Röttenbach (bei Erlangen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Röttenbach
Röttenbach (bei Erlangen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Röttenbach hervorgehoben
Koordinaten: 49° 40′ N, 10° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Erlangen-Höchstadt
Höhe: 301 m ü. NHN
Fläche: 7,76 km2
Einwohner: 4699 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 606 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91341
Vorwahl: 09195
Kfz-Kennzeichen: ERH, HÖS
Gemeindeschlüssel: 09 5 72 149
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ringstraße 46
91341 Röttenbach
Webpräsenz: www.roettenbach-erh.de
Bürgermeister: Ludwig Wahl (FW)
Lage der Gemeinde Röttenbach im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Birkach (gemeindefreies Gebiet) Neunhofer Forst Mark (gemeindefreies Gebiet) Kraftshofer Forst Kalchreuther Forst Geschaidt Forst Tennenlohe Erlenstegener Forst Buckenhofer Forst Nürnberg Nürnberg Landkreis Nürnberger Land Fürth Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Fürth Erlangen Landkreis Ansbach Landkreis Bamberg Landkreis Bamberg Landkreis Forchheim Buckenhof Aurachtal Eckental Heroldsberg Kalchreuth Lonnerstadt Möhrendorf Mühlhausen (Mittelfranken) Oberreichenbach (Mittelfranken) Spardorf Uttenreuth Vestenbergsgreuth Weisendorf Wachenroth Röttenbach (bei Erlangen) Marloffstein Höchstadt an der Aisch Heßdorf Herzogenaurach Hemhofen Großenseebach Gremsdorf Bubenreuth Baiersdorf Adelsdorf Dormitzer ForstKarte
Über dieses Bild

Röttenbach ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Die Gemeinde ist ein bevorzugtes Wohngebiet für Pendler nach Erlangen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt nördlich von Erlangen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden Röttenbachs sind Adelsdorf, Baiersdorf, Heßdorf und Hemhofen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa um das Jahr 1000 kamen Siedler auf der Suche nach Land in die waldreiche, hügelige Landschaft, welche die Ausläufer des Steigerwaldes bilden. Sie ließen sich an einem Bach nieder, rodeten Teile des Waldes und machten das Land urbar. Dadurch lässt sich auch der Ortsname Rodenbach erklären, der sich dann im Laufe der Zeit in Röttenbach änderte. Weite Sumpfgebiete auf den undurchlässigen Lettenschichten der Keuperstufe ließen nur eine wenig ertragreiche Landwirtschaft zu. Im Laufe der Jahrhunderte kultivierten die Bewohner die Sümpfe, es entstanden die vielen Weiherketten, die die Wälder teilten und von Norden, Osten und Westen auf Röttenbach zustreben und teilweise noch heute durchziehen.

Im 13. Jahrhundert nahm eine Linie der Truchseß von Pommersfelden, sie nannte sich später Truchsess von Röttenbach, das Gebiet in Besitz und gründete Röttenbach. Verkaufsurkunden belegen, dass Höfe und Güter Grundherren gehörten und mehrmals ihre Besitzer wechselten. 1322 ging ein Gutshof an den Abt des Klosters Michaelsberg, 1329 ein anderer an den Amtmann auf der Nürnberger Burg. 1476 veräußerte das Bamberger Kloster seinen Hof an Christof Truchsess in Röttenbach.

Der Haupthof des Ortes, aus dem das spätere Rittergut entstand, ist erstmals 1433 in einem Bamberger Lehenbrief für Peter und Veit Truchsess erwähnt. Auf diesem Hof, heute Brauerei Sauer, entstand ein Schloss, das mit einem Wassergraben gesichert war. Aufständische Bauern brannten im Bauernkrieg 1525 das Schloss nieder. Das Wohnhaus, später neu errichtet, blieb bis heute erhalten, ebenso wie ein fein aus Sandstein herausgearbeitetes Wappen aus dem Jahre 1591 an der Südwand der Brauerei. 1610 wurde der Besitz an die mit dem Truchsess verschwägerten Marschälle von Pappenheim verpfändet. 1710 fiel er an das Hochstift Bamberg. Teile der Güter und der Untertanen gehörten der Reichsstadt Nürnberg und den Freiherren Winkler von Mohrenfels (Hemhofen). In der Zeit Napoleons wurde Röttenbach 1803 der Krone Preußens zugesprochen, kam aber schon 1810 wie ein großer Teil von Franken zum Königreich Bayern.

Katholische Pfarrkirche St. Mauritius, erbaut ab 1844

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die meisten Bewohner arm und lebten meist als Tagelöhner. Ein geringer Nebenverdienst war für viele das Sammeln von Pilzen und Beeren, „Butzeln“ (Kiefernzapfen), Seerosen und Sonnentau. Ihre größtenteils aus Naturprodukten bestehenden Waren brachten sie nach Erlangen und verkauften sie dort. Andere fuhren durch Süddeutschland, in die Schweiz und nach Österreich und vertrieben den für die Region berühmten Kren. Dieser Händlersinn bildete in den schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufstieg. Die geduckten Bauernhäuser im fränkischen Fachwerkstil verschwanden und wurden durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Dadurch sind an historisch wertvollen Gebäuden nur das Forsthaus mit Fachwerkscheune und -schuppen und das Pfarrhaus erhalten geblieben, beide im barocken Stil.

Im Jahr 1972 kam die Gemeinde Röttenbach im Zuge der Gebietsreform von Oberfranken nach Mittelfranken, dorthin strömten auch die meisten Röttenbacher. Im Gegenzug kamen auch immer mehr Neubürger aus der Metropolregion Nürnberg-Erlangen-Fürth in das damals noch beschauliche Dorf. Röttenbach wuchs rasch und nahm seine heutige Gestalt an. 1980 wurde die kurze Zwangs-Verwaltungsgemeinschaft mit Hemhofen wieder aufgelöst.

Im Januar 2016 wurde Röttenbach für das langjährige Engagement im Bereich fairer Handel offiziell als Fair-Trade-Gemeinde ausgezeichnet[2].

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung seit 1840

Röttenbach hatte bis in die 1940er Jahre noch weniger als 1000 Einwohner. Erst danach stieg die Einwohnerzahl stark an.

  • 1961: 1592 Einwohner
  • 1970: 2040 Einwohner
  • 1991: 4530 Einwohner
  • 1995: 4784 Einwohner
  • 2005: 4654 Einwohner
  • 2010: 4630 Einwohner
  • 2015: 4699 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Röttenbach hat 16 Mitglieder, dazu kommt noch der hauptamtliche Bürgermeister.

CSU SPD Freie Wähler Röttenbach e.V. (FW) Unabhängige Röttenbacher (UR) Gesamt
2008 4 5 5 2 16 Sitze
2014 4 4 8 - 16 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Über gekürzter und eingeschweifter blauer Spitze, darin ein goldener Karpfen, gespalten, vorne in Silber ein rotes Mauritiuskreuz, hinten in Silber ein mit zwei roten Balken belegter, aus dem Schildrand hervorbrechender, golden bewehrter und golden gekrönter blauer Löwe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Röttenbach-Lied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röttenbach du liegst im schönen Frankenland
wer dich kennt der ist von deinem Reiz gebannt.
Große Wälder rahmen deine Weiherketten ein,
Hier kann jeder leben und zufrieden sein.
Hier kann jeder leben und zufrieden sein.

Wo am Waldesrand so gelb der Ginster blüht,
Unsre Ahnen haben sich damit gemüht,
Ihre Besen machten Röttenbach bekannt.
Besenbinder heißen wir in Stadt und Land
Besenbinder heißen wir in Stadt und Land

Röttenbacher zogen immer in die Welt,
volle Huckelkörbe machten sie zu Geld
Früher waren‘s Weiherhenkeli und Kre,
heut sind‘s Gartenblumen und Gesundheitstee,
heut sind‘s Gartenblumen und Gesundheitstee.

Heutzutage ist Röttenbach ein stolzer Ort,
wer hier länger lebte zog nur ungern fort.
Viele Neue bauten sich hierher ihr Haus,
sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus,
sie zog aus der engen Stadt zu uns heraus

In die Zukunft wollen wir gemeinsam geh‘n,
als Nachbar und Freunde fest zusammen steh‘n
Jeder fühle sich hier wohl von groß bis klein,
Röttenbach kann jedem teure Heimat sein,
Röttenbach kann jedem teure Heimat sein.[3]

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röttenbach ist Teil der Sandachse Franken und hat zahlreiche kleinflächige Magerrasenflächen, Sandäcker und trockene Waldränder, die zahlreichen spezialisierten Tieren als Lebensraum dienen.[4] Ein markanter Bestandteil des Röttenbacher Umlandes sind außerdem die vielen Weiherketten.

Weiher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil des Aischgrundes ist Röttenbach geprägt von vielen Teichen und Weihern. Diese wurden bereits vor 500 bis 700 Jahren angelegt und bilden bis heute die charakteristischen Weiherketten. Die Teichwirtschaft, speziell die Karpfenzucht hat somit eine lange Tradition und ist ein wichtiger wirtschaftlicher und kultureller Faktor.[5]

Die vielen Weiherketten im gesamten Aischgrund sorgen für eine weiträumige Biotopvernetzung. Sie bilden den Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, etwa für die gemeine Moosjungfer und den Moorfrosch. Außerdem regulieren die Teiche als Speicher den Wasserkreislauf, indem Wasser in der niederschlagsarmen Zeit zurückgehalten wird und der Abfluss bei Hochwasser gemindert wird.[6]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Röttenbach gibt es zwei Kindergärten (in katholischer bzw. evangelischer Trägerschaft) mit Krippenangebot sowie eine Grund- und Hauptschule, in der alle Klassen unterrichtet werden. Angeboten werden eine professionelle Mittagsbetreuung, eine offene Ganztagsschule und auch eine gebundene Ganztagshauptschule.

Die Gemeinde unterhält außerdem eine eigene Bücherei.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Röttenbach aus lassen sich die A 3 über Dechsendorf sowie die A 73 über Baiersdorf innerhalb weniger Minuten erreichen, im Norden verläuft die B 470. In Röttenbach hält außerdem die Buslinie 205 des VGN.

Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende 2007 ist im gesamten Gemeindegebiet DSL mit Geschwindigkeiten in Höhe von 6 bis 16 Mbit/s verfügbar. 2013 wurden die DSLAMs mit neuen Glasfasern versorgt. Dadurch ist es möglich, die Downloadgeschwindigkeit innerhalb von 2 Jahren etappenweise auf bis zu 100 Mbit/s zu erhöhen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. nordbayern.de, Nürnberg, Germany: Röttenbach darf sich „Fair Trade-Gemeinde“ nennen - Höchstadt - nordbayern.de. Abgerufen am 15. Mai 2017.
  3. http://stammtisch1979.beepworld.de/heimatlied.htm
  4. Sandachse Franken: Projektgebiete
  5. https://www.roettenbach-erh.de/karpfenfuhrer/geschichte/karpfenfuhrer/
  6. https://www.roettenbach-erh.de/karpfenfuhrer/geschichte/karpfenfuhrer/karpfen-natur.html
  7. Gemeinde Röttenbach DSL Ausbau – 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Röttenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien