attorney General.

Kandidatur als Gouverneur 2010[Bearbeiten]

Corbett bei einer Wahlkampfveranstaltung im September 2010

Am 15. September 2009 kündigte Corbett offiziell seine Kandidatur als Gouverneur seines Heimatbundesstaates für die Wahl 2010 an. Im Mai 2010 setzte er sich bei den parteiinternen Vorwahlen der Republikaner gegen den Staatssenator Sam Rohrer durch. Er vereinte 68,7 Prozent der Stimmen auf sich. Als sein Kandidat für das Amt des Vizegouverneurs wurde Jim Cawley aufgestellt, der bei den Vorwahlen um diesen Posten erfolgreich war.

Während des eigentlichen Wahlkampfes im Herbst 2010 sprach sich Corbett gegen Steuererhöhungen aus und versprach keine finanziellen Mehrbelastungen für Bürger und Unternehmen während seiner Amtszeit. Durch die Senkung von Steuern und Deregulierung solle ein wirtschaftsfreundlicheres Klima schaffen, umso Wachstum zu fördern und die Arbeitslosigkeit zu senken. Auch forderte er eine Begrenzung der Staatsausgaben, um so den Haushalt ausgleichen zu können. Dies sollte neben dem Ankurbeln der Wirtschaft durch einen schlanken Staat erreicht werden. Seiner Kampagne verlieh die Grundsätze fiscal discipline, limited government and free enterprise (in etwa fiskalpolitische Diszplin, schlanker Staat und möglichst wenig staatliche Regulierung der Wirtschaft).

Bei der Gouverneurswahl in Pennsylvania am 2. November 2010 siegte Corbett mit 54,5 Prozent der Stimmen über den Demokraten Dan Onorato, der 45,5 Prozent der Stimmen erhielt. Corbett erhielt in 63 der 67 Countys des Bundesstaats eine Mehrheit. Während des gesamten Wahlkampfes konnte Corbett nahezu alle Meinungsumfragen anführen. Sein Triumph wurde auch durch die allgemeine Stimmungslage in den USA begünstigt: Auch bei den Wahlen zum Kongress verbuchten die Republikaner deutliche Zugewinne.

Gouverneur von Pennsylvania[Bearbeiten]

Governor's Mansion in Harrisburg, Residenz des Gouverneurs von Pennsylvania
Corbett posiert im März 2011 bei einer Parade mit einem Elektrofahrzeug

Am 18. Januar 2011 wurde Tom Corbett im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zum 46. Gouverneur von Pennsylvania vereidigt. Auch sein Kandidat für das Amt des Vizegouverneurs Jim Cawley legte an diesem Tag den Eid ab. Er löste damit den Demokraten Ed Rendell ab, der nach zwei Amtsperioden verfassungsgemäß nicht mehr kandidieren durfte.

Wirtschafts- und Finanzpolitik[Bearbeiten]

Unmittelbar nach seiner Amtsübernahme wurde Corbett mit einem hohen Haushaltsdefizit konfrontiert. Besonders durch die Finanzkrise ab 2007 war die Wirtschaft des Bundesstaats stark angeschlagen. Da Corbett Steuererhöhungen ablehnte, kündigte er an, die Staatsausgaben zu senken. Sein erstes Budget sah eine Kürzung der Staatsausgaben um drei Prozent vor. Im Sommer 2011 legte der Gouverneur den ersten termingerechten Haushalt seit acht Jahren vor. Die Verabschiedung des Haushalts wurde dem Gouverneur auch durch die Mehrheiten der Republikanischen Partei in beiden Kammern der State Legislature erleichtert.[7]

In den ersten drei Jahren seiner Amtsperiode wurden in Pennsylvania etwa 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Vergleich mit den anderen Bundesstaaten über denselben Zeitraum liegt Pennsylvania damit auf Rang 47 von 50, was die Zahl der neu geschaffenen Stellen angeht. Dennoch sank die Arbeitslosenquote während seiner Amtszeit von 8,2 auf 5,6 Prozent.[8]

Im Rahmen von multinationalen Gesprächen zu wirtschaftlichen Themen unternahm Corbett im März 2012 eine Europareise. Neben Südfrankreich wurde er auch als offizieller Gast in Stuttgart und Düsseldorf empfangen.[9]

Bildungspolitik[Bearbeiten]

Die Bildungspolitik der Corbett-Regierung, besonders deren Finanzierung, führte zu einer starken Polarisierung der Öffentlichkeit in Pennsylvania. Im März 2011, während den Verhandlungen mit der Legislative über den nächsten Jahreshaushalt (der stets am 30. Juni beginnt), kündigte Corbett die Streichung von rund einer Milliarde US-Dollar aus dem Bildungsetat an. Diese Entscheidung wurde äußerst kontrovers diskutiert und brachte dem Gouverneur erhebliche Kritik ein. Corbett begründete den Schritt mit dem Auslaufen von Geldern der amerikanischen Bundesregierung in Washington. Die demokratische Vorgängerregierung unter Gouverneur Rendell hatte tatsächlich finanzielle Mittel, die zeitlich begrenzt waren, aus dem von Präsident Obama im Jahr 2009 initiierten Konjunkturprogramm in den Bildungsetat des Bundesstaats fließen lassen. Corbett bezeichnete es als unmöglich, die ausfallenden Gelder der Bundesregierung auf einmal aus dem Haushalt des Staats Pennsylvania finanzieren zu können, ohne zu diesem Zweck weitere Schulden aufzunehmen. Forderungen der Demokraten nach Steuererhöhungen oder der Einführung neuer Steuern lehnte Corbett mit Verweis auf seine Wahlkampfversprechen von 2010 ab. Auch wies er Kritik von Lehrergewerkschaften zurück. Diesen warf der Gouverneur im Sommer 2014 vor, Gelder in Millionenhöhe auszugeben, um zu verbreiten, er selbst habe die Kürzungen im Bildungsetat zu verantworten. Diese Darstellungen der Gewerkschaften bezeichnete Corbett als unwahr und rein politisch motiviert.[10]

In allen folgenden Haushaltsjahren erhöhte der Bundesstaat die Bildungsausgaben wieder. Nach Angaben der Corbett-Regierung sind die Ausgaben für Bildung im Jahr 2014 auf dem höchsten Stand in der Geschichte des Bundesstaats. Im Fiskaljahr 2014-15 wurden außerdem zusätzliche finanzielle Mittel für die Ausbildung von psychisch Behinderten bereitgestellt.[11][12]

Am 24. September 2014 unterzeichnete Gouverneur Corbett ein Gesetz zur Einführung einer lokalen Zigarettensteuer, deren Erlöse direkt in Bildungseinrichtungen fließen sollen. Das Gesetz sieht eine Sondersteuer von zwei US-Dollar auf jede Schachtel Zigaretten vor. Innerhalb der republikanischen Parlamentsfraktionen war diese Maßnahme nicht unumstritten. Corbett bezeichnete die Finanzierung der Schulen im Raum Philadelphia über die neue Steuer als Notwendigkeit, die sich nicht für den üblichen Parteienstreit eigne.[13]

Privatisierung des Wein- und Likörverkaufs[Bearbeiten]

Gouverneur Corbett bei einer öffentlichen Rede im März 2014

Im Januar 2013 kündigte Gouverneur Corbett an, den vom Bundesstaats betriebenen Verkauf von Wein und Likören privatisieren zu wollen. Corbett bezeichnete den Vertrieb durch die öffentliche Hand nicht mehr als zeitgemäß, da bereits 48 US-Bundesstaaten den Verkauf dieser Produkte privatisiert haben.[14] Obwohl das Repräsentantenhaus des Bundesstaats das Vorhaben bereits billigte, stimmte der Staatssenat trotz Corbetts Drängen bis Herbst 2014 noch nicht zu, da auch republikanische Senatoren dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen.

Gesundheitspolitik[Bearbeiten]

Obwohl Corbett zu Beginn seiner Amtszeit einer Ausweitung der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama kritisch gegenüberstand, stimmte er im Februar 2014 einer Erweiterung im Bundesstaat Pennsylvania zu. Im August 2014 legte seine Regierung dazu konkrete Pläne unter dem Titel Healthy PA vor, wonach insbesondere das Programm Medicaid mehr Menschen zugänglich gemacht werden soll. Im September 2014 stimmten die zuständigen Bundesbehörden dem Gesundheitskonzept der Corbett-Regierung zu. In Anlehnung an Barack Obamas Gesundheitsreform, die als Obamacare bekannt wurde, prägte die US-Öffentlichkeit für Corbetts Vorhaben die Bezeichnung Corbettcare.[15]

Gesellschaftspolitik und Kontroversen[Bearbeiten]

Recht auf Schwangerschaftsabbruch[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2012 wurde in Pennsylvania eine kontroverse Gesetzesinitiative diskutiert, die Frauen vor einem Schwangerschaftsabbruch zu einer Ultraschalluntersuchung verpflichtet hätte. Der Gouverneur sprach sich für Umsetzung des Vorschlages aus. Bei einer Pressekonferenz wurde er gefragt, ob man Frauen zu einer Betrachtung eines Ultraschallbildes eines Fötus gesetzlich zwingen könne. Corbett verneinte dies mit der Bemerkung, der Betrachter müsse nur seine Augen schließen, wenn er es nicht sehen wolle. In der Öffentlichkeit und den Medien wurde Corbett für seine Aussage daraufhin scharf kritisiert. Andere Stimmen, darunter auch sein demokratischer Vorgänger Ed Rendell, verteidigten Corbett. Der Gouverneur selbst kritisierte die Berichterstattung der Medien. Diese hätten seine Äußerungen aus dem Kontext gerissen. Letztlich verwarf die Legislative des Bundesstaates das Vorhaben.[16]

Gleichgeschlechtliche Ehe[Bearbeiten]

Wie auch zahlreiche andere republikanische Politiker steht Corbett gleichgeschlechtlichen Ehen äußerst skeptisch gegenüber. Im Oktober 2013 geriet er in die Kritik, als er bei einer Fragerunde im Fernsehen zu seiner Haltung über gleichgeschlechtliche Ehen befragt wurde und diese offenkundig mit Inzest verglich. Die vom Gouverneur gemachte Bemerkung wurde in der Öffentlichkeit vielfach als herablassend und unangemessen angesehen. Corbett erwiderte, er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass sowohl die gleichgeschlechtliche Ehe als auch Inzest im Bundesstaat Pennsylvania nach geltender Rechtslage nicht legal seien. In einer öffentlichen Erklärung entschuldigte sich Corbett dennoch für seine Aussage. Jedoch übte er auch Kritik an den Medien, die seine Bemerkung außerhalb des Kontexts zitiert hätten.[17]

Einige Monate später, im Mai 2014, erklärte ein amerikanischer Bundesrichter das Verbot der gleichgeschlechtliche Ehe in Pennsylvania für verfassungswidrig. Damit ist fortan die Schließung von gleichgeschlechtlichen Ehen zulässig.[18] Obwohl Politiker aus der Republikanischen Partei die Regierung von Pennsylvania aufforderten, gegen das Urteil in Berufung zu gehen, lehnte Corbett eine Anfechtung der richterlichen Entscheidung ab.[19]

Legalisierung von Cannabis[Bearbeiten]

Im Sommer 2014 kamen erstmals Meldungen auf, dass sich nach Colorado auch in Pennsylvania eine Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken abzeichnet. Sogar republikanische Mitglieder der State Legislature sprachen sich für ein solches Vorhaben aus. Auch Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung Pennsylvanias eine solche Legalisierung befürwortet. Da Corbett jedoch eine Legalisierung von Cannabis, das er als Einstiegsdroge bezeichnete, jeglicher Art ablehnt, kündigte er gegen ein solches Gesetz seinen Widerstand an.[20] Bereits im April 2013 hatte Corbett im Rahmen eines Hörfunkinterviews für Aufsehen gesorgt, nachdem er als einen der Gründe für längere Arbeitslosigkeit die mangelnde Bereitschaft mancher Jobsuchender, einen erfolgreichen Drogentest zu absolvieren, nannte. Besonders Politiker aus den Reihen der Demokratischen Partei nahmen dies zum Anlass, die Argumente des Gouverneurs als unzureichend zu kritisieren.[21]

Öffentliches Ansehen[Bearbeiten]

Bedingt durch eine als langsam empfundene Erholung der Wirtschaft in Pennsylvania und Kontroversen in Bildungs- und Gesellschaftspolitik sank Corbetts öffentliches Ansehen in vielen Umfragen seit Beginn seiner Amtszeit deutlich. Auch ist eine starke Polarisierung der Öffentlichkeit zur Person Tom Corbett über Parteigrenzen hinweg zu beobachten. Im Februar 2013 beurteilten nur noch 26 Prozent der Befragten Bürger des Bundesstaats die Amtsführung ihres Gouverneurs als positiv.[22] Im November 2013 bewerteten 65 Prozent der Befragten die Arbeit des Gouverneurs negativ.[23] Bei einem Fernsehduell mit seinem demokratischen Herausforderer Tom Wolf im September 2014 räumte Corbett eigene Fehler bei seiner Öffentlichkeitsarbeit ein, die unter anderem zu seinen niedrigen Umfragewerten geführt hätten.[24]

Gouverneurswahl 2014[Bearbeiten]

Tom Corbett bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit am 8. November 2013

Am 8. November 2013 kündigte Corbett seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit als Gouverneur an. Am 20. Mai 2014 wurde er bei den republikanischen Vorwahlen einstimmig zum Kandidaten der Partei gewählt. Als sein Running Mate wurde erneut Vizegouverneur Jim Cawley aufgestellt, zu dem es parteiintern keinerlei Opposition gab.

Wenige Wochen zuvor hatte der Staatsgerichtshof des Bundesstaates die Gegenkandidatur des parteiinternen Herausforderers Bob Guzzardi wegen eines Formfehlers in dessen Wahlunterlagen für unzulässig erklärt. Die Führung der republikanischen Parteiorganisation in Pennsylvania hatte diese Klage selbst angestrengt, um eine parteiinterne Gegenkandidatur zum Amtsinhaber zu verhindern, obgleich Guzzardi faktisch keine Chancen auf einen Vorwahlsieg eingeräumt wurden. Der Unternehmer und politische Aktivist Guzzardi hatte Corbetts Amtsführung als nicht konservativ genug kritisiert. Er warf dem Gouverneur öffentlich vor, in vielen Themenbereichen mehr die Politik der Demokraten zu betreiben, anstatt eine „konservative Agenda“ voranzutreiben. Corbett selbst und sein Wahlkampfteam äußerten sich offiziell nicht zu Guzzardis Kritik.[25][26]

Bei der Wahl am 4. November 2014 tritt Corbett gegen den Demokraten Tom Wolf an. In den zwischen Januar und Oktober erhobenen Umfragen lag der Amtsinhaber bislang stets zurück, obwohl sich seine Werte etwas verbesserten.[27]

Privatleben[Bearbeiten]

Susan Corbett (2014)

Corbett ist seit 1972 mit seiner Frau Susan verheiratet. Das Ehepaar hat einen erwachsenen Sohn sowie eine ebenfalls erwachsene Tochter. Im Jahr 2014 waren die Corbetts dreifache Großeltern. Mit seiner Frau lebt er in seiner Heimatstadt Shaler Township im Westen Pennsylvanias. Seit seinem Amtsantritt als Regierungschef des Bundesstaats steht ihm auch die offizielle Residenz des Gouverneurs (Governor's Mansion) in Harrisburg zur Verfügung.

Corbett gehört der katholischen Kirche an. Außerdem ist er Mitglied der National Rifle Association.[28]

Im Februar 2014 unterzog sich Corbett nach einem Leistenbruch einer Operation. Während des gut einstündigen Eingriffs übertrug er die Ausübung der Regierungsgeschäfte kommissarisch auf Vizegouverneur Cawley.[29]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tom Corbett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas W. Corbett sen. Find a Grave, abgerufen am 20. Oktober 2014 (englisch).
  2. a b Thomas W. Corbett Jr. Pennsylvania State Law, abgerufen am 20. Oktober 2014 (englisch).
  3. a b Tom Corbett. Ballotpedia, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  4. Buzz Bissinger: Penn State's New Villain: Pennsylvania Gov. Tom Corbett. Newsweek, 21. November 2011, abgerufen am 18. Oktober 2014 (englisch).
  5. Jennifer Storm: Corbett got the Jerry Sandusky case right. Pilly.com, 19. Juli 2012, abgerufen am 18. Oktober 2014 (englisch).
  6. Kerri Panchuk: Seven states join Texas in health care fight. Dallas Business Journal, 14. Mai 2010, abgerufen am 18. Oktober 2014 (englisch).
  7. Ron Southwick: Corbett's budget cuts basic aid to Pennsylvania public schools. PennLive, 8. März 2011, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  8. John Luciew: Pennsylvania's unemployment rate plunge a political boon for Gov. Corbett's re-election hopes? PennLive, 7. März 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  9. Landesverband der baden-württembergischen Industrie: Besuch von Gouverneur Tom Corbett (Pennsylvania) in Stuttgart
  10. Steve Esack: Corbett Contends He Didn’t Cut Education in New Ad. The Morning Call, 5. Februar 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  11. Ed Mahon: Did Gov. Corbett really cut $1 billion from education? York Daily Record, 15. September 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  12. Nick Field: Gov. Corbett lays out budget proposal. Politics PA, 9. September 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  13. Steve Esack: Corbett signs Philly cigarette tax. The Morning Call, 25. September 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  14. Sue Gleiter: Liquor privatization: Pa. Gov. Corbett wants to shut state-run stores, auction licenses. PennLive, 30. Januar 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  15. Dan Mangan: Pennsylvania to expand Medicaid under Obamacare program. CNBC, 28. August 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  16. Robert J. Wickers: Pennsylvania Governor Tom Corbett under fire for defending bill that requires ultrasound before an abortion. PennLive, 15. März 2012, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  17. V. Waltz: Gov. Corbett apologizes after equating gay marriage to incest. Fox43, 5. Oktober 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  18. Greg Bothelo: Federal judge rules same-sex marriage ban in Pennsylvania is unconstitutional. CNN, 21. Mai 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  19. The Associated Press: Gay marriage in Pa.: Gov. Tom Corbett won't appeal ruling that lifted state's ban. PennLive, 21. Mai 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  20. Pennsylvania vor Legalisierung von medizinischem Marihuana. Wall Street Online, 8. September 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  21. Ron Southwick: Gov. Tom Corbett says drug users add to unemployment, and Democrats pounce. PennLive, 30. April 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  22. Joel Mathina: Tom Corbett is Least Popular Governor in Poll’s History. Philadelphia Magazine, 7. Februar 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  23. Tom Jensen: Corbett's numbers just keep getting worse. Public Policy Polling, 26. November 2013, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  24. Tom Fitzgerald: Corbett hits Wolf hard in first of 3 debates. Pilly.com, 24. September 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  25. Larry Mendte: Bob Guzzardi: Tom Corbett is a Democrat. Philadelphia News and Opinion, 25. April 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  26. Peter Jackson: Corbett's GOP foe Bob Guzzardi ordered off Pa. primary ballot. Daily Times, 1. Mai 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  27. Pennsylvania Governor Polling: Tom Corbett vs. Tom Wolf. RealClearPolitics, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).
  28. Tom Corbett endorsed by the NRA. TomCorbettforGovernor.com, abgerufen am 18. Oktober 2014 (englisch).
  29. Gov. Corbett recuperating after successful surgery. The Morning Call, 27. Februar 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014 (englisch).