Leutesdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Leutesdorf
Leutesdorf
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Leutesdorf hervorgehoben
50.4513888888897.388611111111175Koordinaten: 50° 27′ N, 7° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Bad Hönningen
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 10,79 km²
Einwohner: 1832 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56599
Vorwahl: 02631
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 038
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktstraße 1
53557 Bad Hönningen
Webpräsenz: www.leutesdorf-rhein.de
Ortsbürgermeister: Volker Berg (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Leutesdorf im Landkreis Neuwied
Neuwied Buchholz (Westerwald) Asbach (Westerwald) Windhagen Neustadt (Wied) Rheinbreitbach Unkel Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Erpel Vettelschoß Linz am Rhein Kasbach-Ohlenberg Ockenfels Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied) Dattenberg Leubsdorf (am Rhein) Bad Hönningen Rheinbrohl Hammerstein (am Rhein) Leutesdorf Isenburg (Westerwald) Kleinmaischeid Großmaischeid Stebach Marienhausen Dierdorf Oberdreis Woldert Rodenbach bei Puderbach Ratzert Niederwambach Steimel Döttesfeld Puderbach Dürrholz Hanroth Raubach Harschbach Niederhofen Dernbach (Landkreis Neuwied) Urbach (Westerwald) Linkenbach Breitscheid (Westerwald) Waldbreitbach Roßbach (Wied) Hausen (Wied) Datzeroth Niederbreitbach Hümmerich Oberhonnefeld-Gierend Oberraden Straßenhaus Kurtscheid Bonefeld Ehlscheid Rengsdorf Melsbach Hardert Anhausen Rüscheid Thalhausen Meinborn Nordrhein-Westfalen Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Landkreis Ahrweiler Landkreis Mayen-Koblenz Koblenz Marienhausen WesterwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Ortsansicht Leutesdorf
Marienburg Rheinansicht

Leutesdorf ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Hönningen an. Leutesdorf ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Leutesdorf

Geographie[Bearbeiten]

Leutesdorf liegt am nördlichen Ende des Neuwieder Beckens am rechten Ufer des Mittelrheins gegenüber der Stadt Andernach sowie an den Hängen des Rheinischen Schiefergebirges. Die Ortschaft erstreckt sich auf einem höchstens etwa 500 m breiten Abschnitt und verjüngt sich gemeinsam mit dem Rheintal nach Süden hin. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rhein-Westerwald, der im Rheintal gelegene Westen wird naturräumlich zur Andernacher Pforte gezählt und der gesamte Norden zum Rhein-Wied-Rücken. Dort erreicht es mit 373 m ü. NN nahe der der nördlichen Grenze seinen höchsten Bodenpunkt. Zu Leutesdorf gehören die Wohnplätze Haus Haselberg, Hubertusberg, Jakobshof, Kloster Johannesburg, Marienburg und Windhausen.[3]Die Marienburg und das Kloster Johannesburg liegen jedoch innerhalb des Ortes.

Regelmäßig werden Teile des Orts bei Hochwasser überschwemmt. Davon ist das Unterdorf besonders stark betroffen. Zeitweise steht das Wasser dann in der ersten Etage der direkt am Rhein gelegenen Häuser. Leutesdorf ist das älteste und größte Weindorf am unteren Mittelrhein. Bereits im 6. Jahrhundert wurde hier an den Hängen des Rheins Wein angebaut. Bekannt ist Leutesdorf auch wegen seines Brombeerweines.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von „Liuduuinesthorp“ und „Liudwinesthorp“ (Volksfreunddorf) 868 über „Ludesdorp“ (1333) zu „Leudesdorf“ (1665). Seit Ende des 19. Jahrhunderts heißt der Ort Leutesdorf. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch (1993: 80 %).

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Leutesdorf, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 1.200
1835 1.390
1871 1.598
1905 1.800
1939 2.042
Jahr Einwohner
1950 2.432
1961 2.396
1970 2.311
1987 2.047
2005 1.904

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Leutesdorf besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU Gesamt
2014 6 10 16 Sitze
2009 6 10 16 Sitze
2004 4 12 16 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „In Gold auf gewölbtem grünem Boden der silbern nimbierte hl. Laurentius mit blauem Ober- und Untergewand, mit der Rechten einen aufrecht stehenden schwarzen Rost, in der Linken ein rotes Buch haltend“.

Der hl. Laurentius ist der Schutzpatron der Pfarrkirche von Leutesdorf. Die Darstellung des hl. Laurentius zeigt schon das Leutesdorfer Schöffensiegel von 1476. Seit wann das Wappen rechtsgültig ist, ist nicht bekannt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Unter dem Namen Weinkul-Tour wurde 2003 in Leutesdorf ein 3,2 km langer Wanderweg mit 33 Thementafeln zum Thema Wein eingerichtet, der aus einem Weinlehrpfad aus dem Jahr 1989 hervorging.

Museum[Bearbeiten]

Geräte für den Weinbau

Seit dem 15. Mai 2011 befindet sich ein kleines Dorfmuseum in einer zum Gemeindezentrum umgebauten ehemaligen Schnapsbrennerei in der Nähe des Rheins. Es bietet einen guten Einblick in die Geschichte des Weinanbaus und zeigt viele Gerätschaften und Dokumente aus vergangener Zeit und auch Einblicke in die Arbeiten der heute noch bestehenden 14 Nachbarschaften.

Nachbarschaften[Bearbeiten]

In Leutesdorf gibt es 14 Nachbarschaften, wie sie auch in vielen Orten am Mittelrhein zu finden sind. Die Ursprünge reichen bis in das Mittelalter. Namentlich genannte Nachbarschaften sind durch ihre Nachbarschaftsbücher aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. In Leutesdorf sind diese Bücher meist jüngeren Datums, es sind aber Vorgängerbücher vermerkt, die verbrannt oder unbrauchbar geworden sind. Die Nachbarschaften benannten sich nach Straßen, Kirchen, Heiligenhäuschen oder in neuerer Zeit nach Gemarkungen. In den Büchern werden Geburten, Todesfälle, Katastrophen oder andere Vorkommnisse im Dorf festgehalten.

Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke um 1870 kommt es zu Neugründungen von Nachbarschaften oberhalb der Bahnlinie. Die letzte Neugründung ist die Nachbarschaft „Im Frontal“ 1991.

Die Aufgaben der Nachbarschaften sind in den Satzungen festgehalten. Dazu gehörten früher unter Anderem die Hilfe bei Katastrophen, Geburt, Sterbefällen, das Waschen der Toten, Anfertigen des Totenhemdes, Gestellung von Sargträgern. Manche Nachbarschaften hatten auch eigene Kleidervorschriften.

Der Vorstand einer Nachbarschaft ist der „Amtmann“, ihm zur Seite stehen Beisitzer, Schriftführer und Kassenwart.

Klosterhöfe und Klöster[Bearbeiten]

Fronhof am Rheinufer

Der älteste Klosterhof ist der Fronhof, dessen Ursprünge lückenlos bis in das 9. Jahrhundert nachgewiesen sind.

  • Der Fronhof war bis in das 16. Jahrhundert Verwaltungszentrum für 30 Hofstellen am Rhein und im Westerwald, die überwiegend den für das Stift Herford, auch aus liturgischen Gründen wichtigen, Wein herstellten.
    Heute stehen auf dem Grundstück das mit seiner Barockfassade dem Rhein zugewandte Wohnhaus und das alte Kelterhaus, in dem verschiedene Veranstaltungen stattfinden.
  • Die Zinn (Zenn oder Zehnthof) wurde Anfang der Dreißigjährigen Krieges vom kurtrierischen Schultheiß Kuno Schmitz erbaut. 1671 wurde die Zinn an den Erben des Erzbischofs von Trier, Karl Kaspar von der Leyen, verkauft. Auf dem Grundstück der Zinn erbaute Kurtrier 1761 ein Kelterhaus. Dort wurde der Zehnte der gesamten Weinernte gesammelt, worauf das Kloster Herford einen Anspruch hatte. Daher stammt auch der Name Zehnthof.
Die Zinn oder Zehnthof
Christkönigshaus

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 ging das Haus in Privatbesitz und wurde mehrfach an- und umgebaut. Zuletzt, am 1. Oktober 1945, wurde die Zenn, die jetzt Schusterinsel hieß, von einem Opladener Textilbetrieb an den Johannesbund verkauft. Von da an hieß es Agnesheim und beherbergte ältere Bürger und ledige Mütter. 1952 zog hier die Schriftenmission des Johannesbundes ein.
Heute ist es die Zentrale der Gemeinschaft Ancilla Domini, die zu den Gemeinschaften des Johannesbundes zählt. Neben der Zinn steht das Johannes-Haw-Heim. In ihm befinden sich eine Bildungsstätte und ein Exerzitienhaus, sowie ein Kindergarten. Weitere klösterliche Einrichtungen sind das Christkönigshaus - Mutterhaus der Johannesmissionare und die Johannesburg - Mutterhaus der Johannesschwestern. Das Christkönigshaus steht neben der Heilig-Kreuz-Kirche und die Johannesburg in der Bungert-Allee.

  • Der Nonnenhof, erstmals erwähnt 1138, gehörte zur Abtei Sankt Thomas in Andernach. Heute ist er renoviert und befindet sich in Privatbesitz.

Zolltor[Bearbeiten]

Zolltor Blick von Norden
  • Das Zolltor wurde 1690 erbaut. Die Bedeutung der Jahreszahl 1547 im Schlussstein des Torbogens ist nicht geklärt.

Der Leutesdorfer Zoll wird erstmals am 24. Januar 1309 erwähnt. Kaiser Heinrich VII. überließ dem Aachener Geldverleiher Bartholomäus den Leutesdorfer Zoll zur Begleichung seiner Schulden. Im April 1309 kaufte er ihn wieder zurück. Nach dem Tod Heinrichs 1313 wird vereinbart, dass der Kölner Erzbischof jährlich 200 Pfund Turonenser Königsgroschen als Entschädigung für den von ihm angerichteten Schaden am Leutesdorfer Zoll zu entrichten hat.

Hochwassermarken am Zolltor

Von da an finden sich 300 Jahre lang keine geschichtlichen Eintragungen mehr über den Leutesdorfer Zoll. Im Jahr 1616 wird in Hammerstein ein neuer Zoll errichtet, der wird aber wegen des Dreißigjährigen Krieges nach Leutesdorf verlegt. Erstmals 1638 tauchen in Taufbüchern wieder Leutesdorfer Zöllner auf. Ende 1688 war der Zoll nicht mehr besetzt. 1690 lässt der Kurfürst das Zollgebäude instand setzen, was mehrere Rechnungen belegen.

Dass die Zöllner sehr wohlhabend gewesen sein müssen, beweisen die vier herrschaftlichen Häuser, die sich an das Zolltor nordwärts anschließen. Sie tragen in Mauerankern die Zahlen 1687, 1770 und 1780. Die Zöllner, Beseher und Nachgänger erbauten sie auf eigene Rechnung und sie gingen bei ihrem Tod auf die Nachfolger über. 1805 wurde der Leutesdorfer Zoll aufgehoben.

Heute, nach einer aufwändigen Renovierung, ist das Zolltor bewohnt. Bei den Renovierungsarbeiten wurde im Keller eine gusseiserne Ofenplatte mit dem Wappen des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck gefunden. Auf der Südseite sind Hochwassermarken aus verschiedenen Jahrhunderten. Neben dem Schlussstein ist eine kleine Statue des Dorfheiligen Sankt Laurentius.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

Blick von Andernach auf Leutesdorf

Zu den Sehenswürdigkeiten von Leutesdorf zählt die gesamte Rheinfront. Geht man von Süden kommend durch die August-Bungert-Allee, die von alten Platanen gesäumt wird, kommt man an dem mit ionischen Stilelementen verzierten Bungert-Haus vorbei. Gleich daneben ist die Johannesburg. Sie ist das Mutterhaus des Ordens der Johannesschwestern von Maria Königin. Daran anschließend ist das Hotel Leyscher Hof mit seiner wunderschönen Rheinterrasse. Geht man jetzt weiter durch das Zolltor von 1638, gelangt man in die Rheinstraße, wo alte Fachwerkhäuser und ehemalige Klosterhöfe stehen. Bekannt ist die Rheinfront aus der Fernsehserie MS Franziska.

Die am Ortsende Richtung Hammerstein stehende Wallfahrtskirche Heilig Kreuz mit der Nachbildung des Heiligen Grabes und der angehängten Ölbergs-Kapelle mit dem Grab von Johannes Haw ist ebenfalls sehenswert.

Pfarrkirche St. Laurentius

Die Ursprünge der in der Ortsmitte gelegenen katholischen Pfarrkirche St. Laurentius gehen auf eine romanische Kirche zurück, der Turm ist noch aus dieser Zeit. Die heutige Kirche wurde um 1730 im Wesentlichen von dem kurtrierischen Hofbaumeister Paul Kurz erbaut. Bemerkenswert ist die Stumm-Orgel von 1735. Neben der Kirche befindet sich der Friedhof.

Heiligenhäuschen und Kreuze[Bearbeiten]

Hochkreuz

Im Ort gibt es noch mehrere Heiligenhäuschen und Kreuze, wie das Siechenkreuz am Rhein oder das Hochkreuz am Ortsende am Fuß der Weinberge und das Lingässer Kreuz in der Bungert-Allee. An verschiedenen Häusern sind kleine Reliefs in die Hauswand eingelassen, die Stationen des „Sieben Kniefall Weges“ waren.

Mordkreuz am Olterbach[Bearbeiten]

Mohr'sches Mordkreuz am Olterbach

Am Olterbach, unweit der Gemarkungsgrenze zu Hammerstein, ließ der Leutesdorfer Daniel Mohr 1715 ein steinernes Kreuz zum Gedenken an seine dort ermordete Ehefrau Gertrud errichten. Das Kreuz steht unmittelbar am rechten Fahrbahnrand der B 42 in Richtung Hammerstein. Es ist in der Literatur unter Mohrsches Mordkreuz beschrieben. Auf dem Sockel trägt es die Inschrift: ANNO 1715 DEN•17•OCKTOBERIST•DANIELL•MOHR•BORGER•AVS•LEVDESTORFF•S•H•F•GERDREVDT•ALL HIER•DOT GESCHLAGEN•WORDEN*VON•NICKLAS KOTzET VON•NELEN•HAVSEN•D•S•G•G. SHF = seine Hausfrau oder seines Haus’ Frau, DSGG = der Seele Gnade Gott.

Natur und Wandern[Bearbeiten]

Durch die Gemarkung Leutesdorf führen der Rheinsteig, der Limeswanderweg und der Rhein-Radweg. Oberhalb der Weinberge ist das seit 1935 ausgewiesenen Naturschutzgebiet Langenbergskopf mit seltenen mediterranen Pflanzen. Von dort gelangt man zur „Edmundshütte“, die im Sommer an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet wird. Noch weiter oberhalb befinden sich Streuobstwiesen mit einem Apfel-Lehrpfad. Auf der Höhe ist auch eine Brombeerplantage, die zu der Gastwirtschaft „Brombeerschenke“ gehört. In dieser kann man alles genießen, was man aus Brombeeren machen kann: von Waffeln mit heißen Brombeeren bis zu Brombeerwein und Likör. Ganz besonders ist der Ausblick über das gesamte Neuwieder Becken.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Beim jährlichen Winzerfest und dem Winzerzug ist Leutesdorf zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Weinliebhaber geworden und füllt die kleinen Gassen, Straußwirtschaften und den Rummel an der Rhein-Promenade drei Tage lang mit Leben. Die Straußwirtschaften sind teilweise auch schon in den frühen Sommermonaten geöffnet.

  • Karnevalsumzug, Konzerte im Hotel Leyscher Hof.
  • Theateraufführungen der Theatergruppe Leutesdorf.
  • Schützenfest.
  • Alljährlich findet am Ostermontag der Emmausgang statt.
  • Am Muttertag wird in den Weinbergen von Leutesdorf ein „Kulinarisches Weinerlebnis“ ausgerichtet. Dort bieten die heimischen Winzer und Gastronomen Speis und Trank an

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Den größten Anteil an der heimischen Wirtschaft haben die Winzer. Leutesdorfer Wein ist bekannt für seine Qualität und wird immer wieder ausgezeichnet. Für den täglichen Bedarf stehen eine Metzgerei und eine Tankstelle zur Verfügung. Im Dorf befindet sich eine Zahnarztpraxis. Mehrere Handwerksbetriebe und Dienstleister, ein Campingplatz sowie eine Maschinenbaufirma runden das Angebot ab. Auf dem Gelände neben dem Zehnthof entsteht eine moderne Jugendherberge mit 160 Betten. Der Rohbau ist fertiggestellt, die Eröffnung soll im Juni 2015 stattfinden.

Weinbau[Bearbeiten]

Traubenträger in Leutesdorf

Die in Leutesdorf ansässigen 17 Winzerbetriebe bearbeiten die drei Hauptlagen Rosenberg, Gartenlay und Forstberg. Dort sind rund eine Million Rebstöcke angepflanzt. Hauptsorte der ausgezeichneten und von Weinführern empfohlenen Gewächse ist der Riesling. Daneben werden noch Kerner, Spätburgunder, Dornfelder, Müller-Thurgau, in gehobener Qualität auch Rivaner genannt, Grauburgunder, Blauer Portugieser, Gewürztraminer und auch etwas Chardonnay angebaut. Im Jahr 1927 gab es in Leutesdorf 75 einzelne Weinberglagen auf 130 ha, mit 1,3 Millionen Weinstöcken. Im Juni 1944 und 1972 wurden Teile der Weinberge durch heftige Unwetter und einen Bergrutsch verwüstet. Dieser reichte über die Hauptstraße hinweg bis auf die Bahngleise.

Weinstöcke in Leutesdorf

Im Rahmen der Flurbereinigung in den 1970er Jahren wurden 2.378 Einzelparzellen zusammengelegt, neue Wirtschaftswege und 10,5 Kilometer neue Stützmauern gebaut. Die Weinberge sind alle Steillagen mit 30–70 % Steigung. Der Boden ist ein Tonschieferverwitterungsboden, der nach Süden hin einen immer höher werdenden Bimsanteil hat. Durch die Ausrichtung der Anbauflächen nach Süd bis Südwest erhalten sie viel Sonneneinstrahlung, was natürlich die Qualität der Weine beeinflusst. Ebenso spielt die Nähe des Rheins eine große Rolle wegen der Luftfeuchtigkeit, die von ihm ausgeht.

Früher besaß das Kloster Maria Laach mehrere Weinberge in Leutesdorf, die von Andernacher Winzern bestellt wurden. Heute gibt es nur noch einen symbolischen Weinberg mit einem Rebstock. Für einzelne Winzerbetriebe lässt sich ein durchgehender Familienbesitz bis 1640 nachweisen.

Die Weinkönigin von Leutesdorf ist zugleich Weinkönigin von Andernach. Für die amtierende Weinkönigin wird jedes Jahr ein Baum gepflanzt.

Bergbau[Bearbeiten]

Im 19.Jahrhundert wurde in Leutesdorf auch Bergbau betrieben. Im Bachmühltal, an der nördlichen Ortsgrenze, erstreckte sich das Bergwerksfeld Schieferbergwerk Leutesdorf. Es reichte von Fahr (Neuwied) bis Leutesdorf und landeinwärts bis nach Altwied. Dort wurde Schiefer für Hausbedachungen abgebaut. In einem Stollen im Bachmühltal, als Bergwerksfeld Leo benannt, stieß man auch auf eine Kupferader, allerdings gibt es keine Belege, ob diese tatsächlich abgebaut wurde. Oberhalb der Leutesdorfer Kirche wurde im Tagebau Kupfererz abgebaut. 1857 wird in einer Zeitung die Grube Lena in der Nähe von Leutesdorf genannt, in der geringe Mengen Brauneisenstein gewonnen wurden.

Am südlichen Ortsende befand sich seit 1530 ein Steinbruch, in dem Schiefer abgebaut wurde. Vermutlich ist dieser Steinbruch, der bis 1886 betrieben wurde, von dem Andernacher Patrizier Ludwig Hillesheim angelegt worden. Er transportierte den Schiefer mit Schiffen nach Andernach.

Verkehr[Bearbeiten]

Leutesdorf hat einen Haltepunkt der Deutschen Bahn und zwei Haltestellen der Buslinie Koblenz-Neuwied-Linz. Durch den gesamten Ort führen die vielbefahrene Bundesstraße 42 und die rechtsrheinische Eisenbahntrasse, die überwiegend von Güter- und Nahverkehrszügen benutzt wird. Durch das Zusammentreffen von Eisenbahn, Straßenverkehr und Schifffahrt als Hauptverkehrsadern auf engstem Raum leidet Leutesdorf unter einer hohen Lärmbelastung.

Bis 1985 bestand zwischen Leutesdorf und Andernach eine Fährverbindung mit einer Personen- und Autofähre. Das erste Fährrecht wurde am 5. Mai 1682 an den Leutesdorfer Fährmann Mattheiß Nalbach übertragen. Die Fährverbindung ist mit der Eröffnung des Erlebniszentrums zum Geysir in Andernach im Mai 2009 als Personenfähre reaktiviert worden, als Fährschiff dient das reguläre Schiff vom Besucherzentrum zum Geysir auf dem Namedyer Werth.[7] Die Fähre verkehrt nicht täglich von Andernach nach Leutesdorf.

Öffentliche Einrichtungen und Vereine[Bearbeiten]

  • Grundschule
  • Kindergarten
  • Heiltherapeutisches Zentrum für Mehrfachbehinderte
  • Die ARGE Kulturlandschaft: Sie ist eine Einrichtung Leutesdorfer Bürger, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kulturlandschaft in und um Leutesdorf zu pflegen. So haben die Mitglieder, fast alle sind Rentner und Pensionäre, alte, verwilderte Wiesen freigeschnitten und den Apfellehrpfad auf den Höhen Leutesdorfs angelegt. Neben Zuschüssen aus Landesmitteln wird die Arbeit der Rentner durch den Verkauf von Brennholz finanziert, dass bei Pflegearbeiten anfällt.
  • Generalkurie der Missionare vom Hl. Johannes dem Täufer und der Johannesschwestern von Maria Königin

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • August Bungert, Dichter und Komponist
  • Johannes Haw, Begründer des Johannesbundes (* 26. Mai 1871 in Schweich; † 28. Oktober 1949 in Leutesdorf)
  • Guta von Freydorf-Stephanow, Bildhauerin und Malerin, (* 23. Januar 1911 in Waldshut; † 31. Dezember 1998 in Karlsruhe)
  • Josef Stingl, ehemaliger Präsident der Bundesanstalt für Arbeit († 19. März 2004 in Leutesdorf)
  • Martha von Laffert, Kunstmalerin (* 4. Juli 1883 in Lennep; † 11. Juni 1966 in Leutesdorf) lebte von 1918 bis 1966 in Leutesdorf
  • Ursula Goldau, Künstlerin (* 1950 in Leutesdorf), lernte zunächst bei Martha von Laffert, dann bei Guta von Freydorf-Stephanow, lebt und arbeitet heute in Offenbach am Main

Literatur[Bearbeiten]

  • 1125 Jahre Leutesdorf - Herausgeber: Gemeinde Leutesdorf ISBN 3-7794-1288-8
  • Leutesdorfer Hefte - Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein Leutesdorf e.V.
  • Ortsprospekt der Gemeinde Leutesdorf - Herausgeber: Verkehrs- und Verschönerungsverein Leutesdorf e.V.
  • Peter Brommer, Die Ämter Kurtriers.Edition des sog. Feuerbuchs von 1563. (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 106), Mainz 2003, S. 58ff.
  • Rebecca Mellone: Mord und Memoria, in: Regionalgeschichte (PDF; 178 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leutesdorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile, Seite 32 (PDF; 2,3 MB)
  4. Venantius Fortunatus, Carmen X 9 (ed. Friedrich Leo, MGH Auctores Antiquissimi 4.1, Berlin 1881, S. 242–244), hier Verse 63–67 (ed. Leo S. 243). Deutsche Übersetzung und reichhaltiger Kommentar bei Paul Dräger: Zwei Moselfahrten des Venantius Fortunatus (carmina 6,8 und 10,9). In: Kurtrierisches Jahrbuch, Band 39, Trier 1999, S. 67–88, hier besonders S. 81 und 83–87.
  5. Regesta imperii, Urkunde Ludwigs des Deutschen von 868; auf: Regesta Imperii.digital (9. August 2013).
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Fähre zwischen Andernach und Leutesdorf