Die Grenzen des Wachstums

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Grenzen des Wachstums)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Grenzen des Wachstums (engl. Originaltitel: The Limits to Growth) ist eine 1972 am 3. St. Gallen Symposium vorgestellte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft.[1] Ausgangspunkt der Studie war es, zu zeigen, dass das aktuelle individuelle lokale Handeln Aller globale Auswirkungen hat, die jedoch nicht dem Zeithorizont und Handlungsraum der Einzelnen entsprechen.

Die Studie wurde im Auftrag des Club of Rome erstellt[2] und von der Volkswagenstiftung mit seinerzeit einer Million DM finanziert.[3] Donella und Dennis L. Meadows und deren Mitarbeiter am Jay W. Forresters Institut für Systemdynamik führten dazu eine Systemanalyse und Computersimulationen verschiedener Szenarien durch.[2]

Das benutzte Weltmodell diente der Untersuchung von fünf Tendenzen mit globaler Wirkung: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum. So wurden Szenarien mit unterschiedlich hoch angesetzten Rohstoffvorräten der Erde berechnet, oder eine unterschiedliche Effizienz von landwirtschaftlicher Produktion, Geburtenkontrolle oder Umweltschutz angesetzt.

Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels für 1973 an den Club of Rome in der Paulskirche Frankfurt. V. l. n. r.: Ernst Klett, Aurelio Peccei, Eduard Pestel (beide Mitglieder des Exekutiv-Komitees des „Club of Rome“)

Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden.[4] 1973 wurde der Club of Rome dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

1972: Ergebnisse der ursprünglichen Veröffentlichung[Bearbeiten]

Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes waren: Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.[5]

Das Projektteam
Dennis L. Meadows (USA)
Alison A. Anderson (USA)
Ilyas Bayar (Türkei)
Farhad Hakimzadeh (Iran)
Judith A. Machen (USA)
Donella H. Meadows (USA)
Nirmala S. Murthy (Indien)
Jørgen Randers (Norwegen)
John A. Seeger (USA)
Erich Zahn (Deutschland)
Jay M. Anderson (USA)
William W. Behrens III (USA)
Steffen Harbordt (Deutschland)
Peter Milling (Deutschland)
Roger F. Naill (USA)
Stephen Schantzis (USA)
Marilyn Williams (USA)

Das Erreichen der Wachstumsgrenzen könnte zu einem ziemlich raschen und nicht aufhaltbaren Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität führen, wenn dadurch die Umwelt irreparabel zerstört oder die Rohstoffe weitgehend verbraucht würden. Ein Ändern der Wachstumsvoraussetzungen, um einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrechtzuerhalten sei, erschien jedoch möglich. Je eher sich die Menschheit entschließe, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginne, desto größer wären die Chancen, ihn auch zu erreichen.

Die Zusammenbruchs-Szenarien wurden – unter anderem – mit der Dynamik eines exponentiellen Wachstums begründet. Der Bericht beschreibt daher im ersten Teil die Mathematik des exponentiellen Wachstums sehr ausführlich und allgemeinverständlich. Im Falle der Weltbevölkerung gab es um 1650 eine Verdoppelungszeit von 250 Jahren. 1970 betrug die Verdoppelungszeit der Weltbevölkerung aber nur noch 33 Jahre. Ein solches Wachstum nannten die Autoren „superexponentiell“.[6] Die Aussagen des Berichts zur Weltbevölkerung im Jahr 2000 sind inzwischen überprüfbar. In diesem Jahr lebten mit sechs Milliarden Menschen annähernd genau soviele Menschen wie im Standardlauf des Weltmodells berücksichtigt wurden.[7]

Der zweite wesentliche Effekt in den Szenarien war die Einführung von Regelkreisen, mit denen sich die verschiedenen Komponenten des Weltmodells gegenseitig beeinflussten. Beispielsweise ist das Bevölkerungswachstum abhängig von der Geburten- und der Sterberate. Solange die Geburtenrate höher als die Sterberate ist, wächst die Bevölkerung. Ist die Sterberate höher, so sinkt sie. Geburten- und Sterberate sind aber abhängig von der medizinischen Versorgung und der Nahrungsmittelproduktion. Nahrungsmittelproduktion und medizinische Versorgung hängen wiederum von der Industrieproduktion ab, da diese Auswirkungen auf die Bereitstellung von Technologien für die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen hat.[8]

Eine Besonderheit war zu der Zeit, dass die Simulationen mit Hilfe von Computern erstellt wurden. Die damals bekannten Daten zur Entwicklung der Weltbevölkerung, der Industrieproduktion, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion, der Rohstoffvorräte und andere Daten speiste man in das World3 genannte Computermodell ein. World3 wurde in der Computersprache DYNAMO geschrieben. Damals benötigte man Großrechner, um das Programm laufen zu lassen. Mit dem Erscheinen des 30-Jahre-Updates (siehe unten in diesem Artikel) im Jahre 2004 wurde auch eine CD veröffentlicht, auf der das World3-Computermodell – in der leicht modifizierten Variante 03 – als Computerprogramm enthalten ist. Es läuft auf jedem PC, da PCs heute die Möglichkeiten der damaligen Großrechner weit übertreffen.[9]

Die Simulationsergebnisse der meisten Szenarien ergaben ein weitergehendes, zunächst unauffälliges Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum bis zu einer ziemlich jähen Umkehr der Tendenz vor dem Jahr 2100.[10] Nur sofortige durchgreifende Maßnahmen zum Umweltschutz, zur Geburtenkontrolle, zur Begrenzung des Kapitalwachstums sowie technologische Maßnahmen änderten dieses Systemverhalten, so dass auch Szenarien errechnet werden konnten, unter denen sich die Weltbevölkerung wie auch der Wohlstand langfristig konstant halten ließen. Zu diesen technologischen Maßnahmen gehörten Wiederverwendung von Abfällen, verlängerte Nutzungsdauer von Investitionsgütern und anderer Arten von Kapitalgütern sowie Handlungen zur langfristigen Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit land- und forstwirtschaftlicher Betriebe.[11] Die Autoren hatten nicht nur Katastrophenszenarien als Ergebnis erhalten, sondern auch Szenarien, die zu einem Zustand des Gleichgewichts führten.

Meadows et al. behandelten die wichtige Technologiefrage besonders ausführlich in einem eigenen Kapitel.[12] In diesem wird unter anderem ein Szenario durchgerechnet, in dem es mithilfe der Technik gelingt, den Rohstoffverbrauch durch vollständiges Recycling auf Null zu senken.[13] In einem weiteren Szenario werden „unbegrenzte Rohstoffvorräte“ und eine durch Technik massiv verringerte Umweltverschmutzung berücksichtigt,[14] schließlich werden diese Modelle noch um erhöhte landwirtschaftliche Produktivität und perfekte Geburtenkontrolle ergänzt.[15] Es zeigte sich, dass – gemäß der Modellvorstellung – auch maximale Technologie keinen Systemzusammenbruch verhindert, sofern das Produktionskapital unbegrenzt weiter wachsen würde, weil selbst eine maximale Technologie die negativen Folgen nicht mehr kompensieren könne.

Bevölkerungswachstum war in den Modellen zunächst eine Voraussetzung für die Steigerung der Wirtschaftsleistung, da die Bevölkerungszahl Auswirkungen auf die Rohstoffproduktion, die Nahrungsmittelproduktion, die nachgefragten Dienstleistungen und die Industrieproduktion hätten.[16] Diese wirtschaftsfördernden Aspekte des Bevölkerungswachstums würden aber bei einer Grenzüberschreitung ins Gegenteil umschlagen, da die Kapitalabnutzung dann größer als die Investitionsrate wäre. Dies wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn die Kosten der Rohstoffgewinnung immer weiter anstiegen, weil die ergiebigen Lagerstätten erschöpft wären und auf immer minderwertigere Lager zugegriffen werden müsste. Es könne also nach den Ergebnissen des 1972er Berichts kein unendliches Bevölkerungswachstum geben, ohne dadurch irgendwann auch das Industriekapital zu beeinträchtigen.[17]

Den Autoren war bewusst, dass sie die Szenarien teilweise auf der Grundlage ungenügender Daten erstellten, daher wurden Modellläufe sowohl unter der Annahme gleichbleibender wie auch bis zu fünf Mal höherer Reserven, als 1972 nachgewiesen waren, durchgeführt. Hinzu kamen jeweils unterschiedliche Vorgaben für das Wirtschaftswachstum, trotzdem waren aber in den meisten Szenarien die Rohstoffvorräte vor dem Jahr 2100 erschöpft. In dem Bericht wurde deutlich erklärt, dass keine Voraussagen gemacht würden, sondern nur „Hinweise auf die im Weltsystem charakteristischen Verhaltensweisen“[18] gegeben würden.

Meadows et al. erste Studie, wie auch die politisch bedingte Ölkrise von 1973, lösten ein Umdenken insbesondere in den westlichen Staaten aus. Danach kam es zur Entwicklung neuer Technologien, erhöhter Energieeffizienz und einem „qualitativen Wachstum“ mit stärkerer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum, Energieverbrauch und Umweltverschmutzung. In den Ostblockstaaten, so etwa der DDR, wurden Meadows Thesen regierungsamtlich als „feindlich-negativ“ abgelehnt, aber angesichts erheblicher Umweltprobleme insbesondere von der kirchlichen Umweltbewegung und Opposition eingeführt und thematisiert.[19]

Reaktionen auf die Veröffentlichung[Bearbeiten]

Direkt im Anschluss an die Veröffentlichung kam es zu kontroversen Reaktionen. Henry C. Wallich von der University Yale bezeichnete in einem Leitartikel (13. März 1972) in Newsweek Die Grenzen des Wachstums als „irresponsible nonsense“ (unverantwortlichen Unfug). Meadows Katastrophenszenarien würden dazu benutzt, stark von politischen Vorstellungen geprägte subjektive Zukunftsvisionen zu propagieren.

Julian L. Simon und Herman Kahn und spätere Kritiker kritisierten ein Ausblenden des technischen Fortschritts in einer reinen Trendextrapolation[20][21]. Simon und andere halten Bevölkerungswachstum wie im Baby Boom für eine Voraussetzung, nicht ein Hindernis wirtschaftlichen Fortschritts. Allen Kneese und Ronald Riker kritisierten eine uneinheitliche Verwendung von Wachstumsfunktionen: während Bevölkerung, Kapital und Umweltverschmutzung exponentiell wüchsen, würde bei entsprechenden Technologien zur besseren Ressourcennutzung und verringerter Umweltverschmutzung – wenn überhaupt – nur ein lineares Wachstum angenommen.[22] In dem Zusammenhang wurde Meadows auch ein neomalthusianisches Vorgehen unterstellt.

Von Anfang an[22] und bis in die Gegenwart[23] wird häufig kritisiert, dass das Versiegen einzelner Rohstoffe zu bestimmten Jahreszahlen noch im 20. Jahrhundert vorhergesagt würde. Ob Grenzen des Wachstums diese falsche Vorhersage enthält, ist umstritten. Eine mögliche Sichtweise ist, dass es sich um eine Fehlinterpretation handelt: Die Studie listet für Rohstoffe jeweils drei „Indexzahlen[24] für die Knappheit auf, von denen die Kritiker eine als Reichweitenprognose fehlinterpretieren. Die andere Sichtweise ist, dass tatsächlich ein Versiegen im 20. Jahrhundert impliziert wurde oder zumindest die Verwechslungsmöglichkeit in Kauf genommen wurde. Ein Indiz für diese Sichtweise ist, dass der Umweltrat der US-Regierung am Beginn des Abschnitts über nichtregenerierbare Rohstoffe unkommentiert mit folgender Aussage zitiert wird: „Bei der gegenwärtigen Expansionsrate [...] können Silber, Zink und Uran selbst bei sehr hohen Preisen noch in diesem Jahrhundert knapp werden.“

Im Juni 2008 veröffentlichte Graham Turner von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) eine Studie, in der er die historischen Daten für die Jahre von 1970 bis 2000 mit den Szenarien der ursprünglichen Studie von 1972 verglich. Er fand eine große Übereinstimmung mit den Vorhersagen des Standardszenarios, das in einem globalen Kollaps in der Mitte des 21. Jahrhunderts resultiert.[25][26]

1992: Die neuen Grenzen des Wachstums[Bearbeiten]

1992 wurden Die neuen Grenzen des Wachstums veröffentlicht. Neue Erkenntnisse (beispielsweise größere Rohstoffvorkommen als 20 Jahre zuvor bekannt) und die in der Zwischenzeit eingetretene Entwicklung wurden in die aktualisierten Simulationen aufgenommen, dennoch bleiben die Ergebnisse in der Tendenz ähnlich. Ebenso wie im 1972er Bericht enden die meisten Szenarien mit „Grenzüberziehung und Zusammenbruch“.[27] Durch Geburtenbeschränkung, Produktionsbeschränkung, Technologien zur Emissionsbekämpfung, Erosionsverhütung und Ressourcenschonung ließe sich aber ein Gleichgewichtszustand erreichen. Je später mit diesen Maßnahmen begonnen würde, desto niedriger wäre der erreichbare materielle Lebensstandard. Insgesamt wurden 13 Szenarien in dem Bericht vorgestellt, von denen drei zu einem Gleichgewichtszustand führen.[28]

Die Simulationen von 1992 wurden vor dem Hintergrund einer gegenüber 1972 verbesserten Datensituation durchgeführt. So erwähnten die Autoren 1972 die Klimawirkung durch Treibhausgase zwar, konnten die Folgen jedoch nicht überblicken. 1992 konnte der menschengemachte Treibhauseffekt bereits sehr viel besser abgeschätzt werden.[29] Ein eigenes Kapitel wird dem durch FCKW verursachten Abbau der Ozonschicht gewidmet. Hierin wird einerseits das Problem einer Grenzüberziehung durch FCKW-Emissionen beschrieben und andererseits aber auch deutlich gemacht, dass die Menschheit fähig ist, auf globale Probleme zu reagieren und internationale Vereinbarungen zum Schutz der Ozonschicht zu beschließen.[30]

2004: Das 30-Jahre-Update[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 veröffentlichten die Autoren das 30-Jahre-Update. Darin brachten sie die verwendeten Daten auf den neuesten Stand, nahmen leichte Veränderungen an ihrem Computermodell World3 vor und errechneten anhand verschiedener Szenarien mögliche Entwicklungen ausgehend vom Jahr 2002 bis zum Jahr 2100. In den meisten der errechneten Szenarien ergibt sich ein Überschreiten der Wachstumsgrenzen und ein anschließender Kollaps („overshoot and collapse“) bis spätestens 2100. Fortführung des „business as usual“ der letzten 30 Jahre führe zum Kollaps ab dem Jahr 2030.

Auch bei energischem Umsetzen von Umweltschutz- und Effizienzstandards kann diese Tendenz oft nur abgemildert, aber nicht mehr verhindert werden. Erst die Simulation einer überaus ambitionierten Mischung aus Einschränkung des Konsums, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, Reduktion des Schadstoffausstoßes und zahlreichen weiteren Maßnahmen ergibt eine nachhaltige Gesellschaft bei knapp 8 Mrd. Menschen.

Die Studie von 2004 geht auch auf die Entwicklung von 1972 bis 2002 ein und beschreibt unter anderem

  • eine Zunahme des sozialen Gefälles (20 % der Erdbevölkerung verfügten über 85 % des globalen BIP)
  • die Bodenqualität (40 % der Ackerflächen würden übernutzt)
  • die Überfischung (75 % der Fischbestände seien bereits abgefischt) und wie bereits 1972, dass
  • die Erschöpfung fossiler Rohstoffe in wenigen Jahrzehnten bevorstehe.

Die Autoren nehmen an, dass die Kapazität der Erde, Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe zu absorbieren (siehe ökologischer Fußabdruck) bereits im Jahr 1980 überschritten worden sei und weiterhin überschritten werde (im Jahr 2004 schon um ca. 20 %).

2012 – 40 Jahre danach[Bearbeiten]

Die 40-Jahre-Prognose bis 2052[Bearbeiten]

Im Mai 2012 stellte Jørgen Randers, der bereits bei der ersten Publikation von 1972 unter den Autoren gewesen war, bei einer Veranstaltung des Club of Rome eine abermals erneuerte Prognose unter dem Titel 2052: A Global Forecast for the Next Forty Years vor.[31]

Already Beyond? – 40 Years Limits to Growth[Bearbeiten]

Bereits zu spät? Podiumsdiskussion im Galeriegebäude der Herrenhäuser Gärten
Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, dankte den Teilnehmern des Herrenhäuser Symposiums

40 Jahre, nachdem die Volkswagenstiftung die erste Studie zu den Grenzen des Wachstums finanziert hatte,[3] lud die Volkswagenstiftung Ende November 2012 in ihrer Veranstaltungsreihe Herrenhäuser Symposien zu einem zweitägigen Symposium unter dem Titel Already Beyond? – 40 Years Limits to Growth (übers.: „Bereits zu spät? …“). Begleitet von einer „Winterschool“ in Visselhövede unter dem Leitthema „Limits to Growth Revisited“ für 60 Nachwuchs-Wissenschaftler, trafen sich im Galeriegebäude der Herrenhäuser Gärten in Hannover international „etablierte Fachvertreter“ zu der Konferenz, um über aktuelle Erkenntnisse zu diskutieren.[32] Zu den Teilnehmern auf dem Podium gehörten, neben Dennis L. Meadows,[33]

Tradition[Bearbeiten]

„Die Grenzen des Wachstums“ steht in einer langen Tradition von wachstumskritischen Veröffentlichungen. Die Kritik an exponentiellen Wachstumsprozessen ist jahrtausendealt. Bekannt sind die Weizenkornlegende und der Josephspfennig. Auch in der Bibel wird, an mehreren Stellen, ein Zinsverbot ausgesprochen, z. B. im Deuteronomium 23,20-21: „Du sollst deinem Bruder keinen Zins auferlegen, Zins für Geld, Zins für Speise, Zins für irgendeine Sache, die man gegen Zins ausleiht. Dem Fremden magst du Zins auferlegen, aber deinem Bruder darfst du nicht Zins auferlegen, damit der Herr, dein Gott, dich segnet in allem Geschäft deiner Hand in dem Land, in das du kommst, um es in Besitz zu nehmen.“. Ebenso im Koran, in Sure 3, Vers 130 „Ihr Gläubigen! Nehmt nicht Zins, indem ihr in mehrfachen Beträgen wiedernehmt, was ihr ausgeliehen habt!“.

Dem Kapitel I, des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“, stellten die Autoren ein Zitat von Han Fei-Tzu voraus (ca. 500 v. Chr.):„Die Menschen meinen, fünf Söhne seien nicht zuviel und jeder Sohn habe fünf Söhne; wenn der Großvater stirbt hat er fünfundzwanzig Nachkommen. Deshalb gibt es immer mehr Menschen und ihr Reichtum schwindet dahin; sie arbeiten hart um geringen Lohn.“ [34] Aristoteles sagte, 322 v. Chr.: „Die meisten Leute meinen, ein Staat, der die Menschen glücklich machen könne, müsse groß sein; aber selbst wenn sie recht haben sollten, wissen sie doch nicht, was eigentlich groß und klein bei Staaten bedeuten soll... Auch für die Größe von Staaten gibt es eine Grenze, so wie für jedes andere Ding, für Pflanzen, Tiere und für Handwerkzeuge; denn diese Dinge verlieren ihre natürliche Wirksamkeit, wenn sie zu groß oder zu klein sind; entweder gehen sie völlig ihrer Eigenart verlustig oder sie werden zerstört.“[35] Thomas Robert Malthus warnte 1798 in seinem Aufsatz The Principle of Population vor der Bevölkerungsfalle, die durch Bevölkerungswachstum entstünde. 1865 prognostizierte William Stanley Jevons in The Coal Question eine Erschöpfung der Kohlevorkommen für das Jahr 1980 und formulierte das Jevons’ Paradoxon: Technischer Fortschritt, der zu einer effizienteren Nutzung von Rohstoffen führt, kann dennoch zu einem Mehrverbrauch dieser Rohstoffe führen.

Infolge des Berichts Die Grenzen des Wachstums erschienen wiederum eine Reihe von wachstumskritischen Berichten, teilweise mit internationaler Verbreitung, teilweise mit regionalem Bezug. Der bedeutendste Folgebericht ist wahrscheinlich „Global 2000 - Der Bericht an den Präsidenten“. Im Anhang dieses Berichtes werden auch die verschiedenen Weltmodelle diskutiert, von denen World 3 nur eines von vielen ist, Global 2000 selbst basierte auf dem sogenannten „Weltmodell der Regierung“ (gemeint ist die US-Regierung). Im deutschsprachigen Raum erschien 1994 das Buch „Wahnsinn Wachstum“ von Reiner Klingholz. [36] In dem reich bebilderten Werk wurden auch die Diagramme der Studie „Die neuen Grenzen des Wachstums“ gezeigt. Auf diese Kurven griff auch der 1995 erschienene Bericht an den Club of Rome „Faktor 4 - Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch“, von Ernst Ulrich von Weizsäcker und Amory B. Lovins und L. Hunter Lovins, zurück.[37]

Etwa zur selben Zeit wie das 30-Jahre-Update ergab das 2005 veröffentlichte Millennium Ecosystem Assessment, dass von 24 Schlüssel-Ökosystemen 15 übernutzt werden, was einer Quote von 60 % entspricht. Bei einigen Systemen zeigten sich die Folgen bereits, bei anderen würde die Funktionsfähigkeit unter andauerndem Stress in Zukunft nachlassen, so die Schlussfolgerungen der Studie.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Grenzen des Wachstums wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Sachbücher aufgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anorthe Kremers, Nataliya Moor, Matthias Nöllenburg, Vanessa Spittau: Already beyond? 40 Years ‚Limits to Growth‘ (engl.), pdf-document for the Herrenhausen Symposium, November 28-29, 2012, published by Volkswagen Foundation, Hannover 2012
  • Douglas E. Booth: Hooked on Growth. 2004, ISBN 0-7425-2718-2
  • Deutscher Studienpreis (Hrsg.): Ausweg Wachstum? Arbeit, Technik und Nachhaltigkeit in einer begrenzten Welt. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-531-15300-1
  • Takis Fotopoulos: Umfassende Demokratie. Die Antwort auf die Krise der Wachstums- und Marktwirtschaft. Trotzdem Verlag, Grafenau 2003, ISBN 3-931786-23-4 (englische Ausgabe)
  • Karsten Herzmann & Caroline Seibert: Neue Perspektiven für die ökologische Wachstumskritik. In: Zeitschrift für Wachstumsstudien. Nr.1, 2005 (PDF; 376 KB)
  • Athanasios Karathanassis: Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum. VSA, Hamburg 2003, ISBN 3-89965-018-2.
  • Mihailo Mesarovic & Eduard Pestel: Mankind at the turning point. Dutton, 1974
    • Menschheit am Wendepunkt. Zweiter Bericht an den Club of Rome zur Weltlage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1974, ISBN 3-421-02670-X.
  • Horst E. Richter (Hrsg.): Wachstum bis zur Katastrophe? Pro und Contra zum Weltmodell. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1974, ISBN 3-421-02661-0
  • Rupert Riedl & Manuela Delpos (Hrsg.): Die Ursachen des Wachstums. 1996, ISBN 3-218-00628-7
  • Friedrich Schmidt-Bleek: Wieviel Umwelt braucht der Mensch? Das Maß für ökologisches Wirtschaften. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-7643-2959-9.
  • Reinhard Steurer: Der Wachstumsdiskurs in Wissenschaft und Politik. Von der Wachstumseuphorie über „Grenzen des Wachstums“ zur Nachhaltigkeit. VWF, Berlin 2002, ISBN 3-89700-338-4
  • Bernhard Verbeek: Die Anthropologie der Umweltzerstörung. Die Evolution und der Schatten der Zukunft. 3. erweiterte Auflage. Primus-Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-099-9
  • David Woodward & Andrew Simms: Growth Isn’t Working. New Economics Foundation, London 2006, ISBN 1-904882-06-4 (PDF; 888 KB)
  • Irmi Seidl & Angelika Zahrnt (Hrsg.): Postwachstumsgesellschaft - Konzepte für die Zukunft, Metropolis Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-89518-811-4, mit einem Geleitwort von Bundespräsident a. D. Horst Köhler

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: The Limits to Growth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tages-Anzeiger, 19. Mai 2005, Der kleine Bruder des WEF, gefunden auf www.stgallen-symposium.org.
  2. a b Jay W. Forrester: Der teuflische Regelkreis. Kann die Menschheit überleben? Deutsche Verlags-Anstalt, 1972, ISBN 3-421-02632-7
  3. a b Jens Rehländer, Barbara Riegler: 40 Jahre "Grenzen des Wachstums": Öffentliche Abendveranstaltung mit Dennis Meadows auf der Seite volkswagenstiftung.de [o. D.], zuletzt abgerufen am 2. Dezember 2012
  4. Matthew R. Simmons: Revisiting the Limits to Growth: Could the Club of Rome Have Been Correct, After All? Oktober 2000, S. 1 (PDF; 522 kB)
  5. Meadows u. a.: Die Grenzen des Wachstums 1972, Übersetzung von Hans-Dieter Heck, 14. Aufl., Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1987, ISBN 3-421-02633-5: S. 17;
  6. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 26, 1. Absatz
  7. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 25, Abb. 5
  8. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 82–91
  9. Hartmut Bossel: Weltmodell World3-03, ISBN 978-3-86563-387-3
  10. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 79, 1. Abs.
  11. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 148, Abb. 46
  12. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. Kapitel IV
  13. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 119, Abb. 36
  14. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 123, Abb. 39
  15. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 119 ff., Abb. 40–42
  16. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 86, Abb. 25
  17. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 113, Abb. 35
  18. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 79, 1. Absatz, 9. Zeile
  19. Saskia Gerber: Die Umweltbewegung in der DDR. GRIN Verlag, 2007, ISBN 3-638-72650-9
  20. Julian L. Simon: The Ultimate Resource. 1981, ISBN 0-85520-563-6; ders.: The Ultimate Resource II. 1996, ISBN 0-691-00381-5
  21. Julian L. Simon & Herman Kahn (Hrsg.): The Resourceful Earth: A Response to „Global 2000“. 1984, ISBN 0-631-13467-0
  22. a b Newsweek, 13. März 1972, S. 103
  23. Alexander Neubacher: Mal wieder Weltuntergang. In: Der Spiegel. Nr. 44, 31. Oktober 2011
  24. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. S. 45–49
  25. Graham Turner: A Comparison of The Limits to Growth with Thirty Years of Reality. In: Socio-Economics and the Environment in Discussion (SEED). CSIRO Working Paper Series Number 2008-09. Juni 2008, ISSN 1834-5638 (PDF; 706 KB)
  26. Jeff Hecht: Prophesy of economic collapse „coming true“. In: New Scientist. 17. November 2008
  27. Meadows et al.: Die neuen Grenzen des Wachstums, Rowohlt 1995, ISBN 3-499-19510-0 S. 162
  28. Meadows et al.: Die neuen Grenzen des Wachstums, Szenarien 1–13
  29. Meadows et al.: Die neuen Grenzen des Wachstums. S. 123–127
  30. Meadows et al.: Die neuen Grenzen des Wachstums. s. Kapitel 5
  31. Club of Rome: The count-up to 2052: An overarching framework for action
  32. Jens Rehländer, Barbara Riegler: "Already Beyond? - 40 Years Limits to Growth" (engl.) auf der Seite volkswagenstiftung.de [o. D.], zuletzt abgerufen am 2. Dezember 2012
  33. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Anorthe Kremers, Nataliya Moor, Matthias Nöllenburg, Vanessa Spittau: Already beyond? … (siehe Literatur)
  34. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. s. Kapitel 1
  35. Meadows et al.: Die Grenzen des Wachstums. s. Kapitel 5
  36. Reiner Klingholz: Wahnsinn Wachstum - Wieviel Mensch erträgt die Erde?, ISBN 3-570-19026-9
  37. Weizsäcker, Lovins, Lovins: Faktor 4 - Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch, ISBN 3-426-26877-9