Ruppichteroth

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ruppichteroth
Ruppichteroth
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ruppichteroth hervorgehoben
50.8438888888897.4836111111111180Koordinaten: 50° 51′ N, 7° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Rhein-Sieg-Kreis
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 61,96 km²
Einwohner: 10.234 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 165 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53809
Vorwahlen: 02295, 02247, 02243
Kfz-Kennzeichen: SU
Gemeindeschlüssel: 05 3 82 052
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 18
53809 Ruppichteroth
Webpräsenz: www.ruppichteroth.de
Bürgermeister: Mario Loskill (parteilos)
Lage der Gemeinde Ruppichteroth im Rhein-Sieg-Kreis
Rheinland-Pfalz Bonn Köln Kreis Euskirchen Oberbergischer Kreis Rheinisch-Bergischer Kreis Rhein-Erft-Kreis Alfter Bad Honnef Bornheim (Rheinland) Eitorf Hennef (Sieg) Königswinter Lohmar Meckenheim (Rheinland) Much Neunkirchen-Seelscheid Niederkassel Rheinbach Ruppichteroth Sankt Augustin Siegburg Swisttal Troisdorf Wachtberg WindeckKarte
Über dieses Bild
Blick aus der Burgstraße auf den Turm von St. Severin
Das Dorf Ruppichteroth 1900 mit den ehemaligen Ortsteilen

Ruppichteroth ist eine Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis rund 30 Kilometer östlich von Bonn im Süden Nordrhein-Westfalens, 18 Kilometer vor der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Sie entstand am 1. August 1969 aus der Zusammenlegung der Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid.[2] Ruppichteroth wurde 843 erstmals erwähnt.

Luftaufnahme von Ruppichteroth

Geographie[Bearbeiten]

Ruppichteroth liegt im Bergischen Land, vom Siegtal durch die Nutscheid getrennt. Ruppichteroth wird auch als Bröltalgemeinde bezeichnet, da sich hier die Bröl und der Waldbrölbach vereinen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ruppichteroth grenzt im Süden an die Gemeinden Windeck und Eitorf, die Stadt Hennef im Süd-Westen, die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid im Nordwesten, sowie an die Gemeinde Much im Norden. Im Osten schließt der Oberbergische Kreis mit der Gemeinde Nümbrecht und der Stadt Waldbröl an Ruppichteroth an.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht neben den drei Hauptorten Ruppichteroth, Schönenberg und Winterscheid aus folgenden weiteren Ortsteilen:

Ahe, Bacherhof, Bechlingen, Beiert, Berg, Bölkum, Bornscheid, Bröleck, Brölerhof, Broscheid, Büchel, Damm, Derenbach, Dörgen, Ennenbach, Fußberg, Fußhollen, Gießelbach, Hänscheid, Hambuchen, Harth, Hatterscheid, Herrenbröl, Herrnstein, Hodgeroth, Holenfeld, Honscheid, Hove, Ifang, Ingersau, Jünkersfeld, Junkersaurenbach, Kämerscheid, Kammerich, Kesselscheid, Köttingen, Krahwinkel, Kuchem, Litterscheid, Millerscheid, Mittelsaurenbach, Neuenhof bei Ruppichteroth, Neuenhof bei Winterscheid, Niederlückerath, Niederpropach, Niedersaurenbach, Oberlückerath, Obersaurenbach, Oeleroth, Paulinenthal, Pulvermühle, Reiferscheid, Retscheroth, Rose, Rotscheroth, Scheid, Schmitzdörfgen, Schmitzhöfgen, Schneppe, Schreckenberg, Stockum, Stranzenbach, Straße, Tanneck, Thal, Thilhove, Velken, Wingenbach, Wingenbacherhof, Winterscheiderbröl, Winterscheidermühle.

Das Rathaus der Gemeinde befindet sich mittig zwischen den früher eigenständigen Gemeinden Ruppichteroth und Winterscheid im Ortsteil Schönenberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach den karolingischen Teilungen Vertrag von Verdun 843 gehörte die Bauernschaft Ruppichteroth zum Auelgau. Innerhalb der späteren territorialen Gliederung kam das Amt Blankenberg – zu dem Ruppichteroth damals gehörte – in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1806 zur Grafschaft, bzw. Herzogtum Berg. Im Zuge der französischen Neuordnung des Rheinlandes wurde das Amt aufgelöst und die Umgebung in Arrondissements aufgeteilt. Das Amt Blankenberg fiel an das Herzogtum Cleve. Napoleons Schwager Joachim Murat wurde als Herzog eingesetzt, das Herzogtum selbst kurz danach zum Großherzogtum erhoben. 1806 bzw. 1808 wurde das Kirchspiel Ruppichteroth mit dem Kirchspiel Winterscheid zur Munizipalität Ruppichteroth zusammengelegt, die dem Kanton Eitorf unterstellt war. 1808 wurde Murat König von Neapel und das Großherzogtum wurde direkt Napoleon Bonaparte unterstellt.

Nach den Befreiungskriegen wurde 1815 aufgrund der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress das Rheinland und damit Ruppichteroth dem Königreich Preußen zugeordnet. Ruppichteroth wurde 1816 Sitz der gleichnamigen Bürgermeisterei, deren Verwaltung auch die eigenständige Gemeinde Winterscheid unterstand. Ebenfalls 1816 bildeten die Preußen den Kreis Uckerath, der bereits 1820 aufgelöst und dem Kreis Siegburg zugeordnet wurde.

1830 gab es in der Gemeinde Ruppichteroth 3.848 Einwohner, die Rittersitze Junkersaurenbach und Burg Herrnstein, jeweils drei Getreide- und Ölmühlen, eine Ziegelei, drei Kalkbrennerhütten und eine Eisenhütte, zwei Kaufläden, zwei Gasthöfe und 30 Schenken. Von den 17.500 Morgen Land waren aufgrund des hohen Holzverbrauches für die Hütten nur noch 33 Morgen Hochwald vorhanden, 5.000 Morgen Niederwald und 4.000 Morgen Heide. An landwirtschaftlicher Fläche fielen für Feldfrüchte 6.600 Morgen an, für Gemüsegärten 120 Morgen und für Obstanbau 22 Morgen. Daneben gab es noch 28 Morgen Teiche.

Ruppichteroth ist seit jeher land- und forstwirtschaftlich geprägt. Die Industrie fasste erst spät Fuß im Ort. Aus einem 1889 entstandenen Betrieb der Brüder Hugo und Otto Willach entwickelten sich zwei Betriebe, die heute im Bereich Schlösser und Beschläge weltweit führend sind.

Am 23. September 1955 stürzte das belgische Kampfflugzeug FZ 139 vom Typ Thunderjet im Rahmen einer länderübergreifenden Militärübung im Ortsteil Ahe ab. Dabei starb der Pilot und mehrere Häuser wurden teilweise oder komplett zerstört.

Religion[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[3]
Wahlbeteiligung: 63,5 % (2004: 60,8 %)
 %
50
40
30
20
10
0
42,8 %
26,0 %
15,5 %
12,4 %
3,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
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+3,5 %p
+4,7 %p
+2,2 %p
+3,3 %p

Seit der Kommunalwahl am 30. August 2009 verteilen sich die 34 Sitze (+4) des Gemeinderates wie folgt:

Der Weiler Neuenhof bei Winterscheid
Winterscheid
Evangelische Kirche im Ortsteil Ruppichteroth
Burg Herrnstein
Das Rennenbergkreuz von 1788
Der Drachenflieger-Startplatz Auf der Stachelhardt wird auch für Paragliding genutzt

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Unter einem roten Schildhaupt, das durch eine wellenförmige Teilungslinie abgesetzt ist und in silbernen Kleinbuchstaben einer gebrochenen Schrift (Minuskeln) die Worte 'mons praeclare' enthält, in silbernem Feld ein linksgewandter roter Halbmond, zwischen dem ein rotes achtspitziges Kreuz (Johanniterkreuz) in der Weise steht, dass der linke und die senkrechten Kreuzarme die Mondsichel berühren, darunter die beiden Hälften einer halbkreisförmig angeordneten auseinandergerissenen schwarzen Kette.“[4]

„O du schöner Berg“ (mons praeclare) ist die örtliche Legende vom Schönenberg, als Ausruf des Ritter Dietrich von Bruell, der mit Kaiser Friedrich I. an einem Kreuzzug teilgenommen haben soll, nach seiner Rückkehr (Kreuz für Kreuzzug auf islamischen Halbmond). Die gesprengten Ketten symbolisieren seine Rückkehr nach Kerkerhaft.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Teufelskiste
  • Sommerlinde (Burgplatz 19)
  • Esskastanie im Wald bei Rotscheroth (100 Meter östlich des Wegkreuzes). Ein etwa 400 Jahre alter Baum mit einem Stammumfang von fast sieben Meter.[5]

Sport[Bearbeiten]

  • TV 1888 Ruppichteroth, Veranstalter des alljährlichen Osterlaufes (Strecken bis 21,1 km)
  • Drachenflieger-Startplatz Auf der Stachelhardt Nähe Ruppichteroth-Honscheid, 209 m ü. N.N. mit Flug über dem Siegtal
  • Bröltaler SC 03 (ehemals VfL Schönenberg & Spvg Ruppichteroth) (Fußball)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Herbstkonzert des Bröltaler Musikvereins
  • Feuerwehrfest in Ruppichteroth und Winterscheid
  • Frühlingskonzert und Nachwuchskonzert des Akkordeon Orchester Ruppichteroth e. V.
  • Schönenberger und Ruppichterother Kirmes
  • Döörper Weihnacht
  • Winterfest, Karnevalssitzung des TV 1888 Ruppichteroth
  • Fußhollener Martinsmarkt der DPSG Winterscheid
  • Kärbholztage (Abschlusskonzert des Jahres der Band Kärbholz)
  • Heimspiel (Konzert der Band Kärbholz auf dem Bröltaler Sportfest)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Hauptverkehr führt heute im Gegensatz zu früher nicht über die Höhenzüge (zum Beispiel die Römerstraße), sondern durch das Bröltal. Seit 1862 war die Gemeinde über die Bröltalbahn, eine Schmalspurbahn, an die Stadt Hennef und seit 1870 auch an die Stadt Waldbröl angeschlossen. Die Bahn diente vornehmlich dem Transport von Erz und Kalk, erst später von Personen. Sie wurde vorab als Pferdebahn betrieben. Dann wurde sie als älteste Schmalspurdampflokstrecke betrieben. Heute besteht die Hauptverkehrsanbindung hauptsächlich über die B 478, die die Gemeinde durchschneidet und mit den angrenzenden Städten Hennef und Waldbröl verbindet. An der Gemeindegrenze zweigt zudem die B 507 nach Neunkirchen-Seelscheid ab. Außerdem führen Landstraßen zu den angrenzenden Gemeinden Windeck, Eitorf, Much und Nümbrecht, zum Beispiel die Landesstraße 312.

In der Gemeinde sind 7.295 Kraftfahrzeuge zugelassen, darunter 5.918 Pkw.[6]

In Ruppichteroth gilt im ÖPNV der Tarif des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS).

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es drei Grundschulen, eine Hauptschule und ein privates Gymnasium

  • Gemeinschaftsgrundschule Ruppichteroth (GGS Ruppichteroth)
  • Gemeinschaftsgrundschule Schönenberg (GGS Schönenberg) „Schule am Brölbach“
  • Gemeinschaftsgrundschule Winterscheid (GGS Winterscheid)
  • Gemeinschaftshauptschule Ruppichteroth (GHS Ruppichteroth)
  • St.-Theresien-Gymnasium Schönenberg (staatlich anerkanntes privates Gymnasium mit Internat für Mädchen)

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Ruppichteroths Ortsteil Schönenberg erhielt 1994 den Titel „Schönstes Dorf im Rhein-Sieg-Kreis“. Winterscheid schaffte dies 1973 und 1981.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Hendriks: Ruppichteroth im Spiegel der Zeit. Bd. 1–4, Ruppichteroth 1977–1988.
  • Karl Schröder: Die Zivilgemeinde Ruppichteroth 1808–2006. Ruppichteroth 2006.
  • Adolf Becker: Die Bröltalbahn – Rhein–Sieg–Eisenbahn. Niederkassel–Mondorf 1988.
  • Lothar Willach: Das Ispert Haus – seine Geschichte und die Geschichte seiner Bewohner. Ruppichteroth 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ruppichteroth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 85.
  3. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2009/Gem_raete/c382052kw0900.html
  4. Hauptsatzung der Gemeinde Ruppichteroth vom 20. Juni 2000, § 2 Absatz 1 (PDF-Datei; 38 kB)
  5. Liste des Rhein-Sieg-Kreises
  6. Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr: Mobilität in NRW. Daten und Fakten 2010
  7. Karl Schröder: Die Zivilgemeinde Ruppichteroth 1808–2006. Ruppichteroth Schönenberg Winterscheid. 100 Jahre Rathaus in Schönenberg. Siegburg 2006, S. 117.
  8. Karl Schröder: Aufstieg und Fall des Robert Ley, Bürgerverein Ruppichteroth, Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2008, ISBN 978-3-87710-342-5, S. 19
  9. Rhein-Sieg-Rundschau vom 18. Mai 2010, Bastian Brinkmann:Im Bergischen dem Weltgeist verbunden