Düzen Tekkal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Düzen Tekkal (2021)

Düzen Tekkal (* 2. September 1978 in Hannover)[1] ist eine deutsche Autorin, Fernsehjournalistin, Filmemacherin, Kriegsberichterstatterin, Politikwissenschaftlerin, Sozialunternehmerin und Gründerin kurdisch-jesidischer Abstammung.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend & Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tekkals Eltern kamen in den 1970er-Jahren als Einwanderer aus der Südosttürkei nach Deutschland. In ihrer Heimat waren sie als Kurden und Teil der jesidischen Glaubensgemeinschaft verfolgt worden. In der neuen Heimat arbeitete ihr Vater als Fliesenleger, ihre Mutter war Hausfrau. Sie ist eines von elf Geschwistern.[1][3]

1998 erwarb sie ihr Abitur, widmete sich ab 2002 dem Studium der Politikwissenschaft und Germanistik an der Leibniz Universität Hannover und schloss dieses im Jahr 2007 ab.[4][3] In ihrer Magisterarbeit, welche sie mit Prädikatsnote abschloss, befasste sie sich mit kurdischen Jesiden in der Diaspora und den gesellschaftspolitischen Bedingungen ihrer Integration sowie mit Integrationspolitik in Europa.[5][6]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Studium arbeitete Tekkal als Hospitantin an der Deutschen Orient-Stiftung in Hamburg und begann ihre Karriere als Fernsehjournalistin bei RTL. Sie arbeitete dort als Redakteurin und Reporterin für verschiedene Formate wie Spiegel TV, stern TV und Extra - Das RTL-Magazin.[4] Für ihre Reportage Angst vor den neuen Nachbarn wurde sie 2010 zusammen mit dem Extra Redaktionsleiter Jan Rasmus mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.[7]

Seit 2014 arbeitet sie als freie Journalistin, Filmemacherin, Kriegsberichterstatterin und Autorin. Sie verfasste zwei im Berlin Verlag erschienene Bücher, welche auf Platz 16 und 17 der Spiegel-Bestseller Paperback Liste landeten,[8] und wirkte bei weiteren Veröffentlichungen als Gastautorin mit. Hierbei behandelt sie vor allem die Themen Migration, Integration und Identität.[2][9]

Um den Dokumentarfilm Háwar – Meine Reise in den Genozid zu drehen, reiste Tekkal im Jahr 2014 in den Irak. Im Mittelpunkt des Films stehen die Zerstörung durch den IS und der Völkermord gegen die im Nordirak ansässigen Jesiden, insbesondere die Gewalt gegenüber Frauen. Die Premiere fand auf den 49. Hofer Filmtagen im Jahr 2015 statt.[10][11][9] Der Film wurde außerdem im Bundestag gezeigt, im Europäischen Parlament[12] und 2017 im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, im Rahmen einer Veranstaltung die vom Büro des Sonderbeauftragten des Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in Konflikten, der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen, und der Ständigen Vertretung des Irak bei den Vereinten Nationen organisiert wurde.[13]

Ihr zweiter Film Jiyan – Die vergessenen Opfer des IS feierte seine Premiere im Januar 2020 im Kino International in Berlin und wurde im Dezember des Jahres auf rbb Fernsehen erstmalig ausgestrahlt. In der Dokumentation begleitet Tekkal Najlaa Matto, eine aus IS-Gefangenschaft befreite Jesidin, welche zum Zweck der Aufarbeitung und Verfolgung der Verbrechen an ihrem Volk in den Nordirak zurückkehrt. Einer der zentralen Punkte des Films neben der Bestandsaufnahme der Zerstörung von Leben, Schicksalen und Kultur, ist ein Appell für die Menschenrechte und eine Erinnerung an die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft, sowie die Forderung, die IS-Täter zur Verantwortung zu ziehen und vor ein Straftribunal zu stellen.[14][15][16]

Tekkal ist auch als Host aktiv, etwa beim Daimler Diversity Day im Zeichen der Vielfalt oder bei der Veröffentlichung der Studie Tabu & Toleranz des Bundesministeriums der Verteidigung. Weiterhin moderiert sie mehrere Podcasts, z. B. die Reihe Vergessen: Die Frauenmorde von Juárez mit Leyla Yenirce oder den Podcast der DFB-Stiftungen, Mehr als ein Spiel, bei dem sie mit Nils Straatmann Gäste wie Leon Goretzka und Lars Klingbeil empfängt und sich mit Menschen befasst, welche sich mit den Mitteln des Fußballs sozial, gesellschaftlich und kulturell engagieren.[17][18][19][20]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 gehörte Tekkal zum Schattenkabinett von Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz und wurde für das Amt der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt im Kabinett Merkel IV gehandelt, erhielt den Posten allerdings nicht.[21] Im darauffolgenden Jahr gehörte sie zum Schattenkabinett von Bernd Althusmann.[22] 2019 wurde sie in die Fachkommission Fluchtursachen der Bundesregierung berufen.[23][2]

Seit 2021 ist sie Sachverständige im Bundestag bei der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe zur Menschenrechtslage in der Türkei.[24]

Zu ihren politischen Positionen gehört ein pluralistisches Deutschland auf Grundlage der freiheitlich demokratischen Grundordnung, welches Extremismus entgegenwirkt, besonders Islamismus und Rechtsextremismus.[25] Hierbei vertritt sie auch kritische Standpunkte und nimmt sowohl die Politik, als auch autochtone Deutsche und Einwanderer in die Verantwortung für ein Miteinander auf Basis gemeinsamer Werte.[2][9] Weiterhin spricht sie sich u. a. auch für eine gesetzliche Frauenquote aus.[26]

Tekkal war mit verschiedenen Ministern auf Delegationsreise, etwa 2019 mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Irak, oder im Jahr davor mit Entwicklungsminister Gerd Müller.[27][28][29]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help e.V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit ihrer Schwester, der ehemaligen Profi-Fußballspielerin Tuğba Tekkal, gründete sie den gemeinnützigen Verein für humanitäre Hilfe Háwar.help und ist dessen Vorsitzende. Der Verein betreibt mehrere Projekte. Dazu gehört das Frauen-Empowerment-Zentrum Back to Life, psychosoziale Betreuung, Alphabetisierungs- und Handwerkskurse sowie Bildungsworkshops zu Themen wie Frauenrechten und Entrepreneurship für Frauen und Kinder aus IS-Kriegsgefangenschaft im Irak und in Deutschland. Scoring Girls ist ein integratives Projekt des Vereins, welches von ihrer Schwester Tuğba ins Leben gerufen wurde. Hierbei ist das Ziel, mittels Teamsport (Fußball), Schul- und Hausaufgabenhilfe oder Berufsorientierung Werte wie Teamgeist, Empathie, Verantwortungsbewusstsein oder Führungsstärke bei Mädchen und jungen Frauen zu fördern. Schirmherrin des Projekts ist die Journalistin und Fernsehmoderatorin Anne Will.[30] Weitere Projekte sind School Talks, Dialoge an deutschen Schulen über Menschenrechte, Marginalisierung und entwicklungspolitische Zusammenhänge, sowie Sensibilisierung & politisches Engagement.[31][32] 2021 übernahm Annalena Baerbock die Schirmherrschaft des Projekts Back to Life.[33]

Bildungsinitiative GermanDream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus gründete sie 2019 die Bildungsinitiative GermanDream, mit der Wertedialoge an hunderten deutschen Schulen veranstaltet werden. Anliegen ist es, jungen Menschen die Werte von Freiheit und Selbstbestimmung zu vermitteln und Extremismus vorzubeugen, insbesondere dem Islamismus und Rechtsextremismus.[34][35] Zu den Werbebotschaftern, die als positive Vorbilder Integration erleichtern sollen, gehören u. a. die Managerin Janina Kugel, FDP-Chef Christian Lindner, Cem Özdemir, Gesundheitsminister Jens Spahn, der Fußballer Leon Goretzka, die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer und das Model Sara Nuru.[36] Darüber hinaus rief Tekkal den Hashtag #GermanDream auf der Social Media-Plattform Twitter ins Leben, unter dem Menschen mit Migrationshintergrund ihre Lebens- und Erfolgsgeschichten als Ansporn für andere Einwanderer teilen können.[2]

Tekkal ist weiterhin ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Konrad Adenauer Stiftung.[37] Für ihr Engagement wurden ihr verschiedene Auszeichnungen verliehen, so wurde sie etwa als Frau Europas 2018 der Europäischen Bewegung Deutschlands und mit dem Demokratie Preis/ Ramer Award for Courage in the Defense of Democracy des American Jewish Committee ausgezeichnet.[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Mitwirkende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2020: Jiyan – Die vergessenen Opfer des IS, 90 min, Premiere am 28. Januar 2020 in Berlin, Erstsendung am 9. Dezember 2020 im rbb Fernsehen[16][14][15]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Mirjana Cvjetkovic: Porträt - Düzen Tekkal: „Integration ist mein Lebensthema“. Neue Presse, 5. Juni 2016, abgerufen am 10. Mai 2021.
  2. a b c d e Annette Riedel: Auf dem Weg zum German Dream. DLF Kultur, 11. August 2018, abgerufen am 12. Mai 2021.
  3. a b c Mischa Täubner: Die Traumfrau. brand eins, abgerufen am 11. Mai 2021.
  4. a b Düzen Tekkal. CDU in Niedersachsen, abgerufen am 10. Mai 2021.
  5. Problem erreicht auch die Villen-Viertel. NWZ Online, 15. September 2010, abgerufen am 17. Juni 2021.
  6. Wir brauchen einen German Dream. SWR, 7. August 2018, abgerufen am 17. Juni 2021.
  7. a b Im Zeichen des Panthers. SZ, 22. Mai 2010, abgerufen am 10. Mai 2021.}
  8. Buchreport - Düzen Tekkal. Buchreport, abgerufen am 27. Mai 2021.
  9. a b c d Preisverleihung "Aufmüpfige Frau des Jahres" an Renate Matthei und Düzen Tekkal mit einem Festvortrag der TDF-Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. Terre des Femmes, abgerufen am 10. Mai 2021.
  10. a b Háwar - Meine Reise in den Genozid. Filmmuseum Potsdam, abgerufen am 10. Mai 2021.
  11. Unsere Entstehungsgeschichte. hawar.help, abgerufen am 12. Mai 2021.
  12. Fünf Jahre Völkermord an den Jesiden - "Da wirst du plötzlich religiös!" Abgerufen am 5. August 2021 (deutsch).
  13. osrsgsvc: Statement of SRSG Pramila Patten at the documentary screening event “Hawar, a cry for help”, 19 December 2017, UN ECOSOC Chamber. In: United Nations Office of the Special Representative of the Secretary-General on Sexual Violence in Conflict. Abgerufen am 5. August 2021 (amerikanisches Englisch).
  14. a b Hannah Bethke: Wir müssen hinsehen und handeln. FAZ, 3. März 2020, abgerufen am 10. Mai 2021.
  15. a b Philipp Adolphs: Jiyan - Die vergessenen Opfer des IS (2020). Stimmen der Zeit, 30. Januar 2020, abgerufen am 10. Mai 2021.
  16. a b Jiyan - Die vergessenen Opfer des IS. rbb Fernsehen, 9. Dezember 2020, abgerufen am 10. Mai 2021.
  17. Daimler feiert die Vielfalt - Der Daimler Diversity Day. Abgerufen am 18. Juni 2021.
  18. Tabu und Toleranz: Umgang der Bundeswehr mit Homosexualität. Bundesministerium der Verteidigung, 17. September 2020, abgerufen am 18. Juni 2021.
  19. „Mehr als ein Spiel“: Täter-Opfer-Begegnung im Podcast. Sepp-Herberger-Stiftung, 20. Mai 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.
  20. Robert Hofmann: Was Frauenmorde in Mexiko mit dem IS und Sexismus in Deutschland zu tun haben. Vice, 8. März 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.
  21. Zur Person: Düzen Tekkal. Die Welt, 9. Mai 2018, abgerufen am 10. Mai 2021.
  22. a b „Kein Weg geht an der Frau vorbei“ – Düzen Tekkal ist Frau Europas 2018. Europäische Bewegung Deutschland, 11. April 2018, abgerufen am 10. Mai 2021.
  23. Martin Häusler: Wir haben zu wenig auf unsere Werte verwiesen. Werte - Ein Magazin von Deutsche Bank Wealth Management, abgerufen am 10. Mai 2021.
  24. Deutscher Bundestag - Öffentliche Anhörungen. Abgerufen am 3. Juli 2021.
  25. Wolfgang Taus: Gegen die bösen Zwillinge. NZZ, 6. Oktober 2016, abgerufen am 28. Mai 2021.
  26. Silke Gronwald: Stärke, Durchsetzungskraft wird Männern eher zugestanden als Frauen. Stern, 25. November 2020, abgerufen am 27. Mai 2021.
  27. Mike Szymanski: Nichts ist so, wie es war. SZ, 21. August 2019, abgerufen am 27. Mai 2021.
  28. Minister Müller zum Tod des geistlichen Oberhaupts der Jesiden, Baba Sheikh: "Er war ein Friedensstifter". BMZ, 2. Oktober 2020, abgerufen am 28. Mai 2021.
  29. Sebastian Kempkens: Die Täter müssen hart bestraft werden. Die Zeit, 29. Januar 2020, abgerufen am 28. Mai 2021.
  30. Anne Will ist Schirmherrin der Scoring Girls. 3. November 2020, abgerufen am 17. Juni 2021.
  31. Vivien Krüger: Eines Tages möchten sie selbst den Adler auf der Brust tragen. Der Tagesspiegel, 13. September 2020, abgerufen am 12. Mai 2021.
  32. Unsere Projekte. hawar.help, abgerufen am 12. Mai 2021.
  33. Darum hilft Annalena Baerbock dem Verein von Düzen Tekkal. Abgerufen am 5. August 2021.
  34. Düzen Tekkal: Die Freiheit der Rede ist nicht verhandelbar. Die Welt, 23. Oktober 2020, abgerufen am 11. Mai 2021.
  35. Nike Laurenz: Düzen, du hast Deutschland in die Familie gebracht. Der Spiegel, 5. Juni 2019, abgerufen am 12. Mai 2021.
  36. Tim Kummert: Die würden mich wählen. Der Spiegel, 24. August 2019, abgerufen am 28. Mai 2021.
  37. Vorstand der Konrad Adenauer Stiftung e.V. Konrad Adenauer Stiftung, abgerufen am 12. Mai 2021.
  38. Auch Deutschland ist bedroht – Warum wir jetzt unsere Werte verteidigen müssen. DIG Berlin und Brandenburg e.V., 13. Januar 2017, abgerufen am 10. Mai 2021.
  39. Katja Gerstenmaier: Schüler*innen küren Düzen Tekkal. Stadtteilzeitung Schöneberg, 29. März 2021, abgerufen am 27. Mai 2021.
  40. Düzen Tekkal als „Most Influencial Woman of the Year“ ausgezeichnet. Impact of Diversity, abgerufen am 10. Mai 2021.
  41. Düzen Tekkal - BfDT Bündnis für Demokratie und Toleranz. Abgerufen am 23. Juli 2021.
  42. HERTHA BSC STIFTUNG ÜBERREICHT DEN WILHELM WERNICKE PREIS 2020. Abgerufen am 23. Juli 2021.
  43. Julius Hirsch Preis 2020 für HAWAR.help. Deutscher Fußball-Bund, 2. September 2020, abgerufen am 17. Juni 2021.
  44. Rückblick German Diversity Award 2020. BeyondGenderAgenda, abgerufen am 10. Mai 2021.
  45. Lisa Hofmann: Inaugural Winners of the Independent She For Social Impact Awards 2020. She For Social Impact, abgerufen am 10. Mai 2021 (englisch).
  46. Female Future Konferenz 2021. FDP, abgerufen am 10. Mai 2021.
  47. CIVIS Medienpreis 2019 / Jurybegründungen. Civis Medienstiftung, abgerufen am 10. Mai 2021.
  48. Verleihung des Menschenrechtspreises. Ingrid zu SOlms-Stiftung, abgerufen am 12. Mai 2021.
  49. Die Kurdische Gemeinde Deutschland verleiht Friedens- und Integrationspreis 2018. Kurdische Gemeinde Deutschland, 26. November 2018, abgerufen am 10. Mai 2021.
  50. AJC verleiht Demokratie-Preis an Jesiden. AJC, 26. April 2017, abgerufen am 10. Mai 2021.
  51. Das Herzschlagfinale beschert vier Journalisten den BNK-Medienpreis 2013. BNK, 2. Dezember 2013, abgerufen am 10. Mai 2021.