Verwaltungsgliederung Bulgariens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Verwaltungsgliederung Bulgariens nach Oblaste (Bezirken)
Gemeinden in Bulgarien 2020

Die Verwaltungsgliederung Bulgariens bezeichnet die in Bulgarien bestehenden vertikalen administrativen Strukturen.

Der bulgarische Zentralstaat besteht seit 1999 aus 28 Verwaltungsbezirken (Oblaste), welche in 266 Gemeinden aufgeteilt sind.

Die landesweiten Wahlkreise sind bis auf Sofia und Plowdiw identisch mit den jeweiligen Oblasten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bulgarien wurde mit dem Dekret Nr. 1 des Jahres 1999 des Präsidenten in folgende Oblaste untergegliedert:[1]

Oblaste und Gemeinden
Lage Name Bulgarischer Name Ein­wohner (2020)[2] Fläche in km² Dichte in Ew./​km² Umfasste Gemeinden
Blagoevgrad Province location map.svg Blagoewgrad Благоевградска 0.301.138 6.449[3] 048
Burgas Province location map.svg Burgas Бургаска 0.409.750 7.753 051
Haskovo Province location map.svg Chaskowo Хасковска 0.223.625 5.543 042
Dobrich Province location map.svg Dobritsch Добричка 0.170.298 4.723 046
Gabrovo Province location map.svg Gabrowo Габровска 0.105.788 2.023 063
Yambol Province location map.svg Jambol Ямболска 0.116.486 3.336 036
Kardzhali Province location map.svg Kardschali Кърджалийска 0.160.781 3.209 047
Kyustendil Province location map.svg Kjustendil Кюстендилска 0.116.619 3.085 039
Lovech Province location map.svg Lowetsch Ловешка 0.122.490 4.128 031
Montana Province location map.svg Montana Монтанска 0.125.395 3.635 036
Pazardzhik Province location map.svg Pasardschik Пазарджикска 0.251.300 4.459 058
Pernik Province location map.svg Pernik Пернишка 0.120.426 2.390 051
Pleven Province location map.svg Plewen Плевенска 0.233.438 4.333 056
Plovdiv Province location map.svg Plowdiw Пловдивска 0.666.398 5.973 112
Razgrad Province location map.svg Rasgrad Разградска 0.109.810 2.637 043
Rousse Province location map.svg Russe Русенска 0.212.729 2.803 079
Shumen Province location map.svg Schumen Шуменска 0.171.781 3.390 051
Silistra Province location map.svg Silistra Силистренска 0.106.852 2.846 039
Sliven Province location map.svg Sliwen Сливенска 0.182.551 3.544 053
Smolyan Province location map.svg Smoljan Смолянска 0.101.887 3.193 034
Sofia Province location map.svg Oblast Sofia Софийска област 0.238.476 7.059 033
Sofia City Province location map.svg Sofia-Stadt София – град 1.308.412 1.349 983 Sofia

(Bei Wahlen wird die Stadt in drei Wahlkreise unterteilt)

Stara Zagora Province location map.svg Stara Sagora Старозагорска 0.311.400 5.151 061
Targovishte Province location map.svg Targowischte Търговищка 0.110.027 2.710 041
Varna Province location map.svg Warna Варненска 0.470.124 3.820 124
Veliko Tarnovo Province location map.svg Weliko Tarnowo Великотърновска 0.229.718 4.662 051
Vidin Province location map.svg Widin Видинска 0.081.212 3.033 029
Vratsa Province location map.svg Wraza Врачанска 0.157.637 3.937 042

Ehemalige Verwaltungsgliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Wiedergründung Bulgariens war das Land in verschiedene Bezirke mit wechselnden Namen unterteilt.

Fürstentum Bulgarien (1879–1885)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Fürstentum Bulgarien kamen neue Verwaltungseinheiten, die es zuvor (Osmanisches Reich) nicht gegeben hatte.

Am 28. April 1879 wurde die Verfassung von Tarnowo verabschiedet, mit der auch der administrativ-territoriale Aufbau des Fürstentums Bulgarien geregelt wurde. In der Verfassung wurde festgeschrieben, dass sich das Territorium Bulgariens in Okruge (bulgarisch „Okrag“), Okolii und Obschtini (Gemeinden) aufteilt.[4]

Im Folgejahr wurden mit dem Dekret Nr. 317 des Fürsten Alexander I. von Batenberg vom 26. Juni 1880 die in Bulgarien bestehenden 21 Okruge in 58 Okolii gegliedert:[4]

Im Folgejahr, 1881, wurde die Anzahl der Okrags im Fürstentum Bulgarien auf 14 reduziert[5] und 1884 wurden drei ehemaligen Okruge wieder eingerichtet.[6] In dieser Zeit wechselten außerdem ein paar Dörfer ihre Zugehörigkeit zu den Okrugen.[5]

Ostrumelien (1879–1885)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der autonomen Provinz des Osmanischen Reiches war das Land in fünf Departments unterteilt, welche wiederum in 28 Kantone, bzw. Okolii unterteilt waren (siehe Karte).

Administrative Unterteilung der Provinz Ostrumelien

Diese Departments waren:[4]

  1. Plowdiw
  2. Tatarpasardschik (heute Pasardschik)
  3. Stara Zagora
  4. Haskowo
  5. Sliwen
  6. Burgas

Erstes Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. April 1879 schloss eine speziell für diesen Zweck gebildete europäische Kommission ihre Arbeit ab, die entsprechend § 18 des Berliner Vertrages (abgeschlossen auf dem Berliner Kongress 1878) eine Art Verfassung für Ostrumelien (bulgarisch Органически устав на Източна Румелия Organitscheski ustaw na Istotschna Rumelija) ausarbeiten sollte. Die Mitglieder der Kommission unterzeichneten zum Abschluss ein Grundsatzdokument, das nach der Bestätigung durch den osmanischen Sultan in Kraft trat und den administrativen Aufbau von Ostrumelien prinzipiell regelte. In administrativer Hinsicht wurde Ostrumelien in 6 Departments (окръг okrag, jedoch wird auch Department verwendet; auch die Übersetzung „Kreise“ ist möglich) und 28 Kantone (околия okolija) unterteilt.[4]

Mit dem Gesetz über die administrative Unterteilung vom 29. November 1879, das jedoch nicht von der Hohen Pforte bestätigt wurde, wurden die 6 Okruge von Ostrumelien zusätzlich in 28 Okolii unterteilt:[4]

Zweites Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. November 1880 wurde von der Gebietsversammlung (bulgarisch Областно събрание Oblastno sabranije) ein anderes Gesetz verabschiedet. Es unterschied sich vom vorhergehenden Gesetz darin, dass die Okolija Kopriwschtiza im Department Tatarpasardschik nicht mehr vorgesehen war, dafür aber im Department Stara Sagora die Okolija Sejmen – mit dem Zentrum Sejmen (heute Simeonowgrad). Auch wurden einige Dörfer in ihrer administrativen Zuordnung von einer Okolija zur anderen verschoben. Das neue Gesetz wurde ebenfalls nicht von der Hohen Pforte bestätigt, trotzdem wurde es von der Gebietsversammlung angewendet.[4]

Okruge (1885–1901)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung im vereinten Fürstentum Bulgarien bis ca. 1901

Nachdem sich Bulgarien und Ostrumelien vereinigten, bestand das System aus Okruge weiter, nur mit der Einschließung Ostrumeliens, wie die Karte zeigt. Es gab jedoch kleinere Änderung, die hauptsächlich einzelne Dörfer betrafen.[6]

Neu hinzugekommen war, dass die Räte der Okruge von den Bewohnern des jeweiligen Gebietes gewählt werden konnten. Die so demokratisch gewählten Vertreter hatten eine dreijährige Amtszeit.[6]

Folgende Verwaltungsbezirke (Okruge) waren vorhanden:[6]

  1. Sofia
  2. Tran
  3. Kjustendil
  4. Tatarpasardschik
  5. Plowdiw
  6. Chaskowo
  7. Stara Sagora
  8. Sliwen
  9. Burgas
  10. Warna
  11. Schumen
  12. Rasgrad
  13. Silistra
  14. Russe
  15. Tarnowo
  16. Swischtow
  17. Sewliewo
  18. Lowetsch
  19. Plewen
  20. Wratza
  21. Orechowo
  22. Lom
  23. Widin

Neufassung Okruge (1901–1919)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung ab ca. 1901

Ab 1901 wurden die Okruge neu eingeteilt. Bulgarien bestand damals aus 12 relativ großen Okrugen.[6]

Damalige Verwaltungsgliederung:

  1. Burgas
  2. Warna
  3. Widin
  4. Wratza
  5. Kjustendil
  6. Plowdiw
  7. Plewen
  8. Russe
  9. Sofia
  10. Stara Zagora
  11. Tarnowo
  12. Schumen

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung Bulgariens im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg wurde das Land in neue Okruge unterteilt, welche auch die neu eroberten Gebiete mitumfassten. So bestanden die „alten“ weiterhin bzw. wurden vergrößert und es bildeten sich neue.[6]

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Okruge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg bestanden die alten 12 Okruge weiter. Es wurden jedoch drei neue gebildet, womit die Zahl auf 15 anstieg. 1922 wurden es mit Chaskowo 16.[6]

Oblaste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung 1934–1941

1934 wurde das Zarenreich in 7 Oblaste unterteilt.

Diese Oblaste waren:[6]

  1. Burgas
  2. Wraza
  3. Plewen
  4. Plowdiw
  5. Sofia
  6. Stara Sagora
  7. Schumen

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung im Zweiten Weltkrieg

1941 trat Bulgarien in den Zweiten Weltkrieg an Seite der Achsenmächte ein. Damit änderte sich auch die Verwaltungsgliederung rasch, da neue Gebiete und damit auch neue Oblaste hinzukamen (siehe Karte). Diese waren im heutigen Nordmazedonien (in der Karte grün) bzw. in Griechenland (in der Karte lila).

Im selben Jahr entstand die Oblast Russe. 1944 wurde auch in Blagoewgrad eine neue Oblast gegründet.[6]

Zwischenphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurde der Hauptort der Oblast Schumen nach Warna verlegt, woraufhin die ganze Oblast so genannt wurde: Oblast Warna.[6]

Volksrepublik Bulgarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Okolii (1947–1949)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung 1949–1959

Für ein paar Jahre wurde die neugegründete Volksrepublik Bulgarien wieder in Okolii aufgeteilt. Insgesamt waren es 102. Weitere Verwaltungsformen- und ebenen gab es in diesem Zeitraum nicht.[6]

Okruge (1949–1959)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949 wurde Bulgarien wieder in Okruge neu aufgeteilt. Zum ersten Mal stellte Sofia als Region und Stadt zwei Bezirke dar. Zwei Jahre später wurden die Bezirke Widin und Jambol wieder abgeschafft.[6]

Die ursprünglichen 15 Okruge waren:[6]

  1. Burgas
  2. Warna
  3. Widin
  4. Wraza
  5. Gorna Dschumaja (heute Blagoewgrad)
  6. Gorna Orjachowiza
  7. Plewen
  8. Plowdiw
  9. Sofia (Stadtkreis)
  10. Sofia (Region)
  11. Stara Sagora
  12. Russe
  13. Chaskowo
  14. Schumen
  15. Jambol

Okruge (1959–1987)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung 1959–1987

Das Land wurde 1959 neu in Okruge und Gemeinden aufgeteilt. Die Okolii wurden damit endgültig als staatliche Verwaltungseinheit abgeschafft. Das administrative System bestand damit aus zwei Stufen.[6]

  1. Blagoewgrad
  2. Burgas
  3. Warna
  4. Weliko Tarnowo
  5. Widin
  6. Wraza
  7. Gabrowo
  8. Kardschali
  9. Kjustendil
  10. Lowetsch
  11. Michailowgrad (heute Montana)
  12. Pasardschik
  13. Pernik
  14. Plewen
  15. Plowdiw
  16. Rasgrad
  17. Russe
  18. Silistra
  19. Sliwen
  20. Smoljan
  21. Sofia (Stadtkreis)
  22. Sofia (Region)
  23. Stara Sagora
  24. Tolbuchin (heute Dobritsch)
  25. Targowischte
  26. Chaskowo
  27. Schumen
  28. Jambol

Demokratisierung und Oblaste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Demokratisierung des Landes bestanden ab 1987 bis 1998 wieder Oblaste in Bulgarien, die jedoch deutig größer als die jetzigen waren.[7]

Verwaltungsgliederung 1987–1998

So waren je drei bis vier Okruge zu Oblasten als übergeordnete Verwaltungseinheit zusammengefasst worden:[6]

  1. Burgas
  2. Warna
  3. Lowetsch
  4. Michailowgrad (ab 1993 Montana)
  5. Plowdiw
  6. Rasgrad
  7. Sofia (Stadt)
  8. Sofia (Region)
  9. Chaskowo

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. За областта | Областна администрация Добрич. Abgerufen am 11. Mai 2021.
  2. Bevölkerung nach Oblast, Gemeinde und Geschlecht | NSI. In: Offizielle Website des NSI. Nationales Statistisches Institut (NSI), abgerufen am 10. Mai 2021 (bulgarisch).
  3. За областта - Областна администрация Благоевград. Abgerufen am 10. Mai 2021.
  4. a b c d e f Dimitar Popow: Administrativ-territorialer Aufbau Bulgariens (Teil Eins). RDP, abgerufen am 21. Juli 2021.
  5. a b Administrativ-territorialer Aufbau Bulgariens (Teil Zwei). RDP, abgerufen am 21. Juli 2021.
  6. a b c d e f g h i j k l m n o Administrativ-territorialer Aufbau Bulgariens (Teil Drei). RDP, abgerufen am 21. Juli 2021.
  7. Staatliche Zeitung. 1987, abgerufen am 27. Mai 2021 (bulgarisch).