Guntersblum

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Dieser Artikel behandelt die Ortsgemeinde. Zum Reichsgrafen und badischen Standesherrn siehe Wilhelm Carl zu Leiningen-Guntersblum.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Guntersblum
Guntersblum
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Guntersblum hervorgehoben
49.7972222222228.345555555555689Koordinaten: 49° 48′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Rhein-Selz
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 16,71 km²
Einwohner: 3720 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 223 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67583
Vorwahl: 06249
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 024
Adresse der Verbandsverwaltung: Sant' Ambrogio-Ring 33
55276 Oppenheim
Webpräsenz: www.guntersblum.eu
Ortsbürgermeister: Reiner Schmitt
Lage der Ortsgemeinde Guntersblum im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild
Blick auf Guntersblum von den westlichen Weinbergen aus

Guntersblum ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Main-Gebiet im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie war von 1972 bis 2014 Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Guntersblum, der sie auch angehörte. Seit dem 1. Juli 2014 gehört Guntersblum der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an. In Guntersblum befindet sich eine Verwaltungsstelle der Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Guntersblum ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Guntersblum liegt geographisch auf der linken Rheinseite zwischen Mainz und Worms in Rheinhessen, an der

Die Gesamtfläche der Gemarkung umfasst: 1.668 ha. 1373 ha werden land- und forstwirtschaftlich genutzt, davon 550 ha weinbaulich.

  • Großlagen: Guntersblumer Vögelsgärten und Oppenheimer Krötenbrunnen.
  • Einzellagen: Steinberg, Authental, Steigterassen, Bornpfad, Kreuzkapelle, Eiserne Hand, St. Julianenbrunnen, Sonnenhang.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Ortseinfahrt des Guntersblumer Ortsteils Guntersblum am Rheindamm auf der K 43

Neben der eigentlichen Ortsgemeinde Guntersblum gibt es noch eine circa 3 Kilometer vom Guntersblumer Ortskern entfernte kleinere Siedlung am Rhein. Sie heißt Guntersblum am Rheindamm. Vorhanden sind hier der Guntersblumer Rheinhafen, eine Gaststätte sowie einige Wohngebäude. Verbunden ist dieser Ortsteil mit dem Guntersblumer Ortskern mittels der Kreisstraße 43.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

An Guntersblum grenzen im Uhrzeigersinn die Gemeinden Ludwigshöhe, Gimbsheim, Alsheim, Eimsheim und Uelversheim. Die Gemeinden Ludwigshöhe, Eimsheim und Uelversheim gehörten dabei zur ehemaligen Verbandsgemeinde Guntersblum, die Gemeinden Gimbsheim und Alsheim gehören zur benachbarten Verbandsgemeinde Eich.

Klima[Bearbeiten]

Als Ort in Rheinhessen hat Guntersblum eines der trockensten und wärmsten Klimate in ganz Deutschland. Diese Wärme und die Trockenheit begünstigen dabei auch den hier in hohem Maße betriebenen Weinanbau.

Geschichte[Bearbeiten]

9. bis 10. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die früheste Erwähnung Guntersblums (Chunteres Frumere) findet sich im Lorscher Codex (Reichsurbar) zwischen den Jahren 830 und 850: Ein königlicher Leibeigener musste einen Zins von 2 Fudern Wein an den Königshof liefern.[3] Am 13. Juni 897 erfolgte eine weitere Erwähnung Guntersblums, bezeichnet als Cundheres prumare (Gunters Pflaumengarten): König Zwentibold bestätigte den Mönchen des Klosters St. Maximin in Trier, dass sie in Guntersblum über Besitz verfügen. Aus diesen Urkunden geht die Deutung des heutigen Ortsnamens hervor: Garten des Gunther mit Pflaumenbäumen.[4]

Der älteste Teil Guntersblums lag hochwasserfrei auf einem Schuttkegel eines Baches und war das fränkische Gut Nordhofen.[5] Diese Siedlung sollte mit Ost- und Westhofen zum Wormser Königshof gehört haben.[6]

Zwischen 922 und 927 stattete der Erzbischof von Köln im (Erzbistum Köln) das Kloster zu den heiligen Jungfrauen und das Ursulastift in Köln mit Besitz aus, darunter mehrere Arpent Feldbesitz in Guntersblum.

13. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1215 verpachtete das Stift Xanten im Erzbistum Köln seine Einkünfte aus der Guntersblumer Kirche (jährlich 12 Fuder Wein, 100 Malter Roggen und 50 Malter Weizen) an den Ritter Herbord von Albig und dessen Sohn Cuselin. Am 18. Februar 1237 verkaufte das Stift Xanten das Patronatsrecht und seinen gesamten Besitz in Guntersblum für 800 marchis sterlingorum an das Domstift Worms mit Zustimmung von Erzbischof Heinrich I. von Köln und des Wormser Bischofs Landolf von Hoheneck.[7] Die Güterteilung erfolgte zwischen den Brüdern Friedrich III. (Leiningen) und Emich IV. von Leiningen-Landeck († 1276 - 1281). Letzterer erhielt den kurkölnischen Lehnshof in Guntersblum. - Zu dieser Zeit entstand das Nibelungenlied mit dem Stammsitz der Nibelungen in Worms und Siegfried, dem Drachentöter aus Xanten. Die Nibelungenforschung befasste sich mit diesen Zusammenhängen zwischen Dichtung und Wahrheit, kam aber noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis.[8]

Vor 1242 wurde Friedrich III. (Leiningen) von den Erzbischöfen von Köln (den Besitzern des Dorfes) mit der Vogtei über Guntersblum belehnt. Ab dann bleibt Guntersblum unter leiningischer Herrschaft und gehörte bis 1316 zum Haus Leiningen. Anschließend ging der Ort bis 1466 an das Haus Leiningen-Hardenburg und danach bis 1572 an das Haus Leiningen-Dagsburg-Hardenburg. Dann gehörte Guntersblum bis 1658 zum Haus Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (in Colgenstein-Heidesheim bei Obrigheim (Pfalz)) und danach bis 1766 zum Haus Leiningen-Dagsburg-Falkenburg in Guntersblum, bis es bis 1787 wieder an das Haus Leiningen-Dagsburg-Hardenburg ging. Ab 1787 gehörte der Ort dem Haus Leiningen-Guntersblum und war Sitz des Reichsgrafenpaares Wilhelm Carl und Eleonore (siehe auch die mit Leiningen-Guntersblum eng verwandte Linie Leiningen-Heidesheim).

Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1797 von Frankreich annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Guntersblum zum Kanton Oppenheim im Departement Donnersberg.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und einem 1816 zwischen Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region und damit auch die Gemeinde Guntersblum zum Großherzogtum Hessen und wurde von diesem der Provinz Rheinhessen zugeordnet. Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Mainz.

Mit dem Rheindurchstich am Geyer begann man im Frühjahr 1827. Die erste Durchfahrt war am 30. April 1829. Mit diesem Kanal ersparte man der Schifffahrt den langen Weg um die Insel Kühkopf. Die Segelschiffe mussten damals noch rheinaufwärts von vier Pferden auf dem Leinpfad gezogen werden.

Die reichsten Bürger durften bei einer Steuerzahlung von mindestens 25 Gulden/Jahr 1834 Wahlmänner für die Zweite Kammer des Großherzoglich Hessischen Landtages (Landstände des Großherzogtums Hessen) wählen:[9]

  • Adloff I., Georg Jacob, Gutsbesitzer
  • Becht, Carl, Adjunkt
  • Frey, Georg, Gutsbesitzer
  • Rösch II., Jacob Wilhelm, Gutsbesitzer
  • Salm, Joseph, Handelsmann
  • Schätzel II., Johann, Gutsbesitzer
  • Schnell, Carl, Gutsbesitzer
  • Weinert III., Wilhelm, Gutsbesitzer

Im Jahr 1852 kam Guntersblum zum neu errichteten Kreis Oppenheim. 1853 wurde die Hessische Ludwigsbahn von Mainz nach Worms gebaut.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 1930 verließen Guntersblum die letzten Besatzungstruppen des Ersten Weltkrieges.

Im März 1945 überrollten amerikanische Panzerverbände Rheinhessen und auch Guntersblum. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Guntersblum im Zuge der Aufwärtsentwicklung in ganz Deutschland zu mehr als doppelter Größe. Mit der Bildung der Besatzungszonen kommt das Gebiet des Kühkopfes nach Hessen.

Im Jahr 1969 kam Guntersblum zum neu gebildeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz im neu entstandenen Landkreis Mainz-Bingen. 1972 wurde Guntersblum Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Guntersblum ist seit dem 1. Juli 2014 der Verbandsgemeinde Rhein-Selz angehörig. Seitdem befindet sich im Leininger Schloss eine Verwaltungsstelle der Verbandsgemeinde Rhein-Selz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Guntersblum; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.539
1835 2.469
1871 1.951
1905 2.240
1939 2.782
1950 3.237
Jahr Einwohner
1961 3.004
1970 3.143
1987 2.988
1997 3.825
2005 3.765
2012 3.720

Religion[Bearbeiten]

Evangelische Kirche

Evangelische Gemeinde[Bearbeiten]

Hauptartikel: St. Viktor (Guntersblum)

Die Kirche wurde um 1100 als dreischiffige Basilika mit zwei Türmen erbaut. Damals besaß das Stift Xanten das Patronat über die Kirche und stellte sie unter den Schutz des Heiligen Viktor. 1617/18 wurde das Kirchenschiff wegen seiner Baufälligkeit abgerissen. 1619 begann der Wiederaufbau. Aufgrund des Dreißigjährigen Krieges erfolgte die Fertigstellung des Gebäudes erst zwischen 1685 und 1688. Im Jahre 1702 stürzte der Südturm (heute mit Uhr) ein. Er wurde in den Jahren 1839-42 wieder aufgebaut. Die beiden Türme der Kirche sind besonders bemerkenswert. Der Stil solcher achtseitigen Gewölbe auf quadratischem Grundriss wurde möglicherweise in Persien begründet und im Armenien des 7. Jahrhunderts weiter entwickelt. Diese orientalische Verwandtschaft führte dazu, dass man sie Sarazenentürme nannte. Türme dieses Stils sind in Deutschland nur fünfmal vorhanden (vgl. Alsheim, Dittelsheim, Worms, Wetzlar). Zu den weiteren Besonderheiten der Kirche gehört der gotische Taufstein. Er ist vermutlich um 1490 entstanden und gehört zu den sogenannten Löwentaufsteinen.

Katholische Kirche

Katholische Pfarrei St. Viktor[Bearbeiten]

Etwa 100 Jahre lang teilten sich die beiden Glaubensrichtungen ein Gotteshaus. Schließlich verhalf die bürgerliche Gemeinde den Katholiken 1844/45 zum Bau einer eigenen Sankt Viktorskirche. Das Kirchengebäude fand seinen Standort auf dem gemeindeeigenen Gelände gegenüber dem Rathaus. Die feierliche Einweihung nahm Bischof Petrus Leopold Kaiser aus Mainz am 16. November 1845 vor. Die Konsekrationsurkunde hängt in der Sakristei der Kirche. Im Juli 1965 konnte der damalige Pfarrer in das kirchengemeindeeigene Pfarrhaus gegenüber der katholischen Kirche einziehen. In den Jahren 1982/83 baute die katholische Pfarrgemeinde weitgehend in Selbsthilfe und aus Spendenmittel ihr Pfarrheim, welches Domkapitular Fahney am 13. März 1983 einweihte.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Das Guntersblumer Rathaus

Der Gemeinderat in Guntersblum besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[10][11]

Wahl SPD CDU FWG GLG/ULG Gesamt
2014 6 6 4 4 20 Sitze
2009 6 7 4 3 20 Sitze
2004 6 5 7 2 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe der Ortsgemeinde Guntersblum e.V.
  • Zur Kommunalwahl 2014 benannte sich die Wählergruppe Grüne Liste Guntersblum (GLG) aus Protest zur Eingliederung der Verbandsgemeinde Guntersblum in die Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim im Rahmen der Kommunal- und Verwaltungsreform 2010 bis 2014, woraus die neue Verbandsgemeinde Rhein-Selz entstand, und der damit fehlenden namentlichen Identitifizierung zu Bündnis 90/Die Grünen Rheinland-Pfalz im Kabinett Dreyer und im Verbandsgemeinderat Rhein-Selz zur Unabhängigen Liste Guntersblum e.V. (ULG) um.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • bis 1999: Gottlieb Spies (SPD)
  • 1999–2009: Rolf Klarner (FWG)
  • seit 2009: Reiner Schmitt (ULG; 2009–2014: GLG)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt im geteilten Schild oben in blau einen rot-bewehrten und -bezungten silbernen Leininger Adler, unten in Silber einen blauen Blumentopf mit fünf grün-bestielten roten Rosen mit roten Butzen.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Museum im Kellerweg
  • Kelterhaus (Kellerweg 20) aus dem 19. Jh., alter Gebäudetrakt im klassischen Gründerzeitstil errichtet, mit imposanter, holzvertäfelter und bemalter Weinprobierstube aus der Zeit, zuletzt als Restaurant betrieben, seit 2000 im Gemeindebesitz, seit 2003 als Museum genutzt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Julianenbrunnen - links im Hintergrund das ehemalige Sommeratelier von Prof. Carl Küstner
  • Der Kellerweg ist eine Guntersblumer Eigentümlichkeit. Etwa einen Kilometer zieht sich am erhöhten Westrand des Ortes die Straße entlang, in der sicher vor Grund- und Hochwasser des Rheins die Weinkeller und Kelterhäuser angelegt sind. Der älteste Keller trägt das Datum 1600. Der Mittelpunkt des Kellerweges bildet der Julianenbrunnen. Seit 1964 feiert die Gemeinde hier alljährlich am letzten und vorletzten Wochenende im August Kellerweg-Fest. Ähnliche Bauanlagen gibt es auch in Österreich, unter dem Namen Kellergasse.
  • Pumpwerksgebäude der Wasserversorgung: Pumpwerk mit Maschinenhaus und Maschinistenwohnhaus, 1906/07 von Wilhelm Lenz (Großherzogliche Kulturinspektion Mainz), Baugruppe in barockisier. Jugendstilformen, die bauzeitlichen Maschinenanlagen sind teilweise erhalten (Gimbsheimer Straße 52). Über das Pumpwerk wird das Wasser des Bechtheimer Kanals in den Rhein geleitet.
  • Das Guntersblumer Rathaus, früher das Leininger Schloss. Erbaut 1708 und erweitert 1787 mit spätbarockem Mansardwalmdachbau.
  • Das Neue Schloss, heute das Schlossgut Schmitt. Erbaut 1787 bis 1789 mit Mansardwalmdachbau mit zusätzlichen Mischformen aus dem Rokoko und Frühklassizismus durch den Reichsgrafen Wilhelm Carl zu Leiningen-Guntersblum. Angrenzend steht außerdem eine Krüppelwalmdachscheune und eine Gartenmauer aus dem 18. Jahrhundert.
  • Der ehemalige Deutschherrenhof, heute das Weingut Frey auf dem Deutschherrenhof. Wohngebäude erbaut Ende 18. Jahrhundert. Mit Vierflügelanlage und spätbarockem Mansardwalmdachbau.
  • Der ehemalige Homburger Hof, heute Weingut Homburger Hof auf dem Homburger Hof. Barocker Mansardwalmdachbau mit einer Dreiflügelanlage aus dem 18. Jahrhundert. Außerdem mit einem Torpfosten aus der Renaissance, erbaut 1671.
  • Der ehemalige Polyscher Hof, Adelshof, mit Ölmühle aus dem 18. Jahrhundert mit spätbarocker Baugruppe und Herrenhaus, Mansarddachbau, Mühlengebäude mit Fachwerk und Krüppelwalmdachbau.
  • Der ehemalige Domhof, ehemaliger Zehnthof, mit barockem Petrusrelief (bezeichnet 1754), erstmalige Erwähnung 1632. 1874 durch Heinrich Schmitt übernommen, dient er heute unter seinen Nachfahren als Weingut. Außerdem historische Zehntscheune erhalten, heute als Flaschenlager genutzt. Außerdem auf dem Grundstück ehemalige Synagoge, als quadratischer Bau, mit Mikwe aus Mitte des 19. Jahrhunderts.
  • Die ehemalige Synagoge, erstmals erwähnt 1744, komplett saniert 1860 bis 1862, letzter jüdischer Gottesdienst an Jom Kippur 1938 (5. Oktober 1938), in der Folge in der Zeit des Nationalsozialismus stark zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg als Wirtschaftsgebäude auf dem Grundstück des Domhofs genutzt, quadratischer Bau, mit Mikwe aus Mitte des 19. Jahrhunderts.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Guntersblum

Parkanlagen[Bearbeiten]

Promenade
  • Im Herzen von Guntersblum befindet sich eine circa 600 Meter lange Promenade. Sie zieht sich von der Hauptstraße der Ortsgemeinde bis zur Julianenstraße an der alten Schule. Früher war diese Anlage ein Graben, in dem allerlei Haushaltsabfälle der früheren Guntersblumer Bürger geleitet wurden und auch entsorgt wurden. Auch stellte er früher die natürliche Grenze Guntersblums dar. Heute finden sich dort vor allem viele hohe Linden, Götterbäume und zahlreiche Büsche. Die Erhaltung und Verschönerung dieser Promenade wird dabei mit hohem Aufwand von der Gemeinde Guntersblum betrieben.
  • Im Rhein befindet sich auf Guntersblumer Höhe das Europa-Reservat Kühkopf-Knoblochsaue. Man konnte bis 2012 mit einer Rheinfähre zum Kühkopf übersetzen. Seit 2013 ist die Fähre außer Betrieb. Nach dem Bemühen der Interessengemeinschaft IG Kühkopf-Fähre soll ab April 2015 ein Fährschiff mit Elektroantrieb in den Sommermonaten von April bis Oktober an Feier- und Brückentagen sowie an Samstagen und Sonntagen verkehren. Die Rheinfähre befindet sich rund ein Kilometer vom Guntersblumer Ortskern entfernt. Sie ist im Guntersblumer Hafen beheimatet, der sich im Ortsteil Guntersblum am Rheindamm befindet. Dabei darf man bei einem Besuch nur unmotorisiert, das heißt höchstens mit einem Fahrrad, die Rheinfähre benutzen.

Sport[Bearbeiten]

Der Guntersblumer Fastnachtsumzug
  • SV 1921 Guntersblum – Mit etwa 450 Mitglieder ist der Fußballverein SV 1921 Guntersblum einer der größten Vereine im Ort. Die erste Mannschaft spielt in der Bezirksliga. Das Vereinsgelände befindet sich an der Alsheimer Straße 67 am Ortseingang von Alsheim kommend.
  • Turnverein 1848 Guntersblum e. V. – Ende 2009 1.194 Mitglieder[12]
  • Tennisklub
  • Wassersportfreunde – Kanuwandersport. Direkt am Rhein gegenüber dem Naturschutzgebiet Kühkopf liegt das Bootshaus der Wassersportfreunde.
  • 1. PBC Guntersblum e.V. – Billardverein, der 2006 gegründet wurde und mittlerweile mit drei Mannschaften am Ligabetrieb in Rheinland-Pfalz teilnimmt.
  • RFG Guntersblum - Radfahrgemeinschaft Guntersblum 1984 e.V.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kellerwegfest am vor- und letzten Wochenende im August mit zahlreichen Besuchern aus dem Umland.
  • Rheinradeln im Mai auf der alten B 9, jetzt die L 439, zwischen Oppenheim und Worms-Herrnsheim. In Guntersblum sind dabei zahlreiche Winzerhöfe, insbesondere an der Strecke in der Hauptstraße und Alsheimer Straße, für die Radler, Skater und Jogger geöffnet.
  • Fastnachtsumzug durch die Straßen des Ortes am Sonntag vor jedem Rosenmontag eines Jahres. Der Fastnachtsumzug in Guntersblum ist mit etwa 60 Zugnummern in jedem Jahr einer der größten in der Region.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Größte
Weinbaugemeinden
im Anbaugebiet
Rang nach
Rebfläche
(innerhalb
von RLP)
Bestockte
Rebfläche
Rebsorten
Weißwein Rotwein
ha  %
Logo von RheinhessenRheinhessen 26.490 69,1 30,9
Worms 3 1.541 62,0 38,0
Nierstein 6 783 75,6 24,4
Alzey 8 769 69,0 30,1
Westhofen 9 764 68,7 31,3
Alsheim 10 704 69,3 30,7
Bechtheim 11 660 71,4 28,6
Ingelheim am Rhein 12 646 47,8 52,2
Flörsheim-Dalsheim 13 635 65,0 35,0
Bingen am Rhein 15 590 73,2 26,8
Saulheim 16 516 74,7 25,3
Osthofen 20 464 67,8 22,2
Guntersblum 21 461 71,8 28,2
Dittelsheim-Heßloch 23 447 70,2 29,8
Stadecken-Elsheim 24 438 71,2 28,8
Quelle: Weinbau 2010. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz


Weinbau[Bearbeiten]

Anfang des 20. Jahrhunderts betrug die Weinanbaufläche ca. 280 Hektar in den Weißwein-Lagen Rost, Kehl, Autental, Wohnweg, Himmeltal, Kachelberg, Muhl, Bornpfad, Erbsenbrunnen, Steig, Gänsweide, Oppenheimer Weg, Eiserne Hand, Vögelsgärten, Steinberg, Enggaß, Hasenweg, Schögerhohl, Sand und Herrngarten. Die Rotweine gedeihen am besten in Hellebaum, Spiegel, Dreißigmorgen, Reiseberg und Wahlheimergewann. Die Traubensorten verteilten sich damals in 60 % Östreicher, 25 % Riesling, 10 % Portugieser und 5% Traminer und andere Sorten. Die Qualität des Weines wurde als „guter kräftiger Wein in den bevorzugten Lagen von blumiger Art und Fülle“ beurteilt. Der Weintrinker vor Ort wurde mit einem Spruch begrüßt und ermahnt: "O Menschenkind, dein hoher Mut, tut hier im Keller selten gut. Wie mancher tat hereinstolzieren, und kroch hinaus aus auf allen Vieren.[13]"[14]

Verkehr[Bearbeiten]

Guntersblum liegt direkt an der Bundesstraße 9, die von Ludwigshafen am Rhein am Rhein entlang, parallel der Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen, nach Mainz führt. Guntersblum liegt im Rhein-Main-Gebiet in der Nähe der Metropolregion Rhein-Neckar.

Es besteht außerdem im Schienenverkehr im Halbstundentakt Anschluss an diese zwei Metropolregionen. 2015 soll hier die S-Bahn RheinNeckar verkehren.

Des Weiteren besteht über das ca. 25 km entfernte Autobahnkreuz Alzey Anschluss an die Autobahnen 61 und 63, welche sich jedoch nur in den Richtungen Koblenz und Kaiserslautern lohnen, da Mainz und Worms bzw. Ludwigshafen schneller und kürzer über die B9 erreicht werden können.

Ferner besitzt Guntersblum über die Linie 432 Anschluss an das Netz der BRN. Die Linie führt dabei vom Guntersblumer Bahnhof über Gimbsheim, Eich, Hamm und Worms-Rheindürkheim zum Wormser Hauptbahnhof.

Die Guntersblumer Carl-Küstner-Grundschule

Einkaufsmöglichkeiten[Bearbeiten]

In Guntersblum gibt es mehrere Bäckereien, Metzgereien, Friseurläden, Supermärkte, Discounter und einen Dönerladen. Auch verschiedene gastronomische Betriebe sind neben den einzelnen Winzerhöfen vorhanden.

Bildung[Bearbeiten]

Die nach dem Guntersblumer Carl Küstner benannte Grundschule zählt ca. 200 Schülerinnen und Schüler. In den Räumlichkeiten der Grundschule ist außerdem die Volkshochschule beheimatet.

Des Weiteren gibt es in Guntersblum die drei Kindergärten Spatzennest, Zwergenpalast und Zukunftswerkstatt[15].

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Guntersblum darf sich seit einem Wettbewerb im Oktober 2007 offiziell SWR1-Gemeinde nennen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Straßenschild der Joh.-Ph.-Kreißler-Straße in Guntersblum

Zu Ehren von Georg K. Glaser, Johann Philipp Kreißler, Ferdinand Adolf Kehrer und Heinrich Paulizky wurden vier Straßen in Guntersblum nach ihren Namen benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Philipp August Pauli: Die römischen und deutschen Alterthümer am Rhein. Abt.: Rheinhessen. Mainz 1820, S. 67.
  • Johann Philipp Bronner: Der Weinbau in Süddeutschland, 2. Heft, Heidelberg 1834, S. 58–60.
  • Karl Anton Schaab: Geschichte der Stadt Mainz. Band 3: Rheinprovinz. Mainz 1847, S. 248–253.
  • Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln: Alte Verbindung zwischen Xanten und Worms. Erster Jahrgang, 1. Heft, 1. Abt. Köln 1855.
  • Ludwig Baur: Hessische Urkunden. 2. Band. Darmstadt 1862, Urkunden 74, 75, 250, 304, 430, 587, 747, 869.
  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Gießen 1905. S. 193–195.
  • Karin Holl: Kreißler – Chrysler, eine Auswanderungsgeschichte. 2001, ISSN 0171-1512.
  • Ingo Runde: Xanten im frühen und hohen Mittelalter. 2003, ISBN 3-412-15402-4, S. 159, S. 375.
  • Literatur über Guntersblum in der Rheinland-Pfälzischen Landesbibliographie

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guntersblum – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Lorscher Codex: Urkunde 3671 (Reichsurbar Gernsheim)
  4. Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 90-91
  5. Karl Anton Schaab: Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 3, Mainz 1847, S. 249
  6. Ernst Stephan: in Mitteilungsblatt 5, 1956, S. 3; E. Christmann:
  7. Johannes Janssen: Alte Verbindungen zwischen Xanten und Worms, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, 1. Jahrg., 1. Heft, 2. Abt., Köln 1855, S. 105
  8. Ingo Runde: Xanten im frühen und hohen Mittelalter, Köln 2003, S. 374
  9. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt für das Jahr 1834, Darmstadt, S. 81 - 135
  10. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  11. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  12. Turner-Ruf – Vereinsnachrichten des Turnverein 1848 Guntersblum e. V., Nr. 304, Juli 2010, S. 8 f.
  13. Joh. Ph. Bronner: Der Weinbau in Süddeutschland. 2. Heft, Heidelberg 1834, S. 58-60
  14. Die Rheinweine Hessens, Rheinhessen und Bergstrasse, Mainz 1927, S. 134–135
  15. Kita „Zukunftswerkstatt“ in Guntersblum offiziell eingeweiht von Andrea Früauff auf allgemeine-zeitung.de vom 13. August 2012