Arbeiter

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Darstellung eines Arbeiters durch die Kommunistische Internationale in den 1920er Jahren

Ein Arbeiter ist ein Mensch mit Erwerbstätigkeit, die weitgehend aus physikalischer Arbeit ohne Selbständigkeit besteht.

Nach Wirtschaftssektoren sind Landarbeiter, Industriearbeiter, und Arbeiter in Dienstleistungsbranchen wie dem Speditionswesen zu unterscheiden.

Man unterscheidet auch Facharbeiter, angelernte Arbeiter und ungelernte Arbeiter.[1] Dass man durch gesonderte Ausbildung mit Abschlussprüfung zum Facharbeiter wird, ist weitgehend eine Besonderheit des deutschen Sprachraums, wogegen ansonsten der Übergang vom angelernten Arbeiter fließend ist.

Wie viel Verantwortung einem Arbeiter zukommt, ist im Einzelfall sehr unterschiedlich und reicht seit den 1980er Jahren bei Toyota so weit, dass jeder Arbeiter in der Fließbandfertigung aufgerufen ist, im Zweifelsfall die gesamte Produktion zu stoppen, was in anderen Unternehmen zu sofortiger Kündigung führen würde.[2]

Die auf die Industrielle Revolution folgende Arbeiterbewegung hatte erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Weltpolitik.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wird zwischen Arbeitern, Angestellten und Beamten unterschieden, was weltweit nicht üblich ist.[3]

Bis zur Reform des Betriebsverfassungsgesetzes im Jahr 2001 wurde gesetzlich zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden, § 5 Abs. 1 BetrVG subsumiert beide unter dem Oberbegriff „Arbeitnehmer“.[4]

Diese gesetzliche Änderung zeigte Auswirkungen auf einige Manteltarifverträge. So wurde die Trennung von Arbeitern und Angestellten – die in manchem Industriebetrieb die gleiche oder eine ähnliche Tätigkeit verrichten – aufgehoben, etwa im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD) und im Tarifvertrag über das Entgelt-Rahmenabkommen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Prozentuale Anteile Arbeiter/Angestellte an der Gesamtzahl der Angestellten und Arbeiter in Deutschland 1962–2003

Aus der Abbildung wird deutlich, wie die Anzahl der Arbeiter von 1962 bis 2003 kontinuierlich zurückgegangen ist und die Anzahl der Angestellten zugenommen hat. Diese Auswertung basiert auf den Versichertenzahlen der LVAen und der BfA (also ohne Berücksichtigung der Anzahl der Beamten). Inzwischen gibt es in Deutschland mehr Angestellte als Arbeiter.

Arbeiter und Angestellte waren (in Deutschland) bis zum 1. Oktober 2005 bei unterschiedlichen Organisationen rentenversichert (Arbeiter in den Landesversicherungsanstalten, Angestellte in der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte). Diese Trennung zwischen der Rentenversicherung der Arbeiter und der Angestellten wurde zum 1. Januar 2005 aufgehoben. Mit der Gründung der Deutschen Rentenversicherung zum 1. Oktober 2005 erfolgt die Aufteilung auf unterschiedliche Rentenversicherungsträger nach einem Verteilungsschlüssel, nicht mehr nach der Einordnung als Arbeiter oder Angestellter. Mit dem Gesetz über den Ausgleich von Arbeitgeberaufwendungen und zur Änderung weiterer Gesetze (AAG) vom 22. Dezember 2005 ist dieser Status auch nicht mehr für das Umlageverfahren für die (teilweise) Erstattung der Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall relevant. Im Krankenversicherungsrecht und Kündigungsschutz existiert die Unterscheidung in Arbeiter und Angestellte schon seit Jahren nicht mehr.

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein

  • Ernst Jünger: Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt (1932). Stuttgart 1982 (Der Arbeiter als allgemeines Symbol der modernen Technik)
  • Ingrid Kuczynski (Hrsg.): Den Kopf tragt hoch trotz allem! Engl. Arbeiterautobiographien d. 19. Jh. Leipzig: Reclam, 1983
  • Wolfgang Ruppert (Hsg.): Die Arbeiter. Lebensformen, Alltag und Kultur von der Frühindustrialisierung bis zum "Wirtschaftswunder". München 1986

Ältere empirische Studien

  • Max Weber: Die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (1891/92), Max Weber-Gesamtausgabe, Band I,3, Tübingen: Mohr, 1984

Literatur zu neueren Entwicklungen

  • Heide Gerstenberger, Ulrich Welke: Arbeit auf See. Zur Ökonomie und Ethnologie der Globalisierung, Münster: Westfälisches Dampfboot, 2. Auflage 2007, ISBN 3-89691-575-4 – exemplarische Studie zur Veränderung der Arbeitswelt
  • Gerrick von Hoyningen-Huene (2002): Betriebsverfassungsrecht, 5. Auflage; München: Verlag C.H. Beck
  • Hans-Günter Thien: Die verlorene Klasse – ArbeiterInnen in Deutschland, Münster: Westfälisches Dampfboot, 2010, ISBN 389691782X
  • Günter Wallraff: Industriereportagen. Als Arbeiter in deutschen Großbetrieben, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1991, ISBN 3-462-02143-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Arbeiter – Zitate
 Wiktionary: Arbeiter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arbeiter. In: Duden Wirtschaft von A bis Z, 5. Auflage, Bibliographisches Institut 2013. Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen am 23. März 2014.
  2.  Sonja A. Sackmann: Toyota Motor Corporation – Eine Fallstudie aus unternehmenskultureller Perspektive. Bertelsmann Stiftung, S. 20 von 43 (PDF online; 323 KB).
  3.  Bernard Gernigon: Labour relations in the public and para-public sector. International Labour Organization, Genf 2007, ISBN 9789221202318 (PDF online; 1 MB).
  4. Gerrick von Hoyningen-Huene (2002): Betriebsverfassungsrecht, 5. Auflage