Czech Airlines

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Czech Airlines
Logo der Czech Airlines
Airbus A330-300 der Czech Airlines
IATA-Code: OK
ICAO-Code: CSA
Rufzeichen: CSA-LINES
Gründung: 1923
Sitz: Prag, TschechienTschechien Tschechien
Drehkreuz:

Flughafen Prag

Heimatflughafen:

Flughafen Prag

Unternehmensform: Akciová společnost
IATA-Prefixcode: 064
Mitarbeiterzahl: 694 (2014)[1]
Umsatz: 9,5 Mrd CZK (2014)[1]
Allianz: SkyTeam
Vielfliegerprogramm: OK Plus
Flottenstärke: 16 (+ 7 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.czechairlines.de

Czech Airlines (Firma: České aerolinie a.s., früher auch kurz ČSA) ist die zweitgrößte tschechische Fluggesellschaft mit Sitz in Prag und Drehkreuz auf dem Flughafen Prag sowie Mitglied der Luftfahrtallianz SkyTeam.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein ehemaliges Logo der ČSA

ČSA wurde am 29. Juli 1923 als staatliches Luftfahrtunternehmen der Tschechoslowakei mit der Bezeichnung Československé státní aerolinie gegründet und ins Firmenregister eingetragen. Damit ist sie die fünft-älteste Airline der Welt, die noch bis heute aktiv ist.[2] Die erste Fluglinie Prag-Bratislava wurde am 28. Oktober 1923 durch eine Aero A-14 (Lizenzbau der Hansa-Brandenburg C.I) symbolisch eröffnet. Der erste reguläre Flug des Piloten Karel Brabenec mit dem Passagier Vaclav König und etwas Post (ganze 760 Gramm) erfolgte einen Tag später. Bis Ende des Jahres wurden noch 29 Personen befördert. Anfangs kamen umgebaute ehemalige Militärflugzeuge zum Einsatz. Bis zur Eröffnung des Flughafens Ruzyně im Jahr 1937 nutzte ČSA Prag-Gbely als Basis. Im Frühjahr 1924 wurde die Strecke Prag-Košice mit der Aero A.10, dem ersten tschechoslowakischen Verkehrsflugzeug, eröffnet. 1925/26 wurden die ersten Zivilflugplätze Brünn, Marienbad und Bratislava errichtet.

Aero hatte mit der A.22 seit 1925 die Linie Prag-Marienbad beflogen. 1927 wurde diese von der ČSA übernommen. Am 22. Januar 1927 wurde von der Škoda A.G. parallel zur ČSA die Československá letecka společnost (ČLS) gegründet, die bis zum Jahre 1930 die Auslandslinien übernahm, während sich ČSA auf das inländische Streckennetz beschränkte. Hier kamen meist einheimische Flugzeuge wie Aeros A.35 und A.38 zum Einsatz, jedoch auch ausländische wie die britische De Havilland D.H.50. Die ČLS blieb bis zum Ende der 1930er Jahre Partner der ČSA.

1929 wurde ČSA in die IATA aufgenommen. Ein Jahr später konnte am 1. Juli 1930 die erste Auslandsroute nach Zagreb, später nach Sušak verlängert und als Jadranský Express (Adriaexpress) bezeichnet, eröffnet werden. In den 1930er Jahren kamen weitere Auslandsrouten hinzu. Die Avia F-VIIb/3m (Lizenzbau der Fokker F.VIIb/3m) beflog ab 1933 die Strecke Košice-Bukarest. Britische Airspeed Envoy verkehrten ab September 1936 auf der Linie Prag-Moskau. Im Gegenzug flog die Aeroflot mit PS-35 von Moskau nach Prag. Später wurden für die längeren Strecken italienische Savoia-Marchetti SM.73 und US-amerikanische Douglas DC-2 und DC-3 angeschafft. Anfang April erfolgte die Aufnahme des Flugbetriebes mit der Verbindung Prag-Brüssel vom neuerrichteten Flughafen Prag-Ruzyně aus. Im Mai 1937 eröffnete ČSA Auslandsrouten nach Italien.

1938 verfügten ČSA und ČLS zusammen über ein Flugnetz von 2.638.729 Kilometern. Nach der Okkupation durch Deutschland wurden beide Gesellschaften aufgelöst und der Flugzeugpark und die Flugplätze in die Deutsche Lufthansa integriert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Iljuschin Il-12 der ČSA im Jahr 1957

Nach Ende des Krieges wurde am 14. September 1945 die ČSA wieder gegründet, diesmal unter der Bezeichnung Československé aerolinie und der provisorische Flugbetrieb mit drei deutschen Junkers Ju 52 auf der Linie Prag-Brno-Bratislava wieder aufgenommen. Bis 1946 kamen ehemalige Transporter Douglas C-47 und DC-3 hinzu, die bei Avia zu Zivilmaschinen umgerüstet worden waren. Als erste Auslandsziele wurden ab März 1946 Zürich und Paris angeflogen, in den folgenden Monaten kamen mehrere Routen nach Westeuropa hinzu. Als erste interkontinentale Verbindungen wurden im April 1947 die Strecken Prag-Kairo und Prag-Ankara eröffnet.

Ab 1949 vollzog sich die Umorientierung auf sowjetische Technik. Die Lissunow Li-2 und Iljuschin Il-12 ersetzten die bis dahin eingesetzten Maschinen, Mitte der 1950er Jahre kamen als Avia Av-14 in Lizenz gebaute Il-14 und für größere Entfernungen ab 1960 Il-18 hinzu. 1957 hielt der Strahlantrieb mit drei Tu-104A bei ČSA Einzug, die anfangs auf der Strecke Prag–Moskau zum Einsatz kamen und ab 1958 die Strecke nach Kairo bedienten. Zwischenzeitlich flogen sie auch während der Weltausstellung von 1958 nach Brüssel.[3] Anfang der 1960er flog ČSA 37 Länder auf vier Kontinenten an. Von 1961 bis 1969 wurden auch von der Cubana gemietete Langstreckenmaschinen des Typs Bristol Britannia mit tschechoslowakischen Luftfahrzeugkennzeichen eingesetzt, die erst 1969 durch Iljuschin Il-62 abgelöst wurden. 1968 umfasste das Streckennetz 49 Verbindungen mit insgesamt 87.403 km Länge.[4] Mit zunehmender politischer Eiszeit im Rahmen des Kalten Krieges wurden viele Verbindungen nach Westeuropa und in den Nahen beziehungsweise Mittleren Osten wieder eingestellt.

Agrolet und Slov-Air[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ableger für den Agrar- und Geologiebereich wurde nach Übernahme der bisher dafür zuständigen Charterfluggesellschaft Svitlet 1951 die Agrolet als Nebenzweig der ČSA mit Sitz in Bratislava gegründet. In ihrem Bestand befanden sich einheimische K-65 Čáp, L-60 Brigadýr und Z-37 Čmelák, sowjetische An-2 sowie zwei Jahre darauf auch Hubschrauber vom Typ Mi-1, SM-2 und Ka-26. Stützpunkte befanden sich in Prag-Ruzyně (mit Werft), Košice, Bratislava und Holešov. Daraus entstand am 1. Juli 1969 Slov-Air, die außer Spezialaufgaben wie Luftbildwesen, Krankenbeförderung (mit Aero 45 und L-200 Morava) oder Schädlingsbekämpfung auch einen kleinen innerstaatlichen Flugbetrieb mit Kurzstreckenflugzeugen Let L-410 unterhielt („Lufttaxi“). Die Slov-Air führte auch Auslandseinsätze durch, wie etwa 1971 Agrarflüge zum Schutz von Baumwollkulturen im Sudan. 1968 nahm das Unternehmen mit Einführung des Drehflüglers Mi-8 auch Kranflüge in ihr Repertoire auf, die teilweise auch mit Unterstützung durch Hubschrauber der Interflug absolviert wurden.[5]

ČSA im Jet-Zeitalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ehemalige Iljuschin Il-62 der ČSA

Im Jahr 1957 wurde die ČSA der einzige Exportkunde für die Tu-104 und ging damit ins Jet-Zeitalter über. Am 15. Dezember 1964 wurde die Linie Prag-Frankfurt am Main mit Tu-124 eröffnet. Am 15. Juni 1968 wurde der Flughafen Prag-Ruzyně wiedereröffnet, zwei Jahre später der Flughafen Bratislava. Auf den internationalen Routen verkehrte ab 1969 das Langstrecken-Verkehrsflugzeug Iljuschin Il-62. Im Mai 1970 wurden mit Montreal und New York erstmals transatlantische Flughäfen angeflogen. Anfang der 1970er Jahre beförderte ČSA nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Passagiere und 25.000 Tonnen Fracht.

Nach dem Ende der Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ehemalige Boeing 737-400 der ČSA
Der Hauptsitz der Czech Airlines in Prag

In den Neunzigern ersetzte man alle sowjetischen Flugzeuge durch westliche Muster, zum Beispiel durch Boeing 737 und Airbus A320, auch wurden wieder westliche Flughäfen angeflogen. 1990 wurden Routen nach Hamburg und Mexiko-Stadt eröffnet, 1991 kamen Tel Aviv und Istanbul hinzu. Im Juni 1992 wurde ČSA privatisiert, 38 % der Anteile gingen an die Europäische Bank für Wiederaufbau und an Air France, 49,3 % an den National Property Fund, der Rest an kleine Eigner.[6] Außerdem erfolgte eine Ausweitung des Streckennetzes nach Chicago, Bahrain, Toronto, Manchester, Düsseldorf, Lemberg, Riga und Wien. Nach finanziellen Turbulenzen zum Ende 1993 übernahm die tschechische Regierung im März 1994 die Anteile von Air France.

Nach der Dismembration der Tschechoslowakei übernahm die Fluggesellschaft im Mai 1995 ihren Namen ČSA Czech Airlines, der Namensbestandteil ČSA geriet in den folgenden Jahren immer mehr in den Hintergrund und wird mit Stand 2013 offiziell nicht mehr ausgeschrieben.

Entwicklung seit 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftfahrtallianz SkyTeam ernannte Czech Airlines am 18. Oktober 2000 zum Mitglied. Das Finanzministerium der Tschechischen Republik (56,92 %) und die tschechische Konsolidierungsagentur (43,59 %) sind Hauptanteilseigner. Im März 2007 beschäftigte ČSA 5440 Mitarbeiter.

Am 14. September 2007 stellte Czech Airlines ihre neue Corporate Identity der Öffentlichkeit vor. Das erste Flugzeug mit der neuen Bemalung (OK-DGL) wurde Mitte Oktober in Southend umlackiert und am 15. Oktober 2007 übergeben.

Die Marke click4sky wurde von Czech Airlines am 17. September 2007 auf den Markt gebracht, die den Billigfluggesellschaften Konkurrenz machen soll. Click4sky verkaufte Tickets der Czech Airlines zu festen Preisen ausschließlich über das Internet.

Am 23. März 2009 wurde bekannt, dass sowohl Air France-KLM als auch Aeroflot Interesse an der Übernahme der Czech Airlines haben,[7] wobei die tschechische Regierung die Verkaufsverhandlungen im November 2009 gestoppt hat, da der letzte verbliebene Kaufinteressent Unimex Travel Services nur 40 Millionen Euro bot.[8]

Im Juni 2010 wurde die Tochtergesellschaft Holidays Czech Airlines gegründet, die seither mit eigener Corporate Identity und eigener Flotte Charterflüge zu europäischen Urlaubszielen betreibt.[9]

Im Januar 2013 verließen die letzten Boeing 737 die Flotte der Czech Airlines.[10] Das Skyteam-Mitglied Korean Air übernahm im April 2013 die knapp 44 % Anteile der tschechischen Konsolidierungsagentur für umgerechnet 2,6 Mio. Euro.[11]

Wegen der Krise in der Ukraine 2014 hat Czech Airlines sehr viel weniger Passagiere aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Deshalb hat die Fluggesellschaft am 24. September 2014 mitgeteilt sechs Airbus A320 stillzulegen, 36 % des Personals zu entlassen und dem verbliebenen Personal den Lohn zu kürzen. [12]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Czech Airlines bedient mehrere Ziele innerhalb Tschechiens sowie zahlreiche Metropolen in Europa und Asien, beispielsweise Paris, Rom, Moskau, Madrid und Tel Aviv. Einige Langstreckenflüge, wie etwa nach New York, Toronto und Montreal wurden zwischenzeitlich eingestellt. In Deutschland werden Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg angeflogen. Die Verbindungen nach Köln/Bonn und München wurden im Oktober 2010 eingestellt. Die mit einer ATR 42 betriebene Verbindung nach Hannover wurde zum Winterflugplan 2012/2013 eingestellt. Zum Sommerflugplan 2013 wurde die Verbindung nach München jedoch wieder aufgenommen.[13] Außerdem bietet Czech Airlines seit dem Beginn des Sommerflugplans 2013 auch wieder eine Langstrecke nach Seoul, der Heimatbasis von SkyTeam-Partner Korean Air an.[14]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ATR 42-500 der Czech Airlines

Mit Stand März 2016 besteht die Flotte der Czech Airlines aus 16 Flugzeugen:[15]

Flugzeugtyp aktiv bestellt Anmerkungen
Airbus A319-100 09 Werden durch A320neo ersetzt
Airbus A320neo 00 07[16] Ersetzen die A319
Airbus A330-300 01 geleast von Korean Air
ATR 42-500 03 geleast von Air Contractors
ATR 72-500 03 1 in SkyTeam-Sonderbemalung
Gesamt 16 7

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1945 bis heute (Stand Januar 2016) hatte die Gesellschaft 31 Totalverluste von Flugzeugen zu verzeichnen, davon 19 tödliche mit insgesamt 521 Todesopfern.[17]

  • Am 1. Juni 1970 stürzte am Flughafen Tripolis nach zwei fehlgeschlagenen Anflugversuchen auf Landebahn 18 eine Tupolew Tu-104A der CSA (OK-NDD) ab, als die Piloten einen dritten Versuch aus der Gegenrichtung unternahm. Bei dem Unglück der Unfallart Controlled flight into terrain wurden alle Personen an Bord getötet, zehn Besatzungsmitglieder und drei Passagiere.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Czech Airlines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresbericht 2014
  2. aerosecure.de: Die 10 ältesten Airlines der Welt
  3. Heinz A. F. Schmidt (Hrsg.) Die ČSA, das Luftverkehrsunternehmen der befreundeten Tschechoslowakischen Republik. In: Flieger-Jahrbuch 1960,Transpress, Berlin 1959, S. 42
  4. Aerosport Nr. 7/1968 (Rubrik Luftverkehr), S. 259
  5.  Emil Gerhát: Slov-Air. In: Flieger-Jahrbuch 1972. Transpress, Berlin 1971, S. 74–77.
  6. Ditmar Hauer: ČSA auf höchstem Stand. In: Flieger Revue 5/1994. S. 14
  7. airliners.de: Air France/KLM will Czech Airlines kaufen
  8. FlugRevue Dezember 2009, S.16, Vorerst kein CSA-Verkauf
  9. holidayscsa.com - about us (englisch) abgerufen am 14. Juni 2011
  10. ch-aviation.ch - CSA completes B737-500 retirement (englisch) 17. Januar 2013
  11. airliners.de: Korean Air kauft sich für 2,6 Millionen Euro bei Czech Airlines ein. vom 12. April 2013.
  12. Czech Airlines entlässt 36 Prozent des Personals wegen Ukraine-Krise, abgerufen am 25. September 2014
  13. http://www.airliners.de/verkehr/netzwerkplanung/csa-neu-nach-muenchen/28638
  14. http://www.austrianaviation.net/news-international/news-detail/datum/2013/05/31/csa-nimmt-a330-in-betrieb.html
  15. Czech Airlines (CSA) Fleet Details and History (Englisch). Abgerufen am 8. März 2016.
  16. https://www.flightglobal.com/news/articles/czech-airlines-switches-order-to-a320neo-423632/ (englisch)
  17. Unfallstatistik CSA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Januar 2016.
  18. Unfallbericht OK-NDD, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.