Flughafen Le Bourget

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Aéroport de Paris-Le Bourget
Tarmac de l'aéroport du Bourget à Paris.jpg
Kenndaten
ICAO-Code LFPB
IATA-Code LBG
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 7 km nordöstlich von Paris
Straße A1
Bahn RER B
Basisdaten
Eröffnung 1919
Betreiber Aéroports de Paris
Fläche 570[1] ha
Passagiere 118.275 (2014)[2]
Flug-
bewegungen
61.000[1]
Beschäftigte 4.200[1]
Start- und Landebahnen
03/21 2665 m × 60 m Asphalt
07/25 3000 m × 45 m Beton
09/27 1845 m × 45 m Asphalt

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Der Flughafen Le Bourget (Aéroport de Paris-Le Bourget, IATA-Code: LBG, ICAO-Code: LFPB) ist ein Flughafen in Le Bourget nahe Paris, der heute für Geschäftsflugverkehr und Flugshows genutzt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen wurde 1919 für den kommerziellen Luftverkehr in Betrieb genommen und war bis zur Fertigstellung des Flughafens Orly der einzige Pariser Flughafen. Bereits 1919 wurden durch Aircraft Transport & Travel Flüge von London nach Paris durchgeführt. Er wurde durch die Landung von Charles Lindbergh nach dessen historischer Atlantiküberquerung (im Alleinflug ohne Zwischenlandung) im Jahr 1927 berühmt.

Im Zweiten Weltkrieg besetzte ihn die Luftwaffe der deutschen Wehrmacht, von der unter anderem folgende aktive Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) hier zwischen 1940 und 1944 stationiert waren:

Von Bis Einheit[3]
Juni 1940 Juli 1940 III./KG 54 (III. Gruppe des Kampfgeschwaders 54)
Januar 1941 Januar 1941 I./St.G. 77 (I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 77)
Februar 1941 Juli 1941 III./KG 26 (III. Gruppe des Kampfgeschwaders 26)
Juni 1942 Juli 1942 10./JG 26 (10. Staffel des Jagdgeschwaders 26)
August 1944 August 1944 II./KG 53

Am 16. Juni 1961 setzte sich hier Rudolf Nurejew von der Kompanie des Kirow Ballett ab und suchte um politisches Asyl an.

In den 1960er-Jahren errichtete die Fluglinie Union de Transports Aériens umfangreiche Werfteinrichtungen (UTA Industries), in denen Anfang der 1980er-Jahre unter anderem auch zwei Flugzeuge des Typs Super Guppy gefertigt wurden.

Seit 1977 wird der Flughafen Le Bourget nicht mehr für den internationalen Flugverkehr genutzt, 1980 wurden auch die Inlandsflüge dort eingestellt, so dass er jetzt nur noch vom Geschäftsflugverkehr genutzt wird.

Während des Concorde-Unglücks am 25. Juli 2000 strebten die Piloten nach dem Start wohl eine Notlandung in Le Bourget an, was jedoch nicht mehr gelang.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Flughafen befindet sich auch das französische Museum für die Luftfahrt und den Weltraum (Musée de l’air et de l’espace); außerdem findet seit 1953 in jedem zweiten Jahr die Pariser Luftfahrtschau (französisch: Salon International de l'Aéronautique et de l'Espace) statt. Auf dem Flughafengelände ist auch die französische Untersuchungsbehörde für Flugunfälle, das Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile (BEA) beheimatet.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 26. Januar 1948 stürzte eine Languedoc (Luftfahrzeugkennzeichen F-BCUC) der Air France auf einem Trainingsflug etwa 8 km südlich des Flughafens Le Bourget in eine Möbelfabrik im Pariser Vorort Romainville. Alle 9 Besatzungsmitglieder wurden getötet, zwei Fabrikarbeiter verletzt.[4]
  • Am 3. Juni 1961 stürzte ein Bomber des Typs Convair B-58 Hustler der US Air Force bei Kunstflugfiguren aus niedrigster Höhe ab (Kennzeichen 59-2451). Alle drei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.[5]
  • Am 15. Juni 1965 schlug ein weiterer Bomber des Typs Convair B-58 Hustler der US Air Force (Kennzeichen 59-2443) beim Versuch einer Landung über dem höchstzulässigen Landegewicht vor der Landebahn auf. Der Pilot wurde getötet, das Flugzeug zerstört.[6]
  • Am 3. Juni 1973 stürzte eine Tupolew Tu-144S während der Flugschau auf den Pariser Vorort Goussainville ab. Dabei wurden alle 6 an Bord befindlichen Personen und weitere 8 Personen am Boden getötet. Kurz vor dem Absturz ging die Maschine aus bis heute ungeklärter Ursache in einen starken Sturzflug über. Durch den Versuch der Piloten, den Sturzflug abzufangen, wurde die Struktur überlastet und das Flugzeug zerbrach in geringer Höhe.
  • Erneut am 3. Juni, diesmal im Jahr 1977, kam es während der Flugschau zu einem Absturz, als der Pilot einer Fairchild-Republic A-10 mit dem Flugzeug drei Loopings hintereinander flog. Dabei verlor das Flugzeug zu stark an Höhe. Der Pilot versuchte noch, das Flugzeug abzufangen, jedoch berührte das Heck den Boden. Rettungskräfte konnten den Pilot schnell retten, allerdings starb dieser auf dem Weg ins Krankenhaus.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabi Dolff-Bonekämper. Berlin-Tempelhof. In: Berlin-Tempelhof, Liverpool-Speke, Paris-Le Bourget. Années 30 Architecture des aéroports, Airport Architecture of the Thierties, Flughafenarchitektur der dreißiger Jahre. Éditions du patrimoine, Paris 2000, ISBN 2-85822-328-9, S. 32–61.
  • Bob Hawkins (Hrsg.): Historic airports. Proceedings of the international "L'Europe de l'Air" conferences on Aviation Architecture Liverpool (1999), Berlin (2000), Paris (2001). English Heritage, London 2005, ISBN 1-873592-83-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flughafen Le Bourget – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c http://www.aeroportsdeparis.fr/ADP/Resources/8ea1e99d-57bd-476c-b884-6eaab310c38e-LEBourgetCPenglish.pdf?wysistatpr=ads_moteur-synomia_gb
  2. Statistik auf der Website des Ministère de l'écologie, du développement durable et de l'énergie (Memento vom 30. September 2015 im Internet Archive) (abgerufen am 6. Februar 2016)
  3. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 France (with Corsica and Channel Islands), abgerufen am 5. September 2014
  4. Unfallbericht F-BCUC, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  5. Unfallbericht 59-2451, Aviation Safety Network/Wikibase (englisch), abgerufen am 14. Juni 2016.
  6. Unfallbericht 59-2443, Aviation Safety Network/Wikibase (englisch), abgerufen am 14. Juni 2016.
  7. ASN Wikibase Occurrence # 56117