Autostrada A2 (Italien)

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Autostrada A 2 in Italien
Autostrada A2 (Italien)
 Italian traffic signs - strada europea 45.svg Italian traffic signs - strada europea 90.svg Italian traffic signs - strada europea 841.svg
Karte
Verlauf der A 2
Basisdaten
Betreiber:

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Die Autostrada A2 (italienisch für ‚Autobahn A2‘) oder auch Autostrada del Mediterraneo ist eine italienische Autobahn im Süden des Landes, die von Fisciano / Salerno (Kampanien) nach Reggio Calabria (Kalabrien) führt. Die A2 ist Bestandteil der Europastraße 45, 495 km lang und mautfrei. Ursprünglich führte die Autobahn die Nummer A3, diese wurde jedoch im Dezember 2016 zu Gunsten der Nummer A2 aufgegeben.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die A2 hat eine überaus große Bedeutung für den Süden Italiens, da sie die Hauptverbindung in die Hauptstadt Rom und den wirtschaftlich starken Norden des Landes darstellt. Zudem verkürzt sie die Fahrtzeit für die süditalienischen „Gastarbeiter“, die ihre Heimat besuchen wollen, erheblich. Die A2 hat Anschluss zur heutigen A3 (Mailand - Neapel; früher A2) und zur A30 (Caserta). Über die Ausfahrt Villa San Giovanni ist zudem die Insel Sizilien mittels einer Fähre in kurzer Zeit erreichbar. In Reggio Calabria trifft die A2 auf den RA4, Bestandteil der Europastraße 90.

Autobahnende der A2 in Reggio Calabria und Übergang zum RA 4

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der ursprünglichen Autostrada A3 begann in den 1960er Jahren.[1][2]

Als 1974 der bei weitem längste Abschnitt der Autobahn für den Verkehr freigegeben wurde (Salerno – Reggio Calabria, 443 km), wurde dies als größtes jemals vom italienischen Staat realisierte Werk gefeiert. Der Süden war nun endlich per Autobahn mit dem Norden verbunden – für die Benutzung musste noch nicht einmal eine Gebühr entrichtet werden. Im Zuge der A3 wurden einige der bedeutendsten Autobahnbrücken ihrer Zeit gebaut, wie zum Beispiel das Viadotto Italia, das Viadotto Sfalassà oder das Viadotto Rago.

Zwischenzeitlich war der Zustand dieses Abschnittes jedoch desolat. Es mussten ständig Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden, die dazu führten, dass auf weiten Strecken der A3 nur eine Richtungsfahrbahn benutzbar ist.[3][4] Zudem ist die Höchstgeschwindigkeit in den Baustellenbereichen auf z. T. 60 km/h[5] oder gar 40 km/h[6] heruntergesetzt. Hinzu kommt eine Vielzahl an unbeleuchteten Tunneln,[7] in denen stellenweise die Decke zerbröckelt,[8] an scharfen Rechts- und Linkskurven, Schlaglöchern[9], fehlenden Leitplanken, fehlenden Pannenstreifen[10][11], veralteten und rostigen Straßenschildern sowie fehlenden Fahrbahnmarkierungen[12][13]. Des Weiteren erfüllen zahlreiche Anschlussstellen auf Grund ihrer zu kurzen oder gar nicht vorhandenen Beschleunigungs- und Verzögerungsspuren nicht mehr europäische Standards.[14][15]

Erneuerung ab 1997[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autostrada A2 - Stand der Arbeiten im April 2015 (grün: fertiggestellt; orange: im Bau; rot: ausstehend)

Der desolate Zustand machte schließlich eine Generalüberholung bzw. – auf jenen Abschnitten, wo die gestiegenen Anforderungen dies verlangten, – einen Neubau erforderlich. Streckenweise führt die neue A3 über eine andere Trasse als die alte aus den 1970er Jahren.[16] Dabei erschweren die geographischen Gegebenheiten das Vorankommen. Neue Tunnels und neue Brücken müssen gebaut werden; enge Kurven werden durch einen größeren Radius entschärft; einzelne Anschlussstellen müssen den geltenden europäischen Standards angepasst werden.

Zeitplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 begannen die Arbeiten. Damals war eine Fertigstellung bis 2003 geplant. Doch erst im Jahre 2008 wurde ein erster Hauptabschnitt, nämlich die sechsspurig ausgebaute Strecke von der Anschlussstelle Salerno bis nach Sicignano degli Alburni, für den Verkehr freigegeben. In den Folgejahren wurden weitere Teilabschnitte in Kalabrien saniert. Im Jahre 2009 hatte Pietro Ciucci, der damalige Präsident der italienischen Fernstraßenbehörde Azienda Nazionale Autonoma delle Strade (ANAS), verkündet, dass die A3 spätestens 2013 fertiggestellt sein werde.[17] Dazu kam es jedoch nicht. Auch nach der Freigabe zweier weiterer Abschnitte im Juli 2014 sind noch Strecken von insgesamt 38 km Länge im Bau, der Ausbau von Strecken von insgesamt 69 km Länge steht noch aus.[18] Im Jahre 2013 wurde das Jahr 2018 als Termin der Fertigstellung genannt. Die A3 gilt inzwischen als das „bekannteste Beispiel“ für die Verzögerungen und Unvollkommenheiten bei der Ausführung öffentlicher Infrastrukturvorhaben in Italien.[2]

Kosten und Korruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1996 bis 2015 gab die ANAS für die Renovierung der A3 10,8 Milliarden Euro aus, für die Fertigstellung sind weitere 2,8 Milliarden Euro veranschlagt.[8] Trotz der im europäischen Vergleich außerordentlich hohen Kosten von rund 26 Millionen Euro pro Kilometer wurde ein Großteil der bisherigen Arbeiten unzulänglich ausgeführt, so dass auch erneuerte Streckenabschnitte schon nach wenigen Jahren kaum noch verkehrstauglich sind.[8] Das lag zum Teil an der mangelnden Bauaufsicht der ANAS, die bei den etwa 1.000 beauftragten Baufirmen und -konsortien den Überblick verlor.[8] Dazu kam die Korruption in der ANAS, die sich auch auf die Vergabe von Bauaufträgen für die A3 erstreckte.[8]

Die von 2001 bis 2008 tätige Untersuchungskommission des italienischen Parlamentes zur Durchleuchtung von Mafiastrukturen („Commissione parlamentare antimafia“, kurz: „Commissione antimafia“) befasste sich eingehend mit der A3.[19] Sie bezeichnete diesen Autobahnbau sowie den des Hafens von Gioia Tauro als „Inbegriffe einer Modernisierung“ („metafore di una modernizzazione“) der Arbeitsweise der Organisierten Kriminalität.[20] Die Anti-Mafia-Abteilung der Staatsanwaltschaft in Reggio Calabria bezeichnete die A3 als „das längste Beweisstück Italiens“.[21] Ihre Ermittlungen zeigten, dass es der ’Ndrangheta in fast jeder Hinsicht (Planung, Auftragsvergabe, Personaleinsatz, Ausschaltung von Kontrollen) gelungen war, das Dauerprojekt A3 zu infiltrieren.

Bis Anfang 2016 wurden mehr als 70 Personen, darunter Unternehmer, Gewerkschafter und Lokalpolitiker, wegen Zusammenarbeit mit der ’Ndrangheta, Betrug, Korruption und anderer Straftaten bei der Erneuerung der A3 gerichtlich verurteilt.[8] Francesco Emilio Borrelli, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen („Davvero Verdi“) im Regionalparlament von Kampanien (Consiglio Regionale della Campania), zufolge lasse sich an der A3 „beispielhaft aufzeigen, was in Italien alles schieflaufe: Bürokratie, Korruption, Infiltration durch die Mafia und das Desinteresse Roms am Süden“.[8]

Sanierte Autobahnbrücke bei Nocera Terinese

Umnummerierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Dezember 2016 wurde die ehemals als Autostrade del Sole bezeichnete A3 zwischen Salerno und Reggio Calabria in Autostrada del Mediterraneo mit der Nummer A2 umbenannt.

Die A2 von 1988 bis 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autostrada A2 war bis 1988 die Bezeichnung einer italienischen Autobahn, die als Teil der Autostrada del Sole von der Hauptstadt Rom (Latium) nach Neapel (Kampanien) führt. Heute entspricht sie dem südlichen Abschnitt der A1.

Die A2 wurde innerhalb des Zeitraumes von 1956 bis 1964 nach und nach für den Verkehr freigegeben. Mit der Bretella Est wurde 1988 eine direkte Verbindung zwischen der A1 (damals: Mailand–Rom) und eben der A2 hergestellt, nachdem die beiden Autobahnen zuvor nur über die Ringautobahn um Rom miteinander verbunden waren.

Dadurch, dass nun die Autobahn von Mailand bis nach Neapel durchgehend ohne Unterbrechung befahren werden konnte, wurde eine Unterscheidung zwischen der A1 und der A2 überflüssig. Infolgedessen wurde der Abschnitt Rom–Neapel, der bis dahin als A2 geführt wurde, Teil der A1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bilder der ehemaligen A2 Rom - Neapel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bilder der heutigen A2 (ex A3) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rachel Donadio: Italiens Mafia-Autobahn. In: Die Welt. 11. Oktober 2012
  2. a b Romina Spina: Italiens ewige Baustellen. Angefangen und nie vollendet – der Stillstand hat schwerwiegende Folgen. In: Neue Zürcher Zeitung vom 12. März 2015, S. 7.
  3. Foto auf selica.ch
  4. Foto auf selica.ch
  5. Foto auf selica.ch
  6. Foto auf selica.ch
  7. Foto auf selica.ch
  8. a b c d e f g Andrea Spalinger: Italiens ewige Baustelle. Keiner glaubt, dass die Autobahn Salerno-Reggio Calabria demnächst fertiggestellt wird. In: Neue Zürcher Zeitung vom 19. Februar 2016, S. 7.
  9. Foto auf selica.ch
  10. Foto auf selica.ch
  11. Foto auf selica.ch
  12. Foto auf selica.ch
  13. Foto auf selica.ch
  14. Foto auf selica.ch
  15. Foto auf selica.ch
  16. Zu den Planungen im Detail siehe die Ausgabe 2005 des Jahrbuches der Azienda Nazionale Autonoma delle Strade (ANAS): Il Libro Bianco delle Strade 2005. Un Anno di Attività. Rom 2006. Darin das von Vincenzo Pozzi verfasste Kapitel 6.1: L’autostrada A3 Salerno – Reggio Calabria (S. 145–164).
  17. Calabria Indipendente: Salerno-Reggio Calabria, Ciucci: „Pronta entro 2012-2013“, abgerufen am 5. August 2014.
  18. Il Lametino: A3, aperto tratto ammodernato tra svincolo e torrente Randace, abgerufen am 5. August 2014.
  19. Abschlussbericht der Commissione parlamentare di inchiesta sul fenomeno della criminalità organizzata mafiosa o similare vom 19. Februar 2008, S. 100–106 (Kapitel La Salerno – Reggio Calabria).
  20. Abschlussbericht der Commissione parlamentare di inchiesta sul fenomeno della criminalità organizzata mafiosa o similare vom 19. Februar 2008, S. 240.
  21. Ambros Waibel: Die Kathedrale der Mafia. In: taz, 19. Januar 2011, abgerufen am 25. Februar 2016.