Martina Gedeck

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Martina Gedeck auf der Berlinale 2013
Martina Gedeck in Frankfurt am Main (2009)

Martina Gedeck [ˈɡeˑdɛk] (* 14. September 1961 in München) ist eine deutsche Schauspielerin. Einem breiten Publikum wurde sie in der Rolle der Gourmetköchin Martha im Kinofilm Bella Martha bekannt. Sie zählt in ihrer Generation zu den profiliertesten Charakterdarstellerinnen im deutschen Kino und Fernsehen.

Leben[Bearbeiten]

Als älteste von drei Töchtern wuchs Gedeck im bayerischen Landshut auf. Ihre Kindheit und Jugend sowie ihr Verhältnis zu ihren Eltern, dem Großhandelskaufmann Karl-Heinz und der Sekretärin Helga Gedeck, bezeichnete sie später als vertrauensvoll und harmonisch. Passiver Medienkonsum habe kaum eine Rolle gespielt. Gedeck: „Wir hatten keinen Fernseher. Bei meiner Großmutter durften wir manchmal ‚Pan Tau‘ und ‚Augsburger Puppenkiste‘ gucken. Vorgefertigtes wurde uns selten vorgesetzt. Meine Eltern legten viel Wert auf Phantasie.“ [1] 1971 zog die Familie nach West-Berlin. Als Elfjährige war Gedeck kurz darauf in einer Fernsehsendung zu sehen – dem Jugendmagazin Denkste.

Ihren schulischen Werdegang setzte Gedeck auf der Schadow-Oberschule in Berlin-Zehlendorf fort, wo sie 1981 ihr Abitur machte. 1977 bis 1978 verbrachte sie ein Jahr als Austauschschülerin in New Jersey, USA. Anlässlich eines Schauspielkurses an der High School spielte sie in einem Stück von Turgenew eine alte russische Magd. Nach dem Abitur war Gedeck kurze Zeit an der Freien Universität Berlin immatrikuliert – Fächer Germanistik und Geschichte. 1982 bis 1986 absolvierte sie eine Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste (HdK) in Berlin. Ihren ersten offiziellen Theaterauftritt absolvierte sie 1985 am Frankfurter Theater am Turm als Insassin einer Besserungsanstalt in dem Stück Aschenkinder von Janusz Głowacki. In den Jahren darauf folgten weitere Theaterrollen – in Molières Stück Der Geizige (Schauspielhaus Hamburg), als Sozialarbeiterin in Martin Grimps Das stille Kind (Malersaal des Deutschen Schauspielhauses) – und Gastspiele, unter anderem am Schauspielhaus Basel, am Theater am Kurfürstendamm Berlin und bei den Kammerspielen Hamburg.

Gedecks Filmkarriere begann 1988 mit Auftritten in zwei Filmen von Dominik Graf (Die Beute und Tiger, Löwe, Panther). Ende der 1980er-Jahre spielte sie unterschiedliche Rollen in Fernsehserien: Präsent war sie unter anderem in Eurocops, Ein Fall für zwei, Adelheid und ihre Mörder, Wolffs Revier, Die Kommissarin und Faust. Als Mandantin des Rechtsanwalts Robert Liebling (Manfred Krug) war sie außerdem in zwei Staffeln der Serie Liebling Kreuzberg zu sehen. Ihren Durchbruch als Filmschauspielerin hatte sie mit den Filmen Krücke (1992), Barmherzige Schwestern (1993), Sönke Wortmanns Der bewegte Mann (1994) und Wolfgang Beckers Das Leben ist eine Baustelle (1995). Darauf folgten weitere kommerziell erfolgreiche Produktionen wie 1995 die Beziehungskomödie Stadtgespräch, 1996 Helmut Dietls Jet-Set-Komödie Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief, 1998 Frau Rettich, die Czerni und ich des Schweizer Regisseurs Markus Imboden. Daneben spielte Gedeck Rollen in einigen Fernseh-Produktionen. Für die Darstellung der buckligen, wohlhabenden Bauersfrau in der ZDF-Produktion Hölleisengretl aus dem Jahr 1998 erhielt sie den Bayerischen Fernsehpreis.

Profilierte Frauen-Charakterrollen haben sich im Lauf der Jahre mehr und mehr zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit entwickelt. So etwa die ZDF-Ausstrahlung Ich habe Nein gesagt aus dem Jahr 1998, die das Thema Vergewaltigung in der Ehe thematisierte. Weitere Höhepunkte ihrer Karriere waren die Komödie Bella Martha von Sandra Nettelbeck (1999), Hunger auf Leben, eine filmische Biografie über das Leben der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann (2003), der Oscar-prämierte Erfolgsfilm Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck über die Abhörmechanismen der Stasi (2006), der aus dem gleichen Jahr stammende Film Elementarteilchen von Oskar Roehler und das Porträt der Pianistin Clara Schumann von Helma Sanders-Brahms (Geliebte Clara, 2009). Eine Nebenrolle hatte Gedeck darüber hinaus in dem von Robert De Niro produzierten US-Thriller Der gute Hirte. Unterschiedliche Kritiken gab es für zwei neuere Filme aus den Jahren 2008 und 2010: Der Baader Meinhof Komplex, in dem sie die ehemalige Konkret-Journalistin und RAF-Gründerin Ulrike Meinhof spielte und Jud Süß – Film ohne Gewissen, der von der Kritik großteils als fehlgeleitete und oberflächliche Aufarbeitung des NS-Films Jud Süß gewertet wurde.[2]

Von 1991 bis zu dessen Tod 1999 lebte Gedeck mit Schauspielkollege Ulrich Wildgruber zusammen. Seit 2005 ist sie mit dem Schweizer Regisseur Markus Imboden liiert, mit dem sie auch mehrere Filme drehte. Gedeck arbeitete mit den unterschiedlichsten Regisseuren zusammen – und im Film unter anderem mit den Schauspielkollegen Heinz Hoenig (Krücke), Jürgen Vogel und Armin Rohde (Das Leben ist eine Baustelle), Veronica Ferres, Götz George, Heiner Lauterbach und Joachim Król (Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief), Iris Berben (Frau Rettich, die Czerni und ich), Ulrich Mühe, Ulrich Tukur, Sebastian Koch und Thomas Thieme (Das Leben der Anderen), Moritz Bleibtreu und Nadja Uhl (Der Baader Meinhof Komplex) sowie Hermine Huntgeburth (Romeo).

Martina Gedeck wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. 2002 erhielt sie zum zweiten Mal den Deutschen Filmpreis – sowohl für darstellerische Leistungen als auch als beste Hauptdarstellerin. 2007 wurde der deutsche Beitrag Das Leben der Anderen, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielte, als bester ausländischer Film mit einem Oscar geehrt. Darüber hinaus ist Gedeck Trägerin des Bayerischen Verdienstordens. 2003 war sie Mitglied der Internationalen Jury der Berlinale. Neben anderen Schauspielern, Künstlern und anderen Personen des öffentlichen Lebens wurde Gedeck 2010 als Wahlfrau aufgestellt für die Wahl des Bundespräsidenten. Am 30. Juni 2010 war sie Mitglied der 14. Bundesversammlung als Delegierte des Landtages von Nordrhein-Westfalen (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen). Ehrenamtlich tätig ist sie als offizielle Patin des Kinderhospizes Bethel.[3]

Gedeck lebt in Berlin.[4]

Resonanz in Medien und Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Gedeck bei der Premiere von Die Wand (Wien 2012)

In Ranglisten zu den beliebtesten deutschen Schauspielerinnen der Gegenwart taucht Gedeck regelmäßig auf vorderen Plätzen auf. 2006 wählte sie eine Jury aus Film-Experten zur besten deutschen Schauspielerin – vor Julia Jentsch, Iris Berben, Veronica Ferres und Nadja Uhl.[5] In der Branche gilt Gedeck als zielstrebige Arbeiterin. Als männliche Vorbilder im Genre Komik benannte sie in einem Beitrag der Zeitschrift Emma die beiden Stummfilm-Stars Stan Laurel und Oliver Hardy sowie Jack Lemmon, als weibliche Vorbilder Bette Davis, Marilyn Monroe und Katharine Hepburn.

In Pressekritiken wird Gedecks ambitionierte Darstellung von Frauencharakteren positiv hervorgehoben. Das Kino-Webportal Kino.de charakterisierte sie mit den Worten: „Wie kaum eine andere gestaltet Martina Gedeck ihre Schauspielkunst als ständigen Wechsel zwischen genauer Figurenanalyse und künstlerischer Fantasie.“ Und: „Sensibel und sinnlich, scheu und lasziv, stolz und bodenständig – Martina Gedeck wechselt in ihren Rollen zwischen den Extremen.“[6] Die feministische Zeitschrift Emma schrieb anlässlich eines Porträts der Schauspielerin: „Der Spiegel charakterisiert die Gedeck als ‚Pandora, die irgendwo die Büchse mit den gefährlichen Leidenschaften versteckt hält‘. Pandora? Ja, vielleicht. Doch vor allem Meisterin der Zwischentöne. Und Reisende in Zwischenwelten.“[7] Einige Rollen, etwa die der Clara Schumann in Geliebte Clara, erhielten gemischte Kritiken. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Dazu fällt Gedeck nicht viel mehr ein als ihr schon sattsam bekannter, leicht irrer Wenn-Frauen-zu-sehr-lieben-Blick, der aber inzwischen nicht mehr als Ausdruck eines echten Gefühls durchgeht. Neben diesem Modus stehen ihr schauspielerisch noch zwei weitere Register zur Verfügung: der Eine-Frau-geht-ihren-Weg-Habitus, indem sie patriarchale Trottel schon mal schneidend scharf auf die Plätze verweist, und das tief verhangene Großmimentum, in dem sie sich vor allem an ihrer eigenen, vorgeblichen Subtilität berauscht.“ [8]

Was die Preisgabe von Details aus ihrem Privatleben angeht, gilt Gedeck als zurückhaltend. Das Web-Portal kino.de zitiert sie mit den Worten: „Mein Publikum will doch gar nicht wissen, wie viele Spiegeleier ich mir morgens brate. Ich spreche durch meine Figuren.“[6] Die Berliner tageszeitung stellte das Thema in den Mittelpunkt eines Beitrags über Gedeck.[9] In die Kritik geriet sie aufgrund ihres Umgangs mit den Medien, wobei es vor allem um Vorvereinbarungen zu Interviews ging, deren Konditionen aus Sicht der journalistischen Berichterstattung als problematisch gewertet werden, worüber etwa das Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt schrieb.[10]

Anlässlich der Bundesversammlung für die Wahl des Bundespräsidenten im Sommer 2010, für die Gedeck aufgestellt war, geriet sie unfreiwillig in die Schlagzeilen, als das Satiremagazin Titanic eine Fake-Aktion mit Twitter-Mitteilungen veröffentlichte, deren Urheberin vorgeblich Martina Gedeck gewesen sein sollte.[11]

Filmografie[Bearbeiten]


Hörbücher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Gedecks Stern auf dem Boulevard der Stars (2011)

Interview[Bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Martina Gedeck. 10. September 2006. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 536–544

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martina Gedeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auf dem Weg zu sich selbst. Porträt in Emma, November/Dezember 2002
  2. Kritiken-Zusammenstellung auf film-zeit.de
  3. Martina Gedeck auf der Website des Kinderhospizes Bethel.
  4. chrismon-Magazin vom 26. Oktober 2012
  5. Das sind die 100 besten deutschen Schauspieler. Artikel auf rp-online (vom 25. Mai 2006)
  6. a b Tom Wimmer / kaz: Kochlöffel, Maschinengewehr, Konzertflügel. Porträt der Schauspielerin bei kino.de vom 1. Dezember 2008
  7. Auf dem Weg zu sich selbst. Artikel von Cornelia Filter in Emma 6/2002.
  8. Kuschelkomponisten in Moll. Filmkritik von Tobias Kniebe in Süddeutscher Zeitung, 4. Dezember 2008.
  9. Die Unfassbare. Artikel von Waltraud Schwab in taz, 14. November 2006.
  10. Nicht mit uns. Bericht von Birgit Müller in HinzKunzt 187, September/Oktober 2008.
  11. Falsche Martina Gedeck narrt Medien mit Twitterei. Artikel von Ole Reißmann auf Spiegel Online, 30. Juni 2010.