James Franck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
James Franck in den Vereinigten Staaten

James Franck (* 26. August 1882 in Hamburg; † 21. Mai 1964 in Göttingen) war ein deutsch-amerikanischer Experimental-Physiker. Er erhielt 1925 zusammen mit Gustav Hertz den Nobelpreis. Franck ist vor allem wegen des Franck-Hertz-Versuchs zur Bestätigung der Quantentheorie und des Franck-Reports bekannt. In letzterem versuchte er den Präsidenten der USA vom Einsatz der Atombombe im Krieg gegen Japan abzubringen.

Leben[Bearbeiten]

Geboren in Deutschland als Sohn des jüdischen Bankkaufmanns Jacob Franck und seiner Ehefrau Rebecka Decker, wuchs Franck in Hamburg auf, wo er am Wilhelm-Gymnasium 1902 seine Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er kurz an der Universität Heidelberg Chemie, dann in Berlin unter anderem bei Paul Drude und Emil Warburg Physik, wo er 1906 bei Warburg seinen Doktortitel erlangte. Er war danach Assistent in Frankfurt am Main und kurz danach in Berlin bei Heinrich Rubens, ab 1911 Privatdozent und ab 1916 außerordentlicher Professor.

1911 heiratete Franck Ingrid Josefson. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, Dagmar und Lisa.

Franckfeier 1923 in Göttingen - Die „Bonzen“:
Max Reich, Max Born, James Franck und Robert Wichard Pohl

Francks Bekanntheit als Physiker beruht vor allem auf dem in den Jahren 1912–1914 gemeinsam mit Gustav Hertz durchgeführten Franck-Hertz-Versuch, der das Bohrsche Atommodell bestätigte. Hierfür erhielten die beiden Physiker den Nobelpreis von 1925, der ihnen am 11. November 1926 verliehen wurde.

Während des Ersten Weltkriegs diente Franck freiwillig in der deutschen Armee und erhielt nach einem Gasangriff 1917, bei dem er schwer verletzt wurde, das Eiserne Kreuz Erster Klasse. Wie auch Otto Hahn und Gustav Hertz gehörte er zu den Offizieren, die unter Fritz Haber an der Front den Einsatz von Giftgas überwachten.

Ab 1918 war er Leiter der Abteilung Physik am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie in Berlin-Dahlem unter Fritz Haber. Als Professor für Experimentelle Physik wurde Franck 1920 an die Universität Göttingen berufen, wo er mit Max Born sowie seinen Schülern Patrick Maynard Stuart Blackett, Edward Condon, Friedrich Georg Houtermans, Hans Kopfermann, Werner Kroebel, Heinz Maier-Leibnitz, Robert Oppenheimer, Friedrich Hund und Eugene Rabinowitch in Berührung kam. Eine seiner Mitarbeiterinnen war die Physikerin Hertha Sponer. Franck war in Göttingen Direktor des Zweiten Instituts für Experimentalphysik. Mit Condon etablierte er dann das Franck-Condon-Prinzip.

James Franck (1952) und Autogramm aus einem Dankschreiben an Friedrich Hund

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, erregte Franck am 17. April 1933 Aufsehen, als er aus Protest gegen die „Entfernung aller Juden aus Staatsstellungen“ sein Professorenamt an der Universität Göttingen niederlegte, obwohl er wegen einer anfänglichen Ausnahmeregel dieses Unrechtsgesetzes als „Frontkämpfer“ von diesem Gesetz zunächst verschont geblieben wäre. Franck bemängelte in einem Schreiben an den Rektor der Universität, dessen Inhalt er auch dem Göttinger Tageblatt zur Kenntnis brachte, dass die Deutschen jüdischer Abstammung als Fremde und Feinde des Vaterlandes behandelt würden. Er schloss mit den Worten, dass es ihm eine innere Notwendigkeit verbiete, Staatsbeamter zu bleiben, da er sich unehrenhaft behandelt fühlte. [1] Das veranlasste eine Gruppe von 42 Hochschullehrern zu einer Kundgebung am 24. April 1933 in der Göttinger Zeitung, in der sie diese Erklärung Francks als „Sabotageakt“ bezeichneten, der „eine erhebliche Erschwerung der Arbeit der nationalen Regierung bedeuten“ könne. Daher forderten sie die Regierung zu einer beschleunigten Anwendung der antijüdischen Diskriminierungen auf. [2]Noch im selben Jahr emigrierte Franck nach Baltimore, wo er sofort Professor an der Johns Hopkins University wurde. Nach einem Jahr als Gastprofessor 1934/35 in Kopenhagen ging er 1935 als Professor zurück nach Baltimore an die Johns Hopkins University und 1938 an die University of Chicago als Professor für Physikalische Chemie. 1947 emeritierte er dort.

In Chicago kam Franck ab 1942 als Direktor der Chemie-Abteilung des Metallurgie-Labors mit dem Manhattan-Projekt in Berührung: Nach Annahme der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft arbeitete er an der Plutoniumgewinnung für den Atombomben-Bau mit, hatte jedoch nach der Kapitulation Deutschlands moralische Bedenken gegen den Einsatz von Atomwaffen, die er schließlich zusammen mit anderen Wissenschaftlern in dem nach ihm benannten Franck Report niederlegte und persönlich am 11. Juni 1945 dem amerikanischen Kriegsminister übergab, um einen Abwurf der Atombombe über Japan zu verhindern.

In zweiter Ehe heiratete Franck 1946 seine frühere Göttinger Assistentin Hertha Sponer, inzwischen Professorin der Physik an der Duke University in North Carolina.

1951 wurde ihm die Max-Planck-Medaille verliehen. Anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Göttingen, kehrte Franck erstmals 1953 nach Deutschland zurück.

In Chicago arbeitete er nach dem Zweiten Weltkrieg vornehmlich auf dem Gebiet der Photosynthese und erhielt hierfür 1955 den Rumford-Preis der American Academy of Arts and Sciences. Im Jahr 1958 wurde Franck Mitglied der Leopoldina, im Jahr 1964 Mitglied der Royal Society London.

Er verstarb am 21. Mai 1964 während eines Besuches in Göttingen.[3]

Wissenswertes[Bearbeiten]

100. Geburtstag von James Franck und Max Born: Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost von 1982

Im Jahr 1896 begab sich der knapp 14-jährige Franck zum Physikalischen Eichamt in Hamburg. Dort erkundigte er sich nach der neuen Röntgenapparatur. Er habe von den „x-Strahlen“ gehört, die vor einigen Monaten entdeckt worden seien, sich seinen Arm gebrochen und wolle sehen, ob seine Knochen wieder richtig zusammenwachsen würden. Die Apparatur wurde aufgebaut und er durfte sich den Arm mit der soeben eingetroffenen Röntgenapparatur durchleuchten lassen. Dies war das erste in der Hansestadt aufgenommene Röntgenbild.

Als während des Zweiten Weltkriegs deutsche Truppen die dänische Hauptstadt Kopenhagen im April 1940 besetzten, löste der im Labor von Niels Bohr arbeitende ungarische Chemiker George de Hevesy die goldenen Nobelpreis-Medaillen der deutschen Physiker Max von Laue und James Franck in Königswasser auf, um sie so vor dem Zugriff durch die deutschen Besatzer zu schützen. Von Laue und Franck waren ab 1933 in Opposition zum Nationalsozialismus in Deutschland und hatten deshalb ihre Medaillen Niels Bohr anvertraut, um so eine Konfiszierung in Deutschland zu verhindern. Nach Kriegsende extrahierte de Hevesy das im Königswasser versteckte Gold und übergab es der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die daraus neue Medaillen herstellte und wieder an von Laue und Franck übergab.

Der Physiker Frank von Hippel (* 1937) ist ein Enkel von James Franck.

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Wegner, Eine Erinnerung an James Franck …es muß auch Menschen meiner Art geben. In: Wilhelm-Gymnasium Hamburg 1881–2006. Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum 2006, Hamburg 2006.
  • Jost Lemmerich, Aufrecht im Sturm der Zeit. Der Physiker James Franck, 1882–1964. GNT-Verlag, Diepholz/Stuttgart/Berlin 2007, ISBN 978-3-928186-83-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: James Franck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James Franck an den Rektor der Universität Göttingen vom 1. April 1933, online publiziert auf der Homepage der Universität Göttingen hier, abgerufen 9. März 2014
  2. Martin Sabrow: Die deutsche Universität im Nationalsozialismus. In Christoph Cornelißen; Carsten Mish Hrsg.:Wissenschaft an der Grenze. Die Universität Kiel im Nationalsozialismus. Klartext, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0240-4, Seite 384. (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Bd. 86).
  3. Nachruf auf James Franck, veröffentlicht am 10. Juni 1964 von Walther Zimmerli, Rektor der Georg-August-Universität Göttingen