Erpel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Erpel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Erpel
Erpel
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Erpel hervorgehoben
50.5852777777787.2456Koordinaten: 50° 35′ N, 7° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Neuwied
Verbandsgemeinde: Unkel
Höhe: 56 m ü. NHN
Fläche: 9,21 km²
Einwohner: 2522 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 274 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53579
Vorwahl: 02644
Kfz-Kennzeichen: NR
Gemeindeschlüssel: 07 1 38 019
Adresse der Verbandsverwaltung: Linzer Straße 4
53572 Unkel
Webpräsenz: www.erpel.net
Ortsbürgermeisterin: Cilly Adenauer (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Erpel im Landkreis Neuwied
Neuwied Buchholz (Westerwald) Asbach (Westerwald) Windhagen Neustadt (Wied) Rheinbreitbach Unkel Bruchhausen (Landkreis Neuwied) Erpel Vettelschoß Linz am Rhein Kasbach-Ohlenberg Ockenfels Sankt Katharinen (Landkreis Neuwied) Dattenberg Leubsdorf (am Rhein) Bad Hönningen Rheinbrohl Hammerstein (am Rhein) Leutesdorf Isenburg (Westerwald) Kleinmaischeid Großmaischeid Stebach Marienhausen Dierdorf Oberdreis Woldert Rodenbach bei Puderbach Ratzert Niederwambach Steimel Döttesfeld Puderbach Dürrholz Hanroth Raubach Harschbach Niederhofen Dernbach (Landkreis Neuwied) Urbach (Westerwald) Linkenbach Breitscheid (Westerwald) Waldbreitbach Roßbach (Wied) Hausen (Wied) Datzeroth Niederbreitbach Hümmerich Oberhonnefeld-Gierend Oberraden Straßenhaus Kurtscheid Bonefeld Ehlscheid Rengsdorf Melsbach Hardert Anhausen Rüscheid Thalhausen Meinborn Nordrhein-Westfalen Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Landkreis Ahrweiler Landkreis Mayen-Koblenz Koblenz Marienhausen WesterwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Erpel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Unkel an. Erpel ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Der Ortskern liegt im Tal des nördlichen Mittelrheins am Rande des Naturparks Rhein-Westerwald. Im Osten des Gemeindegebiets erstreckt sich der Erpeler Kirchspielwald bis auf den Rheinwesterwälder Vulkanrücken. Dort wird südlich der Spitze des 441 m ü. NHN hohen Asbergs der höchste Bodenpunkt des Gemeindegebiets erreicht. Der äußere Osten der Gemarkung von Erpel, deren Grenze dort durch den Erpeler Bach markiert wird, lässt sich bereits der Asbacher Hochfläche zurechnen.

Etwa 60 % des Gemeindegebiets sind Landwirtschaftsfläche, gut ein Fünftel ist bewaldet und knapp ein Sechstel ist als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Erpel gehört der nördlich des Hauptortes über dem Rheintal auf etwa 200 m ü. NHN liegende Ortsteil Orsberg. Im Osten des Gemeindegebiets befindet sich unmittelbar nördlich von Kretzhaus auf rund 350 m ü. NHN der Wohnplatz Reifstein, der ein ehemaliges Forsthaus sowie ein Jagdhaus umfasst. Weitere Wohnplätze auf Gemeindegebiet sind Erpeler-Ley-Plateau und Bierbrauerei Sankt Severin.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Norden grenzt die Ortsgemeinde an Unkel und Bruchhausen, im Nordosten an Windhagen, im Osten an Vettelschoß sowie im Süden an Kasbach-Ohlenberg und Linz am Rhein. Die westliche Gemeindegrenze zu Remagen verläuft in der Mitte des Rheins.

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemaliges Ostportal der Ludendorff-Brücke in Erpel
Erpel (diesseits) und Apollinariskirche in Remagen (jenseits des Rheines)

Nachdem es in Erpel ab dem 14. Jahrhundert eine verstärkte städtische Entwicklung gab, erhielt es um 1420 Marktrechte. Die Landeshoheit bzw. ungeteilte Gerichtsherrschaft übte in Erpel spätestens seit 1493 das Kölner Domkapitel aus. Somit war Erpel als Herrschaft (auch als „Herrlichkeit“ bezeichnet) unabhängig von der weltlichen Macht des Kurfürstentums Köln, zu dessen Territorium die umliegenden und durch das Amt Linz verwalteten Ortschaften zählten. Zur Herrschaft Erpel gehörten auch Bruchhausen, Casbach (Erpelerseits), Heister und Orsberg.[4] 1670 umfasste sie 124 Häuser.[5]

Die Herrschaft Kurkölns endete 1803 nach über 500 Jahren mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Das kurkölnische Gebiet in dieser Region wurde zunächst dem Fürstentum Nassau-Usingen zugeordnet und kam 1806 aufgrund der Rheinbundakte zum Herzogtum Nassau. Die vormalige Herrlichkeit Erpel unterstand anschließend der Verwaltung des nassauischen Amtes Linz. Nach den auf dem Wiener Kongress geschlossenen Verträgen wurde das Gebiet 1815 an das Königreich Preußen abgetreten. Erpel wurde eine Gemeinde im damals neu gebildeten Kreis Linz (ab 1822 Kreis Neuwied) im Regierungsbezirk Koblenz und von der Bürgermeisterei Unkel verwaltet. 1843 wurde Erpel als Flecken bezeichnet.[6] Der Wein wurde zum wichtigsten Handelsartikel. Der Weinbau hatte bis ins 20. Jahrhundert eine große Bedeutung für Erpel.

Die Ludendorff-Brücke über den Rhein nach Remagen wurde von 1916 bis 1918 erbaut, um mehr Truppen und Kriegsmaterial an die Westfront bringen zu können. Den Namen erhielt die Brücke im Jahr 1918. Kaiser Wilhelm II. gab der Rheinbrücke den Namen Ludendorff-Brücke aus Dankbarkeit gegenüber dem ersten Quartiermeister-General der Infanterie, Erich von Ludendorff. Die Eroberung der wenig später eingestürzten Eisenbahn- und Fußgängerbrücke am 7. März 1945 stellt ein wichtiges Ereignis des Zweiten Weltkriegs dar. Im Innern der Brückentürme auf der Remagener Seite ist seit dem 7. März 1980 ein Friedensmuseum eingerichtet.[7] Das Brückenportal auf der Erpeler Seite befindet sich seit Kriegsende in einem wenig veränderten Zustand. Der Zugang zu den Türmen ist von der einen Seite her zugemauert, von der anderen aber durch eine Stahltür möglich.

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Orsberg nach Erpel eingemeindet.[8]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Erpel bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 871
1835 1.144
1871 1.175
1905 1.168
1939 1.447
1950 1.519
Jahr Einwohner
1961 1.840
1970 2.059
1987 2.231
1997 2.501
2005 2.620
2012 2.522

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Rathaus Erpel

Der Gemeinderat in Erpel besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzende. Der vorhergehende Gemeinderat bestand aus 20 Ratsmitgliedern.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 4 10 2 16 Sitze
2009 4 12 4 20 Sitze
2004 4 12 4 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Erpel e.V.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: „Unter rotem Schildhaupt, darin drei, 1:2 gestellte goldene Laubkronen, gespalten von Silber und Blau; vorn ein durchgehendes schwarzes Balkenkreuz; hinten zwei schräggestellte goldene Schlüssel.“

Erläuterung: Alle Symbole des Wappens - die Kronen der Hl. Drei Könige, die Petrusschlüssel sowie das schwarze Kreuz - weisen auf das Kölner Domkapitel hin, das 1130-1803 die „Herrschaft Erpel“ als Lehen des Kölner Erzbischofs besaß. Seit wann das Wappen rechtsgültig ist, ist unbekannt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Fronhof mit Rheintor
St. Severinus
Neutor

Erpels mittelalterliches Ortsbild mit Resten der rechteckigen Ummauerung aus dem Jahre 1420, die Lage am Rhein und am Südfuß des Siebengebirges (Aussichtspunkt Erpeler Ley mit eindrucksvollen Basaltformationen) machen neben den zwei erhaltenen Stadttoren (Rheintor und Neutor) und dem renovierten Rathaus sein touristisches Potenzial aus.

Das barocke Rathaus mit Mansarddach und kleinem Dachreiter wurde 1780 an der Stelle eines kleineren Bürger- und Gerichtshauses aus dem Jahr 1624 von dem Maurermeister und Architekten Franz Ignaz Freeg gebaut. Von 1803 bis 1966 war es im Besitz des Kirchspiels Erpel (umfasste Bruchhausen, Niederkasbach, Heister, Orsberg und Erpel), von 1816 bis 1822 war es Residenz des Landrats des Kreises Linz. Das Rathaus wurde in den Jahren 1930, 1976 und 1990 renoviert.

Das Neutor wurde um 1420 erbaut und war Teil einer als Ringmauer errichteten zweiten Befestigung nach Erweiterung des Ortskerns nach Norden. Das Linzer Tor im Süden und das Schleidentor östlich vom Marktplatz sind nicht erhalten, das Rheintor aus dem frühen 13. Jahrhundert wurde um 1589 mit dem Fronhof überbaut. Südlich am Rhein sind noch Reste eines Rundturms erhalten.

Die um 1230 erbaute Kirche St. Severinus vereint frühromanische und frühgotische Bauabschnitte in sich, der Turm stammt von einer älteren einschiffigen Kirche, vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Der Turm enthält auch die große Osannaglocke aus dem Jahr 1388. Die Kirchenfenster im Chor wurden im 15. Jahrhundert vergrößert, weitere Umbauten erfolgten im 18. Jahrhundert. Nach einer Legende nahm das ältere Gotteshaus vorübergehend die Gebeine der Heiligen drei Könige auf, als der Erzbischof Rainald von Dassel sie 1164 von Mailand nach Köln brachte. Daran erinnern die drei Kronen im oberen Feld des Ortswappens.

Siehe auch:

Wanderwege[Bearbeiten]

Basaltfels Erpeler Ley

Der Rheinsteig, der rechtsrheinische Fernwanderweg von Bonn nach Wiesbaden, führt auf der Etappe von Unkel nach Leubsdorf (16,7 km, 500 Höhenmeter) durch den Ortsteil Orsberg und über die Erpeler Ley. Dieser hochaufragende Felsen bietet einen der schönsten Rheintalblicke.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Brauerei, Handwerk, Handel und Dienstleistungen. Der Massentourismus ist weitgehend an Erpel vorbeigegangen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Erpel
Personenfähre Remagen-Erpel

Erpel ist Haltepunkt für die Regionalbahn 27 (MönchengladbachKölnKoblenz) auf der rechten Rheinstrecke.

Die Bundesstraße 42 verläuft durch Erpel und verbindet es mit den Städten in Richtung Bonn (Unkel, Bad Honnef, Königswinter) und in Richtung Koblenz (darunter Bad Hönningen, Neuwied). Die Trasse in Erpel wurde von August 2001 bis Juli 2002 höher gelegt, um die Anzahl der Sperrungen wegen Hochwassers zu verringern. Die Höherlegung war sehr umstritten, weil ein Teil der Stadtmauer zugebaut wurde.

Nach Remagen auf der linken Rheinseite besteht tagsüber eine Fährverbindung (Personen und Fahrräder).

Literatur[Bearbeiten]

  • Neustein, Edgar / Noll, Gregor / Siebertz, Heribert: Bildband "Herrlichkeit Erpel", herausgegeben von Ruland, Wolfgang. Übersetzt von Braun, Elke / Sarfatti, Céline / Golm, Britta. Wolfland Verlag, 2007, ISBN 978-3-936414-19-6
  • Martina Rohfleisch: Zwischen Rhein und Wingert. Lese-, Bilder- und Wanderbuch für Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach und Unkel. edition Wolkenburg, Rheinbreitbach 2004, ISBN 3-934676-13-8.
  • Hans Vogts, überarb. von Paul-Georg Custodis: Erpel am Rhein. Zahlreiche Illustrationen, graphische Darstellungen. ISBN 3-88094-828-3
  • Ulrich Ritzerfeld: Rheinischer Städteatlas Lfg XIII. Nr 69. Erpel. Habelt, R, 1998, ISBN 3-7927-1730-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erpel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 34 (PDF; 2,3 MB)
  4. Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 2. Nachdruck. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1987, ISBN 3-922244-80-7, S. 431/432.
  5. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 70.
  6. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungs-Bezirks Coblenz, Kreis Neuwied, S. 63
  7. http://www.bruecke-remagen.de
  8. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 176 (PDF; 2,6 MB)
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen