Nordmarkt (Dortmund)

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Nordmarkt
Stadt Dortmund
Koordinaten: 51° 31′ 33″ N, 7° 27′ 56″ O
Höhe: ca. 75 m ü. NN
Fläche: 3,25 km²
Einwohner: 27.996 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 8.625 Einwohner/km²
Postleitzahl: 44145
Vorwahl: 0231
Statistischer Bezirk: 05
Stadtbezirk Aplerbeck Stadtbezirk Brackel Stadtbezirk Eving Stadtbezirk Hombruch Stadtbezirk Hörde Stadtbezirk Huckarde Stadtbezirk Innenstadt-Nord Stadtbezirk Innenstadt-Ost Stadtbezirk Innenstadt-West Stadtbezirk Lütgendortmund Stadtbezirk Mengede Stadtbezirk ScharnhorstKarte
Über dieses Bild
Lage von Nordmarkt in Dortmund
Blick von der Mallinckrodtstraße in den Nordmarkt (2006)
Wochenmarkt auf dem Nordmarkt (2009)
Blick in die Lortzingstraße, dessen Straßenverlauf die Wegeführung auf dem Nordmarkt aufnimmt (2013)
Gedenkstein zur Erinnerung an die „Schlacht am Nordmarkt“

Der Nordmarkt ist ein in seiner jetzigen Form seit 1909 bestehender, gärtnerisch gestalteter Platz im Stadtbezirk Innenstadt-Nord (Nordstadt) von Dortmund. An seinen straßenseitigen Rändern findet dienstags und freitags ein Wochenmarkt statt. Der Nordmarkt ist Namensgeber für den ihn umgebenden statistischen Bezirk, der zwischen den beiden anderen Quartieren Borsigplatz und Hafen liegt. Der Nordmarkt wird darum auch als „Platz im Herzen der Nordstadt“ bezeichnet.[2]

Platz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die durch die Industrialisierung schnell wachsende Nordstadt setzte der Magistrat 1858 einen Stadtbaumeister ein. Ludwig König führte erste Bauvorschriften ein. Sein Nachfolger Brandhoff plante die Nordstadt als rechtwinkeliges Straßennetz mit elf „Schmuckplätzen“ zur Auflockerung der Wohnbebauung.[3] Davon wurden neben dem Nordmarkt aber nur der Borsigplatz, der Steinplatz und der Hackländer Platz realisiert. Im „Generalplan“ von 1889 erschien an heutiger Stelle ein rechteckiger Platz, der als Marktplatz projektiert war und für den der Magistrat das Grundstück zunächst erwerben wollte. Die Realisierung des Platzes geht aber zurück auf einen Vertrag, der heute als Städtebaulicher Vertrag bezeichnet werden würde, von 1893 zwischen der Stadt und Heinrich Schulte-Witten, dessen in Dorstfeld ansässige Familie umfangreiches Bauerwartungsland entlang der als Nord-Süd-Achse projektierten Nordstraße besaß. Die Stadt verpflichte sich zu Straßenbau und Entwässerung, insbesondere zur Verlegung eines störenden Abwasserflusses, und erhielt den anfänglich so bezeichneten „Nordplatz“, der zu diesem Zeitpunkt noch an der nördlichen Peripherie der neu entstehenden Vorstadt lag, als Schenkung.

Der 4 Hektar große Platz war zunächst nur eine „Zieranlage“ mit eingezäunten Rasenflächen. Seine heute noch sichtbare Gestalt - insbesondere nach dem 1996 abgeschlossenen „Rückbau“ aus Mitteln der NRW-Landesinitiative Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf [4] - bekam er durch Neugestaltung von 1907 bis 1909 nach einem Entwurf des Kölner Garteninspektors Hermann Robert Jung, der mit seinem Beitrag „Geometrie“ aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen war. Ein x-förmig angelegtes Wegesystem – eine Verlängerung der auf den Nordmarkt zulaufenden Straßen – erschloss eine Freifläche im Platzzentrum.[5]

Namensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Platz bürgerte sich die Bezeichnung „Nordmarkt“ ein, obwohl für die Versorgung der schnell wachsenden Bevölkerung zunächst auf dem Borsigplatz, Steinplatz und Viehmarktplatz Wochenmärkte eingerichtet wurden. Die Namen „Nordplatz“ und auch „Schulte-Witten-Platz“, nach seinem 1907 verstorbenen Förderer, setzten sich nicht durch.[6]

Der Platz wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu einem geschichtsträchtigen Ort, was sich auch in Namensänderungen widerspiegelte. Bereits 1919 benannte ihn die junge Weimarer Republik in „Platz der Republik“ um. Während der Märzunruhen 1920 töteten marodierende Soldaten dort einen Arbeiter. Ein 1995 errichtetes Mahnmal auf der Südseite des Platzes erinnert an die „Schlacht am Nordmarkt“ zwischen SA, Kommunisten, Sozialdemokraten und Ordnungshütern am 16. Oktober 1932.[7] Vom 9. März 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hieß der Nordmarkt dann „Horst-Wessel-Platz“. Er erhielt 1945 seinen ursprünglichen Namen zurück. Keine politische Mehrheit fand 2005 die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, den Nordmarkt in „Opa-Wille-Platz“ umzubenennen. „Opa Wille“ hatte sich am 1. September 1934 auf dem Nordmarkt geweigert, die Hakenkreuzfahne von einigen SA-Männern zu grüßen, woraufhin diese ihn zusammenschlugen. Er erlag später den Verletzungen.[8]

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordmarkt wurde als „Ort zum Flanieren und Verweilen“ errichtet. An der Südseite des Platzes entstanden etwas später eine Bedürfnisanstalt und ein Kiosk. Von den insgesamt 1904 in Dortmund vorhandenen fünf Kinderspielplätzen befand sich einer im nördlichen Bereich des Platzes. Dieser wurde 1971 ausgebaut und eingefriedet. Anders als es der Name vermuten lässt, etablierte sich der Wochenmarkt erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau. Er wurde am 31. März 1950 als Ersatz für den Ausweichwochenmarkt auf dem Lortzingplatz seinerzeit noch im Innenbereich in Betrieb genommen.

Mit der Grundrenovierung von 1993 bis 1996 sollte auch wieder an die ursprüngliche Funktion angeknüpft werden, auch wenn diese heute als „Aufenthaltsqualität“ bezeichnet wird.[9] Denn verbunden mit dem Niedergang der Montanindustrie und dem Anstieg der Arbeitslosen- und Armutszahlen waren Nutzungskonflikte entstanden, insbesondere mit Alkohol und Drogen konsumierenden Anwohnern.[10] Mit unterschiedlichen, teilweise auch wechselnden Strategien versuchen Stadt, Sozialverbände und Bürgergruppen bis heute, den unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht zu werden. Mit Fördergeldern des so genannten Urban-II-Programms wurde für 210.000 Euro im östlichen Bereich des Nordmarkts eine als Familiencafé konzipierte Gastronomie als Gegengewicht zur Trinkerszene errichtet.[11] Das private Betreibermodell unter den Namen „Café Killefitt“ und „Rasthaus Fink“ scheiterte jedoch. Der „Salon Fink“ ist heute der Clubszene zuzurechnen. Das Diakonische Werk unterhält im „Nordmarkt-Kiosk“ jeweils für Förderzeiträume eine Anlaufstelle für Straßensozialarbeit und Suchtberatung.[12] Durch das Quartiersmanagement, das u.a. auf dem Nordmarkt kulturelle Angebote organisiert, den Anwohnerverein „Nordmarkt Plus“, Beschäftigungs- und Beratungsangebote, aber auch durch verstärkte Präsenz von städtischen Ordnungsdiensten und Polizei konnten Nutzungskonflikte entschärft werden.[13]

Statistischer Bezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhochhaus Hannibal im statistischen Unterbezirk Nordmarkt-Südost
Jahr Einw.
1987 24.414
2003 25.686
2008 24.811
2013 25.776
2015 27.996

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2015 lebten 27.996 Einwohner im Bezirk Nordmarkt. Strukturdaten der Bevölkerung im Bezirk Nordmarkt: Minderjährigenquote: 28,6 % (Dortmunder Durchschnitt: 19,4 %), Altenquote: 15,1 % (Dortmunder Durchschnitt 30,0 %), Ausländeranteil: 52,5 % (Dortmunder Durchschnitt 16,3 %), Arbeitslosenquote: 24,7 % (Dortmunder Durchschnitt 12,3 %). Das Durchschnittseinkommen liegt ca. 45 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Wohnbebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Viertel zählt zu den Wohnvierteln mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte von ca. 8.600 Einwohner/km², welche sich besonders im südlichen Teil des Quartiers konzentriert. Gewerbegebiete gibt es hauptsächlich im nördlichen Nordmarktteil. Die meisten Gebäude sind Mietwohnungen aus der Gründerzeit (19. und frühes 20. Jahrhundert) mit meist vier bis fünf Etagen; das Stadtbild setzt sich aus geschlossener Blockrandbebauung zusammen. Im Unterbezirk Nordmarkt-Südost – mit einer Bevölkerungsdichte von 43.200 Einwohnern/km² – herrscht auch eine Blockrandbebauung, aber im ehemaligen Sanierungsgebiet Nord II befinden sich auch Hochhäuser. Eines der drei Hochhäuser ist beispielsweise der Hannibal-Wohnkomplex mit 232 Wohnungen.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt Dortmund u.a. (Hrsg.), 100 Jahre Nordmarkt, 74 S., Dortmund 2009 (vergriffen)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresbericht Dortmunder Statistik 2016 – Bevölkerung (PDF-Datei)
  2. Stadt Dortmund, Kultur- und Freizeitkalender, abgerufen am 6. Mai 2015
  3. Stadt Dortmund (Internetportal): Die Geschichte der Nordstadt, abgerufen am 11. Mai 2015
  4. Stadt Dortmund, Parks und Gärten in Dortmund/Nordmarkt, abgerufen am 6. Mai 2015
  5. Hermann Josef Bausch, Der Nordmarkt - Geschichte eines grünen Stadtplatzes in Dortmund, in: Stadt Dortmund u.a. (Hrsg.), 100 Jahre Nordmarkt, 74 S., Dortmund 2009
  6. Hermann Josef Bausch, Der Nordmarkt - Geschichte eines grünen Stadtplatzes in Dortmund, in: Stadt Dortmund u.a. (Hrsg.), 100 Jahre Nordmarkt, 74 S., Dortmund 2009
  7. Kommunisten gedenken der “Schlacht am Nordmarkt”, Nordstadtblogger vom 23. Oktober 2014, abgerufen am 7. Mai 2015
  8. „Putzlappen habe ich noch nie gegrüßt“, in: Unsere Zeit, Zeitung der DKP, 21. Oktober 2005, abgerufen am 6. Mai 2015.
  9. „Diakonie verbessert Situation“, in: Stadt Dortmund, Nachrichtenportal, 4. Juni 2012, abgerufen am 12. Mai 2015
  10. „Stadt will Alkohol auf dem Nordmarkt verbieten“, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Lokalausgabe Dortmund, 24. März 2010, abgerufen am 12. Mai 2015
  11. site=regionales_details&objekt_ID=2772 „Café Killefitt auf dem Nordmarkt eröffnet“, in: Donews, ohne Datum, abgerufen am 12. Mai 2012
  12. „Ein Tag im Wohnzimmer der Dortmunder Nordstadt“, in Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Lokalausgabe Dortmund, 2. Juni 2011, abgerufen am 12. Mai 2015
  13. „Galerie: Überraschende Einblicke am Nordmarkt“, in: Nordstadtblogger, 9. Juni 2013, abgerufen am 16. Mai 2015
  14. Instandsetzung und Modernisierung „Hannibal I“ (Webseite)