Heiliges Grab (Nachbildung)
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Als Heiliges Grab werden Kenotaphe Christi bezeichnet.
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[Bearbeiten] Geschichte
Ursprünglich handelte es sich um eine Nachbildung der Grabarchitektur im Zentrum der Rotunde der Grabeskirche in Jerusalem. Eine sehr genaue, verkleinerte Kopie ist mit dem Heiligen Grab in Görlitz erhalten geblieben. [1] Häufiger sind Skulpturengruppen, meist im Inneren aufgestellt, die um eine Tumba mit dem Leichnam Christi trauernde Personen versammeln.
[Bearbeiten] Romanik
- Das Heilige Grab in der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kapuzinerkirche in Eichstätt ist eine um 1160 entstandene romanische Anlage.
- In der Stiftskirche St. Cyriakus (Gernrode) (Anhalt) befindet eines der ältesten „Heiligen Gräber“ in Deutschland. Es wird zwischen 1190 und 1220 datiert. Das im südlichen Seitenschiff befindliche Monument besteht aus zwei Kammern. Die Stuckwandfriese stellen Begegnungen mit dem auferstandenen Christus, also Ostergeschichten, dar. 1972 wurde die Liturgie des damit verbundenen österlichen Grabritus wieder aufgefunden und wird heute wieder aufgeführt.
- In Konstanz befindet sich im Münster Unserer Lieben Frau ein Heiliges Grab in der 940 erbauten Mauritiusrotunde: um 1260 als zwölfeckiger Sandsteinbau errichtet. Die Forschung betrachtet ihn als Nachbau der sehr ähnlich aussehenden sechzehneckigen Kapelle im Dom zu Magdeburg.
- Eine Nachbildung des leeren Heiligen Grabes aus der Romanik befindet sich in der Krypta des Klosters Denkendorf in Baden-Württemberg.
[Bearbeiten] Gotik
- Heiliges Grab bzw. Heiliggrabtruhe im Zisterzienserkloster Magerau (Bodenseeraum, um 1330).
- Im Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd wurde um 1350 ein Heiliges Grab in der Chorscheitelkapelle des Kapellenkranzes eingerichtet. Die Figuren der Parler-Hütte und vor allem die Wächter sind auf Grund ihrer wirklichkeitsgetreuen Darstellung besonders bemerkenswert. In der Kapelle ist eine Darstellung der Beweinung Christi aus dem 15. Jahrhundert erhalten.
- Das Heilige Grab in der Johanneskirche in Saalfeld ist eine um 1400 entstandene Nachbildung des Christusgrabes.
- Heiliges Grab bzw. Heiliggrabtruhe aus der Pfarrkirche St. Martin in Baar (um 1430).
- Am portugiesischen Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha wurden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zwei königliche Grabkapellen errichtet, die beide als zeitgenössische Interpretation des Heiligen Grabes zu verstehen sind. Die Capela do Fundador wurde um 1426 begonnen und war 1434 weitgehend fertiggestellt. In ihr sind der Klostergrunder João I., seine Gattin Filipa de Lancastre sowie vier ihrer fünf gemeinsamen Söhne bestattet. Wenige Jahre später ließ der älteste Sohn Duarte I. unmittelbar östlich der Apsisanlage eine zweite größere Anlage beginnen, die jedoch nie vollendet wurde. Der entwerfende Meister beider Anlagen dürfte Huguet gewesen sein.
- Im Christlichen Museum von Esztergom befindet sich das Heilige Grab von Garamszentbenedek (ca. 1480). Hier ist die Fassung samt Räder noch erhalten.
- Das Heilige Grab auf dem Reformierten Friedhof von Bad Homburg vor der Höhe wurde ursprünglich 1490 in Gelnhausen erbaut; als es dort einem Straßenbau weichen sollte, wurde es 1825 abgetragen und Stein für Stein in Bad Homburg wieder aufgebaut.
- Im Schlossbergmuseum Chemnitz steht ein Heiliges Grab aus der Chemnitzer St. Jacobikirche, das einer gotischen Kathedrale nachempfunden ist. Es wurde um 1500 für die Chemnitzer Jakobikirche hergestellt. An ihm stehen auf Konsolen vollplastische Figuren: Joseph von Arimathäa, Nikodemus, Maria, ihre Schwester Maria Kleopha, Maria Magdalena und die beiden Apostel Johannes Evangelista und Petrus. Die Figuren auf den Eckkonsolen sind nicht erhalten. Außerdem fehlt der Korpus Christi, der mit beweglichen Armen und Beinen ausgestattet war, damit er symbolisch gekreuzigt, vom Kreuz abgenommen und beigesetzt werden konnte. Dieses war wohl ursprünglich mobil und konnte von seinem Standort, vermutlich in einem der Nebenräume, anlässlich der Karliturgie in den kirchlichen Hauptraum gezogen werden.
- Das Heilige Grab in Görlitz wurde nach neueren Erkenntnissen nicht von dem Görlitzer Tuchmacher Georg Emmerich gestiftet. Mit dem Bau der Adamskapelle wurde um 1480 begonnen, wenig später kam die obere Golgathakapelle und um 1500/10 die Grabkapelle hinzu. Die Kapellen sind in einen Landschaftsgarten eingebettet, der die Topographie Jerusalems einschließlich Golgota, Kidrontal, Ölberg und Ölbergarten nachempfindet. Die Grabkapelle ist eine relativ exakte verkleinerte Kopie der Jerusalemer Grabeskapelle nach einem zeitgenössischen Holzschnitt (nun maßgeblich: Meinert, Till: Die Heilig-Grab-Anlage in Görlitz. Architektur und Geschichte eines spätmittelalterlichen Bauensembles [Berlin, Freie Univ., Diss., 2002]. Esens 2004)
- Bei dem Heiligen Grab der St.-Albanus-Gemeinde in Diedorf im Eichsfeld handelt es sich lediglich um eine lebensgroße Darstellung der Grablegung Christi. Der tote Jesus ist umgeben von Josef von Arimathäa, Maria Magdalena, seiner Mutter Maria, Johannes, Maria Salome, Veronika und Nikodemus. Eine Inschrift am Sockel des Sarkophages nennt als Urheber einen Hans Tasch und seine Gemahlin Elisabeth sowie den Tag Sankt Egidien im Jahr 1501. Gemäß Überlieferung stand die Grablegung zunächst in einer St.-Egidien-Kapelle bei Eisenach, bis das Monument 1525 vor dem Bauernkrieg gerettet werden musste. 1728 wurde für die Grablegung eine eigene Kapelle an die Diedorfer Kirche angebaut, die jedoch 1897 einem neuen Kirchenbau weichen musste. Jetzt steht sie in einer Nische der Nordwand der Kirche.
- Im Dom St. Marien, Zwickau, befindet sich ein Heiliges Grab, das von Michael Heuffner im Jahre 1507 vollendet wurde.
- Das Heilige Grab in der Marienkirche Reutlingen gilt als Schlüsselwerk für die verschiedenen Tendenzen innerhalb des sogenannten Uracher Meisterkreises . Georg Dehio bezeichnete es als: „eines der besten seiner Gattung und für den barocken Formengeist der letzten Gotik höchst bezeichnend“ Ursprünglich in der Westvorhalle aufgestellt befindet es sich heute an der östlichen Chorwand. geschaffen wurde es um 1510/1515. Dargestellt sind neben dem leeren Sarkophag Christi die drei Marien mit Johannes dem Täufer sowie fünf Apostel. Im Baldachin befinden sich die Figur des Auferstandenen, ein Engel mit Schweißtuch und Brustbilder von vier Propheten.
- Die Heiliggrabkapelle in Weilburg an der Lahn wurde Anfang des 16. Jahrhunderts vermutlich auf Initiative des Landesherrn Graf Johann von Nassau-Dillenburg erbaut.
- Das Heilige Grab in Saarbrücken, das Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken (Onkel des Grafen Johann von Nassau-Dillenbur) bauen ließ, nachdem er 1495 von einer Pilgerreise nach Jerusalem zurückgekehrt war, ist nicht mehr erhalten.
[Bearbeiten] Renaissance
- Das Heilige Grab in der Cappella Rucellai in der Kirche San Pancrazio (Florenz). Der kostbare kleine Marmorbau wurde um das Jahr 1467 über dem Grab des Florentiner Kaufmanns Giovanni Rucellai durch den Renaissancebaumeister Leon Battista Alberti errichtet.[2]
- Das Heilige Grab in der Unterkirche der Chiesa di San Rocco in Sansepolcro (Toskana, Provinz Arezzo). Diese Kleinarchitektur aus Sandsteinplatten ist eine Kopie der Florentiner Heiliggrabkopie von Leon Battista Alberti. Sie entstand 1596.[3]
[Bearbeiten] Barock
- Das Heilige Grab in Bernbeuren am Auerberg (Bayern) befindet sich seit 1995 in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert.
- In die 1960-62 erbauten Hl. Kreuz Kirche in Trier wurde die Beweinungsgruppe aus dem 17. Jahrhundert aus der benachbarten romanischen Kapelle übertragen.
- Die Kapelle Kreuzen in Rüttenen bei Solothurn ist bis heute die Grablege der Familie von Roll von Emmenholz.[4] Es enthält ein Heiliges Grab aus dem Jahr 1643 mit einer Plastik von Christus im offenen Sarg.
- Die Kapelle Klein-Jerusalem in Neersen (einem Stadtteil der Stadt Willich) enthält ein Heiliges Grab aus dem Jahr 1660. Erbauer war der Priester Gerhard Vynhoven, der sich selbst mehrere Jahre in Palästina aufgehalten hatte. Das Heilige Grab gilt als besonders original, da es sich in seiner Form und Symbolik auf die Jerusalemer Grabeskirche zu dieser Zeit bezieht, die aber seitdem vielfach umgebaut wurde.
- Das Heilige Grab im Chor der Gottesackerkapelle in Waldshut wurde 1683 durch den kaiserlichen Salz-Handelsmann Adam Tröndlin gestiftet und nach dem Vorbild der Kapelle von Kreuzen erbaut. Die Anlage war wie das Vorbild der Abschluss einer Kalvarienberganlage mit angeschlossener Eremitage. Das Christusbild in der Grabnachbildung ist eine Kopie des toten Christus von Holbein und belegt ebenfalls den nordwestschweizer Einfluss der Anlage.
- Eine Heilig-Grabkapelle von 1684 befindet sich in Neumarkt in der Oberpfalz auf einer Terrasse unterhalb der Wallfahrtskirche Maria-Hilf. Es handelt sich um einen rechteckigen Bau mit rundem Chörchen als einer Hl.-Grab-Nachbildung mit Blendarkaden und einem Dachreiter mit Kuppel.
[Bearbeiten] Moderne
- Das Grab Jesu wurde 2005 im Bibelgarten Pulsnitz-Oberlichtenau im Maßstab 1:1 nachgebaut. Als Vorbild diente das Grab des Joseph von Arimathäa in Jerusalem.
[Bearbeiten] Weitere Gräber
Grablegung Christi-Skulptur im Maifeldmünster
- Das als Grotte gestaltete Heilige Grab in der Hofmarkkirche Heiliges Kreuz in Schönbrunn (Landkreis Dachau) befindet sich in einem der nördlichen Nebenräume.
- Heiliges Grab in der Stiftskirche St. Peter und Alexander in Aschaffenburg in der Heiliggrabkapelle (hier auch die Heiliggrabnische).
[Bearbeiten] Literatur
- Martin Biddle: Das Grab Christi. Neutestamentliche Quellen – historische und archäologische Forschungen – überraschende Erkenntnisse. Gießen 1998.
- Die Heiliggrabkapelle der Aschaffenburger Stiftskirche. In: Hanns Hubach: Mein hend, die muss ich winden. In: Ausstellungskatalog Cranach im Exil. Aschaffenburg/Regensburg 2007, S. 139-155; Unterkapitel in diesem Aufsatz: Die Heiliggrabtruhe, S. 141 ff.; Die Heiliggrabkapelle, S. 143 ff.; Das Heilige Grab und Albrecht von Brandenburg, S. 146 ff. ISBN 978-3-7954-1948-6
- Thomas Kamm: Sein Grab wird herrlich sein. Heilige Gräber als Zeugen barocker Frömmigkeit. Katalog zur Sonderausstellung im Salzburger Barockmuseum und im Stadt- und Spielzeugmuseum Traunstein (März/April 2003). Traunstein 2003. ISBN 3-922927-25-4.
- Jürgen Krüger: Die Grabeskirche zu Jerusalem. Geschichte – Gestalt – Bedeutung. Regensburg 2000.
- Jan Pieper, Anke Naujokat und Anke Kappler (Hrsg.): Jerusalemskirchen. Mittelalterliche Kleinarchitekturen nach dem Modell des Heiligen Grabes. Katalog zur Ausstellung. Aachen 2003. ISBN 3-936971-10-2.
- Paolo Piva: Die „Kopien“ der Grabeskirche im romanischen Abendland. Überlegungen zu einer problematischen Beziehung. In: Roberto Cassanelli (Hrsg.): Die Zeit der Kreuzzüge. Geschichte und Kunst. Stuttgart 2000, S. 96-117.
- Das Heilige Grab. In: Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Zwei Bände. Bristol u.a. 2006, hier: Band 1, S. 139, Anmerkung 234 (Wienhausen) und Anmerkung 238 (Gernrode); S. 443 ff.; S. 455, Anmerkung 3 (Heiliges Grab in Freiburg, Wienhausen, Erfurt, Reste in Magdeburg und Halberstadt // Bd. 2: Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts, Kat. Nrn. 208 mit Abbildung und 933. ISBN 3-86504-159-0
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Das Heilige Grab in Görlitz
- ↑ Anke Naujokat: Pax et concordia. Das Heilige Grab von Leon Battista Alberti als Memorialbau des Florentiner Unionskonzils 1439-1443. Freiburg i.Br./ Berlin 2006. ISBN 978-3-7930-9457-9.
- ↑ Anke Naujokat: "Kopie der Kopie. Das Heilige Grab in San Rocco, Sansepolcro." in: archimaera (Heft 2/2009)
- ↑ André Braun-Wein: Geschichte und Recht: geistlicher Ritterorden, besonders in der Schweiz, Louis Carlen 1990, Seite 86
[Bearbeiten] Weblinks
- Das Heilige Grab im Bibelgarten Oberlichtenau
- Das Heilige Grab in Chemnitz
- Das Heilige Grab in Kreuzen in Rüttenen bei Solothurn
- Kleine Kulturgeschichte der Heiligen Gräber bei Monumente Online