Irsee

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Irsee
Irsee
Deutschlandkarte, Position des Marktes Irsee hervorgehoben

Koordinaten: 47° 54′ N, 10° 34′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Ostallgäu
Verwaltungs­gemeinschaft: Pforzen
Höhe: 755 m ü. NHN
Fläche: 17,47 km2
Einwohner: 1532 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner je km2
Postleitzahl: 87660
Vorwahl: 08341
Kfz-Kennzeichen: OAL, FÜS, MOD
Gemeindeschlüssel: 09 7 77 139
Marktgliederung: 6 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Meinrad-Spieß-Platz 1
87660 Irsee
Website: www.irsee.de
Erster Bürgermeister: Andreas Lieb (Bürgerforum)
Lage des Marktes Irsee im Landkreis Ostallgäu
ÖsterreichKempten (Allgäu)Landkreis OberallgäuKaufbeurenLandkreis AugsburgLandkreis UnterallgäuLandkreis Garmisch-PartenkirchenLandkreis Weilheim-SchongauLandkreis Landsberg am LechRettenbach am AuerbergWestendorf (Landkreis Ostallgäu)Wald (Schwaben)Waal (Schwaben)UntrasriedUnterthingauHalblechStöttwangStötten am AuerbergSeegSchwangauRückholzRuderatshofenRoßhauptenRonsbergRieden (bei Kaufbeuren)Rieden am ForggenseePfrontenPforzenOsterzellOberostendorfObergünzburgNesselwangMauerstettenMarktoberdorfLengenwangLechbruck am SeeLamerdingenKraftisriedKaltentalJengenIrseeGünzachHopferauGörisriedGermaringenFüssenFriesenriedEisenberg (Schwaben)EggenthalBuchloeBidingenBaisweilBiessenhofenAitrangKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Klosterkirche Irsee

Irsee ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Ostallgäu.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irsee liegt in der Region Allgäu im Landkreis Ostallgäu, etwa 4,5 km nordwestlich von Kaufbeuren. Es existiert nur die Gemarkung Irsee. Die Höhenlage der Marktgemeinde beträgt 666 bis 822 m ü. NHN.

Die Gemeinde hat 6 Gemeindeteile:[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich lautete der Name des Ortes Ursin.[3] Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 982.[4] Die zunächst hier noch ansässigen Feudalherren, welche sich von Ursin nannten, errichteten eine Burg und stifteten im 12. Jahrhundert das Kloster Irsee.

Der Markt Irsee gehörte bis zur Säkularisation 1803 zur Reichsabtei Irsee. Irsee besaß das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern.

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden folgende Einwohnerzahlen ermittelt:[5]

Einwohnerentwicklung
Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015
Einwohner 574 965 1091 1082 1092 1616 1509 1324 1248 1304 1332 1350 1385 1412 1481

Von 1988 bis 2008 wuchs Irsee um 166 Einwohner bzw. ca. 14 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 1219 auf 1507 um 288 Einwohner bzw. um 23,6 %.

Politik und Öffentliche Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Pforzen.

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahl am 15. März 2020 hatte folgendes Ergebnis:

  • Bürgerforum: 6 Sitze (50,81 %)
  • Freie Wähler Gemeinschaft: 3 Sitze (26,80 %)
  • Offene Liste: 3 Sitze (22,39 %).

Die Sitzverteilung ist gegenüber der Amtszeit 2014 bis 2020 unverändert geblieben. Die Wahlbeteiligung betrug 70,77 %.

Erster Bürgermeister ist Andreas Lieb (* 1963; Bürgerforum).[6] Dieser wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Rudolf Scharpf (CSU/Unabhängige Bürger). Bei der Kommunalwahl 2014 wurde dieser mit 93,5 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt und am 15. März 2020 mit 89,04 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 1.137.000 Euro, davon waren 256.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Irsee
Blasonierung: „In Rot übereinander zwei silberne Löwen, der obere nach rechts, der untere nach links gewendet.“[7]

Wappengeschichte: Der Ort gehörte bis zur Säkularisation 1803 zum gleichnamigen Reichsstift. Der alte Name des Ortes war Ursin. Die Edelherren von Ursin waren Vasallen der Welfen, des Hochstifts Augsburg und des Klosters Kempten. Um 1130 verlegten sie ihren Sitz nach Ronsberg und nannten sich seitdem nach diesem Ort. Sie erhielten 1182 die Markgrafenwürde und starben 1212 im Mannesstamm aus. Das Kloster Irsee geht auf eine Einsiedelei zurück. Graf Heinrich von Ronsberg holte 1182 einen Benediktiner aus Isny als Vorsteher nach Irsee. Die Mönche zogen 1185 zunächst auf die aufgelassene Burg der Herren von Ursin bis sie 1190 wegen Wassermangels unterhalb der Burg ihr Kloster errichteten. Unter Abt Roman Koepfle (1692 bis 1703) erhielt das Kloster die Reichsunmittelbarkeit und die hohe Gerichtsbarkeit. Die Gemeinde nahm 1818 eigenmächtig ein Wappen an. Sie wählte einen Bären, der redend für die Herren von Ursin stehen sollte. Der Entwurf für das heutige Wappen mit den zwei Löwen ist aus dem Jahr 1837 und führt die Wappenfiguren aus dem Wappen der Herren von Ramschwag, den letzten Stiftsvögten. Damals hielt man die Ramschwager Löwen für das Wappen des Klostergründers Heinrich von Ronsberg.[8] Der Entwurf für das Wappen mit den zwei Löwen führt die Wappenfiguren aus dem Wappen der Herren von Ramschwag (dies waren die letzten Stiftsvögte). Das Wappen wurde 1837 durch König Ludwig I. verliehen.[9]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1987 ist die französische Gemeinde Montsûrs im Département Mayenne Partnergemeinde von Irsee.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irsee v S 0879.jpg
August 1979
Irsee.jpg
August 2006


Irsee von Süden

2009 gab es im Bereich der Land- und Forstwirtschaft drei, im produzierenden Gewerbe 32 und im Bereich Handel und Verkehr 98 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 44 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 389.

Im Jahr 2007 bestanden 30 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von mehr als zwei Hektar. Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 979 ha. Davon waren 121 ha Ackerfläche und 836 ha Wiesen und Weideland.[5]

Im Bauhauptgewerbe gab es im Jahr 2010 einen Betrieb.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 bestanden folgende Einrichtungen:[5]

  • Ein Kindergarten mit 75 Plätzen, den 63 Kinder besuchten
  • Eine Volksschule, mit vier Klassen, vier Lehrkräften und 61 Kindern (Schuljahr 2010/11)

Kultur, Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Horton im ALTBAU, 2008

Veranstaltungen im Kloster Irsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Irseer Pegasus ist eine jährlich im Januar stattfindende Literaturveranstaltung der Regionalgruppe Schwaben des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) und der Schwabenakademie Irsee.

Von 1993 bis 2011 fand jährlich Ende August/Anfang September das Festival Klang & Raum unter Leitung des Dirigenten Bruno Weil statt. Es widmete sich der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts und ihrer Aufführung mit historischen Instrumenten.

Galerie und Kleinkunstbühne ALTBAU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kleine privat geführte Kulturzentrum besteht seit 1978. Es ist die älteste Einrichtung dieser Art im Allgäu und eine der ältesten Kleinkunstbühnen Bayerns.[10]

Biomarkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1998 findet jeden Freitag im historischen Dorfkern von Irsee ein Biomarkt statt.

Natur und Naherholungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oggenrieder Weiher am westlichen Ortsrand ist ein beliebtes Badegewässer.

Oggenrieder Weiher

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euthanasie-Denkmal in Klosternähe

Kloster Irsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im Ostteil des Ortes gelegene Kloster Irsee ist ein ehemaliges Kloster der Benediktiner. Das der Heiligen Maria geweihte Kloster wurde 1186 durch Markgraf Heinrich von Ronsberg auf dem Irseer Burgberg gegründet, allerdings bereits ab 1190 am heutigen Standort am Fuß des Berges neu errichtet. Die Hauptvögte waren von 1390 bis 1803 die Habsburger.

Im Jahre 1849 wurde im ehemaligen Kloster eine „Kreisirrenanstalt“ eingerichtet, die in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft zur Tötung „lebensunwerten Lebens“ missbraucht wurde. Von 1939 bis 1945 wurden über 2000 Kinder, Frauen und Männer entweder in die Tötungsanstalten Hadamar, Grafeneck und Hartheim verschleppt oder in Irsee durch Verabreichung von „E-Kost“ (eine von bestimmten essentiellen Bestandteilen „befreite“ Nahrung) oder mittels Injektionen getötet. Die Verantwortung dafür hatte der damalige Anstaltsleiter und Psychiater Valentin Faltlhauser.[11] Seit 1981 erinnert eine Skulptur des Bildhauers Martin Wank in der ehemaligen Anstalt an dieses Geschehen.[12]

Mitte der 1990er Jahre wurde im ehemaligen Leichenhaus der Heil- und Pflegeanstalt Irsee, in der sogenannten Prosektur, eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“ eingerichtet.[13] Im Vorraum ist das großformatige Triptychon möchte ich Sie noch höflichst bitten, mir folgende Fragen zu beantworten (1996) der Münchener Künstlerin Beate Passow ausgestellt. Sie kombinierte drei von Tätern gemachte Fotografien von Opfern mit Auszügen aus dem Briefwechsel zwischen Valentin Faltlhauser und Georg Hensel, der von 1939 bis 1946 Oberarzt in der Kinderheilstätte Mittelberg bei Oy im Allgäu war und Tbc-Versuche an behinderten Kindern in Kaufbeuren-Irsee durchführte.[13]

Im Jahr 2009 wurden drei Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig vor dem Kloster Irsee verlegt. Stellvertretend für alle in Irsee ermordeten Patienten werden Maria Rosa Bechter, Anna Brieger und Ernst Lossa namentlich genannt.[13]

Heute ist das Kloster ein Tagungs- und Bildungszentrum des Bezirks Schwaben, Sitz der Schwabenakademie Irsee.

Klosterbrauerei und Brauereimuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irsee ist Sitz der Brauerei Irseer Klosterbräu, in deren Brauereimuseum die jahrhundertealte Brautradition des Ortes dokumentiert ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein für Ernst Lossa
  • Ernst Lossa (1929–1944) als Halbwaise in der „Heil- und Pflegeanstalt“ im Rahmen der Aktion Brandt ermordet
  • Kurat Christian Frank (1867–1942), von 1894 bis 1942 Hausgeistlicher der Heil- und Pflegeanstalt, war ein Wegbereiter der Allgäuer Heimatforschung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Irsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Irsee in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 17. August 2019.
  3. Karte: Das Allgäu im 12. Jahrhundert. Abgerufen am 21. Oktober 2016.
  4. Franz Ludwig Baumann: Geschichte des Allgäus, Erster Band, Verlag der Jos. Kösel’schen Buchhandlung in Kempten, Kösel, 1883–1894, S. 485
  5. a b c d Statistik kommunal – Irsee (PDF; 1,3 MB)
  6. Bürgermeister. Gemeinde Irsee, abgerufen am 26. August 2020.
  7. Eintrag zum Wappen von Irsee in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. Zitat Eintrag zum Wappen von Irsee in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  9. Eintrag zum Wappen von Irsee in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte m.w.N.
  10. ALTBAU Homepage
  11. Harald Lachmann: Himmel und Hölle in Irsee. Im Allgäu treffen Kultur und die Schrecken der NS-Verbrechen in einem Dorf zusammen. In: neues deutschland vom 19. Dezember 2016, S. 13
  12. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 151
  13. a b c Bundeszentrale für politische Bildung: Erinnerungsorte – Detailseite – bpb. In: bpb.de. Abgerufen am 26. Mai 2017.