Blanquefort-sur-Briolance

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Blanquefort-sur-Briolance
Blanquefort-sur-Briolance (Frankreich)
Blanquefort-sur-Briolance
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Lot-et-Garonne
Arrondissement Villeneuve-sur-Lot
Kanton Le Fumélois
Gemeindeverband Fumel Vallée du Lot
Koordinaten 44° 36′ N, 0° 58′ OKoordinaten: 44° 36′ N, 0° 58′ O
Höhe 104–274 m
Fläche 41,93 km2
Einwohner 471 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 11 Einw./km2
Postleitzahl 47500
INSEE-Code
Website www.blanquefortsurbriolance.fr

Blick auf Blanquefort-sur-Briolance

Blanquefort-sur-Briolance ist eine französische Gemeinde mit 471 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Lot-et-Garonne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Villeneuve-sur-Lot und zum Kanton Le Fumélois (bis 2015: Kanton Fumel).

Der Name in der okzitanischen Sprache lautet Blancafort (deutsch weiße Festung). Das Land der heutigen Gemeinde war im Mittelalter vom Hause Blanquefort abhängig, einer mächtigen Familie aus dem Médoc, deren Name sie schließlich annahm.[1][2]

Die Einwohner werden Blanquefortais und Blanquefortaises genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blanquefort-sur-Briolance liegt ca. 30 km nordöstlich von Villeneuve-sur-Lot in der historischen Provinz Agenais an der nördlichen Grenze zum benachbarten Département Dordogne.

Umgeben wird Blanquefort-sur-Briolance von den acht Nachbargemeinden:

Soulaures
(Dordogne)
Mazeyrolles
(Dordogne)
Lavaur
(Dordogne)
Lacapelle-Biron Nachbargemeinden Sauveterre-la-Lémance
Gavaudun Cuzorn Saint-Front-sur-Lémance

Blanquefort-sur-Briolance liegt im Einzugsgebiet des Flusses Garonne.

Nebenflüsse des Lot bewässern das Gebiet der Gemeinde,

  • die Lède, die in Blanquefort-sur-Briolance entspringt, und
  • die Lémance mit ihren Nebenflüssen,
    • der Rivièrette und
    • der Briolance mit ihren Nebenflüssen,
      • dem Ruisseau de Canut, der in Blanquefort-sur-Briolance entspringt, und
      • dem Ruisseau de Naugarède, der in Blanquefort-sur-Briolance entspringt.[3]

Der höchste Punkt des Départements liegt auf dem nördlichen Gemeindegebiet mit 274 m.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die archäologische Fundstätte beim Weiler Borie del Rey belegt eine frühe Besiedelung des Landstrichs in der Nähe des Périgord Noir während der Mittelsteinzeit.

Funde auf der Anhöhe, auf der sich die Pfarrkirche Notre-Dame befindet, lassen auf eine Besiedelung an dieser Stelle im Hochmittelalter schließen. Diese hängt vermutlich mit der Förderung von Holz und Eisen zusammen, die weit verbreitete Ressourcen des Gebiets sind, und dürfte keine regelmäßige Niederlassung nach sich gezogen haben.

Eines der ersten Dörfer hat sich rund um eine Kirche vom 11. Jahrhundert an auf dem Gebiet der Pfarrgemeinde von Veyrines entwickelt. Diese war zweifellos die erste Kirche der Pfarrgemeinde Blanquefort vor der Errichtung der Pfarrkirche Notre-Dame. Diese wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut und ist verbunden mit der Siedlung Cayla mit dem Standort einer ersten Burg und der Entwicklung eines zweiten Dorfes. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die Burg von einer größeren Anlage ersetzt, die weiter unten von Cayla auf einem Felssporn errichtet wurde. Ein konzentrisch angelegtes Dorf entwickelte sich in der Folge unterhalb der Burg im Tal.

Mit der Ankunft der Benediktiner an der Pfarrgemeinde La Sauvetat am Ende des 11. Jahrhunderts führte zur Schaffung eines Klosterdorfs, das der Abtei La Sauve-Majeure unterstand, und eines Dorfkerns rund um die Kirche Notre-Dame de La Sauvetat. Die gleiche Entwicklung verlief im 12. Jahrhundert bei der Errichtung der Pfarrgemeinde Saint-Chaliès.

Das Dorf Cayla wurde im 18. Jahrhundert aufgegeben, die Dörfer Blanquefort, La Sauvetat und Saint-Chaliès sind am Vorabend der Französischen Revolution unter dem Namen Blanquefort vereinigt worden. Der Zusatz „sur-Briolance“ erfolgte im Jahre 1919.[2][4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 1800. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren auf rund 470 Einwohner, bevor sie sich auf diesem Niveau stabilisierte.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2011 2016
Einwohner 727 666 587 549 468 492 499 515 471
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[5] INSEE ab 2011[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche Notre-Dame aus dem 12. Jahrhundert, als Monument historique eingeschrieben
  • Pfarrkirche in Saint-Chaliès aus dem 12. Jahrhundert
  • Pfarrkirche Sainte-Madeleine in La Sauvetat aus dem 12. Jahrhundert
  • Kirchenruine Saint-Martin im Weiler Veyrines aus dem 11. Jahrhundert
  • Burg Blanquefort aus dem 12. Jahrhundert, als Monument historique eingeschrieben
  • Herrenhaus Latour in La Sauvetat aus dem 15. Jahrhundert
  • Hochofen aus dem 19. Jahrhundert, auf dem Gelände später eine Getreidemühle, dann eine Limonadenfabrik
  • Bauernhöfe in La Sauvetat aus dem 16. Jahrhundert

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UNESCO-Logo des Immateriellen Kulturerbes

Die Gemeinde besitzt einen Eintrag in der nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes.

Der Brauch des Eiersammelns wurde bis in die 1980er Jahre gepflegt. Eine Gruppe junger Männer gingen von Bauernhof zu Bauernhof, um Hühnereier zu bekommen. Am letzten Haus wurde aus der Beute ein Omelett gebacken. Die Wahl des letzten Hauses fiel auf die Wohnung einer jungen Dame, die es zu heiraten galt. Es gab dabei auch Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen, die sich gegenseitig mit den Eiern bewarfen.

In der Karnevalszeit holten sich bis in die 1960er Jahre die Kinder alte Kleidungsstücke aus dem Dachböden und zogen verkleidet mit gebastelten Masken durch das Dorf, um Bonbons zu erhalten. Diese Bräuche werden wieder ins Leben gerufen durch ein Wiederaufgreifen der Bräuche zu Allerheiligen gemischt mit denen des Karnevals. Maskierte und kostümierte Kinder und Erwachsene ziehen mit Musikern, die mit Kürbissen und Kerzen bekleidet sind, durch das Dorf, um anschließend im einzigen Bar-Restaurant bei einem gemeinsamen Essen zu feiern.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[8]
Gesamt = 52

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule mit 24 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2018/2019.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blanquefort-sur-Briolance ist erreichbar über die Routes départementales 240, 426 und 710, der ehemaligen Route nationale 710.

Die Linie 48 des TER Nouvelle Aquitaine, einer Regionalbahn der staatlichen SNCF, die die Strecke von Périgueux nach Agen bedient, durchquert das südliche Gemeindegebiet. Der nächstgelegene Haltepunkt befindet sich in der Nachbargemeinde Sauveterre-la-Lémance.

Pierre-Sylvain Régis (1690)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pierre-Sylvain Régis, geboren im Jahre 1632 in La Sauvetat, gestorben am 11. Januar 1707 in Paris, war ein französischer Philosoph, Mitglied der Académie des sciences zwischen 1699 und 1707 und Anhänger des Cartesianismus.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blanquefort-sur-Briolance – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernest Nègre: Toponymie générale de la France (fr) Librairie Droz, Genf. S. 1479. 1998. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  2. a b c d Blanquefort-sur-Briolance (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  3. Ma commune : Blanquefort-sur-Briolance (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  4. Un fer à bœuf dans les lames de mon taille-haie (fr) Gemeinde Blanquefort-sur-Briolance. 2015. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  5. a b Notice Communale Blanquefort-sur-Briolance (fr) EHESS. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  6. Populations légales 2016 Commune de Blanquefort-sur-Briolance (47029) (fr) INSEE. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  7. Christine Escarmant-Pauvert: PCI à Blanquefort-sur-Briolance (fr, PDF) Ministerium für Kultur. 15. September 2010. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  8. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Blanquefort-sur-Briolance (47029) (fr) INSEE. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  9. École maternelle et élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  10. George Sauvage: Pierre-Sylvain Régis (en) In: The Catholic Encyclopedia. New Advent. 1911. Abgerufen am 1. Februar 2019.
  11. Pierre-Sylvain Régis (1632–1707) (fr) Bibliothèque nationale de France. Abgerufen am 1. Februar 2019.