Cahors

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Cahors
Wappen von Cahors
Cahors (Frankreich)
Cahors
Region Okzitanien
Département Lot (Präfektur)
Arrondissement Cahors
Kanton Hauptort von 3 Kantonen: Cahors-1, Cahors-2, Cahors-3
Gemeindeverband Grand Cahors
Koordinaten 44° 27′ N, 1° 26′ OKoordinaten: 44° 27′ N, 1° 26′ O
Höhe 105–332 m
Fläche 64,72 km2
Einwohner 19.630 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 303 Einw./km2
Postleitzahl 46000
INSEE-Code
Website Stadt Cahors

Pont Valentré am Lot

Cahors ist eine französische Stadt (okzitanisch 'Caur') in der Region Okzitanien. Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des Départements Lot. Die 19.630 Einwohner (Stand: 1. Januar 2014) zählende Stadt ist zudem Hauptort des gleichnamigen Arrondissements und der Kantone Cahors-1, Cahors-2 und Cahors-Sud. Ihre Einwohner nennen sich Cadurciens. Cahors hat vor allem Bedeutung als Verwaltungshauptstadt und ist durch das gleichnamige Weinbaugebiet bekannt. Die Stadt liegt am Fernwanderweg GR 65, der weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges Via Podiensis folgt. Partnerstadt ist Bologna.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am südwestlichen Rand des Zentralmassivs auf einer Halbinsel, die durch eine Schleife des Lot gebildet wird. Die Schleife wird durch den westlichen Rand der Cevennen erzwungen, auf dessen steilen Hängen Weinbau betrieben wird. Diese Lage hat die Entwicklung der Stadt maßgeblich geprägt. Sie bildete einen leicht zu verteidigenden Punkt an der antiken Straße nach Rodez und Toulouse. Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (94 km) im Süden, Bordeaux (167 km) im Nordwesten und Montpellier (216 km) im Südosten.[1]

Cahors hat einen kleinen Flugplatz (Aérodrome de Cahors Lalbenque) ca. 10 Kilometer südlich. Der nächste Verkehrsflughafen ist Agen-La Garenne, der in südwestlicher Richtung über die D656 nach etwa 90 Straßenkilometern zu erreichen ist. Die Gesellschaft Airlinair bietet tägliche Verbindungen nach Paris-Orly an. Der nächste internationale Flughafen ist der International Airport Toulouse Blagnac. Der SNCF-Bahnhof von Cahors liegt an der Strecke AubraisMontauban und ist Teil der Fernverbindung Paris–Toulouse. Außerdem ist er Endstation der Regionalstrecke MonsempronLiboš. Die inzwischen stillgelegte Strecke nach Capdenac wird jetzt mit Bussen bedient. An das französische Fernstraßennetz ist Cahors über die A20 Paris–Toulouse angebunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge der Stadt reichen in die keltische Zeit zurück. Dem Stamm der Kadurker, der damals die Region Quercy besiedelte, verdankt sie ihren Namen. In der Römerzeit hieß die Stadt Divona Cadurcorum. Daraus wurde dann Cadurca und schließlich Cahors.

Die Altstadt von Cahors
Brückenturm

Cahors ist seit dem frühen Mittelalter Bischofssitz und war aufgrund seiner verkehrsgünstigen, aber geschützten Lage schon im 6. Jahrhundert eine wohlhabende Handelsstadt. Spätestens nach der Aufteilung des Teilreiches von Charibert I. von Paris, also 567, gehörte Cahors zu Neustrien. Nach der Heirat des neustrischen Königs Chilperich I. gab dieser die Stadt, zusammen mit Bordeaux, Limoges, Bearn und Bigorre, jedoch als Morgengabe an seine Braut Gailswintha. Diese fünf Städte lagen strategisch günstig zum Gebiet des Schwiegervaters Athanagild, des Königs der Westgoten. Nachdem Chilperich die Ermordung seiner Gattin veranlasst hatte, ging dieses Erbe, nach einer Regelung eines von Guntram, dem König der Burgunder einberufenen Malbergs, auf das Königreich Austrasien über. Damit nicht einverstanden versuchte Chilperich ab dem Jahr 573 die Städte zurückzuerobern, was zu einem der vielen merowingischen Bürgerkriege führte.[2]

Ab dem 9. Jahrhundert unterstand Cahors den Herzögen von Toulouse.

Zu ihrer höchsten Bedeutung stieg die am Jakobsweg gelegene Stadt im 13. Jahrhundert auf. Damals wurde Cahors zum ersten Bank- und Börsenzentrum Europas, als sich die lombardischen Gläubiger des Bischofs, der im Albigenserkreuzzug den berüchtigten Simon IV. de Montfort mit Truppen unterstützt hatte, in der Stadt niederließen. Sie wurden – abgeleitet vom Namen der Stadt – im Deutschen als „Kawerzen“ bezeichnet.[3]

Der aus Cahors stammende Papst Johannes XXII. gründete 1332 eine Universität, die 1751 derjenigen von Toulouse angegliedert wurde. Im Frieden von Brétigny wurde die Stadt 1360 kampflos den Engländern überlassen. Sie kam erst 1428 zurück zu Frankreich, ihr Reichtum war jedoch dahin. Der Hundertjährige Krieg setzte der Blütezeit von Cahors ein Ende.

Jakobsweg (Via Podiensis)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter vereinigten sich in Cahors die Pilgerströme nach Santiago de Compostela, die dem Tal des Lot oder des Célé gefolgt waren. Über die Brücke Pont Valentré verließen sie die Stadt, um über die Kalkhochfläche der Quercy Blanc weiter nach Montcuq zu ziehen. Es gab in Cahors mehrere Hospize. Heute gibt es neben drei Pilgerherbergen (französisch: Gîte d’étape), Hotels, Privatquartiere (Chambre d’hôtes) und einen Campingplatz. Außerdem hat Cahors ein Office de Tourisme. Auf dem Weg nach Montcuq gibt es weitere Beherbergungsbetriebe in den Orten Les Mathieux, Labastide-Marnhac, Lhospitalet und Escayrac. Der Jakobsweg führt leicht hügelig durch die landwirtschaftlich geprägte Quercy Blanc vorbei an einsamen Weilern und einzelnen Gehöften. Als Straßenverbindung führt die D653 nach Montcuq.

Wirtschaft und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Cahors

Die Stadt wird von der Verwaltung und Dienstleistungen dominiert. Das produzierende Gewerbe ist mittelständisch geprägt mit Schwerpunkt in der Lebensmittelindustrie. Cahors ist Hauptort des gleichnamigen Weinbaugebietes. Ein weiteres wichtiges Agrarprodukt der Region ist die Trüffel. Daneben gibt es einige Betriebe der pharmazeutischen und der Elektroindustrie.

Durch den Bau der Autobahn A20 ist Cahors in den Einzugsbereich der regionalen Metropole Toulouse gerückt.

2005 erhielt Cahors das offizielle französische Label „Stadt der Kunst und Geschichte“, was dem reichen kulturellen Erbe der Stadt Rechnung trägt.

Seit 1985 besteht das Cahors Blues Festival, das jeden Sommer nicht nur Blues-Musiker in die Stadt lockt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pont Valentré
Cathédrale Saint-Étienne
  • Pont Valentré: Brücke aus dem 14. Jahrhundert (1308–1378) mit drei befestigten Türmen, sechs Bögen und mit spitzen Bastionen bewehrten Pfeilern. Das außergewöhnliche Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerkes wurde zum Wahrzeichen von Cahors. Der Pont Valentré ist Teil des französischen Abschnitts des Jakobsweges nach Santiago de Compostela, als solcher wurde die Brücke 1998 als Teil des Weltkulturerbes der UNESCO, als „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.
  • Kathedrale Saint-Étienne: die Kathedrale mit ihrer Kuppelarchitektur ist die Hauptkirche von Cahors und Sitz des Bischofs; Baubeginn im 11. Jhdt., seit 1862 unter Denkmalschutz, seit 1998 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO
  • Mont Saint-Cyr: von der Höhe des Mont Saint-Cyr bietet sich der schönste Blick über die Stadt
  • Reste der römischen Terme von Cahors (Arc de Diane)
  • das Aquädukt von Cahors
  • die Kirche Saint Barthelemy aus dem 14. Jahrhundert

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer).
  • Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. 3., überarbeitete Auflage, Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8 (Radwanderreiseführer, Routenplaner).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cahors – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeindeinformation auf annuaire-mairie.fr (französisch)
  2. Augustin Thierry: Die Könige und Königinnen der Merowinger, 1840
  3. Vgl. Deutsches Rechtswörterbuch Online, hrsg. von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.