Großrückerswalde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großrückerswalde
Großrückerswalde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großrückerswalde hervorgehoben
50.62916666666713.119166666667536Koordinaten: 50° 38′ N, 13° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 536 m ü. NHN
Fläche: 26,69 km²
Einwohner: 3508 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09518
Vorwahl: 03735
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 250
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marienberger Str. 108
09518 Großrückerswalde
Webpräsenz: www.grossrueckerswalde.de
Bürgermeister: Jörg Stephan (CDU)
Lage der Gemeinde Großrückerswalde im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Borstendorf Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Lugau/Erzgeb. Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Zwönitz Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Pockau-Lengefeld Lößnitz (Erzgebirge) Lugau/Erzgeb. Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pfaffroda Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Marienberg Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild

Großrückerswalde ist eine Gemeinde im Erzgebirgskreis des Freistaats Sachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Großrückerswalde liegt im und am Tal der Preßnitz (Fluss). Der höchste Punkt des Ortes ist das Alte Gericht mit 742 m, der niedrigste Punkt ist an der Mündung der Preßnitz in die Zschopau mit 395 m. Das 3 km lange Waldhufendorf Großrückerswalde liegt in einer Ost-West-Richtung in einem rechten Nebental der Preßnitz. Das 1 km lange Waldhufendorf Streckewalde liegt am Westhang des Preßnitztales. Mauersberg, ebenfalls ein Waldhufendorf, liegt auf einer Hochfläche westlich der Preßnitz. Niederschmiedeberg liegt im Preßnitztal als ehemalige Ansiedlung um ein Hammerwerk. Schindelbach ist eine kleinere Ansiedlung in einem östlichen Nebental der Preßnitz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinde im Osten ist Marienberg, im Süden Mildenau und im Westen Thermalbad Wiesenbad. Im Nordwesten ist Wolkenstein Nachbargemeinde.

Gliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Großrückerswalde mit Boden und Schindelbach[Bearbeiten]

Rittergut Großrückerswalde (um 1860)

Die erste urkundliche Erwähnung als Rotgerswalde datiert auf den 8. April 1386. Markgraf Wilhelm I. von Meißen wies der Witwe Anargs von Waldenburg die Herrschaft Scharfenstein mit dazugehörigen Dörfern, darunter Großrückerswalde, als Witwensitz zu.[2] Das Dorf wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet und erhielt zu dieser Zeit eine erste Pfarrkirche. Über deren Aussehen ist nichts bekannt. 1457/60 (dendro) erhält die Kirche ein hölzernes Wehrgeschoss und wird damit zur Wehrkirche. Boden wird 1525 erstmals als Fotzenbodem erwähnt. Das Vorwerk (Rittergut) Rückerswalde wird 1541 von Andreas von Berbisdorf erworben.

In den Jahren 1543 und 1544 wird durch den Rat der Stadt Marienberg das „halbe Dorf“ Boden, die Bodenmühle, Mauersberg und der Schindelbacher Wald gekauft. Der erste erwähnte Lehrer stirbt nach etwa 50-jähriger Dienstzeit im Jahr 1568. Durch die Pest sterben 1583 72 Personen. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde das sog. Pestbild in der Kirche geschaffen. Es nennt die Namen der Gestorbenen sowie ist eine der ältesten bildlichen Darstellung eines Dorfes in Sachsen. Zwischen 1590 und 1611 werden die Mühlen in Judenstein, Hirschleithe und am Fichtebach errichtet.

1705 wird ein Schulgebäude errichtet. 1707 wird der Ort „Fernrückerswalde“ genannt. Friedrich Ludwig Graf zu Solms-Wildenfels und Tecklenburg kaufte 1744 das Rittergut. 1752 wird Schindelbach erstmals urkundlich erwähnt. 1801 wird eine Feuerspritze erworben und ein Jahr später ein hölzernes Spritzenhaus errichtet. 1810 brennen das Rittergut sowie das Schloss ab. 1820 wird der Ort erstmals „Großrückerswalde“ genannt. 1821 wird in Boden eine steinerne Brücke über die Preßnitz errichtet. Um 1850 wird der Rittergutsbezirk mit den Ortsteilen Fichtenbach, neue Häuser, Scheidebach und Haus am Wasser eine eigene Gemeinde (Rückerswalde). 1864 wird das alte Schulgebäude durch einen Neubau ersetzt. Eine Postagentur wird 1880 eingerichtet. Die Freiwillige Feuerwehr Großrückerswalde wird am 13. Februar 1881 gegründet, die Freiwillige Feuerwehr Rückerswalde wird 1891 gegründet. 1887 wird eine Fernsprechleitung nach Marienberg errichtet. Am 31. Mai 1892 wird die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt eingeweiht. In Schindelbach wird 1894 ein Schulgebäude errichtet. 1911 wird ein Gemeindeamt errichtet. An die Elektrizitätsversorgung wird der Ort 1913 angeschlossen.

Zu einer Influenza-Epidemie kommt es 1918 während der Spanischen Grippe. 1924 werden die Freiwilligen Feuerwehren in Boden und Schindelbach gebildet. Schindelbach wird 1927 an die Elektrizitätsversorgung angeschlossen. Der Rittergutsbezirk Rückerswalde wird 1930 nach Großrückerswalde eingemeindet. Infolge des Kirchenkampfes zwischen den Deutschen Christen und den Bekennenden Christen kommt es zu einer zeitweiligen Spaltung der Kirchgemeinde. Auf dem Hänelberg wird in den Jahren 1935/1936 eine Segelflugschule errichtet. Boden wird mit seinem Ortsteil Schindelbach 1936 nach Großrückerswalde eingemeindet. Damit erhält der Ort einen Bahnhof an der Preßnitztalbahn, welcher ein Jahr später auch in „Großrückerswalde“ umbenannt wurde. 1949 wurde der SV Großrückerswalde 49 gegründet, der bis heute existiert.

Durch die Gesellschaft für Sport und Technik wird 1950 der Flugplatz übernommen. 1956 wird in Schindelbach eine Wasserleitung gebaut. In den Jahren 1961 bis 1963 wird das Schulgebäude neu gebaut (ab 1978 mit Lehrschwimmbecken). Am Hänelberg werden 1968 Sprungschanzen (13 m und 27 m) errichtet. In den Jahren 1969 bis 1979 wird die Ortswasserleitung gebaut. Trotz heftiger Proteste der Bevölkerung wird 1986 die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt stillgelegt und in den folgenden Jahren komplett demontiert. Mit den Gemeinden Mauersberg und Niederschmiedeberg wird ab dem 1. Januar 1993 eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart. Der Flugplatz erhält im gleichen Jahr den Status als Verkehrslandeplatz. Am 1. Januar 1994 werden Mauersberg und Niederschmiedeberg eingemeindet. 1996 wird die Evangelische Mittelschule „Erhard und Rudolf Mauersberger“ (heute Oberschule) gegründet. Am 1. Januar 1999 wird Streckewalde eingemeindet. Bei dem Hochwasser am 5. Juli 1999 gibt es in Schindelbach ein Todesopfer. Am Samstag vor dem 1. Advent findet in Großrückerswalde jährlich das „Pyramidenanschieben“ statt.

Für 2013 wird ein Zusammenschluss mit der benachbarten Gemeinde Mildenau angestrebt, wobei der Verwaltungssitz der neu entstehenden Gemeinde Preßnitztal mit etwa 7500 Einwohnern vermutlich in Großrückerswalde angesiedelt werden soll.[3][4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1930: Rückerswalde mit Fichtenbach, Neue Häuser, Scheidebach und Haus am Wasser
  • 1936: Boden mit Schindelbach
  • 1. Januar 1994: Mauersberg, Niederschmiedeberg[5]
  • 1. Januar 1999: Streckewalde[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

1982 bis 1988

  • 1982 − 4070
  • 1983 − 4065
  • 1984 − 4055
  • 1985 − 4070
  • 1986 − 4050
  • 1987 − 4022
  • 1988 − 4009

1989 bis 1995

  • 1989 − 4000
  • 1990 − 4065
  • 1991 − 4033
  • 1992 − 4000
  • 1993 − 3999
  • 1994 − 4055
  • 1995 − 4077

1996 bis 2002

  • 1996 − 4096
  • 1997 − 4108
  • 1998 − 4130
  • 1999 − 4104
  • 2000 − 4049
  • 2001 − 4018
  • 2002 − 4002

2003 bis 2012

  • 2003 − 4004
  • 2004 − 3982
  • 2005 − 3944
  • 2006 − 3882
  • 2007 − 3868
  • 2009 − 3754
  • 2012 − 3549

ab 2013

  • 2013 − 3508
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 65,1 % (2009: 59,4 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,1 %
14,4 %
n. k.
6,4 %
8,0 %
5,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+2,3 %p
-9,8 %p
-13 %p
+6,4 %p
+8,0 %p
+5,9 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 11 Sitze
  • FDP: 2 Sitze
  • LINKE: 1 Sitz
  • Pro Großrückerswalde (ProG): 1 Sitz
  • Unabhängige Loyale WV (ULWV): 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • seit 1990: Jörg Stephan (CDU)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Evangelische Oberschule „Erhard und Rudolf Mauersberger“
  • Grundschule Großrückerswalde

Ortsansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Home Fashion(R) - Carl Dietrich GmbH, Streckewalde (Servietten, Mitteldecken, Tischläufer, Tischtuchrollen, Tischdecken, Tischsets), Nevelty - Exclusive clothes

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Otto Bräutigam: Segelflieger, 1939 Weltrekordflug über 364 km im Doppelsitzer "Kranich" nach Wien

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Heinz Melzer; Bernd Stephan (Hg.): Festschrift zum 625-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung: Großrückerswalde 1386-2011. Wolkenstein, 2011.
  • Die Parochie Grossrückerswalde. in: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig, S. 348–366 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Grossrückerwalde. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 5. Heft: Amtshauptmannschaft Marienberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großrückerswalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gerhard Reuter, Hermann Pährisch: Eine Urkunde aus dem Jahre 1386. In: Erzgebirgische Heimatblätter 2012/1, S. 16–18.
  3. Freie Presse Online: Schon vor der Eheschließung kriselt es im Preßnitztal
  4. Weitere Gemeinden steuern Hafen der Ehe an
  5. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  7. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014