Fraubrunnen

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Fraubrunnen im Kanton Bern. Weitere Bedeutungen siehe Fraubrunnen (Begriffsklärung).
Fraubrunnen
Wappen von Fraubrunnen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern BE
Verwaltungskreis: Bern-Mittellandw
BFS-Nr.: 0538i1f3f4
Postleitzahl: 3312 Fraubrunnen
3306 Etzelkofen
3308 Grafenried
3309 Zauggenried
3313 Büren zum Hof
3314 Schalunen
3317 Limpach
3317 Mülchi
Koordinaten: 606707 / 214892Koordinaten: 47° 5′ 6″ N, 7° 31′ 37″ O; CH1903: 606707 / 214892
Höhe: 495 m ü. M.
Fläche: 31,95 km²
Einwohner: 4867 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 54 Einw. pro km²
Website: www.fraubrunnen.ch
Bernstrasse beim Gasthof zum Brunnen

Bernstrasse beim Gasthof zum Brunnen

Karte
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Übersicht von Westen aus gesehen

Fraubrunnen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Bern-Mittelland im Kanton Bern in der Schweiz. Seit dem Jahr 2014 umfasst die Gemeinde nach einem grossen regionalen Fusionsprojekt neben der Ortschaft Fraubrunnen auch die Dörfer und ehemaligen Gemeinden Büren zum Hof, Etzelkofen, Grafenried, Limpach, Mülchi, Schalunen und Zauggenried.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraubrunnen liegt auf 495 m ü. M., 8 km nordwestlich von Burgdorf und 16 km nordöstlich der Kantonshauptstadt Bern (Luftlinie). Das Dorf befindet sich in einer breiten Mulde am östlichen Rand des Rapperswiler Plateaus und am Westrand der Schwemmebene der Emme, im Schweizer Mittelland.

Die Fläche des 7,7 km² (Stand 2013) grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des zentralen Berner Mittellandes. Im grösseren östlichen Gemeindeteil liegt das Fraubrunnenmoos, das von der Urtenen nach Norden zur Emme entwässert wird. Auch die in dieser Ebene liegenden ausgedehnten Waldgebiete Erlen-Ischlag und Fraubrunnen-Rüdtligen-Wald gehören zur Gemeinde. Nach Westen erstreckt sich der Gemeindeboden über die Mulde von Fraubrunnen auf die angrenzenden Höhen des Rapperswiler Plateaus. Dazu zählen der Binelwald (535 m ü. M.), das Cholholz (542 m ü. M.) und die Rodungsinsel von Unterberg. Die höchste Erhebung von Fraubrunnen wird auf dem Roholen mit 575 m ü. M. erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 8 % auf Siedlungen, 38 % auf Wald und Gehölze, 53 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Zu Fraubrunnen gehören die Weiler Binnel (508 m ü. M.) und Unterberg (555 m ü. M.) auf dem Rapperswiler Plateau, Bischof (505 m ü. M.) auf dem Höhenrücken südlich von Schalunen und einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Fraubrunnen sind Aefligen, Buchegg, Bätterkinden, Iffwil, Jegenstorf, Kernenried, Lyssach, Messen Rüdtligen-Alchenflüh und Unterramsern.

In einer Abstimmung am 25. November 2012 haben die stimmberechtigten Bürger der Gemeinden Büren zum Hof, Etzelkofen, Fraubrunnen, Grafenried, Limpach, Mülchi, Schalunen und Zauggenried die Fusion zu einer gemeinsamen Einwohnergemeinde angenommen. Die neue Grossgemeinde «Fraubrunnen» entstand am 1. Januar 2014 und umfasst eine Fläche von 32 Quadratkilometer und ca. 4'800 Einwohner.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 4867 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2014) gehört Fraubrunnen zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Bern. Von den Bewohnern sind 95.5 % deutschsprachig, 0.8 % französischsprachig und 0.6 % sprechen Italienisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Fraubrunnen belief sich 1850 auf 525 Einwohner, 1900 auf 456 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl langsam aber kontinuierlich an. Seit 1970 (726 Einwohner) wurde eine rasche Bevölkerungszunahme verbunden mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl innerhalb von 30 Jahren verzeichnet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepräsident ist Urs Schär (Partei BDP). Das Co-Vizepräsidium teilen sich Peter Iseli (SVP Region Fraubrunnen) und Margot Huonder (SP) (Stand Juni 2014). (Gewählt im Herbst 2013)

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2015 betrugen: SVP 35.6 %, BDP 20.0 %, SP 14.6 %, GPS 6.6 %, FDP 6.3 %, EVP 4.7 %, glp 6.1 %, EDU 2.2 %, CVP 1.6 %.[2]

Wirtschaft der Ortschaft Fraubrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraubrunnen: Gewerbe und Bahn (Kirchgasse)

Fraubrunnen war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Schon im 18. Jahrhundert gab es in Fraubrunnen Mühlen und eine Nagelschmiede sowie Salz- und Kornhäuser. Noch heute haben der Ackerbau, der Obstbau, die Milchwirtschaft und die Forstwirtschaft einen gewissen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung.

Zahlreiche weitere Arbeitsplätze bieten Gewerbe und Industrie sowie der Dienstleistungssektor an. Bedeutende alteingesessene Betriebe sind die Möbelfabrik Fraubrunnen[3] und eine Handelsmühle, die aus der ehemaligen Klostermühle hervorgegangen ist.[4] Seit den 1960er Jahren bestehen in Fraubrunnen Firmen des Landmaschinenbaus, der Elektrobranche, des Bau- und Transportgewerbes, der Informatik, der Holzverarbeitung sowie eine Druckerei.

Als grösste Ortschaft erfüllt Fraubrunnen die Funktion als ländlicher Zentralort im regionalen Umland. Hier befinden sich der Sitz der Bezirksverwaltung und eine Sekundarschule. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Neue Wohnquartiere entstanden am Rand des Tafelenfeldes, im Fraubrunnenmoos und auf der Anhöhe des Wittenbergfeldes. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in der Agglomeration Bern, teilweise auch in Burgdorf und im Raum Solothurn arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof und RBS-Zug

Die Gemeinde ist verkehrsmässig gut erschlossen. Sie liegt an der alten Hauptstrasse von Bern nach Solothurn. Der nächste Anschluss an die Autobahn A1 (Bern-Zürich) befindet sich rund 5 km vom Ortskern entfernt bei Kirchberg. Am 10. April 1916 wurde der Abschnitt Zollikofen–Solothurn der Elektrischen Schmalspurbahn Solothurn–Bern (heute Regionalverkehr Bern–Solothurn) mit einem Bahnhof in Fraubrunnen in Betrieb genommen. In der Fahrplanperiode 2013 wurde von Fraubrunnen aus alle 30 Minuten eine direkte Verbindung nach Bern und Solothurn angeboten. Eine regionale Ergänzung im Netz des öffentlichen Verkehrs bildet die Buslinie 465 der Busland AG, eines Tochterunternehmens der BLS AG, welche die Strecke Fraubrunnen – LyssachBurgdorfHasle-Rüegsau bedient. Von Montag bis Freitag täglich 10 Verbindungen und an Samstagen 8 Kurse.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Fraubrunnen war schon sehr früh besiedelt. Im Binelwald und im Rüdtligenwald wurden im 19. Jahrhundert Tumuli aus der Hallstattzeit und der Latènezeit ausgegraben. Aus der Römerzeit sind Überreste von Mauerwerk verschiedener Gebäude und von Strassenanlagen und Münzfunde bekannt.

Ehemaliges Kloster und späteres Schloss (Nordansicht)

Die Geschichte des Dorfes Fraubrunnen hängt eng mit dem dort im Mittelalter entstandenen Zisterzienserinnenkloster zusammen. Die Grafen von Kyburg übergaben im Jahr 1246 ihren Grundbesitz in der Nähe von Grafenried dem Zisterzienserorden, der das Kloster Fraubrunnen gründete, das bald zu einem bedeutenden Frauenkloster in der Schweiz wurde. Es lag bei der damals schon bestehenden Siedlung Mülinen, die erst später wegen des Klosters den Namen Fraubrunnen erhielt. Vom lateinischen Klosternamen Fons beatae Mariae (Quelle der heiligen Jungfrau Maria) ist der deutsche Ortsname abgeleitet, der urkundlich erstmals 1267 als Frouwenbrunnen bezeugt ist. Später kamen die Bezeichnungen Vrouwenbrunnen (1303), Frowenbrunnen (1305) und Fraubronnen (1724) vor.

Durch Schenkungen und Erwerbungen gelangte das Kloster rasch zu reichem Grundbesitz in der Umgebung und am Bielersee. Als die Gugler 1375 das Kloster überfielen und brandschatzten, wurde auch das Dorf Fraubrunnen in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Tafelenfeld nördlich des Dorfes besiegten die Truppen der Stadt Bern die Gugler und vertrieben sie aus der Region.

Im Jahr 1406 kam die hohe Gerichtsbarkeit über Fraubrunnen aus der Hand der Neu-Kyburger an die Stadt Bern. Nachdem das Geschlecht der Kyburger 1420 ausgestorben war, gelangte die Ortschaft definitiv unter die Oberhoheit von Bern und wurde dem Landgericht Zollikofen zugeteilt. Nach der Einführung der Reformation hob Bern das Kloster im Jahr 1528 auf, und auf der Grundlage von dessen Ländereien entstand die Landvogtei Fraubrunnen. Die Konventgebäude wurden teilweise abgebrochen – die Klosterkirche im Jahr 1535 – und die übrig gebliebenen Bauten zu einem Schloss umgebaut, das fortan dem Landvogt als Amtssitz diente. Der erste bernische Landvogt Erhart Kindler kam schon im Jahr 1527 nach Fraubrunnen.[5]

1798: Gefecht der Franzosen gegen die Berner

Beim Einmarsch der französischen Armee in die Schweiz kam es 1798 auf dem Tafelenfeld zu einer Schlacht zwischen den napoleonischen Truppen und dem bernischen Auszug, der geschlagen wurde. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime gehörte Fraubrunnen während der Helvetik zum Distrikt Zollikofen. Ab 1803 war es Hauptort des Oberamts Fraubrunnen, das mit der neuen Kantonsverfassung von 1831 den Status eines Amtsbezirks erhielt. Durch die Entwässerung und Melioration des Sumpfgebiets im Fraubrunnenmoos wurde 1848-1849 und 1918-1919 viel neues Kulturland gewonnen.

Sehenswürdigkeiten der Ortschaft Fraubrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraubrunnen (links) und die Kirche Grafenried
  • Das zweiflüglige Schloss Fraubrunnen entspricht in der Grundstruktur den Hauptgebäuden des nach 1280 wiederaufgebauten Klosters und hat durch umfangreiche Veränderungen im 16. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert die heutige, von barocken Elementen geprägte Gestalt angenommen.[6]
  • Denkmäler auf dem Tafelenfeld: Guglerdenkmal (1824) und Franzosendenkmal (1898)[7]
  • Im Dorf Fraubrunnen stehen grosse Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
  • In der neuen Gemeinde Fraubrunnen bestehen drei reformierte Kirchgemeinden.[8] Seit dem Abbruch der Klosterkirche im 16. Jahrhundert gab es im Dorf Fraubrunnen kein Gotteshaus mehr. Die Ortschaft gehört zur reformierten Pfarrei Grafenried. Die Pfarrkirche steht auf einer Anhöhe nördlich der Dorfsiedlung Grafenried, nahe der ehemaligen Gemeindegrenze zu Fraubrunnen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leuzinger, Jürg, Das Zisterzienserinnenkloster Fraubrunnen. Von der Gründung bis zur Reformation 1246–1528. Bern u.a., Peter Lang, 2008 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, 1028).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fraubrunnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Wahlen 2015 : Resultate der Gemeinde Fraubrunnen. Kanton Bern, abgerufen am 18. März 2016.
  3. Internetseite der Möbelfabrik Fraubrunnen.
  4. Geschichte der Klostermühle Fraubrunnen.
  5. Fritz Bühlmann: Das Einkommen des Landvogts im ehemaligen Amt Fraubrunnen, in: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, 1919, S. 164-174.
  6. Das Schloss Fraubrunnen.
  7. Oskar Schär: Die Denkmäler auf dem Tafelenfeld bei Fraubrunnen, in: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 1973, S. 25-32.
  8. Kirchgemeinden von Fraubrunnen.