Traunreut

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Traunreut
Traunreut
Deutschlandkarte, Position der Stadt Traunreut hervorgehoben
Koordinaten: 47° 58′ N, 12° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Traunstein
Höhe: 550 m ü. NHN
Fläche: 45,06 km²
Einwohner: 20.799 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 462 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 83301,
83368 (St. Georgen),
83371 (Stein a.d.Traun),
83374 (Traunwalchen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 08669
08621 (Stein a.d.T.)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: TS
Gemeindeschlüssel: 09 1 89 154
Stadtgliederung: 63 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 3
83301 Traunreut
Webpräsenz: www.traunreut.de
Bürgermeister: Klaus Ritter (FW)
Lage der Stadt Traunreut im Landkreis Traunstein
Chiemsee Landkreis Berchtesgadener Land Landkreis Rosenheim Landkreis Altötting Landkreis Mühldorf am Inn Waginger See Wonneberg Waging am See Vachendorf Unterwössen Übersee (Chiemgau) Trostberg Traunstein Traunreut Tittmoning Taching am See Tacherting Surberg Staudach-Egerndach Siegsdorf Seeon-Seebruck Schnaitsee Schleching Ruhpolding Reit im Winkl Pittenhart Petting (Gemeinde) Palling Obing Nußdorf (Chiemgau) Marquartstein Kirchanschöring Kienberg (Oberbayern) Inzell Grassau Grabenstätt Fridolfing Engelsberg Chieming Bergen (Chiemgau) Altenmarkt an der Alz Österreich Österreich ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Rathausbrunnen in Traunreut

Die Stadt Traunreut liegt im oberbayerischen Landkreis Traunstein, etwa zehn Kilometer östlich des Chiemsees und 15 km nördlich der Chiemgauer Alpen. Sie ist die größte Stadt im Landkreis Traunstein und zugleich Europastadt. Die Stadt Traunreut ist eine von fünf bayerischen Vertriebenenstädten und entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Name bedeutet Rodung an der Traun.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 63 Ortsteile[2] sind:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traunreut entstand aus einer Munitionsanstalt (Muna). Im Jahre 1938 errichtete die Wehrmacht im St.-Georgs-Forst die Heeres-Munitionsanstalt St. Georgen. Besitzteile der Stadt Traunstein sowie der Gemeinden Stein, Traunwalchen, Pierling und Palling waren Teil eines streng abgeschlossenen Bereichs von 242 ha. In mehr als 150 Holzbaracken, Steinhäusern und Bunkern wurden Giftgasgranaten gefüllt und in den Bunkern gelagert. 1941 verließ die erste Gasmunition die Fertigungshallen. In der Muna waren 2000 Personen beschäftigt. Am 3. Mai 1945 wurde die Fabrik kampflos durch die US-Armee eingenommen.

Nach 1945 siedelten sich viele Heimatvertriebene auf dem Gebiet der Industriesiedlung St. Georgen („Muna“) an. 1949 gründeten die Firmen Siemens und Heidenhain Betriebe in den Gebäuden der ehemaligen Munitionsanlage, die die notwendigen Arbeitsplätze schufen. 1947 gab es bei Entschärfungsarbeiten elf Tote. 1948 begannen die Entgiftungsarbeiten durch die STEG (Staatliche Erfassungsgesellschaft für öffentliches Gut), die Amerikaner verließen die Muna.

Am 25. Juni 1949 war Grundsteinlegung der Industriesiedlung St. Georgen. Am 1. Oktober 1950 wurde durch Betreiben von Lorenz Brandl in München/Regierung von Oberbayern die neue Gemeinde mit dem Namen Traunreut aus Gebietsteilen der Gemeinden Palling, Pierling, Stein an der Traun und Traunwalchen neu gebildet.[3] Andere Namensvorschläge waren unter anderem Georgenstadt, Neu-Stein und Neuwaldtraud. Traunreut hatte damals 1381 Einwohner. Lorenz Brandl war nach der Gründung im Jahre 1950 ein Jahr lang kommissarischer Bürgermeister, bis Karl Löppen 1951 erster offiziell gewählter Bürgermeister wurde.[4]

Im Jahre 1954 wurden die katholische Erlöserkirche und die evangelische Pauluskirche fertiggestellt. 1958 wurde Franz Haberlander Bürgermeister und blieb es bis 1984. 1960 wurde Traunreut zur Stadt erhoben. Am 29. September 1963 erfolgte die vorerst letzte Personenfahrt auf der Eisenbahnstrecke Traunreut–Hörpolding. 1966 wurde die zehntausendste Bürgerin geboren.

Im Jahr 1984 wurde Eduard Wiesmann Erster Bürgermeister und blieb es bis 2002. 2002 wurde Franz Parzinger Erster Bürgermeister. 2004 war die Industrie- und Einkaufsstadt Traunreut mit mehr als 22.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis. 2006 wurde die Bahnstrecke Traunstein–Traunreut wieder in Betrieb genommen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1978 wurden Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Pierling eingegliedert. Am 1. Mai 1978 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Stein an der Traun und Traunwalchen aufgelöst und nach Traunreut eingemeindet.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl ist bis 2002 kontinuierlich angestiegen, sinkt aber seit 2003 allmählich wieder, wie die Tabelle zeigt:[6]

Jahr 1950 1961 1970* 1987* 2000 2002 2005 2008 2009 2010 2011 2014
Einwohner 5.263 10.438 16.678 19.278 21.403 22.171 21.224 20.922 20.821 20.658 20.720 20.537

* Volkszählung

Altersstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altersstruktur hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt, wie der Vergleich der Zahlen von 1970 und 2008 deutlich zeigt.[6]

 
Alter
27. Mai 1970 31. Dezember 2008
Gesamt in %* dav. weiblich in %* Gesamt in %* dav. weiblich in %*
unter 6 Jahre 1698 10,1 831 9,6 996 4,8 507 4,7
6 bis 15 Jahre 2614 15,7 1231 14,2 1696 8,1 8,24 7,6
15 bis 18 Jahre 769 4,6 339 3,9 721 3,4 354 3,3
18 bis 25 Jahre 1643 9,9 900 10,4 1641 7,8 787 7,3
25 bis 30 Jahre 1315 7,9 685 7,7 1146 5,5 576 5,3
30 bis 40 Jahre 2699 16,2 1340 15,4 2528 12,1 1211 11,2
40 bis 50 Jahre 2173 13,0 1175 13,5 3317 15,9 1617 15,0
50 bis 65 Jahre 2131 12,8 1195 13,8 4176 20,0 2168 20,1
65 Jahre und älter 1636 9,8 1006 11,6 4701 22,5 2758 25,5

* der Gesamtbevölkerung bzw. der weiblichen Bevölkerung

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathausplatz

Der Traunreuter Stadtrat besteht aus 30 Sitzen, die seit den Kommunalwahlen in Bayern 2014 auf folgende Parteien und Listen verteilt sind:

Partei/Liste CSU SPD FW Bürgerliste Grüne Gesamt
Sitze 11 5 6 5 3 30
Stimmenanteil 37,23 % 16,31 % 21,1 % 16,25 % 9,11 % 100 %

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Grün ein silbernes Zahnrad über einem silbernen Wellenbalken.

Das Zahnrad symbolisiert die industrielle Wirtschaftsstruktur des Ortes und nimmt Bezug auf die Entstehungsgeschichte der Stadt als Industriesiedlung auf dem Gelände einer ehemaligen Heeresmunitionsanstalt. Der Wellenbalken nimmt als redendes Element den Namen der Gemeinde auf und verweist auf die Lage am Ufer der Traun.

Das Wappen wird nach Beschluss des Gemeinderats und der Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern seit dem 3. Oktober 1955 geführt. Zuvor hatte die Gemeinde am 14. Juli 1953 eine Flagge in den Farben Weiß und Grün angenommen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholisch sind 67 % der Einwohner, evangelisch 21 %, eine sonstige Religionszugehörigkeit oder keine Religion haben 12 % der Einwohner. Katholische Pfarrgemeinden existieren in Traunwalchen, St. Georgen und Traunreut, eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde sowie eine evangelische Freikirche in Traunreut.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Traunreut

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 2011 eröffnete der Galerist Heiner Friedrich in Traunreut ein neues Museum, DASMAXIMUM KunstGegenwart, in dem u. a. Werke von Georg Baselitz, Imi Knoebel, Walter de Maria, John Chamberlain, Dan Flavin und Andy Warhol zu sehen sind.[7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Traunreut sind einige mittelständische Unternehmen ansässig, geprägt wird die Traunreuter Wirtschaft aber von drei großen Industriebetrieben: Dr. Johannes Heidenhain GmbH (Messtechnik), BSH Hausgeräte GmbH und Siteco Beleuchtungstechnik GmbH.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Traunreut gibt es drei Grundschulen, eine Mittelschule, eine Realschule, zwei Gymnasien, eine Förderschule, sowie eine Volkshochschule.

  • Grundschule Traunreut-Nord, Grundschule Sankt Georgen-Sonnenschule, Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen
  • Werner-von-Siemens-Mittelschule
  • Walter-Mohr-Realschule
  • Johannes-Heidenhain-Gymnasium
  • Schule Schloss Stein (privat)
  • Wilhelm-Löhe-Zentrum
  • Volkshochschule

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich der Stadt verläuft die Bundesstraße 304, die nördlich nach München und südlich nach Traunstein führt.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Traunreut

Mit der Traun-Alz-Bahn der DB Regio/Südostbayernbahn besteht eine Bahnverbindung von und zur Kreisstadt Traunstein.

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RVO-Linien-Busse des Regionalverkehr Oberbayern GmbH fahren innerorts als Citybus und verbinden Traunreut mit Trostberg und Traunstein.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Traunreut

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lorenz Brandl (* 8. August 1882 in Steineck; † 18. Juli 1955 in Trostberg) war Bürgermeister der Gemeinde Stein an der Traun und an der Gründung der Gemeinde Traunreut maßgeblich beteiligt.
  • Raimund Bauer (* 1955 in Heiligkreuz, Bayern), Bühnenbildner und Professor in Hamburg, hat bei Siemens eine kaufmännische Lehre gemacht.
  • Norbert Kühne (* 1941 in Groß-Ottersleben, heute Magdeburg), deutscher Schriftsteller und Psychologe, lebte von 1970 bis 1973 in Traunreut. Er war zum Schluss seines Aufenthalts für die SPD im Rat der Stadt.
  • Wilhelm Manske, deutscher Schauspieler, wohnte zu Beginn der 1970er Jahre in Traunreut.[8]
  • Ralph Möbius (1950 bis 1996) (Rio Reiser) Komponist, Sänger und Schauspieler wohnte von 1951 bis 1956 in Traunreut, sein Vater war Ingenieur bei Siemens.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Ebert: Traunreut 1938–1960. Die Kampfstoffarbeiter. Die Pioniere. Die Munesier. Die junge Gemeinde, herausgegeben von der Stadt Traunreut, Traunreut [etwa 1984]
  • Norbert Kühne: Zu den Bedingungen für die Jugendarbeit in der Provinz - Dargestellt am Beispiel des DVV-Jugendreferenten an der VHS Traunreut/Obb. In: Norbert Kühne: Wir arbeiten mit Jugendlichen. Andreas Achenbach Verlag, Gießen 1975; Seite 95–99, ISBN 3-87958-126-6
  • Ossip Ottersleben: Der Mord am Bürgermeister. Literarischer Verlag Braun, Köln 1977, ISBN 3-88097-060-2 (Der Roman wurde in Traunreut geschrieben; die Stadt diente als Vorlage.)
  • Mario H. Puhane: Traunreut. Sutton Verlag, 2003, ISBN 3-89702-614-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 582
  4. Bürgermeister der Stadt Traunreut seit 1950, auf: Webseite der Stadt Traunreut, abgerufen am 5. April 2016
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 593.
  6. a b Statistik kommunal Traunreut
  7. DASMAXIMUM KunstGegenwart
  8. chiemgau-online.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Traunreut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien