Cajarc

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Cajarc
Wappen von Cajarc
Cajarc (Frankreich)
Cajarc
Region Midi-Pyrénées
Département Lot
Arrondissement Figeac
Kanton Cajarc (Hauptort)
Gemeindeverband Figeac-Communauté.
Koordinaten 44° 29′ N, 1° 51′ O44.4855555555561.8427777777778150Koordinaten: 44° 29′ N, 1° 51′ O
Höhe 140–394 m
Fläche 25,10 km²
Einwohner 1.138 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 45 Einw./km²
Postleitzahl 46160
INSEE-Code
Website Webseite der Gemeinde

Blick auf Cajarc

Cajarc ist eine französische Gemeinde im Département Lot in der Region Midi-Pyrénées. Der Hauptort des gleichnamigen Kantons ist eine von Felsen eingerahmte mittelalterliche Stadt mit Resten einer Befestigungsanlage aus dem 13. Jahrhundert. Der Ort mit 1138 Einwohnern (Stand 1. Januar 2012) wurde durch Präsident Georges Pompidou bekannt, der hier ein Landhaus hatte. Durch Cajarc führt der Fernwanderweg GR 65, welcher weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges (Via Podiensis) folgt.

Geografie[Bearbeiten]

Cajarc liegt am südwestlich Rand des Zentralmassivs auf dem rechten Ufer des Lot, eingerahmt durch die Felsen des Lot-Tals.
Die nächste Stadt ist Cahors, welche man durch das Tal des Lot, in westlicher Richtung über die D662, D663 nach circa 50 Straßenkilometern erreicht. Alternativ gibt es die Straßenverbindung über die Causse du Limogne, über die D19 und D911. Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (103 km) im Süden, Bordeaux (197 km) im Nordwesten und Montpellier (189 km) im Südosten.[1] Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Causses du Quercy.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 1.020 1.044 1.028 1.059 1.033 1.114 1.088

Im 19. Jahrhundert hatte der Ort meist zwischen 1.800 und 2.200 Einwohner. Infolge der Reblauskrise im Weinbau und der Mechanisierung der Landwirtschaft ging die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich bis auf die Tiefststände in den 1950er und 1960er Jahren zurück.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Haut-Quercy wurde die Landwirtschaft jahrhundertelang in erster Linie zur Selbstversorgung betrieben, zu der bis ins 19. Jahrhundert hinein auch der Weinbau gehörte, der aber nach der Reblauskrise nahezu gänzlich aufgegeben wurde. Eine Blütezeit erlebte der Ort im 19. Jahrhundert, dank der Gerbereien, Fabriken, Bergwerke und der Phosphat-Transporte per Binnenschiff auf dem Lot. Heute spielt – neben Landwirtschaft, Kleinhandel und Handwerk – der Tourismus in Form der Vermietung von Ferienwohnungen (franz. Tourismus-Vereinigung Gîtes de France) eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

In den zahlreichen Grotten und Höhlen der Region finden sich häufig Spuren urmenschlicher Aktivitäten. Ebenso zeugen die Dolmen davon, dass das Gebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Aus den Ursprüngen einer römischen Siedlung entwickelte sich die Stadt Caiac, aus der später Cajarc wurde. Während des Hundertjährigen Krieges hat Cajarc, wie die meisten französischen Städte, unten den Angriffen der Engländer zu leiden. Der Festung oberhalb der Stadt und massiven Verteidigungsanlagen um die Stadt ist es wohl zu verdanken, dass sie von englischer Besatzung verschont blieb. Allerdings wurde die Brücke über den Lot im Jahre 1356 von den Invasoren zerstört. Die Brücke wurde 1842 durch eine Hängebrücke ersetzt, die bis heute in Betrieb ist. Während der Religionskriege (1562–1598) bildete Cajarc für längere Zeit einen protestantischen Zufluchtsort. Im Januar 1623 wurden Festung und Verteidigungsanlagen der Stadt auf Anweisung des Kardinals Richelieu zerstört.

Jakobsweg (Via Podiensis)[Bearbeiten]

Im Mittelalter war Cajarc eine Durchgangsstation für Pilger. Das 1269 erbaute Hospiz findet in mehreren Texten Erwähnung und seit 1320 gab es eine Pilgerbrücke über den Lot.
Heute hat Cajarc zwei Pilgerherbergen (Gîtes d'étapes), Hotels und private Unterkünfte (Chambres d'hôtes), sowie einen Campingplatz und ein Touristenbüro. Diese Variante des Jakobswegs führt aus dem Lot-Tal hinauf auf die Kalkhochfläche der Causse du Limogne. Durch die dünnbesiedelte Landschaft führt er durch Felder und Wiesen, sowie niedrige Eichen- und Wacholderbestände. Viele der alten Gehöfte sind im Zuge der Landflucht aufgegeben worden und werden heute teilweise als Feriendomizile genutzt. Der nächste größere Ort ist Limogne-en-Quercy, bevor der Weg zum letzten Mal das Lot-Tal in Cahors berührt. Als Straßenverbindung führt die Strecke D19 - D911 nach Cahors.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Église de Cajarc
Chapelle des Mariniers
  • Das kleine befestigte Maison de l’Hébrardie stammt in Teilen noch aus dem 12./13. Jahrhundert. Vor allem wegen seiner gotischen Fenster wurde es im Jahre 1924 als Monument historique eingestuft.[2] Es befindet sich in Privatbesitz.
  • Die Ruinen der Kapelle Sainte-Madeleine und des zugehörigen Hospizes aus dem 12. Jahrhundert. Es diente als Pilgerstation und Aussätzigen-Krankenhaus.
  • Die Kirche von Cajarc wurde im 13. Jahrhundert von Hébrard Aymeric Saint-Sulpice, Bischof von Coimbra, gegründet. Durch Spenden der Herzöge von Rouergue und Toulouse wurde die Kirche mehrfach erweitert, um als Wallfahrtsort zu dienen. Die Herzöge ließen auch die Brücke über den Lot erbauen, die im Hundertjährigen Krieg zerstört wurde.
  • Die aus Bruchsteinmauerwerk errichtete und mit Steinschindeln (lauzes) gedeckte romanische Apsis der Chapelle des Mariniers wurde im Jahre 1941 als Monument historique eingestuft.[3]
  • In der Nähe des Dorfes befindet sich der Wasserfall Cascade de la Cogne mit einer Höhe von 25 Metern. Einige der markantesten Klippen am Lotufer tragen Namen, zum Beispiel Roc de Conte und Château des Anglais.
  • Die Bahnstation an der Strecke CapdenacCahors wurde im Jahre 1885 erbaut. Heute ist die Linie stillgelegt und der Bahnhof beherbergt ein Bahnmuseum. Das ehemalige Bahnhofsgelände, vor allem die Wassertürme (châteaux d’eau), ist seit 1989 als Monument historique eingestuft.[4]
  • Das Maison des Arts, welches 1989 zu Ehren Georges Pompidous errichtet wurde, zeigt regelmäßig Retrospektiven zum Werk zeitgenössischer, europäischer Künstler.
  • Der Staudamm im Lot-Tal vor Cajarc wurde 1946 fertiggestellt. Er staut den Lot auf einer Länge von 2,5 Kilometer und einer Breite von circa 100 Metern. Auf ihm wurden 1970 sowohl die französischen Landes- als auch die Weltmeisterschaften für Motorsportboote ausgetragen.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 1999 findet am letzten Juli-Wochenende im Dorf und an den Ufern des Lot das Festival AfriCarjac statt. Das multikulturelle Fest für die ganze Familie, verbindet Musik, Film, Tanz, Theater, bildende Kunst, Kunsthandwerk, Literatur und Straßenunterhaltung. Es verfolgt die Leitmotive „Respektierung der Unterschiede“ und „Offenheit gegenüber Anderen“.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer).
  • Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3. überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cajarc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeindeinformation auf annuaire-mairie.fr (französisch) Abgerufen am 21. Januar 2010
  2. Maison de l’Hébrardie, Cajarc in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. Chapelle Sainte-Marguerite dite des Mariniers, Cajarc in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  4. Gare, Cajarc in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)