Susanne Lothar
Susanne Lothar (* 15. November 1960 in Hamburg; † 21. Juli 2012 in Berlin[1]) war eine deutsche Schauspielerin. Sie war als Darstellerin schwieriger und gebrochener Charaktere auf der Theaterbühne sowie in Film und Fernsehen bekannt.[2][3]
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Leben [Bearbeiten]
Susanne Lothar wurde als Tochter des Schauspieler-Ehepaars Ingrid Andree und Hanns Lothar (geb. Neutze) geboren. Ihr Halbbruder Marcel Werner war ebenso Schauspieler wie ihre Onkel Horst Michael Neutze und Günther Neutze.
Lothar studierte an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater Schauspiel und erhielt noch während ihres Studiums einen Vertrag am Thalia Theater in Hamburg. 1981 war sie die erste Trägerin des Boy-Gobert-Preises. Susanne Lothar hatte weitere erfolgreiche Engagements in Köln, Wien, Stuttgart, Berlin und Salzburg. In Wien wurde sie 1986 mit der Kainz-Medaille ausgezeichnet. Vor allem durch die Titelrolle der Lulu in Peter Zadeks Inszenierung aus dem Jahr 1988 am Hamburger Schauspielhaus wurde sie bekannt.[4] Darüber hinaus begeisterte die Schauspielerin Kritiker und Publikum unter anderem in Drei Mal Leben (Regie: Luc Bondy, 2000) im Burgtheater Wien, 2001 am Schauspielhaus Zürich ebenfalls unter der Regie von Luc Bondy in Auf dem Land und zwei Jahre später als Blanche du Bois in Endstation Sehnsucht unter der Regie von Burkhard C. Kosminski. Im Jahr 2006 war Susanne Lothar als Klytaimnestra in Elektra in einer Inszenierung von Thomas Ostermeier an der Schaubühne Berlin zu sehen.
Ihre erste Filmrolle in Eisenhans unter der Regie von Tankred Dorst trug Susanne Lothar 1983 den Bundesfilmpreis ein, für die Hauptrolle im Fernseh-Zweiteiler Das tödliche Auge erhielt sie gemeinsam mit Ulrich Mühe 1993 den Goldenen Gong. Mit Michael Haneke drehte sie vier Filme, so war sie 1997 als Gewaltopfer im Thriller Funny Games zu sehen, verkörperte in Das Schloß (1997) die Rolle der Frieda, spielte in Die Klavierspielerin (2001) nach dem Roman von Elfriede Jelinek mit sowie im vielfach preisgekrönten Drama Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009). Weitere Filme mit ihr sind beispielsweise Edgar Reitz’ Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend, Peter Vogels Filmdrama Einfach raus, mehrere Folgen der Reihe Tatort sowie Die Österreichische Methode und Fleisch ist mein Gemüse. In Hanna Dooses 2012 uraufgeführten Spielfilm Staub auf unseren Herzen hatte sie die Hauptrolle an der Seite von Stephanie Stremler.
Lothar war mit dem Schauspieler Ulrich Mühe (1953–2007) verheiratet, mit dem sie wiederholt zusammenarbeitete. Sie lebte bis zu seinem Tod mit ihm und den beiden gemeinsamen Kindern in Berlin. Den Tod Susanne Lothars gab am 25. Juli 2012 der Anwalt der Familie bekannt.[5]
Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten]
Kino [Bearbeiten]
- 1983: Eisenhans, Regie: Tankred Dorst
- 1990: Winckelmanns Reisen, Regie: Jan Schütte
- 1992: Der Berg, Regie: Markus Imhoof
- 1992: Der demokratische Terrorist, Regie: Per Berglund
- 1997: Funny Games, Regie: Michael Haneke
- 1997: Engelchen, Regie: Helke Misselwitz
- 2001: Die Klavierspielerin, Regie: Michael Haneke
- 2002: Der Stellvertreter, Regie: Costa-Gavras
- 2003: Hamlet X, Regie: Herbert Fritsch
- 2005: Schneeland, Regie: Hans W. Geißendörfer
- 2005: Unter dem Eis, Regie: Aelrun Goette
- 2007: Madonnen, Regie: Maria Speth
- 2008: Die Österreichische Methode, Regie: Gerrit Lucas
- 2008: Fleisch ist mein Gemüse, Regie: Christian Görlitz
- 2009: Der Vorleser, Regie: Stephen Daldry
- 2009: Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte, Regie: Michael Haneke
- 2010: Die kommenden Tage, Regie: Lars Kraume
- 2010: Nemesis, Regie: Nicole Mosleh
- 2011: Wer wenn nicht wir, Regie: Andres Veiel
- 2011: Die verlorene Zeit, Regie: Anna Justice
- 2012: Staub auf unseren Herzen, Regie: Hanna Doose
- 2012: Anna Karenina, Regie: Joe Wright
Fernsehen [Bearbeiten]
- 1992: Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend, Regie: Edgar Reitz
- 1993: Il giovane Mussolini, Regie: Gianluigi Calderone
- 1993: Das tödliche Auge (TV-Zweiteiler), Regie: Detlef Rönfeldt[6]
- 1993: Tatort – Himmel und Erde, Regie: Markus Fischer
- 1995: Geschäfte, Regie: Michael Schottenberg
- 1995: Schnellschuß, Regie: Thomas Roth
- 1997: Das Schloß, Regie: Michael Haneke
- 1999: Tatort – Traumhaus, Regie: Ulrich Stark
- 1999: Einfach raus, Regie: Peter Vogel
- 1999: Der Mörder meiner Mutter, Regie: Lars Kraume
- 2000: Die blauen und die grauen Tage, Regie: Dagmar Damek
- 2000: Bonhoeffer – Die letzte Stufe, Regie: Eric Till
- 2000: Vom Küssen und vom Fliegen, Regie: Hartmut Schoen
- 2001: Abschied in den Tod, Regie: Martin Buchhorn
- 2002: Der letzte Zeuge – Der heilige Krieg, Regie: Dieter Schlotterbeck
- 2002: Die achte Todsünde: Toskana-Karussell, Regie: Peter Patzak
- 2004: Der letzte Zeuge – Sandkastenliebe, Regie: Bernhard Stephan
- 2005: Tatort – Der Teufel vom Berg, Regie: Thomas Roth
- 2007: Tatort – Das Ende des Schweigens, Regie: Buddy Giovinazzo
- 2007: Der letzte Zeuge – Sieg im Blut, Regie: Bernhard Stephan
- 2008: Tatort – Der glückliche Tod, Regie: Aelrun Goette
- 2008: Und ewig schweigen die Männer, Regie: Xaver Schwarzenberger
- 2009: Der Tiger – oder was Frauen lieben, Regie: Niki Stein
- 2009: SOKO 5113 – Zwei Frauen und ein Mord, Regie: Bodo Schwarz
- 2010: Morgen musst Du sterben, Regie Niki Stein
- 2010: Die Auflehnung, Regie: Manfred Stelzer
- 2010: Der Kriminalist – Getauschtes Leben (Staffel 4, Episode 6), Regie: Christian Görlitz
- 2010: Agatha Christie’s Poirot – Murder on the Orient Express, Regie: Philip Martin
- 2010: Der Alte – Oder du stirbst, Regie: Marcus Ulbricht
- 2011: Bloch – Inschallah, Regie: Thomas Jauch
- 2011: Dittsche Spezialfolge „Heimspiel“
- 2012: Polizeiruf 110 – Die Gurkenkönigin, Regie: Ed Herzog
- 2012: Die letzte Spur – Terrorist, Regie: Andreas Herzog
Theaterstücke (Auswahl) [Bearbeiten]
- 1980: Fegefeuer in Ingolstadt. Regie: Benjamin Korn, Thalia Theater Hamburg
- 1981: Nathan der Weise. Regie: Benjamin Korn, Thalia Theater Hamburg
- 1982: King Lear. Regie: Jürgen Flimm, Schauspielhaus Köln
- 1983: Faust. Regie: Jürgen Flimm, Schauspielhaus Köln
- 1985: Musik. Regie: Dieter Giesing, Burgtheater Wien und Deutsches Schauspielhaus Hamburg
- 1986: Liebestoll. Regie: Arie Singer, Staatsschauspiel Stuttgart
- 1986: Andi. Regie: Peter Zadek, Schauspielhaus Hamburg
- 1987: Edmond. Regie: Dieter Giesing, Schauspielhaus Hamburg
- 1988–1992: Lulu. Regie: Peter Zadek, Schauspielhaus Hamburg
- 1989: Henceforward. Regie: Peter Zadek, Theater am Kurfürstendamm Berlin
- 1990: Die Jüdin von Toledo. Rolle: Rachel, Regie: Thomas Langhoff, Salzburger Festspiele
- 1993: Oleanna. Rolle: Carol, Regie: Dieter Giesing, Akademietheater Wien (zusammen mit Ulrich Mühe)
- 1998: Gesäubert. Regie: Peter Zadek, Hamburger Kammerspiele
- 2000: Drei Mal Leben. Regie: Luc Bondy, Burgtheater Wien
- 2001: Auf dem Land. Regie: Luc Bondy, Schauspielhaus Zürich/Berliner Ensemble
- 2002: Mutter Courage. Regie: Peter Zadek, Deutsches Theater Berlin
- 2003: Endstation Sehnsucht. Regie: Burkhard Kosminski, Schauspielhaus Frankfurt
- 2006: Trauer muss Elektra tragen. Regie: Thomas Ostermeier, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin
Dokumentarfilm [Bearbeiten]
- 2010: Susanne Lothar – Mein Leben. Buch und Regie: Claudia Müller.[7]
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- 1981: Boy-Gobert-Preis
- 1983: Bundesfilmpreis für Eisenhans (Beste Darstellerin)
- 1986: Kainz-Medaille
- 1987: O.E. Hasse-Preis
- 1988: Schauspielerin des Jahres der Zeitschrift Theater heute (gemeinsam mit Jutta Lampe)
- 1993: Goldener Gong für ihre Darstellungen in Das tödliche Auge (gemeinsam mit Ulrich Mühe)
- 1994: Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg
- 1997: Nominierung für den Deutschen Filmpreis für Engelchen (Beste Hauptdarstellerin)
- 2009: Nominierung für den Deutschen Filmpreis für Fleisch ist mein Gemüse (Beste Nebendarstellerin)
- 2010: Nominierung für den Deutschen Filmpreis für Das weiße Band (Beste Hauptdarstellerin)
Weblinks [Bearbeiten]
- Susanne Lothar in der Internet Movie Database (englisch)
- Susanne Lothar bei filmportal.de
- Literatur von und über Susanne Lothar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Offizielle Website von Susanne Lothar
- Das erste Mal – Frau Lothar, wann sind Sie Sie selbst? Interview im NZZ Folio, 2002, Nr. 2
- Vielleicht wollte Ulrich noch einmal 'Halt' sagen. Interview im Tagesspiegel, 20. April 2008
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Traueranzeige in: Süddeutsche Zeitung vom 27. Juli 2012 S. 34 (Deutschland-Ausgabe). Online abgerufen auf sueddeutsche.de am 29. Juli 2012.
- ↑ Film-Star Susanne Lothar stirbt mit 51 Jahren. Focus.de, 25. Juli 2012, abgerufen am 26. Juli 2012.
- ↑ Starguide: Susanne Lothar; Prisma.de, abgerufen am 26. Juli 2012
- ↑ vgl. zeitgenössische Kritik von Hellmuth Karasek: Auf der Rutschbahn. In: Der Spiegel. Nr. 8, 1988, S. 180-186 (online).
- ↑ (usp/dapd/dpa): Schauspiel-Star. Susanne Lothar ist tot. Auf: Spiegel Online vom 25. Juli 2012. Abgerufen am 25. Juli 2012. Todesanzeige der Familie vom 28. Juli 2012
- ↑ Das tödliche Auge beim Deutschen Rundfunkarchiv, abgerufen auf www.dra.de am 25. Juli 2012.
- ↑ Inhaltsangabe von arte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lothar, Susanne |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 15. November 1960 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 21. Juli 2012 |
| STERBEORT | Berlin |