Mühlethurnen

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Mühlethurnen
Wappen von Mühlethurnen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
BFS-Nr.: 0876i1f3f4
Postleitzahl: 3127
Koordinaten: 605256 / 184750Koordinaten: 46° 48′ 50″ N, 7° 30′ 27″ O; CH1903: 605256 / 184750
Höhe: 573 m ü. M.
Fläche: 2,9 km²
Einwohner: 1385 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 478 Einw. pro km²
Website: www.muehlethurnen.ch
Blick auf Mühlethurnen

Blick auf Mühlethurnen

Karte
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Mühlethurnen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Bern-Mittelland des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlethurnen liegt auf 573 m ü. M., 12 km nordwestlich der Stadt Thun (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich am unteren Osthang des Längenberges unterhalb von Riggisberg, beidseits des Mülibachs, der hier im Lauf der Zeit einen Schwemmkegel am Hangfuss angelegt hat, leicht erhöht rund 30 m über der Talebene der Gürbe.

Die Fläche des 2.9 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des mittleren Gürbetals. Der östliche Gemeindeteil liegt in der landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebene des Gürbetals (545 m ü. M.) welche hier fast 2 km breit ist. Die östliche Abgrenzung verläuft ziemlich genau in der Mitte der Talebene. Von hier erstreckt sich der Gemeindeboden westwärts über die kanalisierte und begradigte Gürbe und den relativ sanft ansteigenden Hang des Längenbergs bis auf die Höhe der Äusseren Egg, auf der mit 770 m ü. M. der höchste Punkt von Mühlethurnen erreicht wird. Der Hang von Mühlethurnen wird durch das Erosionstälchen des Mülibachs untergliedert. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 18 % auf Siedlungen, 7 % auf Wald und Gehölze und 74 % auf Landwirtschaft; etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Mühlethurnen besteht aus einem oberen Dorfkern (573 m ü. M.) und einem Bahnhofquartier (549 m ü. M.), einigen Neubauquartieren sowie Hofgruppen und Einzelhöfen. Nachbargemeinden von Mühlethurnen sind Kirchenthurnen, Kirchdorf (BE), Lohnstorf und Riggisberg.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 1385 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) gehört Mühlethurnen zu den kleineren Gemeinden des Kantons Bern. Von den Bewohnern sind 96.7 % deutschsprachig, 0.8 % französischsprachig und 0.3 % sprechen Englisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Mühlethurnen belief sich 1850 auf 642 Einwohner, 1900 auf 648 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts pendelte die Bevölkerungszahl stets im Bereich zwischen 600 und 700 Personen. Seit 1970 (737 Einwohner) wurde eine deutliche Bevölkerungszunahme verzeichnet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2015 betrugen: SVP 31.3 %, SP 18.1 %, BDP 13.7 %, GPS 12.6 %, FDP 8.0 %, glp 7.4 %, EVP 3.7 %, EDU 2.2 %, CVP 1.3 %, Piraten 1.0 %.[2]

Der 2013 im Proporzsystem gewählte siebenköpfige Gemeinderat setzt sich zusammen aus drei Mitgliedern der SVP, zwei der Grünen und je einem der FDP und der örtlichen Gruppierung "Parteilose Wähler".[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlethurnen war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Schon früh wurde die Wasserkraft des Mülibachs für den Betrieb mehrerer Mühlen genutzt. Noch heute haben der Ackerbau und der Gemüsebau (insbesondere Kohlpflanzungen) im Gürbetal sowie die Milchwirtschaft und die Viehzucht an den Hanglagen einen gewissen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung.

Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In Mühlethurnen sind heute Betriebe des Baugewerbes, der Elektrobranche, des Gartenbaus, mechanische Werkstätten, eine Sauerkrautfabrik (seit 1917 in Betrieb), Schreinereien und eine Landwirtschaftliche Genossenschaft vertreten. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf dank seiner attraktiven Lage zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in der Agglomeration Bern oder im Raum Thun arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrstechnisch recht gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse von Bern durch das Gürbetal nach Thun, nahe der Abzweigung der Strasse via Riggisberg ins Schwarzenburgerland. Am 14. August 1901 wurde der Abschnitt Bern Weissenbühl-Burgistein der Gürbetalbahn von Bern nach Thun eröffnet; der Bahnhof heisst Thurnen. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt der Postautokurs, welcher die Strecke vom Bahnhof Thurnen nach Riggisberg bedient.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1343 unter dem Namen Muliturnden. Später erschienen die Bezeichnungen Mülitornden (1389), Mülythurnen (1479), Thurnen (1531) und Mülithurnen (1532). Die Etymologie des Ortsnamens Thurnen ist nicht geklärt, eventuell stammt das Wort aus dem Keltischen. Zur Unterscheidung von Kirchenthurnen wurde meist der Zusatz Mühle- verwendet.

Im Mittelalter gehörte Mühlethurnen zum Gebiet der Herren von Blankenburg, wurde aber 1360 an das Kloster Interlaken verkauft. Die Oberhoheit über Mühlethurnen gelangte 1388 an Bern. Seither war das Dorf dem Landgericht Seftigen unterstellt. Nach der Reformation kam 1528 auch die direkte Herrschaft vom Kloster an die Stadt Bern, welche Mühlethurnen dem Gericht Thurnen zuteilte. Ab dem 18. Jahrhundert bestand in Mühlethurnen ein Vennergericht.

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte Mühlethurnen während der Helvetik zum Distrikt Seftigen und ab 1803 zum Oberamt Seftigen, das mit der neuen Kantonsverfassung von 1831 den Status eines Amtsbezirks erhielt. Grosse Armut bewog um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Dorfbewohner zur Auswanderung nach Australien, Nord- und Südamerika. Ab 1855 wurde die Gürbe in mehreren Etappen korrigiert und das vorher alljährlich von Überschwemmungen heimgesuchte Tal weitgehend entwässert. Damit wurde im Lauf der Zeit viel Kulturland gewonnen. Im ursprünglichen Moorboden kommt es aber durch die intensive Nutzung über die Jahre zu sogenannten Torfsackungen, welche die Fruchtbarkeit des Bodens gefährden können. Mit Bodenverbesserungen wird versucht, dem entgegenzuwirken.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berner Haus im Mülibach oberhalb des Dorfes

Im alten Ortskern und an einigen weiteren Stellen sind verschiedene charakteristische Bauernhäuser im Berner Stil aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Mühlethurnen besitzt keine eigene Kirche, es gehört zur reformierten Pfarrei Kirchenthurnen und zur katholischen Pfarrei Thun.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es ein grosses Angebot an Sport- und anderen Vereinen inklusive eines Jodlerklubs und einer Musikgesellschaft. Seit dem Januar 1994 gibt es ausserdem die Kulturgenossenschaft Alti Moschti Mühlethurnen[5], deren Konzerte und Kabarettvorführungen Besucher aus einem weiteren Umkreis anziehen und oft ausgebucht sind.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde pflegt eine Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Borovany. Die Musikgesellschaft Mühlethurnen ist seit 1977 mit dem Musikverein der bayrischen Gemeinde Reichling befreundet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017; abgerufen am 20. September 2017.
  2. Wahlen 2015 : Resultate der Gemeinde Mühlethurnen. Kanton Bern, abgerufen am 21. März 2016
  3. Homepage der Gemeinde
  4. Artikel in der Berner Zeitung
  5. altimoschti.ch: Alti Moschti Homepage, Zugriff am 23. Dezember 2009