Fichtelberg (Oberfranken)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fichtelberg
Fichtelberg (Oberfranken)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fichtelberg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 0′ N, 11° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bayreuth
Höhe: 685 m ü. NHN
Fläche: 5,16 km2
Einwohner: 1872 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 363 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95686
Vorwahl: 09272
Kfz-Kennzeichen: BT, EBS, ESB, KEM, MÜB, PEG
Gemeindeschlüssel: 09 4 72 138
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gablonzer Str. 11
95686 Fichtelberg
Webpräsenz: www.fichtelberg.de
Bürgermeister: Georg Ritter (CSU)
Lage der Gemeinde Fichtelberg im Landkreis Bayreuth
Landkreis Nürnberger Land Bayreuth Bayreuth Landkreis Hof Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Kulmbach Landkreis Lichtenfels Landkreis Bamberg Landkreis Forchheim Landkreis Tirschenreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Landkreis Amberg-Sulzbach Prüll Warmensteinacher Forst-Nord Waidacher Forst Waidacher Forst Veldensteiner Forst Neubauer Forst-Nord Waischenfeld Lindenhardter Forst-Südost Lindenhardter Forst-Nordwest Langweiler Wald Bayreuth Heinersreuther Forst Goldkronacher Forst Glashüttener Forst Forst Neustädtlein am Forst Gemeindefreies Gebiet Fichtelberg Emtmannsberg Haag (Oberfranken) Seybothenreuth Creußen Warmensteinach Weidenberg Schnabelwaid Prebitz Plech Mistelgau Mistelbach (Oberfranken) Hummeltal Hummeltal Heinersreuth Goldkronach Glashütten (Oberfranken) Gesees Gefrees Eckersdorf Bischofsgrün Bischofsgrün Bindlach Betzenstein Bad Berneck im Fichtelgebirge Speichersdorf Kirchenpingarten Waischenfeld Plankenfels Pegnitz (Stadt) Mehlmeisel Hollfeld Fichtelberg (Oberfranken) Aufseß Ahorntal Bischofsgrüner Forst Pottenstein (Oberfranken)Karte
Über dieses Bild
Fichtelberg (Postkarte um 1910/1920)

Fichtelberg ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth und ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fichtelberg liegt am Südosthang des Ochsenkopfes im Zentralmassiv des Fichtelgebirges und ist der höchste besiedelte Ort im Naturpark Fichtelgebirge. Fichtelberg liegt an einer europäischen Haupt-Wasserscheide. Oberhalb von Neubau entspringen sowohl der Weiße Main, einer der beiden Quellflüsse des Mains, der nach Westen in den Rhein fließt, als auch die Fichtelnaab, die nach Süden fließt und sich mit der Waldnaab und der Haidenaab zur Naab vereinigt, die in die Donau mündet. Seit 1857 gehört Fichtelberg zum Regierungsbezirk Oberfranken.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politische Gemeinde hat drei amtlich benannte Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzige direkt angrenzende Nachbargemeinde ist Mehlmeisel im Süden. Zum größten Teil grenzt die Gemeinde aber an das gemeindefreie Gebiet am Ochsenkopf.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ursprung des Namens Fichtelberg, ebenso wie der des Fichtelgebirges, ist wahrscheinlich im Bergbaugeschehen zu suchen und kommt nicht wie lange vermutet von der dichten Fichtenbewaldung. Zum Zeitpunkt der Namensentstehung war, wie Pollenanalysen zeigen, im nordbayerischen Raum ein Buchen-Tannen-Fichten-Mischwald vorhanden. Erst infolge des Erzbergbaus und der Verhüttung der Metalle wurden die Laubholzarten stark dezimiert und die schneller wachsende Fichte wurde als Rohstofflieferant angepflanzt. Zunächst war der in einer Urkunde von 1317 genannte „Vythenberg“ nur der Berg, an dem sich das Bergwerk St. Veit befand, der heutige Ochsenkopf. Daraus entwickelte sich später das Wort Vichtel oder Fichtel und wurde irgendwann für das gesamte Gebiet des heutigen Fichtelgebirges verwendet. Die erste urkundliche Erwähnung „Viechtlpergs“ datiert aus dem Jahre 1508.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Ortes Fichtelberg ist geprägt von dem Erzabbau durch die Gewerkschaft Erzgrube Gottesgab im Gleißingerfels am Fichtelberg. Um 1600 war das oberste Fichtelnaabtal bei den heutigen Orten Neubau und Fichtelberg noch mit einer unwegsamen Waldwildnis bedeckt. Funde, wie ein 1922 auf dem Ochsenkopf entdeckter Serpentinanhänger oder ein Steinbeil, das 1935 östlich von Fichtelberg ausgegraben wurde, deuten darauf hin, dass das Gebiet um Fichtelberg bereits in der Jungsteinzeit, zumindest zum Jagen, von Menschen durchstreift wurde. Das Ausbleiben weiterer Funde schließt eine dauerhafte Besiedlung bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts jedoch aus. Die steilen Hänge und die deutlich ansteigende Höhenlage mit dem rauen Klima und wenig fruchtbaren Boden verhinderten sie. Der Eisenerzbergbau im oberen Fichtelnaabtal begann bereits im Jahre 1478, allerdings schob sich nur eine kleine Siedlungszunge mit wenigen Häusern von Süden hinauf bis zum jetzigen Fichtelberger Ortsrand.

1602 gründete Johann Glaser eine Gewerkschaft von sechs einflussreichen, kapitalkräftigen Männern, um mit ihnen den Bergbau am Gleißingerfels (etwa auf halbem Weg zwischen den heutigen Ortschaften Hütten und Neubau) voranzutreiben, nach geeignetem Eisenerz zu suchen, es auf die für jene Zeit modernste und rentabelste Weise in Hochöfen zu verhütten und gewinnbringend zu verarbeiten. Holz, das in den Öfen, Schmieden, Hämmern und Gießereien in großen Mengen benötigt wurde, war in den ausgedehnten Wäldern reichlich vorhanden. Genügend Wasser für die Triebräder der Werke gab es zunächst auch, als das Wasser schließlich nicht mehr ausreichte, leitete man die obersten Quellflüsse des Mains und der Steinach kurzerhand um, dadurch entstand zum Beispiel der Bocksgraben. Rasch entwickelte sich eine blühende Eisenindustrie. Verarbeitet wurde das Eisenerz in der kurfürstlichen Gießerei. Zunächst arbeitete man im Tagebau, da die Erzadern bis zur Erdoberfläche reichten. Aber nachdem sich in der Grube zu viel Wasser angesammelt hatte und leistungsfähige Pumpen nicht zur Verfügung standen, musste man die Lagerstätte mit Stollen erschließen, durch die auch das Wasser ablaufen konnte. Die von Hand ausgehauenen Stollen waren gerade so groß, dass ein schwer tragender Mann einigermaßen gut durchgehen konnte.

„Gottesgab am Fichtelberg“ nannte man das Bergwerk am Gleißinger Fels und später auch das weit über das obere Fichtelnaabtal hinaus bedeutsame Bergamt. Erste Wohnhütten entstanden, Anfänge einer bald wachsenden und blühenden Bergmannssiedlung. Vier Hochöfen verhütteten das Silbereisen, das in der Umgebung von Fichtelberg abgebaut wurde. Zu dieser Zeit war das Gebiet um Fichtelberg das bedeutendste Montanunternehmen des kurfürstlichen Bayern. Fichtelberg gehörte zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Waldeck des Kurfürstentums Bayern. Das Bergamt hatte die rechtliche Stellung einer kurfürstlichen Hofmark. Ab 1808 wechselte das Bergamt Fichtelberg als Grenzgebiet mehrfach zwischen dem königlichen Bayern und dem markgräflichen Bayreuth. Seit 1857, als der Bezirk des damaligen Landgerichts Bayreuth vergrößert wurde, gehört es zum Regierungsbezirk Oberfranken.

Erzabbau und Verhüttung waren der Wirtschaftsfaktor in Fichtelberg, mit Beginn der Industrialisierung lohnte sich aber der Erzabbau immer weniger. Am 26. März 1859 wurde die Arbeit eingestellt, 1862 das Bergamt geschlossen. Es folgte zunächst ein wirtschaftlicher Niedergang, der durch den Abbau von Grünstein (Proterobas), der bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem zur Glasherstellung aus dem Ochsenkopfmassiv gebrochen wurde und Granit und die Holzwirtschaft nur bedingt ausgeglichen werden konnte. Viele Bewohner wanderten ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich vor allem Glasbläser aus Gablonz an und verhalfen Fichtelberg zu einer erneuten Blüte als Industriestandort u. a. der Glas- und Knopfproduktion. Inzwischen hat es seine industrielle Bedeutung weitgehend verloren, lebt aufgrund seiner reizvollen Lage am Südwesthang des Ochsenkopfes hauptsächlich vom Fremdenverkehr und ist ein Wintersportzentrum.

Die Bergwerksstollen Gleißinger Fels gelten als ältestes Bergwerk in Nordbayern und sind das einzige Silbereisenbergwerk der Welt, das noch allgemein zugänglich ist.

Am 12. Mai 2012 brannte die Kristalltherme Fichtelberg ab. Eine Brandstiftung scheint nicht ausgeschlossen. Ein von beiden Seiten beabsichtigter Wiederaufbau scheiterte bisher an Rechtsstreitigkeiten der Gemeinde mit dem bisherigen Betreiber.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat zwölf Mitglieder, die seit der Kommunalwahl vom 16. März 2014 auf die einzelnen Listen/Parteien wie folgt aufgeteilt sind (Die Ergebnisse der Wahl 2008 befinden sich in Klammern):

CSU 5 Sitze (2008: 5)
Christlich Sozialer Förderkreis 2 Sitze
(2008: 5)
Freie Wählergemeinschaft 2 Sitze
(2008: 4)
Wählergruppe Fichtelberg 2.0 3 Sitze
(2008: nicht angetreten)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Bürgermeister wurde im Jahre 2014 mit 52,7 % in der Stichwahl Georg Ritter von der CSU gewählt. Vorgänger war Jose-Ricardo Castro Riemenschneider (Christlich Sozialer Förderkreis).

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fichtelberg ist partnerschaftlich verbunden mit Oberwiesenthal im Erzgebirge, mit Podčetrtek in Slowenien und mit dem Distrikt Jesús María der peruanischen Hauptstadt Lima.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Es gibt 1100 Gästebetten in Hotels, Gasthöfen, Pensionen, Ferienwohnungen und -häusern sowie Privatquartieren.
  • Hier befindet sich der höchstgelegene Campingplatz Nordbayerns.
  • Fichtelberg liegt am Radfernweg Euregio Egrensis.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fichtelberg liegt etwa drei Kilometer südlich der B 303 und unweit der A 9, Berlin-Nürnberg, Abfahrt Bad Berneck, bzw. von Berlin kommend Abfahrt Gefrees

Die ehemalige Eisenbahnstrecke Neusorg–Fichtelberg, 1890 als bayerische Lokalbahn eröffnet, hatte Anschluss an die Bahnstrecke Nürnberg–Cheb. Der Personenverkehr wurde 1976 eingestellt, der Güterverkehr 1984. Inzwischen ist die Strecke längst abgebaut. Heute würde man eine Direktverbindung nach Bayreuth oder Marktredwitz/Wunsiedel vorziehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barocke Mariensäule von 1680 mit der Muttergottes und vier Putten
  • Barocke Bergamtskirche (katholische Pfarrkirche) 1708 bis 1711, mit Hochaltar von 1730 und Holzschnitzereien. Die barocken Glasfenster im Altarraum zeigen als Besonderheit Bergbaumotive.
  • Barocke Mariensäule (1680)
  • Historische Proterobas-Glashütte am südlichen Hang des Ochsenkopfes (archäologische Grabung)

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naherholungszentrum Fichtelsee mit Naturschutzgebiet
  • Geführte Wanderungen
  • Eisstockschießen
  • Schlittschuhlaufen
  • Minigolfanlage (Deinhold)
  • Mountainbiking
  • Kegeln
  • Skilift
  • Nachtlanglaufloipe

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Skizentrum Bleam’l Alm
  • Deinholds Golfanlage
  • Skirollerbahn
  • SG Tell Neubau

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mario Zuber, Schauspieler, alias MC Steve (* 1977), ehemaliger Rapper der Gruppe Passion Fruit (The Rigga-Ding-Dong-Song) ist in Fichtelberg aufgewachsen
  • Gustav Griebel, alias Griebly (* 1965), Schlagzeuger der Gruppe Fichtelsänger (Am Fichtensee ist es so schee-Song) ist in Fichtelberg/Neubau geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Herrmann: Der Ochsenkopf im Fichtelgebirge, Heft 17/2009 der Schriftenreihe des Fichtelgebirgsvereins e. V.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111030/121809&attr=OBJ&val=1150

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fichtelberg (Oberfranken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien