Jack Steinberger

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Jack Steinberger
(am 23. Juli 2008 in Bad Kissingen)
Jack Steinberger (links) mit Joske Ereli (am 23. Juli 2008 in Bad Kissingen)
Steinberger-Büste
Standort: Jack-Steinberger-Gymnasium

Jack Steinberger (* 25. Mai 1921 als Hans Jakob Steinberger in Bad Kissingen) ist ein US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger für Physik.

Familie[Bearbeiten]

Sein Vater Ludwig Steinberger – eines von zwölf Kindern eines kleinen Viehhändlers aus Schonungen – war in dem Kurort Bad Kissingen seit 1896 als Kantor und Religionslehrer der jüdischen Gemeinde tätig. Seine Mutter Berta Steinberger, die ebenfalls studiert hatte, entstammte der Nürnberger Hopfenhändler-Familie May.

Sein Sohn Ned (* 1948) ist Gründer von Steinberger, einem US-amerikanischer Hersteller von E-Bässen und E-Gitarren.

Leben[Bearbeiten]

Jack Steinberger besuchte in seiner Jugend von 1931 bis 1934 das Kissinger Realgymnasium (das inzwischen nach ihm benannte Jack-Steinberger-Gymnasium). Vor dem Hintergrund des zunehmenden NS-Terrors schickte das Ehepaar Steinberger seine beiden ältesten Söhne Jakob und Herbert noch vor ihrem Schulabschluss mittels einer karitativen jüdischen Organisation in die USA, wo sie von Barnett Faroll, einem Kornhändler in Chicago, aufgenommen wurden. Den Eltern und dem jüngsten Bruder Rudolf gelang die Flucht in die USA erst 1937 und 1938.

In Chicago studierte Jack Steinberger nach dem Abschluss an der New Trier High School zuerst Chemie, entdeckte dabei jedoch sein großes Interesse an der Physik, welche er nach dem Kriegsende an der Universität von Chicago studierte. 1948 schrieb er seine Doktorarbeit (Ph.D.) bei dem von ihm verehrten Enrico Fermi, 1954 wurde er als Professor an die New Yorker Columbia University berufen. 1962 schließlich fand am „Brookhaven National Laboratory“ in Zusammenarbeit mit Leon Max Lederman und Melvin Schwartz jenes berühmte Experiment statt, das diesen drei Wissenschaftlern in Anerkennung ihrer Grundlagenforschung über Neutrinos 1988 den Nobelpreis für Physik einbringen sollte: Mit diesem Versuch wurde der direkte Nachweis erbracht, dass zumindest zwei Neutrino-Arten existieren, nämlich das Elektron-Neutrino und das Myon-Neutrino. Seinen Preis stiftete er seiner ehemaligen Highschool „New Trier High School“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er zeitweise nach Europa zurück, wo er u.a. ab 1968 am CERN bzw. im Europäischen Laboratorium für Elementarteilchen in Genf forschte und eine Reihe bedeutender Experimente auf dem Gebiet der Teilchenphysik leitete. Ebenfalls 1968 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewählt. Er lehrte an der Scuola Normale Superiore in Pisa.

In seinen späteren Lebensjahren engagiert sich Jack Steinberger bis heute für die Kosmologie und für eine umfassende nukleare Abrüstung. Die Werke von Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und vor allem von Johann Sebastian Bach sind seine Favoriten in der klassischen Musik. Jack Steinberger gab zusammen mit seinen Genfer Kollegen Volker Soergel und Wolfgang Kummer in den 1980er Jahren Gesangsabende.[1]

Auf Einladung des damaligen Oberbürgermeisters Georg Straus besuchte Jack Steinberger 1989 Bad Kissingen, seitdem pflegen seine Frau Cynthia und er einen intensiven Kontakt mit seiner Geburtsstadt. Ihm zu Ehren wurde im November 2001 anlässlich seines 80. Geburtstages das „Gymnasium Bad Kissingen“ in „Jack-Steinberger-Gymnasium“ umbenannt. Seit 18. Dezember 2006 ist Jack Steinberger Ehrenbürger der Stadt.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Learning about Particles: 50 privileged years, Springer, Berlin, Heidelberg, New York 2005 ISBN 3-54021329-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jack Steinberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Wolfgang Kummer 1935–2007“, TU Wien, 26. Juli 2007