Zotzenheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Zotzenheim
Zotzenheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Zotzenheim hervorgehoben
49.8741666666677.9688888888889105Koordinaten: 49° 52′ N, 7° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Sprendlingen-Gensingen
Höhe: 105 m ü. NHN
Fläche: 3,18 km²
Einwohner: 628 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55576
Vorwahl: 06701
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 068
Adresse der Verbandsverwaltung: Elisabethenstraße 1
55576 Sprendlingen
Webpräsenz: www.zotzenheim.de
Ortsbürgermeister: Alexander Strack
Lage der Ortsgemeinde Zotzenheim im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
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Blick von Zotzenheim aufs Zotzenheimer Horn
Blick von Zotzenheim aufs Zotzenheimer Horn

Zotzenheim in Rheinhessen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Sprendlingen hat.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte und Mittelalter[Bearbeiten]

Die frühzeitliche Geschichte von Zotzenheim ist eng mit der benachbarten Siedlung Sprendlingen verbunden. Als um 500 die Franken das Land in Besitz nahmen und wurde Zotzenheim zur Urmark Sprendlingen zugeteilt, wo auch eine königlich-fränkische Villa stand. Von da aus ist vermutlich auch in der Folgezeit (etwa um 650 n. Chr.) nach Freigabe des Brachlandes zur Rodung das Dorf Zotzenheim als Vollfreiensiedlung entstanden.

Bereits im Jahre 771 wird das heutige Zotzenheim erstmals urkundlich erwähnt: Das Kloster Fulda erhält einen Weinberg in „Zarezanheim“, gelegen im Wormsgau, zum Geschenk. Vom 12. Jahrhundert an heißt es gewöhnlich schon „Zozenheim“ und „Zotzenheim“ doch kommt auch noch „Zozinheim“ (1133) und „Cotzinheim“ (1405) vor. Im Jahre 1133 kaufte Erzbischof Adalbert I. von Mainz von einem Edelmann namens Hugo ein Gut in Dorfe Zotzenheim im Nahegau in der Grafschaft des Grafen Emicho von Schmidtburg, welches er dem Mainzer Domkapitel schenkte. Von diesem letzten Gaugrafen des Nahegaus scheint Zotzenheim an die Wild- und Raugrafen gekommen zu sein und später an die Grafen von Sponheim.

Schon im 14. Jahrhundert gehörte es zur Vorderen Grafschaft Sponheim, welche zuletzt in Gemeinschaftsbesitz von Kurpfalz und Baden war, bis der im Jahre 1701 zwischen Pfalz und Baden abgeschlossene Tauschvertrag dieser Gemeinschaft ein Ende machte. Infolge hiervon kam Zotzenheim im Jahre 1708 zur Kurpfalz und wurde dem Oberamt Kreuznach zugeteilt, bei welchem es bis zur französischen Besetzung des Linken Rheinufers im Jahre 1794 verblieb. An die folgende Zeit unter französischer Herrschaft erinnern noch die französischen Standesamteinträge bis zum Jahre 1814. Im Jahre 1816 kam Zotzenheim an das Großherzogtum Hessen.

Im Jahre 1316 bestand in Zotzenheim bereits eine Pfarrkirche, von der die Kirche zu Welgesheim abhängig war. Diese Pfarrkirche war dem heiligen St. Martin geweiht. Dass die Kirche zu Zotzenheim in ihrer Entstehung sehr alt ist, beweist ein prächtiger karolingischer Türsturz, der an der Westseite dieser in gotischer Zeit umgebauten Kirche angebracht ist. 1316 stand die Kirche unter dem Archidiakonat des Propstes zu St. Maria außerhalb Mainz und gehörte zum Dekanat Partenheim.

Das Patronatsrecht über die Kirche hatten die Raugrafen auszuüben. Im Jahre 1404 aber verschenkten die Brüder Johann und Friedrich, Wildgrafen zu Dhaun und Rheingrafen zum Stein ihr Patronatsrecht dem Kollegialstift auf dem Johannesberg bei der Burg Dhaun. Erzbischof Johann II. von Mainz bestätigte noch im selben Jahre diese Schenkung und inkorporierte zugleich die Pfarrkirche zu Zotzenheim dem genannten Kollegialstift. Diese Inkorporation wurde durch Papst Innocent VII. im Jahre 1405 ebenfalls bestätigt.

Neuzeit[Bearbeiten]

Durch die Glaubensspaltung trat in den kirchlichen Verhältnissen eine wesentliche Änderung ein. Die Reformierten verdrängten die Katholiken aus der Kirche, nahmen sie für sich alleine in Besitz und stellten einen eigenen Prediger an. Erst im Jahre 1689 wurde den Katholiken das Mitbenutzungsrecht der Kirche eingeräumt und seit dieser Zeit wieder katholischer Gottesdienst durch einen Augustiner-Chorherren aus Pfaffen-Schwabenheim gehalten. Die Katholiken gehörten nunmehr zur Pfarrei Welgesheim.

Bei Aufhebung der Propstei Pfaffen-Schwabenheim, im Jahre 1802 und der Neueinteilung der Diözese Mainz wurden die der Pfarrei Sprendlingen zugeteilt. Die Kirche zu Zotzenheim blieb bis zum Bau einer eigenen katholischen Kirche im Jahre 1900 Simultankirche. Der Zehnte war stets mit dem Patronatsrecht verbunden. Ein Teil davon aber scheint seit dem 15. Jahrhundert, ein rheingräfliches Lehen der Grafen zu Ingelheim gewesen zu sein. Wie im Jahre 1419 Philipp von Ingelheim und dessen Vetter Karl bekundeten. Sie bezogen ihren Anteil bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Der kleine Zehnte stand dem reformierten Pfarrer zu.

Eine adlige Familie führte von Zotzenheim ihren Namen. So erscheint 1226 ein Dieterich und 1299 ein Theoderich von Zotzenheim in Urkunden. Die Einwohnerzahl des Dorfes Zotzenheim betrug im Jahre 1705 174 (davon 112 reformierte, 56 katholische, 6 lutherische) um 1800 waren es 266. Im Jahre 1910 375 Seelen und 1950 waren es 451. In bürgerlicher Beziehung hat die Gemeinde seit 1838 eine alleinige Bürgermeisterei, vorher wurde die Gemeinde Welgesheim mit verwaltet.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorfgemeinschaftshaus

1894 erfolgte der Umbau des alten Schulhauses in den heutigen Zustand. 1900 wurde die katholische Kirche erbaut und ein erstes Wasserleitungsnetz gelegt. 1901 wurde der Turn und Sportverein gegründet, welcher in den folgenden Jahren, besonders im Handball große Erfolge erzielte. 1903 erfolgte die Regulierung des Wiesbaches, dessen ursprünglicher Lauf dabei näher an Zotzenheim gerückt wurde. Auch der bis dahin um das Dorf führende, von hohen, mächtigen Effen umsäumte Graben wurde dabei zugeworfen, die Bäume weggehauen. Der Graben war wohl ein Überbleibsel aus der früheren Anlage zur Befestigung des Dorfes zum Schutz gegen äußere Feinde. 1906 wurde die Feldbereinigung durchgeführt. 1972 wurde durch eine Verwaltungsreform die Verbandsgemeinde Sprendlingen - Gensingen gebildet, welcher auch Zotzenheim angehört, von jetzt an besuchten die Kinder aus Zotzenheim, die Schulen in Sprendlingen. 1974 wurde das Schulgebäude zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. 1975 wurde ein erstes Neubaugebiet "Hinter der Hecke" ausgewiesen welches 1986 erweitert wurde. 1985 wurde ein Kindergarten errichtet welcher von den Kindern Zotzenheims und der Nachbargemeinde Welgesheim besucht wird.

1986 wurden alle Ortsstraßen neu ausgebaut und die Wasserleitungen komplett erneuert. Ein 1990 begonnenes Gewerbegebiet "Am neuen Graben" wurde 1996 erweitert. 1996 wurde mit der Ausweisung des Neubaugebietes "In der Mühlgasse" begonnen, wurde aber nicht beendet. Ab 2004 wurde ein Neubaugebiet "An den sechs Morgen" erschlossen und bebaut. Ein im Jahr 2003 neu errichtetes Dorfgemeinschaftshaus dient der Bürgerbegegnung und dem regen Vereinsleben: Turnverein mit Handballabteilung, Ballett- und Gymnastikgruppen, Karnevalverein, Kirchenchor, Bauernverein, Landfrauenverein, Freiwillige Feuerwehr.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Zotzenheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 296
1835 357
1871 362
1905 388
1939 401
Jahr Einwohner
1950 444
1961 402
1970 428
1987 481
2005 656

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Zotzenheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Martin

Sport[Bearbeiten]

An der Kreuznacher Straße befinden sich ein Asche-Handballplatz und ein Sportlerheim. Der HSG Zotzenheim/St. Johann/Sprendlingen ist ein erfolgreicher Handballverein, der aus dem TV Zotzenheim 1901 hervorging und schon mehrfach in der dritten Handballliga gespielt hat.

Laienspielgruppe „Flexibel“[Bearbeiten]

Die Laienspielgruppe wurde 1995 gegründet, da sich der Kirchenchor mangels Nachwuchs aufgelöst hatte. Das erste Stück hieß „Die goldene Hochzeit“ und wurde am 24. November 1995 uraufgeführt. Durch den Erfolg dieses Stückes waren alle Schauspieler begeistert und arbeiteten weiterhin zusammen. Daraufhin entstanden weitere Spielstücke:

  • Je oller je doller
  • Mord im Hühnerstall

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Am ersten Mai findet nahe der Napoleonshöhe, dem Gipfel des Zotzenheimer Horns, im Volksmund auch „Hörnchen“ genannt, das so genannte Feuerwehrfest statt.
  • Im Mai am Wochenende zu Christi Himmelfahrt findet ein überregionales Folkfestival statt. Im Jahr 2006 u.a. mit den Bands Paddy Goes To Holyhead, Dhalia's Lane, Galahad und WirrWarr.
  • Am zweiten Wochenende im Juli findet in Zotzenheim eine Kirchweih (Rummel) mit Weinzelt, einigen Ständen und Handballturnier statt.
  • Besonders bekannt ist Zotzenheim für die ZDF (Zotzenheimer Dorf-Fassenacht). Jährlich finden vier Sitzungen im Dorfgemeinschaftshaus statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Winzer[Bearbeiten]

In Zotzenheim sind sechs große Winzer ansässig:

  • Weingut Werner Pitthan
  • Weingut Philipp Schnell
  • Weingut Siebenhof
  • Weingut Scheffer
  • Weingut Saulheimer
  • Weingut Sankt Petrus

und außerdem noch mehrere kleine Winzer und Hobbywinzer.

Andere Betriebe[Bearbeiten]

In dem Industriegebiet außerhalb Zotzenheims in der Straße Am neuen Graben haben sich mehrere kleine Betriebe niedergelassen, u. a. die Spedition Sand Barth.

Verkehr[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zotzenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen