Madawaska (Maine)

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Madawaska
Panorama von Madawaska
Panorama von Madawaska
Flagge von Madawaska
Flagge
Lage in Maine
Madawaska (Maine)
Madawaska
Madawaska
Basisdaten
Gründung: um 1824
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Maine
County:

Aroostook County

Koordinaten: 47° 19′ N, 68° 18′ W47.319444444444-68.297777777778296Koordinaten: 47° 19′ N, 68° 18′ W
Zeitzone: Eastern (UTC−5/−4)
Einwohner: 4035 (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Fläche: 146,2 km² (ca. 56 mi²)
davon 144,2 km² (ca. 56 mi²) Land
Höhe: 296 m
Postleitzahl: 04756
Vorwahl: +1 207
FIPS:

23-42520

GNIS-ID: 0582576
Website: www.TownOfMadawaska.comVorlage:Infobox Ort in den Vereinigten Staaten/Wartung/FormatierteWebsite

Madawaska ist ein Ort (town) im Aroostook County des Bundesstaates Maine in den Vereinigten Staaten. Die Volkszählung aus dem Jahr 2010 ergab 4.035 Einwohner, die auf einer Fläche von 144,2 km² lebten.[1][2] 83,4 % der Bewohner sprechen Französisch, obwohl die Verkehrssprache in Maine Englisch ist.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Madawaska liegt im Nordosten des Aroostook Countys, am Saint John River, in dessen Mitte die Grenze zu Kanada verläuft, und ist durch eine Brücke mit der gegenüberliegenden Stadt Edmundston verbunden. Im Westen liegt Saint Agatha, im Osten Grand Isle.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Town Madawaska wurde am 24. Februar 1869 gegründet. Benannt ist sie nach dem Madawaska River, der in den Saint John River mündet. Besiedelt wurde die Town durch Französische Siedler, oder deren Nachkommen, die 1754 über die Bucht von Minas flohen, um einem Transport und der Trennung durch die englischen Behörden in Amerika zu entkommen. Die Bewohner waren überwiegend römisch-katholisch.[3]

Viele der frankophonen Bewohner gehören zu den Brayon, die auch mehrheitlich in der benachbarten kanadischen Stadt Edmundston zu finden sind. Es gab Bestrebungen, die unabhängige Republik Madawaska zu gründen. Zu dieser Zeit war die Grenzlinie zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten umstritten und es wäre fast zum Aroostook-Krieg (1838/1839) gekommen. Die Kontrahenten einigten sich 1842 im Webster-Ashburton-Vertrag, und die Grenzstreitigkeiten wurden endgültig beigelegt. Dabei wurde die Grenze mitten durch den Fluss gezogen, so dass das auf beiden Seiten bewohnte Gebiet mit katholisch-französischer Bevölkerung zerschnitten wurde. Doch bis in die 1870er Jahre, als die Eisenbahn das Tal erreichte, blieb der Fluss der einzige Verkehrsweg. Die Bewohner galten als ausgesprochen friedfertig und brauchten weder Polizei, noch Gefängnisse, Richter oder überhaupt eine Verwaltung.[4]

Die französischen Siedler besaßen umfangreiches Land und bauten, so hieß es in den Berichten der Beamten des Staates Maine, die besten Kartoffeln an.[5] Sie hielten sie für Flüchtlinge aus den britischen Kolonien, Akadier, die trotzdem zu den USA gehörten. Bald jedoch galten sie als einfach, wenn nicht roh, sie lebten für ihre Subsistenz, nicht für den „Fortschritt“, der im übrigen Land so hoch im Kurs stand. Schließlich warf man ihnen vor, keinen Pioniergeist zu haben, weil sie die Wälder nicht abholzten, ihre Stimmen zu verkaufen - obwohl ihre Farmen um 1860 produktiver waren, als die der britischen Nachbarn, wie ein Zensus erwies. Sie schienen nicht dem protestantischen Arbeitsethos zu gehorchen, was in Spannungssituationen durchaus zu einem Argument für Enteignung oder gar Vertreibung werden konnte.[6]

Schließlich kam die Aversion der Frankophonen gegen englische Schulen hinzu, die ab den 1850er Jahren Misstrauen erregte. Dazu trug auch bei, dass sie aufgrund ihrer französischen und vor allem indigenen Vorfahren eine dunklere Haut hatten. Im sich steigernden Rassismus der englischen Bevölkerung galten bald alle verachteten Eigenschaften als Teil des Erbguts. Die Politik neigte dazu, englischsprachige Beamte zu entsenden und entsprechende Schulen einzurichten, denn die Frankophonen sollten in die Gesellschaft integriert werden, was zumindest sprachlich auf Assimilation abzielte. In Maine blieb Französisch bis 1960 als Schulsprache verboten.

Heute gibt es ein Wappen und eine Flagge der Republik Madawaska, die vor dem Rathaus in Edmundston und bei Festlichkeiten gehisst wird. Der amtierende Bürgermeister von Edmundston trägt zusätzlich den ehrenvollen Titel Präsident der Republik Madawaska.[7] Alljährlich Ende Juni findet das überregional bekannte Acadian Festival statt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Haupterwerbszweig der Bewohner Madawaskas ist inzwischen die Papierindustrie, die vom kanadischen Konzern Fraser Paper betrieben wird. Der dazu benötigte Zellstoff wird über eine Pipeline vom Werk Edmundston durch den Fluss und über die Grenze nach Madawaska geschickt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Albert: Histoire de Madawaska. D'après les recherches historiques de Patrick Therriault et les notes manuscrites de Prudent L. Mercure, mprimerie franciscaine missionnaire, 1920, Nachdruck durch die Madawaska Historical Society, Madawaska 1998.
  • Charlotte Lenentin Melvin: Madawaska. A Chapter in Maine New Brunswick Relations, M.A. thesis, University of Rochester 1955, Nachdruck durch die Madawaska Historical Society 1975.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Madawaska, Maine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählungsergebnisse Maine 2010; offizielle Publikation der Census-Behörde, p. 28/29
  2. Factfinder.Census abgerufen am 17. April 2015
  3. History of Madawaska, Maine Aus A Gazetteer of the State of Maine von Geo. J. Varney herausgegeben von B. B. Russell, 57 Cornhill, Boston 1886
  4. Stephen J. Hornsby, John G. Reid; New England and the Maritime Provinces: Connections and Comparisons, McGill-Queen's Press, 2005, S. 78.
  5. Stephen J. Hornsby, John G. Reid; New England and the Maritime Provinces: Connections and Comparisons, McGill-Queen's Press, 2005, S. 79.
  6. Stephen J. Hornsby, John G. Reid; New England and the Maritime Provinces: Connections and Comparisons, McGill-Queen's Press, 2005, S. 85.
  7. Flaggen in Madawaska