San Marzano di San Giuseppe

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt San Marzano di San Giuseppe in Italien. Für weitere Bedeutungen siehe San Marzano (Begriffsklärung).
San Marzano di San Giuseppe
Wappen
San Marzano di San Giuseppe (Italien)
San Marzano di San Giuseppe
Staat Italien
Region Apulien
Provinz Tarent (TA)
Koordinaten 40° 27′ N, 17° 30′ OKoordinaten: 40° 27′ 0″ N, 17° 30′ 0″ O
Höhe 134 m s.l.m.
Fläche 19 km²
Einwohner 9.282 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 489 Einw./km²
Postleitzahl 74020
Vorwahl 099
ISTAT-Nummer 073025
Volksbezeichnung Sammarzanesi
Schutzpatron Heilger Josef von Nazaret (19. März)
Website San Marzano di San Giuseppe
Blick aus San Marzano di San Giuseppe
Blick aus San Marzano di San Giuseppe

San Marzano di San Giuseppe (in Arbëresh, IPA: [ar'bəreʃ]: Shën Marcani; im regionalen Dialekt um Brindisi: Sa’Mmarzanu) ist eine südostitalienische Gemeinde mit 9282 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der Provinz Tarent in Apulien. Zusammen mit Casalvecchio di Puglia (in Arbëresh: Kazallveqi) und Chieuti (in Arbëresh: Qefti) ist San Marzano di San Giuseppe ein altes albanisches Zentrum der Region.

Da San Marzano fast immer im Besitz von albanischen Familien war, die die Erhaltung der Erinnerung der Ahnen anstrebte, ist San Marzano heute der einzige Ort unter den insgesamt 14 von Albanern gegründeten Orten (Belvedere (erloschen), Carosino, Civitella (erloschen), Faggiano, Fragagnano, Monteiasi, Montemesola, Monteparano, Roccaforzata, San Crispieri (heute eine Fraktion von Faggiano), San Giorgio, San Martino (erloschen) und Santa Maria della Camera (heute ein Teil von Roccaforzata)) in der „Albania Tarantina“ (tarentinisches Albanien), die außer der konservativen vor-osmanischen albanischen Sprache (Gluha Arbëreshë), die Sitten und die Kultur des Herkunftslandes bewahrt.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

San Marzano di San Giuseppe liegt auf der Hochebene eines Kalksteinhügels der Murge Tarantine auf einer Höhe von 134 m ü.M. Die Gemeinde liegt zwischen den benachbarten Städten Sava, Fragagnano und Francavilla Fontana etwa 23 Kilometer östlich von Tarent, 20 Kilometer südöstlich vom Ionischen Meer, 56 Kilometer westlich von Lecce im südlichen Salento und grenzt unmittelbar an die Provinz Brindisi.

Seismische Aktivität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der italienischen Klassifizierung bezüglich seismischer Aktivität wurde San Marzano di San Giuseppe der Zone 4 (in einer Skala von 1 bis 4) zugeordnet.[3][4][5]

Die Herkunft des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Herkunft des Namens gibt es keine eindeutige Erklärung. Einerseits wird behauptet, dass der erste Teil des Ortsnamens „San“ aus dem Griechischen stammt und „Bauer“ bedeute. Es wäre für „Casali“[Anm. 1] benutzt worden, um das Handwerk desjenigen anzugeben, der dort lebte.[6] Andererseits deute „San“ auf die Christianisierung des ersten römischen Zentrums einer heidnischen Gottheit (Mars) hin.[7]

Masseria Casa Rossa mit typischem albanischen Schornstein

Neuere Studien behaupten, dass der Name „Marzano“ von der römischen Sippe „Marcia“ herrührt, die sich zur Zeit des Römischen Reiches in diesem Gebiet niedergelassen hatten und „Praedia“ (Besitztümer) in der Nähe der „Masseria Casa Rossa“ hatten. Eine weitere Vermutung ist, dass (San) Marzano von Marcus aus der Familie Marcia abstammt, was in Terra d’Otranto auch von anderen Ortsnamen und Grabinschriften bezeugt wird. Im Mittelalter erscheint der Ortsname „Sancti Marzanus“ oder „Sanctus Marzanus“, was auf den ursprünglichen Namen „Martianum“ und nicht „Marcianum“ deutet.[7]

Nach der Vereinigung Italiens wurden die Bürgermeister der Gemeinden des italienischen Königreichs mit gleichen Namen durch ein königliches Dekret aufgerufen, diese mit einem Suffix zu charakterisieren, das sich mit dem Leben der Bevölkerung identifiziert. Am 7. September 1866 verfügte der Bürgermeister von San Marzano, Francesco Paolo Cavallo, dass der mittelalterliche Ortsname „Sanctus Marzanus“ aufgrund der Verehrung des Heiligen Josef von Nazaret fortan San Marzano di San Giuseppe heißen sollte, um ihn von San Marzano sul Sarno und San Marzano Oliveto zu unterscheiden.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

San Marzano im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist bekannt, dass das Gebiet von San Marzano di San Giuseppe im Mittelalter bewohnt war. Durch die ständigen Überfälle der Sarazenen, die vom 8. Jahrhundert bis ca. zum Jahr 1000 dauerten, zogen sich die Bewohner in die in der näheren Umgebung verstreuten Höhlen und in die Nachbargemeinden im Hinterland, wo sie sicherer leben konnten.[8]

Es gibt fast keine Angaben über die feudale Nachfolge des Borgos (Singular: Borgo, Sammlung von mehr Häusern)[9] San Marzano in den Jahrhunderten vor der Ankunft der Albaner.[10] Das älteste Dokument, das dieses Gebiet erwähnt ist aus dem Jahr 1196 als das antike „Castrum Carrellum“ (befestigte Struktur) mit dem angrenzenden Gebiet „Caprarica“ in Verbindung gebracht wurde.[11] Ein weiteres Dokument von San Marzano ist eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1281 von Andrea, Soldat und Inhaber der befestigten Struktur „Castrum Carrellum“, an den Klerus von Tarent. 1304 wurde Egidio de Fallosa, Besitzer des „Tenimentum Sancti Marzani“ (Landgut Sancti Marzani), von der angevinischen Kanzlei aufgefordert, den Zehnten an den Klerus von Oria zu bezahlen.[12] 1329 wurde das „Casale“ an Giovanni Nicola De Tremblaio belehnt.[6] Ein Dokument aus dem Archiv von Neapel aus dem Jahr 1378 berichtet, dass der Lehnsherr von San Marzano Graf Guglielmo de Vicecomite war[12], der weitere Güter in den Casali von Lizzano, San Paolo, Mandurino und Sant'Erasmo besaß.

Später als das Casale zum Fürstentum Tarent gehörte, war es ein verfallenes Casale und lag an den Grenzen des Fürstentums. Fürst Giovanni Antonio Orsini del Balzo übergab es als Lehnsgut an Ruggero Taurisano, damit dieser es neu besiedelte. Als seine Tochter Delizia (auch: Adelizia) Roberto aus Monterone heiratete und das Casale als Mitgift in die Ehe brachte, war es menschenleer.[8] Roberto bemühte sich darum, es wiederzubesiedeln und brachte es zu neuem Leben.[6] Am 31. Januar 1461 wurde das Casale San Marzano mit königlicher Einwilligung von Delizia an den Sohn Raffaele verschenkt, dem der Sohn Roberto folgte[12], der sich um die Wiederbelebung des Casales bemühte.[8] Die historischen Bedingungen sahen ihn in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in den Aufstand der lokalen Barone (1459-1462) gegen den König von Neapel, Ferdinand I., verstrickt. Des Verrates angeklagt, ging das Casale, wie das Fürstentum Tarent, nach dem Tod seiner Frau und Erbin des Fürstentums, Isabella von Clermont, 1465 an das Königreich Neapel.[8]

Demetrio Capuzzimati und die albanische Siedlung (1530)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungefähre Lage von Albania Tarantina

Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts wurden viele zerstörte „Casali“, die in der „Albania Tarantina“ (im östlichen Teil der heutigen Provinz Tarent gelegen) von den albanischen Soldaten Georg Kastriota Skanderbegs während des Aufstandes der lokalen Barone (1459–1462) selbst zerstört worden waren von Albanern wieder aufgebaut und besiedelt. Sie waren vor der osmanischen Invasion geflohen und von den aragonesischen Herrschern in Erinnerung an die erhaltene Hilfe gnädig aufgenommen worden.[6]

1504 kaufte Francesco Antoglietta, 3. Baron von Fragagnano, das unbewohnte Lehnsgut San Marzano[13] Es ist historisch bewiesen, dass sich bereits um 1508 in San Marzano einige korfiotische und epirotische Familien aus dem nahe gelegenen Ort Fragagnano im abschüssigen Örtchen von San Marzano niedergelassen hatten, da sie mit der einheimischen Bevölkerung von Fragagnano in Zwist geraten waren.[14] Das Vorhandensein dieser ersten kleinen Gemeinde könnte die Konformation des ersten städtischen Gefüges des „Casale“ nach 1530 erklären.[15]
Es gibt wenig Hinweise auf die erste Besiedlung von San Marzano. Nur aus einem Inventar der Vermögenswerte der Universität (in Süditalien von 1266 bis 1807 Name für eine gewissermaßen selbständige Gemeinde) von Tarent aus dem Jahr 1528 ergeht, dass San Marzano „per servicio Cesareo“ (für königlichen Dienst) zehn „Salme“[Anm. 2] Stroh bezahlen musste.[16]

Am 27. Juli 1530 wurde das königliche Lehnsgut San Marzano vom Vizekönig von Neapel, Kardinal Pompeo Colonna[14], an den Kapitän albanischer Herkunft, Demetrio Capuzzimati (italienisierter Nachname, der auf Albanisch „großer Schuh“ bedeutet)[17] für 700 Dukaten verkauft.[12] Capuzzimati hatte an den italienischen Kriegen gegen Franz I. von Frankreich verdienstvoll teilgenommen.[6]

Palazzo Capuzzimati mit Chiesa San Gennaro aus dem 16. Jahrhundert

Capuzzimati, 1. Baron von San Marzano, erhielt weitreichende Befugnisse und Amtsgewalt, Steuerbefreiung für zehn Jahre mit der Bedingung, dass er das menschenleere Gebiet von San Marzano mit Fremden aus Epirus, „die nicht irgendwo im Königreich Neapel registriert waren“, besiedelte. Am 8. November desselben Jahres erwarb Capuzzimati vom Klerus der Kathedrale von Tarent in Erbpacht auch das Lehen „Rizzi“, das an das mittelalterliche San Marzano grenzte.[8] Für diese Konzession sollte Capuzzimati jährlich 50 Dukaten in Silbercarlini (mittelalterliche Münze im Königreich Neapel) an den tarentinischen Klerus bezahlen. Aus der Verschmelzung der beiden Lehen entstand das aktuelle San Marzano. Capuzzimati begann sofort mit dem Bau des feudalen Palastes auf der Grenzlinie der beiden Lehen. Die Grenze befand sich genau zwischen den Türflügeln des antiken Eingangstores.[12] Auf dem Gebiet „Rizzi“ befand sich das mittelalterliche „Castrum Carrellum“.[11]

Ab diesem Zeitpunkt begann die Ansiedlung des albanischen Volkes, das in die neue Heimat Bräuche, Sprache und den orthodoxen Glauben brachten, die jahrhundertelang die charakteristischsten Elemente dieser Siedlung sein sollten.[6]
Auf der einen Seite befand sich eine kleine Häusergruppe hinter den heutigen Straßen Via Cisterne, Via Trozzola und vielleicht auch ein Teil der Straßen Via Vignale und Via Garibaldi. Auf der anderen Seite befand sich der Hauptteil des historischen Zentrums zwischen den heutigen Straßen Via Addolorata und Via Casalini mit einem Zugang zum Palazzo Capuzzimati von rechts und von links.[15] Die beiden bewohnten Ortsteile waren getrennt durch den Park des Barons Capuzzimati, durch Oliven- und Traubenhaine, die bis zum Kirchplatz der heutigen Mutterkirche reichten. Diese Haine standen noch nach der italienischen Vereinigung.[16]

Aus einem Bericht aus dem Jahr 1630 ergeht, dass „die Häuser sich um den Baronspalast befinden, dass vor allem die Häuser im Lehnsgut Rizzi gut verteilt und die meisten mit Flachdach seien. Außerdem wäre der Ort sowohl im Sommer wie auch im Winter gut zu begehen.“[Anm. 3][16]

Während der Herrschaft von Demetrio Capuzzimati entwickelte sich San Marzano zunehmend zu einem der fruchtbarsten Zentren des griechisch-orthodoxen Ritus der „Albania Tarantina“.[6]

Nach dem Tod von Demetrius im Februar 1557 wurde das Lehen vom ältesten Sohn Caesare und dann 1595 von Demetrio junior, Sohn von Caesare, geerbt.[12][8] 1630 enteignete die Regia Camera della Sommaria (Königliches Verwaltungs-, Rechts- und Beratungsorgan) dem überschuldeten Demetrio das Lehen und versteigerte es 1639. Neuer Besitzer wurde der aus Spanien stammende Francesco Lopez, der es für 20.000 Dukaten kaufte.[18]

Nach dem Bericht des „Tavolario“[Anm. 4] Scipione Paterno vom 8. Juli 1633 grenzte das „Casale“ San Marzano im Osten an das Land von Francavilla, im Westen an das „Casale“ Fragagnano und im Norden an San Giorgio.[19]

Die Markgrafschaft San Marzano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. April 1645 wurde Francesco Lopez für sich und seine Nachkommen vom spanischen König von Neapel, Philipp III., mit dem Titel eines Markgrafen beehrt. Das Gebiet von San Marzano war somit vom Baronat zur Markgrafschaft erhoben worden. Als dieser am 30. Juni 1657 starb, erbte das Lehen sein Sohn Diego, dem 1672 sein erstgeborener Sohn Francesco folgte. Da dieser keine Erben hatte, ging die Markschaft an seinen Bruder Giuseppe, der mit Elena Kastrioti, Nachkomme der direkten Linie von Georg Kastriota Skanderbeg, verheiratet war. Da das Paar keine Kinder hatte, versuchte der königliche Hof nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1699 das Lehen zu beschlagnahmen. Elena widersetzte sich und bot eine Transaktion von 5000 Dukaten an, die die Regia Camera della Sommaria am 7. Juli 1700 akzeptierte.

Als Elena 1709 starb ging das Lehen nach testamentarischen Wünschen derselben an den Großneffen Giorgio Kastrioti Skanderbeg. Als auch dieser 1726 ohne Erben starb, ging das Lehen an Giovanna Kastrioti Skanderbeg, eine Tante väterlicherseits, die das Lehen 1744 ihrer Tochter Elena Sparano schenkte. Ehmann von Elena war Vincenzo Galluccio (auch Gallucci oder Galluzzi)[20] aus Galatina[2], Herzog von Tora.

In einem Dokument vom 17. August 1745 läuft das Lehen auf den ältesten Sohn von Elena, Francesco Galluccio, der das mütterliche Erbe bis zu seinem Tod im Jahr 1749 behielt. Ohne Erben zu hinterlassen, folgte ihm in der Erbfolge seine Schwester Caterina, die das Lehen 1753 ihrem Bruder Paolo übermacht, der es wiederum seiner minderjährigen Schwester Giovanna überschreiben ließ. Zur Eintragung in der Feudalliste von San Marzano schrieb für sie ihr Vater und Tutor Vincenzo an die Regia Camera della Sommaria.[18] Im Jahr 1755 geht das Lehnsgut an den Baron von Maglie, Giuseppe Pasquale Capece Kastrioti (1708-1785)[Anm. 5][21], der der Familie Galluccio 11.000 Dukaten dafür bezahlt.[2] 1785 folgte ihm sein Enkel Nicola und nach seinem Tod im Jahr 1791 dessen Schwester Francesca Maria Capece Kastrioti, Herzogin von Taurisano. Nach dem Tod von Nicola wandte sich der Marquis Filippo Bonelli von Trani an den Sacro Regio Consiglio (Rechtsorgan mit kollegialer Zusammensetzung des Königreiches Neapel) gegen die Ernennung von Francesca Maria als Marchesa von San Marzano und verlangte den ihm zustehenden Teil des Lehnsguts der erblichen Linie von Elena Kastrioti. Die Ansprüche des Bonelli setzten mit seinen Erben fort. Nach 15 Jahren, am 14. April 1806, wurde dem Sohn Pasquale der Titel Marquis von San Marzano anerkannt. Ihm folgte im Titel sein Sohn Pasquale und dann sein Enkel Raffaele, der der letzte Marquis von San Marzano war.[22]

1929 verkaufte Raffaele Bonelli den Palazzo Marchesale und die Besitzungen des Lehnsguts an Angelo Casalini aus Francavilla Fontana, dessen Erben noch heute den Palazzo besitzen.[22]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papas Kola Cuccia aus Contessa Entellina in Sizilien
Arbëresh Hochzeit mit Austausch der Hochzeitskronen

Die Albaner brachten aus ihrem Geburtsland Südalbanien neben ihrer albanischen Sprache, ihren Sitten und Gebräuchen auch ihre Religion nach griechisch-orthodoxischem Ritus in die neue Heimat mit.

Gleich nach der Ankunft war jede Familie bestrebt, ihr Haus im Lehen Rizzi zu bauen (heute in Via Giorgio Castriota). Ein wenig unterhalb ungefähr da, wo heute die Kirche San Carlo Borromeo steht, wurde die Kirche des „Casale“ nach griechischem Brauch („more graeco“) gebaut und Santa Venera Parasceve gewidmet, deren Kult im Osten weit verbreitet ist.[23]

Obwohl Papst Paul III. den Albanern in Italien mit der Bulle von 1536 volle Anerkennung innerhalb des Katholizismus gab[24], ermutigte der Erzbischof von Tarent, Lelio Brancaccio, in seinem Besuch in der „Albania Tarantina“ im Jahr 1578 die griechisch-orthodoxen Gemeinden zum lateinischen Ritus überzugehen.

Am 4. Mai 1578 erhielt die griechisch-orthodoxe Gemeinde San Marzano ihren ersten Pastoralbesuch von Lelio Brancaccio,[2] der voreingenommen nach San Marzano kam. Aus einem Bericht aus dem Jahr 1575 an den Heiligen Stuhl in Rom ergeht, dass er „die Albaner von Tarent als Menschen ohne Glauben und ohne Gesetz“ definierte. Empfangen wurde er von Papas[Anm. 6] Demetrius Cabascia, der 1560 zwanzigjährig von einem vorbeiziehenden Metropolit ordiniert wurde.[2] Aus den Angaben von Brancaccio ergeht, dass Papas Cabascia die östliche Liturgie befolgte und das Sakrament nach diesem Ritual austeilte; die Heilige Liturgie an Sonn- und Feiertagen hielt, das Taufwasser am Vorabend der Epiphanie segnete und das Öl für die Ölung der Katechumenen[Anm. 7], wenn es benötigt wurde.[25] Seit mehreren Jahren bewahrte Papas Cabascia die „In coena Domini“ (lat.: ‚beim Mahle des Herrn‘) geweihte Eucharistie für Kranke und das Chrisma (geweihtes Salböl) auf.[2]
Die Gemeindemitglieder waren eifrig in den religiösen Praktiken, lebten im Einklang mit dem Ritual des Vaterlandes, spendeten der Kirche den Weizen für die Eucharistie, das Öl für die Lampe des Allerheiligsten, das Geld für das Wachs und sorgten für die Sittlichkeit des heiligen Ortes.
Die Hochzeitspaare heirateten mit dem Austausch der Kronen und nicht mit dem Austausch der Ringe. Alle (auch Kinder und Greise) beobachteten die lange Fastenzeit, in der die Verwendung von Fleisch, Milchprodukten und Öl bis Karsamstag untersagt war und nie wurden abwegige Verhalten registriert.[25]

Lelio Brancaccio forderte die Bevölkerung auf, dass es Zeit wäre den griechisch-orthodoxen Ritus zu verlassen und den römisch-lateinischen anzunehmen. Die einstimmige Antwort aber war, dass sie weiterhin nach der Religion ihrer Väter Leben wollte. Der Erzbischof, der überzeugt war, dass dies vor allem vom Papas abhing, drängte die jungen Kleriker das Seminar von Tarent zu besuchen, wo sie kostenlos empfangen wurden. Aus San Marzano erschienen nur zwei Kleriker (Aremiti Andrea und Zafiro di Alessandro Biscia), die kurz darauf ohne sich zu verabschieden, in ihren Heimatort zurückkehrten. [2] Brancaccio war sehr betrübt über diesen Vorfall und schrieb am 11. Mai 1875 an die Baronin von San Marzano, um die Gründe zu erfahren. Die Antwort ist unbekannt. Auch wenn es in den folgenden Jahren weitere Prälaten versuchten, die Bevölkerung zum Übertritt zu bewegen, hielt sich der griechisch-orthodoxe Ritus noch für viele Jahre.[26]

Erst 1617 baten die Sammarzanesi den Erzbischof von Tarent, Bonifacio Caetani, den Kleriker Donato Caloiro aus San Marzano nach römischem Ritus zu ordinieren, weil ein Papas nicht ausreichte, sich um die Seelsorge der Gemeinde zu kümmern.[27] Der Untergang des griechisch-orthodoxen Ritus in San Marzano und den umliegenden Arbëresh-Gemeinden begann mit dem Unterdrückungserlass aus dem Jahr 1622 durch den Erzbischof Antonio d'Aquino.[23]

Die erste Kirche von San Marzano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Santa Parasceva

Die erste Kirche mit Flachdach war Santa Venera Parasceve gewidmet und war in griechischem Stil ohne Ikonostase gebaut.[23] Die Wände waren mit orientalischen heiligen Ikonen bemalt.[25] Der Innenraum war in zwei Bögen unterteilt und der Hauptaltar befand sich drei Stufen höher. Über dem Altar befand sich das Tabernakel, wo das Allerheiligste in fermentiertem Brot aufbewahrt wurde. Der Altar war mit drei Tischdecken geschmückt und in einer Nische wurde das Heilige Öl aufbewahrt[23], das nicht jedes Jahr erneuert wurde, sondern, wenn es möglich war, d.h., wenn ein griechisch-orthodoxer Bischof vorbeikam.[28]

Die Kirche San Carlo Borromeo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde mit San Carlo Borromeo in der Mutterkirche von San Marzano di San Giuseppe
Kanzel, die bis in die 1960er Jahre in der Mutterkirche stand

Die heutige Kirche wurde Anfang des 16. Jahrhunderts nach dem Unterdrückungserlass von 1622 auf einem Teil der Fläche gebaut, wo zuvor die Kirche Santa Venera stand und San Carlo Borromeo gewidmet.

Aus der Beurteilung über San Marzano des „Tavolario“ Salvatore Pinto am 3. Dezember 1630 ergeht, dass in der Mitte des „Casale“ die Mutterkirche des Heiligen Carlo Borromeo steht und den Riten der Heiligen Kirche entsprach.
Die Kirche mit einem Kirchenschiff, einem Flachdach und gutem Design war bestückt mit einem Taufbecken, einer angemessenen Glocke und dem Altarsakrament. In einer Nische befand sich eine Kapelle mit einer Ikone von San Carlo Borromeo. Gegenüber dieser Kapelle befand sich die Kapelle mit einem Gemälde von der Jungfrau Maria vom Rosenkranz.
In der Kirche zelebrierten zu der Zeit ein Erzpriester und ein Kleriker, die mit einem geringen Gehalt lebten, der ihnen von der Universität von Tarent ausbezahlt wurde.[29]

Scipione Paterno, „Tavolario“, der San Marzano am 8. Juli 1633 besuchte, beschrieb die einschiffige Mutterkirche San Carlo Borromeo mit reicher Ausstattung, Chor, Kanzel und Taufstein.[30]

Heute hat die Kirche eine rechteckige Struktur und ist durch schlanke Säulen, die auf Sockeln stehen, in drei Längsschiffe unterteilt. Während der Innenraum ein flaches Gewölbe hat, hat das Presbyterium eine Kuppel.

Im 20. Jahrhundert wurde die Kirche erheblichen Renovierungsarbeiten unterzogen. 1928 wurde der ursprüngliche typische orientalische Glockenturm um das Doppelte erhöht. Nach einer Gedenktafel wurde die baufällige Kirche renoviert und am 28. Oktober 1928 von Orazio Mazzella, Erzbischof von Tarent konsekriert. 1939 wurden die fünf Türme der Fassade abgerissen.[31] Der Hauptaltar, der 1978 erneuert wurde und seither in der Achse zum Haupteingang steht, wurde am 4. Dezember desselben Jahres von Guglielmo Motolese, Erzbischof von Tarent, konsekriert.[32] Ein neuer Altar wurde nach Restaurierungsarbeiten am 19. März 2017 von Monsignore Filippo Santoro, Erzbischof von Tarent, konsekriert.

Die Chiesa dell’Addolorata[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chiesa dell’Addolorata wurde mit der testamentarischen Hinterlassenschaft des Ehepaars Rosaria Cotugno und Pietro Greco im Jahr 1853 erbaut. Die Kirche hat eine einfache Struktur mit einem einzigen Kirchenschiff und einem Gewölbe aus Tuffstein aus der Gegend von San Marzano di San Giuseppe.
Die Kirche besteht aus vier seitlichen Bögen, die von acht Säulen in Mauerwerk gestützt werden. Jeder Bogen besteht aus einem Sterngewölbe. Gegenüber dem Eingang befindet sich der Altar in Mauerwerk und darüber ein Gemälde von dem Begräbnis von Jesu Christus. Überhalb befindet sich ein Chor, dessen Balkon auf das Innere der Kirche zeigt. Dort konnten die Ordensbrüder dem Gottesdienst beiwohnen, während das Erdgeschoss den Frauen reserviert war.[33]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Jahrzehnte nach der albanischen Ansiedlung ließt man in einem kleinen Atlas-Manuskript, dass es 1575 in San Marzano 74 „Fuochi[Anm. 8] (ca. 370 Personen) gab.[23]

In einem der ersten Dokumente des albanischen Casale aus dem Jahr 1581 bezüglich einer Transaktionsvereinbarung zwischen dem Baron Caesare Capuzzimati und den Bürgern von San Marzano liest man die Familiennamen der Familien, die in dem Gebiet angesiedelt waren und zum Teil noch heute vorhanden oder in umgewandelter Form rückführbar sind. Dies sind: Todarus Preite, Joannes Caloiarus, Andreas Araniti, Antonius Sassus, Lazzarus Lascha, Stasius Musciachius, Petrus Talò, Papari Mattheus, Duca Barci, Dima Raddi, Guido Borsci, Martinus Rocara, Giorgius Riddi, Antonius Magrisi, Coste, Capuzzimadi, Rasi Borgia u. a. mehr.[23]

Aus der Beurteilung über San Marzano des „Tavolario“ Salvatore Pinto am 3. Dezember 1630 ergeht, dass der Ort 53 „Fuochi“ (zirka 250 Personen) zählte.[29] Nach dem Bericht des „Tavolario“ Scipione Paterno vom 8. Juli 1633[34] wohnten in San Marzano 75 Familien[19] (Schiavoni und Albanesen)[35].

Aus einem Dokument von 1736 ergeht, dass der Ort 410 Personen zählte und 1921 waren es rund 3000 Einwohner.[36]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbindungen der Provinz Tarent

Wirtschaftlich ist die Gegend agrikulturell durch den Anbau von Wein und Oliven geprägt. San Marzano di San Giuseppe liegt etwas abseits, nördlich der SS 7 von Tarent nach Lecce. Der nächste größere Bahnhof befindet sich in Tarent.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Parocchia San Carlo Borromeo
  • Chiesa dell'Addolorata in Via Addolorata
  • Palazzo Capuzzimati (auch: Palazzo Marchesale, Palazzo Casalini) mit Chiesa San Gennaro in Largo Prete Welt-Icon
  • Skanderbegstatue in Via Piazza Milite Ignoto Welt-Icon
  • antike Arbëreshhäuser mit typischen albanischen Schornsteinen in Via Giorgio Castriota Welt-Icon
  • Santuario Madonna Delle Grazie in einer Seitenstraße der SP 86 in Richtung Grottaglie Welt-Icon
  • Trullo des Briganten Cosimo Mazzeo, genannt Pizzichicchio in Contrada Bosco, Strada comunale San Marzano - Oria, in Richtung Oria
  • Masseria Casa Rossa mit typischem albanischen Schornstein in Contrada Ficone; an der SP 86 in Richtung Sava, zirka 2 km von San Marzano di Giuseppe entfernt Welt-Icon

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 18. März: Heiliger Joseph von Nazareth mit Reisgiprozession (processione delle fascine) und „Zjar i Madhe“ (Arbëresh für großes Lagerfeuer), das größte andälteste in Italien
  • 19. März: Prozession des Heiligen Joseph von Nazareth mit anschließender Exposition der „Mattre“ (Arbëresh für Tafelrunde)
  • 2. Juli: Feier und Wallfahrt zum Heiligtum der Madonna delle Grazie

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Beziehung zum Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Demetrio Capuzzimati (†17. Februar 1557 in San Marzano di San Giuseppe), Kapitän albanischer Herkunft, Sohn eines Soldaten, der an der Seite Skanderbegs gegen einen von den französischen Anjou angeschürten Aufstand der lokalen Barone (1459–1462) kämpfte.[37]

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. a b c d e f g Casali Albanesi nel Tarentino, S. 53
  3. Seismische Klassifizierung von San Marzano di San Giuseppe, abgerufen am 27. Februar 2017
  4. Ordinanza PCM n. 3274 vom 20/03/2003
  5. Allgemeine seismische Klassifizierung für Italien, abgerufen am 27. Februar
  6. a b c d e f g San Marzano di San Giuseppe (TA) Shen Marcani. arbitalia.it, abgerufen am 8. März 2017 (italienisch).
  7. a b c Origine del toponimo. Sanmarzano-ta.gov.it, abgerufen am 8. März 2017 (italienisch).
  8. a b c d e f Casali Albanesi nel Tarentino, S. 52
  9. Lessicografia della Crusca in Rete. Lessicografia.it, abgerufen am 8. März 2017 (italienisch).
  10. Cenni storici. Sanmarzano-ta.gov.it, abgerufen am 8. März 2017 (italienisch).
  11. a b Cenni storici su San Marzano. Prolocomarciana.it, abgerufen am 10. März 2017 (italienisch).
  12. a b c d e f Cenni storici, S. 5
  13. Scipione Ammirato: Della famiglia dell'Antoglietta di Taranto. Georgio Marescotti, Florenz 1597, S. 38 (italienisch, Online-Version in der Google-Buchsuche).
  14. a b Marisa Margheria: San Marzano di San Giuseppe, comunità Arbëresh. Vatrarberesh.it, S. 5, abgerufen am 12. März 2017 (PDF, italienisch).
  15. a b Cenni storici, S. 11
  16. a b c Cenni storici, S. 12
  17. San Marzano di San Giuseppe, anima arbereshe. Salentoacolory.it, abgerufen am 9. März 2017 (italienisch).
  18. a b Cenni storici, S. 7
  19. a b Cenni storici, S. 13
  20. Familie Gallucio. Nobili-napoletani.it, abgerufen am 10. März 2017 (italienisch).
  21. Cosimo Giannuzzi, Vincenzo D'Aurelio: La Figura di Francesca Capece e l'Origine dell'Istruzione Pubblica a Maglie. Maglie 2009, S. 9 (italienisch).
  22. a b Cenni storici, S. 8
  23. a b c d e f Cenni storici, S. 6
  24. Giuseppe Maria Viscardi: Tra Europa e "Indie di quaggiù". Chiesa, religiosità e cultura popolare nel Mezzogiorno. Storia e Letteratura, Rom 2005, ISBN 88-8498-155-7, S. 377 (italienisch, Online-Version in der Google-Buchsuche).
  25. a b c Vincenza Musardo Talò, S. 27
  26. Casali Albanesi nel Tarentino, S. 54
  27. Vincenza Musardo Talò, S. 28
  28. Pietro Dalena, S. 63
  29. a b Vincenza Musardo Talò, S. 30
  30. Cenni storici, S. 14
  31. Chiesa San Carlo Borromeo. Prolocomarciana.it, abgerufen am 13. April 2017 (italienisch).
  32. Pietro Dalena; S. 64
  33. Chiesa dell' Addolorata. Prolocomarciana.it, abgerufen am 23. April 2017 (italienisch).
  34. Bullettino delle sentenze emanate dalla Suprema commissione per le liti fra i già baroni ed i comuni. Angelo Trani, Neapel 1810, S. 459 (italienisch, Online-Version in der Google-Buchsuche).
  35. Bullettino delle sentenze, S. 461
  36. Casali Albanesi nel Tarentino, S. 54
  37. Luigi Carducci: Storia del Salento: la terra d'Otranto dalle origini ai primi del Cinquecento : società, religione, economia, cultura. Congedo, Galatina 1993, ISBN 978-88-8086-015-0, S. 340 (italienisch).

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (Plural von Casale) ist die italienische Bezeichnung für ein Haus oder eine Häusergruppe auf dem Land.
  2. Eine Salma war ein Gewichtsmaß und entsprach 161,29 Kilogramm.
  3. ...sono generalmente case matte coverte a tetti, sono sì ben poste con buon ordine" e ci si può muovere per il paese attraverso "piane et ample strade nette e d'estate e d'inverno.
  4. Techniker (Ingenieure und Architekten), die im Königreich Neapel angewiesen wurden, genaue Karten des Gebietes wie Straßenhinweise, Gebäude und deren Besitzer zu erstellen.
  5. Giuseppe Pasquale Capece Kastrioti (1708-1785) heiratete 1742 Francesca Paladini. Ihr Sohn Nicola Senior (1743-1772) heiratete 1768 Maria Vittoria della Valle di Aversa. Das Paar hatte drei Kinder: Francesca (* 22. Oktober 1769 + 18. November 1848), Geronima (1771-1846) und Nicola junior (1772-1791), der nach dem Tod des Vaters geboren wurde.
  6. Weltgeistlicher in der orthodoxen Kirche
  7. [griech.], in der alten Kirche Bezeichnung für die Taufbewerber. Mit der Ablösung der Erwachsenentaufe durch die Kindertaufe verschwand das Katechumenat.
  8. Italienisch für Feuer; hier sind Familienhaushalte gemeint

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: San Marzano di San Giuseppe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien