Heike Kamerlingh Onnes

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Heike Kamerlingh Onnes

Heike Kamerlingh Onnes (* 21. September 1853 in Groningen; † 21. Februar 1926 in Leiden) war ein niederländischer Physiker und Nobelpreisträger für Physik.

Leben[Bearbeiten]

Heike wurde als Sohn des Fliesenfabrikanten Harm Kamerlingh Onnes (* 24. Juni 1819 in Groningen; † 5. Oktober 1880 in Dunsborg) und dessen Frau Anna Gerdina Coers (* 12. Juli 1829 in Arnhem; † 10. April 1899 in Zoeterwoude) geboren. Er hatte seine Ausbildung an der höheren Bürgerschule in Groningen absolviert, begann 1870 sein Studium an der Reichsuniversität Groningen und wechselte für einige Semester von 1871 bis 1873 an die Universität Heidelberg (bei Gustav Robert Kirchhoff und Robert Wilhelm Bunsen), wo er einen Seminarpreis erringen konnte. Am 12. Juli 1879 promovierter er mit der Abhandlung Nieuwe bewijzen voor de aswenteling der aarde (Neue Beweise für die Drehung der Erde) zum philosophischen Doktor der Physik. 1878 war er Assistent an der polytechnischen Schule in Delft gewesen und wurde 1882 zum Professor der experimentellen Physik an die Universität Leiden berufen. Dieses Aufgabe übernahm er am 11. November 1882 mit der Einführungsrede Over de beteekenis van het quantitatief onderzoek in de natuurkunde („Über die Bedeutung der quantitativen Forschung in der Physik“). Hier arbeitete er eng mit dem Theoretiker Hendrik Antoon Lorentz zusammen. 1903/04 amtierte er als Rektor der Universität Leiden.

Kamerlingh Onnes hatte am 8. September 1887 in Den Haag Maria Adriana Wilhelmina Elisa Bijleveld (* 6. Mai 1861 in Brielle; † 7. Dezember 1938 in Leiden), die Tochter des Den Haager Richters Rudolf Theodoor Bijleveld (* 22. September 1835 in Den Haag; † 7. März 1920 ebenda) und der Jacoba Wilhelmina Hartman (* 14. Oktober 1837 in Den Haag; † 27. Februar 1906 ebenda) geheiratet. Aus der Ehe kennt man den Sohn Albert Harm Kamerlingh Onnes (* 5. Juli 1888 in Zoeterwoude; † 25. Mai 1956 in Den Haag), verh. am 5. Februar 1920 in Den Haag mit Janette Casperine Marianne Bijleveld (* 5. Januar 1900 in Streatham; † 13. Dezember 1967 in Elspeet).

Die Hauptleistungen: Helium-Verflüssigung und Entdeckung der Supraleitung[Bearbeiten]

Kamerlingh Onnes’ Hauptarbeitsgebiet bildete die Verflüssigung von Gasen und Ermittlung der damit zusammenhängenden Korrekturglieder des Druckes und des Volumens in der Van-der-Waals-Gleichung. Hierzu bedurfte es der Kenntnis der Gase über ein möglichst großes Temperaturintervall, insbesondere im Bereich der tiefen Temperaturen. Seit 1894 verfügte Kamerlingh Onnes über ein Kältebad von flüssigem Sauerstoff (90,18 K : −182,97 °C) und seit 1906 über flüssigen Stickstoff (77,35 K : −195,80 °C).

Er stellte schließlich am 10. Juli 1908 als erster flüssiges Helium (Siedepunkt: 4,22 K: −268,93 °C) her, indem er es auf 0,95 K (-272,3 °C) abkühlte.[1]

Für die Van-der-Waals-Gleichung schlug Kamerlingh Onnes eine Reihenentwicklung vor, die sich auch auf Gasgemische sowie auf Gemische von Gasen und Flüssigkeiten erstrecken sollte. Hierzu mussten dann als Korrekturglieder auch die molekularen Anziehungskräfte, die Kapillarität und die Viskosität einbezogen werden. Das Arbeitsprogramm der Forschungsgruppe in Leiden erweiterte sich dementsprechend auch um Phänomene wie die elektrische Leitfähigkeit bei tiefen Temperaturen und die Temperaturabhängigkeit des Thermoeffektes.

Am 8. April 1911 machte Kamerlingh Onnes bei Experimenten mit flüssigem Helium die erstaunliche Entdeckung, dass bei einer ganz bestimmten Temperatur (der Sprungtemperatur) in Quecksilber der Widerstand für elektrischen Strom verschwindet. Damit hatte Kamerlingh Onnes die Supraleitung entdeckt.[2]

Um 1911 machte Heike Kamerlingh Onnes ferner die Entdeckung, dass sich flüssiges Helium (4He-II) als dünner Film (sog. Rollin-Film) an Gefäßwänden langsam aufwärts bewegt. Dieses Phänomen wird als Onnes-Effekt bezeichnet. Damit hat Kamerlingh Onnes eine wesentliche Eigenschaft der Suprafluidität erkannt.

1913 erhielt er den Nobelpreis für Physik »für seine Untersuchungen der Eigenschaften von Materie bei tiefen Temperaturen, die unter anderem zur Herstellung von flüssigem Helium führten«.

Zitate[Bearbeiten]

„Door meten tot weten“ – „Durch Messen zum Wissen“, das Motto seines Labors.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach Heike Kamerlingh Onnes ist ein Mondkrater auf der Mondrückseite benannt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Jorda: Kalt und kostbar. In: Physik-Journal. 7, 7, 2008, ISSN 1617-9439, S. 27–30.
  • Eintrag im Biografisch Woordenboek van Nederland (niederländisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 100 Jahre Supraleitung, 25 Jahre Hochtemperatursupraleitung., Helmholtz - Gemeinschaft, Aktuelles, abgerufen am 8. April 2011
  2. Dirk van Delft, Peter Kes: The discovery of superconductivity (PDF; 576 kB). In: Physics Today, Vol. 63, Issue 9, September 2010, S. 38–43.
  3. Kamerlingh-Onnes the-moon.wikispaces.com, abgerufen am 20. März 2012