Fresenius (Unternehmen)

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Fresenius SE & Co. KGaA
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Rechtsform SE & Co. KGaA
ISIN DE0005785604
Gründung 1912
Sitz Bad Homburg, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 273.249[1]
Umsatz 33,9 Mrd. EUR[1](GJ 2017)
Branche Gesundheitswesen, Medizintechnik, Pharma
Website www.fresenius.de
Stand: 31. Dezember 2017

Fresenius-Zentrale in Bad Homburg vor der Höhe
Fresenius-Zentrale
Fresenius-Zentrale

Die Fresenius SE & Co. KGaA ist ein deutsches Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen mit Sitz im hessischen Bad Homburg vor der Höhe. Das Unternehmen ist einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands sowie im Pharma- und Gesundheitsdienstleistungsbereich tätig. Zudem ist Fresenius mehrheitlich an dem Dialysespezialisten Fresenius Medical Care beteiligt. Seit dem 23. März 2009 wird das Unternehmen im DAX der Deutschen Börse gelistet.[2] Mit Wirkung vom 13. Juli 2007 wurde das Unternehmen von einer Aktiengesellschaft (AG) deutschen Rechts in eine Europäische Gesellschaft (SE) überführt.[3] Zum 28. Januar 2011 erfolgte die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1462 in Frankfurt am Main gegründete Hirsch-Apotheke gelangte im 18. Jahrhundert in die Hände der Familie Fresenius. Der Apotheker und Inhaber der Hirsch-Apotheke, Eduard Fresenius, gründete 1912 das Pharmazieunternehmen Dr. E. Fresenius. Schwerpunkte der Fertigung waren Arzneispezialitäten wie Injektionslösungen, serologische Reagenzien und Bormelin-Nasensalbe. Die Produktionsfirma wurde 1933/34 von der Hirsch-Apotheke getrennt und nach Bad Homburg verlagert. Die Firma beschäftigte in den Folgejahren etwa 400 Mitarbeiter. Der überraschende Tod von Eduard Fresenius gefährdete 1946 die weitere Existenz von Apotheke und Produktionsbetrieb. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten dort nur noch 30 Mitarbeiter. Else Kröner, die zu diesem Zeitpunkt noch Else Fernau hieß, übernahm 1951 nach einem Pharmaziestudium mit ihrem Mann Hans Kröner die Verantwortung für Apotheke und Produktionsbetrieb und baute die Produktgruppe Infusionslösungen aus. Ab 1966 erfolgten der Vertrieb von Dialysegeräten und Dialysatoren verschiedener ausländischer Hersteller und der Gewinn bedeutender Marktanteile in diesem Segment.

Mit der Einführung einer Aminosäurenlösung nach dem Kartoffel-Ei-Muster 1971 gelang Fresenius ein wesentlicher Beitrag zur parenteralen Ernährungstherapie. 1974 begann in St. Wendel (Saarland) die Herstellung von Infusionslösungen und medizinischen Kunststofferzeugnissen. Heute stellt Fresenius dort modernste Polysulfon-Dialysatoren her. In Schweinfurt begann 1979 die Produktion eines eigenen Dialysegerätes, des A2008.

1982[4] wurde Fresenius in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die 1986 an die Börse ging. 1983 begann man mit der Produktion von synthetischen Polysulfonfaser-Membranen für die Dialyse, die bis heute den Qualitätsstandard bestimmen. 1996 wurde im Zuge der Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens National Medical Care die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA (vormals Fresenius Medical Care AG) gegründet, die heute der weltweit führende Anbieter von Dialyseprodukten und -dienstleistungen ist.

1997 ging in Friedberg (Hessen) die bis heute modernste Infusionslösungsfabrik Europas in Betrieb. Ein Jahr später übernahm Fresenius das internationale Infusionsgeschäft der Firma Pharmacia & Upjohn. Durch Verschmelzung mit dem Fresenius Unternehmensbereich Pharma entstand Fresenius Kabi, das in Europa führende Unternehmen im Bereich der Ernährungs- und Infusionstherapie. Im gleichen Jahr wurde die neue Konzernzentrale in Bad Homburg bezogen.

2001 übernahm Fresenius die Wittgensteiner Kliniken AG mit rund 30 Akut- und Fachkliniken und rund 4.600 Mitarbeitern. 2005 folgte die Akquisition der Helios Kliniken für 1,5 Milliarden Euro.

Durch die Übernahme der US-amerikanischen RenalCare Group 2006 baute Fresenius seine marktführende Stellung im Dialysebereich aus. In weltweit mehr als 3.700 Dialysekliniken werden mehr als 320.000 Patienten betreut (Stand: 2017)[1].

Im Jahr 2008 stieg Fresenius durch die Akquisition des US-Unternehmens APP Pharmaceuticals in den nordamerikanischen Pharmamarkt ein und wurde zu einem weltweit führenden Anbieter von intravenös zu verabreichenden Generika.

Die Fresenius AG wechselte nach Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Dezember 2006 – mit Wirkung vom 13. Juli 2007 – die Rechtsform in eine Europäische Gesellschaft und firmierte seitdem als Fresenius SE. Am 28. Januar 2011 gab der Konzern den Rechtsformwechsel der Fresenius SE in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) in Verbindung mit der Umwandlung der Vorzugs- in Stammaktien bekannt.

2012 plante Fresenius, den Klinikkonzern Rhön-Klinikum zu übernehmen und mit Helios zu einem Konzern zusammenführen, das gelang aber nicht.[5][6][7]

Am 13. September 2013 gab das Unternehmen bekannt, mit der Rhön-Klinikum AG einen Vertrag über die Übernahme von 43 Kliniken und 15 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) abgeschlossen zu haben.[8]

Anfang September 2016 wurde die Absicht publiziert, für 5,76 Mrd. Euro den größten privaten Klinikbetreiber Spaniens, Quirónsalud, zu übernehmen. Quirónsalud hat 44 Krankenhäuser, 44 ambulante Gesundheitszentren und rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Die Kartellbehörden haben am 22. Dezember 2016 ohne Auflagen die Freigabe erteilt. Der Abschluss der Transaktion erfolgte zum 31. Januar 2017.[9]

Im April 2017 wurde bekannt, dass Fresenius den auf Generika spezialisierten US-Konzern Akorn für insgesamt 4,75 Mrd. Dollar übernehmen wird.[10] Die Übernahme ließ Fresenius auf Grund fehlender Übernahmevoraussetzungen platzen.[11]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen im Konzern:

  • Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA: Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Patienten mit chronischem Nierenversagen, derzeit im DAX notiert.
  • Fresenius Helios:
    • Helios Kliniken GmbH: Mehr als 35.000 Betten in 112 Kliniken (Ende 2016)[1]
      • 2001 übernahm Fresenius die Wittgensteiner Kliniken AG mit 30 Akut- und Fachkliniken und rund 4.600 Mitarbeitern
      • 2005 übernahm Fresenius die Helios GmbH, etwa 9.345 Betten (2004), etwa 1,157 Milliarden Euro Umsatz (2004), 17.600 Mitarbeiter (2004)
      • 1. Januar 2006: Die Wittgensteiner Kliniken AG ist mit den Helios-Kliniken fusioniert
      • 2014 übernahm Fresenius Helios 40 Kliniken und 11 MVZ der Rhön-Klinikum AG
  • Fresenius Kabi: Anbieter von Infusions- und Ernährungstherapie, weitere Tätigkeitsfelder sind Infusions- und Bluttransfusionstechnologie sowie ambulante Gesundheitsversorgung.
  • Fresenius Netcare: interner IT-Provider des Fresenius Konzerns
  • Fresenius Vamed:
    • hospitalia international: Weltweite Beratungs-, Dienst- und Ingenieurleistungen zur schlüsselfertigen Neuerrichtung, Sanierung, Ausstattung sowie Instandhaltung von Krankenhäusern, Fachkliniken, Reha- und Kureinrichtungen
    • Vamed AG: Beratung, Planung, Errichtung und Ausstattung von Krankenhäusern, Kurbetrieben, Seniorenzentren und Thermalanlagen, Management von Gesundheitseinrichtungen, Projektentwicklungen vor allem für Einrichtungen im Gesundheitstourismus (Beteiligung zu 77 Prozent)

Nicht zum Konzern gehören das Institut Fresenius und die Hochschule Fresenius. Im Juni 2013 gab Fresenius zudem den Verkauf des bisherigen Biotechnologie-Geschäfts Fresenius Biotech an die israelische Unternehmerfamilie Fuhrer bekannt.[12]

Fresenius Aktie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wertpapierkennnummer (WKN): 578560
Internationale Wertpapierkennnummer (ISIN): DE0005785604
Aktiensymbol: FRE

1982 wurde Fresenius in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Als erste Fresenius Aktie kam 1986 eine stimmrechtslose Vorzugsaktie in den Börsenhandel, die Stammaktie wurde erst einige Jahre später zugelassen.

2011 wurde Fresenius zur Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Im Zuge der Rechtsform-Umwandlung wurden alle Vorzugsaktien in Stammaktien mit Stimmrecht umgetauscht.[13]

2015 wurde die Fresenius Aktie in den EURO STOXX 50 aufgenommen. Der EURO STOXX 50 bildet die Aktienkursentwicklung 50 großer börsennotierter Unternehmen der Eurozone aus verschiedenen Branchen ab.

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptaktionär ist die Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

Anteil Anteilseigner
26,29 % Else Kröner-Fresenius-Stiftung
5,01 % BlackRock
4,93 % Allianz Global Investors
3,01 % Janus Henderson
2,92 % Capital Group Companies
57,84 % Streubesitz

Stand: 31. Dezember 2017[14]

Insgesamt 600 institutionelle Anleger halten 350 Millionen Fresenius-Aktien bzw. 63 % des Aktienkapitals. Privatanleger halten 27,6 Millionen Fresenius-Aktien. Auf die 10 größten Aktionäre entfallen 21 % des Aktienkapitals.

Fresenius-Aktien sind überwiegend im Besitz von Investoren aus Deutschland (43 %), USA (18 %) und Großbritannien (12 %).[1]

Aktienkurs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der durchschnittliche jährliche Kursgewinn der Fresenius Aktie lag in den 10 Jahren zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 31. Dezember 2017 bei jährlich 13,3 %. (Aktienkurs am 1. Januar 2008 bei 18,67 Euro, Aktienkurs am 31. Dezember 2017 bei 65,07 Euro. Der niedrigste Aktienkurs seit 1. Januar 2008 war im Jahr 2009 mit 9,52 Euro; der Höchststand lag bei 79,82 Euro im Jahr 2017).[15]

Laut boerse.de hat die Fresenius Aktie eine gute langfristige Anlagequalität.[16] Fresenius gehört zu den DAX-Unternehmen, bei denen der Goodwill den Buchwert der Eigenkapital-Posten übersteigt.[17] Beim Erstellen einer Strukturbilanz im Zusammenhang mit einer Bilanzanalyse wird das Eigenkapital mit dem Goodwill saldiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fresenius SE – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Fresenius: Geschäftsbericht 2017. Abgerufen am 7. Mai 2018 (PDF).
  2. Hannover Rück und Fresenius im Dax. Financial Times Deutschland, 5. März 2009, archiviert vom Original am 6. November 2012; abgerufen am 23. März 2013.
  3. Fresenius schließt Umwandlung in SE ab. Fresenius AG, 16. Juli 2007, abgerufen am 22. Juni 2016.
  4. Firmengeschichte Fresenius, abgerufen 6. Mai 2018
  5. Klinikkonzerne: Helios will Rhön übernehmen. Deutsches Ärzteblatt, 26. April 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  6. ROUNDUP: Rhön-Vorstände werfen das Handtuch – Chance auf Neuausrichtung, focus.de
  7. Rhön-Vorstände werfen das Handtuch. Manager Magazin, 28. September 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  8. Fresenius wird zum Klinik-Giganten. Süddeutsche Zeitung, 13. September 2013, abgerufen am 13. September 2013.
  9. Pressemitteilung: Fresenius Helios schließt Erwerb von Quirónsalud ab. Fresenius SE & Co. KGaA, 31. Januar 2017, abgerufen am 15. November 2017.
  10. Pharma-Fusionsfieber: Fresenius blättert Milliarden für Akorn hin. In: Handelsblatt. 24. April 2017.
  11. Fresenius sagt Milliardenübernahme ab in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. April 2018, abgerufen am 22. April 2018
  12. Pressemitteilung: Fresenius verkauft Biotechnologie-Geschäft. Fresenius SE & Co. KGaA, 28. Juni 2013, abgerufen am 22. Juni 2016.
  13. Firmengeschichte Fresenius, abgerufen 6. Mai 2018
  14. Unternehmensangaben zu Fresenius, abgerufen 6. Mai 2018
  15. Historische Kurse der Fresenius Aktie, abgerufen 6. Mai 2018
  16. Langfristige Anlagequalität der Fresenius Aktie, abgerufen 6. Mai 2018
  17. [1] Die Goodwill-Entwicklung 2008 - 2016 der DAX30-Unternehmen, abgerufen 29. Mai 2018