Hafen Dortmund

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Hafen
Stadt Dortmund
Koordinaten: 51° 31′ 33″ N, 7° 26′ 34″ O
Höhe: ca. 70 m
Fläche: 4,62 km²
Einwohner: 18.502 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 4.007 Einwohner/km²
Postleitzahl: 44147
Vorwahl: 0231
Statistischer Bezirk: 04
Stadtbezirk AplerbeckStadtbezirk BrackelStadtbezirk EvingStadtbezirk HombruchStadtbezirk HördeStadtbezirk HuckardeStadtbezirk Innenstadt-NordStadtbezirk Innenstadt-OstStadtbezirk Innenstadt-WestStadtbezirk LütgendortmundStadtbezirk MengedeStadtbezirk ScharnhorstKarte
Über dieses Bild
Lage von Hafen in Dortmund

Der Hafen Dortmund ist ein Binnenhafen im Stadtbezirk Innenstadt-Nord der Stadt Dortmund. Der Hafen ist auch Namensgeber eines der drei statistischen Bezirke im Stadtbezirk Innenstadt-Nord, der als Wohn- und Geschäftsviertel mit einer hohen Bevölkerungsdichte gilt.

Er wurde am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. zusammen mit dem Dortmund-Ems-Kanal eröffnet. Mit Wirkung vom 10. Juni 1939 gliederte die Stadt Dortmund ihren als Eigenbetrieb geführten Hafen aus der städtischen Verwaltung aus und wandelte diesen in eine Aktiengesellschaft um – die Dortmunder Hafen AG wurde gegründet.[2]

Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer beschädigt, aber bereits 1946 wieder eröffnet, um dringend benötigte Baustoffe für den Wiederaufbau der Stadt erhalten zu können. Heute sind die nördlichen Hafenbecken (Südhafen, Kohlenhafen sowie Petroleumhafen) eine der größten Logistikdrehscheiben Europas, die Speicherstraße am Stadthafen hingegen wird stattdessen vorwiegend durch kulturelle und gastronomische Betriebe genutzt, welche in Zukunft noch verstärkt entwickelt werden sollen. [3]

Geschichte und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafen Plan 1899
Historische Darstellung des Dortmunder Hafens mit Union-Vorstadt inklusive Erweiterungspläne (hellblau dargestellt).
Luftbild 1920

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bereits Überlegungen, für Westfalen eine künstliche schiffbare Wasserstraße bis zur Nordsee zu bauen. Im Zuge der Industrialisierung, die inzwischen auch in Dortmund eingesetzt hatte, griffen wirtschaftsorientierte Fachkreise die Diskussion um das Kanalprojekt wieder auf.

Es sollte jedoch noch 40 Jahre dauern, bis die Stadt Dortmund mit dem Kanal- und Hafenbau beginnen konnte. Nachdem die anfänglichen Kanalplanungen eine Streckenführung in Ost-West-Richtung, vom Rhein bis zur Weser, vorgesehen hatten, orientierten sich die neueren Entwürfe an der kürzesten Wegstrecke zwischen der Nordsee und dem östlichen Ruhrgebiet.

Die Errichtung des Dortmunder Hafens am Dortmund-Ems-Kanal begann 1895 am nördlichen Rand des damaligen Stadtgebietes von Dortmund auf dem Areal der Unionvorstadt, einer Werkssiedlung des Montankonzerns Dortmunder Union, wodurch die Siedlung aus 40 Gebäuden zu einer Wohnenklave mitten im Hafengelände wurde.[4]

Verantwortlich für das Kanalprojekt war die königliche Kanalbaukommission, die dem preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten unterstellt war und von Münster aus ab 1890 die Arbeiten zum Bau des Dortmund-Ems-Kanals organisierte und kontrollierte. Am 9. Oktober 1895 fand der erste Spatenstich zum Bau des Dortmunder Hafens statt. Nach fast dreijähriger Bauzeit war der Dortmunder Hafen in wesentlichen Teilen fertiggestellt, zunächst mit fünf Hafenbecken: Kanalhafen, Stadthafen, Südhafen, Kohlenhafen sowie Petroleumhafen. Die Kosten für den Dortmunder Hafen betrugen 6,43 Millionen Reichsmark inklusive der mehr als 20 Kilometer Gleisanlagen.

1899 wurde der Hafen durch Kaiser Wilhelm II. eröffnet. In den 1920er und 30er Jahren wurde der vorwiegend zum Umschlag von Getreide, Kohle und Erz dienende Hafen ausgebaut. Es wurden weitere Hafenbecken angelegt und die Verwaltungsinfrastruktur (Altes Hafenamt Dortmund) erweitert. Heute besitzt der Dortmunder Hafen als größter Kanalhafen Europas zehn Hafenbecken mit einer Uferlänge von 11 km.

Seine größte wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Hafen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahre 1972 wurden hier 6,2 Mio. Tonnen Fracht umgeschlagen. Auch die Fertigstellung eines Containerhafens 1987 konnte den deutlichen Rückgang der umgeschlagenen Tonnage, hervorgerufen durch die Stilllegung von Kohle- und Stahlindustrie in Dortmund, nicht aufhalten. Noch 1997 wurden hier 2,6 Millionen Tonnen Eisenerz angelandet, gegenwärtig ist diese Warengruppe völlig aus dem Dortmunder Hafen verschwunden.

Nunmehr ist der ehemalige „Wasserbahnhof der Montanindustrie“ zu einem Logistik- und Industriegebiet von hoher internationaler Bedeutung geworden. Der Umschlag von Eisenerz und Kohle gehört der Vergangenheit an; heute steht der Dortmunder Hafen, neben anderen Standorten, für die Versorgung der Rhein-Ruhr-Region mit ihren rund 10 Millionen Einwohnern.

Hafenviertel als Wohnstandort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Szenequartier Hafen

Das Hafenviertel ist wie die gesamte Nordstadt um die Jahrhundertwende als typisches dicht bebautes Arbeiterwohnquartier in Blockrandbebauung mit großen parkähnlichen Freiflächen entstanden. Während der südliche Teil des Viertel dicht bebaut ist, lockert die Bebauung nach Norden hin auf. Trotz großflächiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, haben sich im Viertel rund um den Hafen viele Altbauten erhalten. Durch die günstigen Mieten und die nähe zur Innenstadt wird das Viertel bevorzugt von jungen Leuten, Studenten, Freischaffenden und Künstlern als Wohnstandort gewählt. Durch die großen Dichte an Kneipen, Kulturangeboten, Kreativbüros und günstigen Wohnungen entwickelt sich das Viertel zu einem der Szeneviertel im Ruhrgebiet. [5] Wichtige Kennzeichen dieses Prozesses bilden der starke Zuzug von Menschen und die stark steigenden Mieten und Angebotspreise für Bestandseigentumswohnungen von 896 €/qm auf 1035 €/qm innerhalb weniger Jahre. [6]

Seit mehr als zehn Jahren wurde über eine Entwicklung des Stadthafenbeckens entlang der Speicherstraße am alten Hafenamt nach dem Vorbild des Kreativkais in Münster nachgedacht. Die Investoren-Suche gestaltete sich jedoch doch trotz einer umfassenden Planungen über die Jahre hinweg, durch bestehende Mietverträge welche die Entwicklung bremsten und teilweise sogar blockierten, nur wenig erfolgreich. Seit dem Jahr 2015 wird durch die Lokalpolitik jedoch wieder verstärkt eine Umnutzung von Teilabschnitte des Stadthafens forciert. Ein Masterplan Hafen schlägt dazu vor, die Speicherstraße im nördlichen Abschnitt um etwa 20 Meter nach Osten zu versetzen, wodurch direkt am Kanal größere, attraktive Baugrundstücke für Bürobauten entstehen. Des Weiteren sollen die alten Speichergebäude veräußert, saniert und mit Neubauten ergänzt werden. Insgesamt sollen somit 4000 neue Arbeitsplätze im Hafen entstehen. [7]

In der Zwischenzeit hatte sich das Viertel jedoch durch die günstigen Mieten und den vermehrten Zuzug von jungen Menschen ohne großes Zutun zu einem kleinteiligen Künstler- und Kulturviertel entwickelt. Neben vielen Galerien, Film,- und Tonstudios und Architekturbüros bietet das Viertel mit dem Lokalclubschiff „Herr Walter“, der Hafenkombüse, den Tyde Studios, dem Umschlagplatz am Hafenbecken sowie u. a. Subrosa, Sissikingkong, Vater & Sohn, Rekorder und dem Latino Sol eine breite Hafengastronomie. Hierdurch bedingt wurden vermehrt Investoren auf das Viertel aufmerksam und sind an der verstärkt an der weiteren Entwicklung der alten Speichergebäude interessiert. Geplant sind u. a. der Bau einer Marina, eines Gründungscampus für StartUps, ein Bildungs- und Begegnungszentrum und weiteren Errichtungen von hochwertigen Freizeit- und Wohnflächen am Wasser.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einw.
1987 18.123
2003 17.403
2008 16.843
2013 17.566
2016 18.487
2017 18.502

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2017 lebten 18.502 Einwohner im Bezirk Hafen.

Strukturdaten der Bevölkerung im Bezirk Hafen:

  • Minderjährigenquote: 19,2 % (Dortmunder Durchschnitt: 19,4 %) [8]
  • Altenquote: 17,1 % (Dortmunder Durchschnitt: 30,0 %) [9]
  • Ausländeranteil: 42,6 % (Dortmunder Durchschnitt: 17,7 %) [10]
  • Arbeitslosenquote: 19,6 % (Dortmunder Durchschnitt: 11,0 %) [11]

Das Durchschnittseinkommen liegt ca. 40 % unter dem Dortmunder Durchschnitt.

Baudenkmal Altes Hafenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Hafenamt Dortmund

→ Hauptartikel: Altes Hafenamt Dortmund

Zur Einweihung des Dortmunder Hafens am 11. August 1899 durch Kaiser Wilhelm II. wurde im Hafen das Alte Hafenamt errichtet. Nach Entwürfen von Stadtbaurat Friedrich Kullrich wurde auf einem sechseckigen Grundriss ein zweigeschossiger Bau mit großem Frontturm erbaut, der nicht zufällig an einen Leuchtturm erinnert. Diese Assoziation wird neben der äußeren Form durch einen Umgang um den Turmkern verstärkt. Im Turm richtete man ein „Kaiserzimmer“ ein, dessen Außenbrüstung die von Delphinen getragenen Wappen der Städte Dortmund und Emden zeigt.

Die ursprünglich als Turmbekrönung angebrachte Eisengitterkonstruktion wurde um 1930 wegen Baufälligkeit abgetragen und erst 1986 durch eine Rekonstruktion aus feuerverzinktem Stahl ersetzt, nachdem das Innere des Gebäudes bereits 1982/1983 wieder hergerichtet worden war. Die Kugel auf der Turmspitze ist als Zeitball zu verstehen, die Spitze dient als Fahnenmast. 1986 wurde neben der Turmbekrönung auch der gesamte Außenbau restauriert.

Bis 1962 war das Alte Hafenamt Sitz der Dortmunder Hafen AG. Das Gebäude wurde 2007 von der Wasserschutzpolizei und für eine Ausstellung zum Thema Hafen und Schifffahrt genutzt.

Das Alte Hafenamt liegt am Sunderweg im Übergang zur Kanalstraße. Die zentrale Lage im Zentrum des Kanalhafens wird weiterhin dadurch betont, dass die Brücke über den Stadthafen direkt auf den Turm zuläuft und die Fahrbahn erst kurz vor dem Gebäude nach Westen ausschert. Durch den erhöhten Bauplatz ist das nachts angestrahlte Gebäude weithin sichtbar.

Das Alte Hafenamt, dessen Abriss in den 1950er Jahren bereits geplant war, ist heute eines der Wahrzeichen der Dortmunder Nordstadt und ebenso wie der Dortmunder Hafen ein Teil der Route der Industriekultur.

Hafen und Kanal als Sport- und Freizeitrevier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

der Hafen von oben

Neben der bereits genannten Hafengastronomie und dem Bundesleistungszentrum Rudern nutzen verschiedene Schulen und Vereine den Kanal als Bootsrevier. Zu nennen sind hier etwa der Ruderclub Hansa von 1898 und der Ruderclub Germania von 1929 sowie die Kanuabteilung des Freien Sportvereins von 1898 FS-98. Ausgehend vom Hafen erstreckt sich entlang des Kanals der Dortmund-Ems-Kanal Radweg in Richtung Waltrop und weiter ins Münsterland. Die Kanalufer werden im Sommer zunehmend von Badenden und zum Grillen genutzt.

Der Hafen als Wirtschaftsstandort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 wurden im Dortmunder Hafen 3,2 Mio. Tonnen Fracht umgeschlagen. Dies bedeutet gegenüber 2006 eine Steigerung um 7,1 %. Diese Steigerung ist vor allem ein Erfolg des Containerterminals Dortmund „CTD“, der zunehmend genutzt wird. Im Jahr 2007 wurden in Dortmund Container mit einer Tonnage von 701.000 Tonnen umgeschlagen. Im Januar 2009 wurde die dritte Containerbrücke durch die Container Terminal Dortmund GmbH im Hafen in Betrieb genommen.

Der Umschlag nach Warengruppen stellte sich wie folgt dar:

Warengruppe Tonnage 2005 Tonnage 2006 Tonnage 2007 Tonnage 2008 Tonnage 2009 Tonnage 2010 Tonnage 2011 Tonnage 2014 Tonnage 2016
Baustoffe 982.000 t 934.000 t 990.000 t 776.000 t 649.000 t 690.000 t 540.200 t
Mineralöle 621.100 t 647.000 t 538.000 t 570.000 t 571.000 t 630.000 t 566.000 t
Eisen und Stahl 294.400 t 334.000 t 401.000 t 355.000 t 152.000 t 147.000 t 256.000 t
Schrott 219.800 t 216.000 t 231.000 t 271.000 t 189.000 t 160.000 t 219.000 t
Kohle- und Koks 148.000 t 272.000 t 166.000 t 170.000 t 88.200 t 81.000 t 100.100 t
Andere Warengruppen 442.600 t 557.000 t 701.000 t 796.000 t 767.700 t 810.500 t 864.300 t
Summe 2.707.900 t 2.960.000 t 3.027.000 t 2.938.000 t 2.416.900 t 2.518.500 t 2.545.600 t 2.940.000 t[12] 2.734.000 t[13]

Quelle: Dortmunder Hafen AG

Aufgrund der steigenden Tonnagezahlen der „anderen Warengruppen“, die den Containerumschlag beinhalten (umgeschlagene Tonnage des Containerterminals 2011: 850.500 t), und der Eröffnung des Ikea-Europalagers in unmittelbarer Nähe des Hafens wird zurzeit ein weiteres Terminal projektiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ute S. Iserloh: Der Dortmunder Hafen – Europas größter Kanalhafen. 1. Auflage. J. P. Bachem Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7616-1910-3, S. 47.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Port of Dortmund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen in den statistischen Bezirken am 31.12.2017 (PDF)
  2. Geschichte Dortmund Hafen. Hafen Dortmund AG, 9. Dezember 2018, abgerufen am 10. Juli 2017.
  3. Geschichte Auf dem Weg zum neuen Quartier. Hafen Dortmund AG, 9. Dezember 2018, abgerufen am 10. Juli 2017.
  4. Geschichte des Hafens, abgerufen am 8. Juli 2014
  5. Szeneviertel am Dortmunder Hafen. Westfälische Rundschau, 7. Juli 2017, abgerufen am 10. Juli 2017.
  6. Wohnungsmarktbericht der Stadt Dortmund. Stadt Dortmund, 7. Juli 2017, abgerufen am 10. Juli 2017.
  7. Szenehafen Dortmund. Westfälische Rundschau datum=2017-07-07, abgerufen am 10. Juli 2017.
  8. Bevölkerungsstrukturen Jahresbericht 2016 (PDF-Datei)
  9. Bevölkerungsstrukturen Jahresbericht 2016 (PDF-Datei)
  10. Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31.12.2017 (PDF-Datei)
  11. Arbeitslosenquoten nach statistischen Bezirken am 30.06.2017 (PDF-Datei)
  12. Peter Kleinort: Hafen Dortmund wächst kräftig. In: Täglicher Hafenbericht, 5. Februar 2015, S. 5
  13. Jahresbilanz: Dortmunder Hafen meldet für 2016 stabiles Ergebnis. Stadt Dortmund, 7. Juli 2017, abgerufen am 10. Juli 2017.