Zutphen

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Gemeinde Zutphen
Flagge der Gemeinde Zutphen
Flagge
Wappen der Gemeinde Zutphen
Wappen
Provinz Gelderland Gelderland
Bürgermeister Arnold Gerritsen (D66)
Fläche
 – Land
 – Wasser
42,84 km²
40,94 km²
1,9 km²
CBS-Code 0301
Einwohner 47.016 (1. Apr. 2016[1])
Bevölkerungsdichte 1097 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 8′ N, 6° 12′ OKoordinaten: 52° 8′ N, 6° 12′ O
Bedeutender Verkehrsweg N314 N319 N345 N346 N348 N826
Vorwahl 0575
Postleitzahlen 7200–7207, 7230–7232
Website www.zutphen.nl/
Lage von Zutphen in den Niederlanden

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Zutphen ([ˈzʏtfə(n)], anhören?/i) (deutsch Zütphen) ist eine niederländische Gemeinde in der Provinz Gelderland mit 47.016 Einwohnern (Stand 1. Jan. 2014). Die Stadt war ein Mitglied der Hanse.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Zutphen umfasst die Stadt gleichen Namens und das zwei Kilometer östlich gelegene Dorf Warnsveld, das sich zu einem Vorort Zutphens entwickelt hat. Fast 30 Kilometer nordöstlich von Arnheim gelegen, mündet hier die Berkel in die IJssel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Zutphen existierte schon in der Römerzeit. Es war eine fränkische Siedlung, und es wurde ein Verwaltungszentrum einer hamaländischen Grafschaft in der Karolingerzeit. Kurz nach 882, als die damalige Siedlung während der Raubzüge der Wikinger in den Rheinlanden ausgeraubt wurde, legte man eine 10 Hektar große Ringwallburg an. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde im Auftrag des Kaisers Heinrich III. am Grafenhof eine 54 Meter lange Königspfalz gebaut, und der seit 1046 amtierende Herrscher der Stadt, Reichsbischof Bernold von Utrecht, gründete und baute eine neue Kapitelkirche, die heutige St. Walburgiskirche. Die Stadt war schon im 11. Jahrhundert von Bedeutung (unter anderem Münzprägung) und war eine Handelskonkurrentin von Deventer, das nur 15 Kilometer IJsselabwärts liegt. Zutphen war seit dem 13. Jahrhundert Mitglied der Hanse.[2] Seine Kaufleute betrieben Handel mit England, Flandern, Dänemark, den Ostseestädten und dem Baltikum. Zutphen war im Mittelalter eine Zeit lang die Hauptstadt einer niederländischen Grafschaft gleichen Namens (vom 9. bis 11. Jahrhundert eine Grafschaft am IJsselfluss (Iselgo, Islo); seit dem 12. Jahrhundert als Grafschaft Zutphen bezeichnet). Diese Grafschaft war seit 1339 Teil des Herzogtums Geldern. Ende des 14. / Anfang des 15. Jahrhunderts bildete sich in Zutphen eine Vroedschap, ein Collegium der reichsten und angesehensten Bürger, das dem Landesherrn Vorschläge für die Ernennung der Bürgermeister und der Ratsherren („Schepen“) der Stadt unterbreitete: ein frühes Beispiel wenn auch noch nicht für eine städtische Selbstverwaltung, so doch für ein gewisses Maß an Mitbestimmung des Patriziates. Außer in Zutphen, Nijmegen und Arnhem findet sich in den Niederlanden ein so frühes Mitspracherecht ansonsten nur in einigen holländischen Städten.[3]

Historische Karte von Zutphen (1649)
St. Walburgiskirche mit Stadtmauer

Der Achtzigjährige Krieg brachte Zutphen großes Elend.[4] Am 10. Juni 1572 wurde die bis dahin überwiegend noch katholische Stadt von den Protestanten erobert, die sofort einen Bildersturm trieben. Nur fünf Monate später, am 8. November, eroberten die Truppen des Herzogs von Alba sie wieder für die katholischen Spanier zurück. Dabei wurde ein Massaker angerichtet: Etwa 800 Männer in Zutphen wurden getötet. 1586 belagerten die Niederländer, unterstützt von englischen Hilfstruppen, die Stadt. Als sie versuchten, die Versorgung Zutphens zu unterbinden und einen Versorgungskonvoi angriffen, wurden sie am 22. September 1586 in der Schlacht bei Zutphen von den Truppen Alexander Farneses geschlagen. Im Folgejahr übergab ein britischer Offizier die von den Niederländern gehaltene Festung auf den linken IJsselufer („Grote Schans voor Zutphen“) ohne Not den Spaniern („Verrat der Zutphener Schanze“).[5] Erst 1591 konnte Moritz von Nassau Zutphen für die Niederlande zurückerobern.[6]

Seither ist Zutphen eine Provinzstadt, das Tor zur niederländischen Grenzregion Achterhoek. Im 19. Jahrhundert wurde die Industrie von Bedeutung, als Zutphen eine Eisenbahnverbindung mit Amsterdam und Arnheim erhalten hatte.

Die IJsselbrücken waren 1940 und 1945 Schauplatz heftiger Kämpfe im Zweiten Weltkrieg. Auch die Innenstadt erlitt dabei schwere Schäden. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden südlich des Stadtkerns ausgedehnte Neubauviertel.

Im Rahmen der Gemeindereform am 1. Januar 2005 wurde die ehemalige Gemeinde Warnsveld (9.037 Einwohner, Stand 2003) Teil der Gemeinde Zutphen.

Zutphen
Berkelpoort
Weinhausturm
Entwicklung der Einwohnerzahl

(jeweils 1. Januar)

  • 0900 – 00.500
  • 1150 – 01.000
  • 1200 – 01.500
  • 1300 – 06.000
  • 1450 – 04.500
  • 1550 – 04.500
  • 1600 – 02.000
  • 1650 – 07.000
  • 1795 – 07.500
  • 1830 – 10.000
  • 1860 – 15.500
  • 1900 – 17.500
  • 1940 – 20.500
  • 1960 – 25.000
  • 1970 – 27.000
  • 1980 – 31.767
  • 1990 – 30.996
  • 2000 – 35.165
  • 2003 – 36.696
  • 2005 – 46.219*
  • 2013 – 47.221

* ab 2005 einschließlich Warnsveld

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Innenstadt der Hansestadt Zutphen, deren Silhouette von vielen Türmen geprägt wird, besitzt viele historische Gebäude, darunter die mittelalterliche große
  • St. Walburgiskirche: Die Sammlung der historischen Bücherei (Librije) dieser Kirche besteht aus angeketteten Büchern aus den Jahren 1450 bis 1600.
  • Berkeltor: (um 1320) Eine Ruine des 'Berkeltores' überspannt den gleichnamigen Fluss in einem Stadtpark.
  • Drogenapsturm: (1444)
  • Bourgonjeturm: (1457)
  • Weinhausturm: (1618–1642)
  • Dominikanerkirche: (1300)
  • Neustadtskirche: (1250–1530)
  • etwa 300 Wohnhäuser aus dem 15.–18. Jahrhundert
  • Stedelijk Museum Zutphen: Das Stadtmuseum 'Stedelijk Museum Zutphen' bietet häufig Wechselausstellungen
Drogenapsturm

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden von Zutphen sind:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IJsselbrücke in Zutphen

Zutphen besitzt ein größeres Industriegelände westlich der Stadt, am Fluss, mit einem kleinen Binnenhafen. Dort ist unter anderem das Druckerei- und Verlegergewerbe und die Metallindustrie von Bedeutung.

Zutphen ist ein überregionales Bildungs- und Justizzentrum (mit Gefängnis). Die Stadt hat auch ein Krankenhaus sowie eine große psychiatrische Klinik.

Im Ortsteil Warnsveld wurde am 23. August 1944 mit 38,6 °C die höchste jemals in den Niederlanden gemessene Temperatur registriert.[7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1902 bis 1954 bestand eine Schmalspur-Straßenbahn-Verbindung nach Emmerich (→ Straßenbahn Zutphen–Emmerich).

Der Bahnhof Zutphen liegt an der InterCity-Strecke ZwolleDeventerArnheimNimwegen. Außerdem verkehren Lokalzüge nach Lochem, Hengelo, Winterswijk und Apeldoorn.

Zutphen verfügt über zwei Jachthäfen, den Gelrehaven und den Marshaven. Zudem gibt es einen historischen Hafen, den Houthaven für historische Schiffe. Für Wohnboote gibt es ebenfalls eine Reihe von Liegeplätzen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zutphen geboren
In Warnsveld geboren
Mit Zutphen verbunden
  • Die Gebrüder François und Pierre Hemony, lothringische Flüchtlinge, betrieben von 1640 bis 1657 eine bedeutende Glockengießerei in Zutphen. Nach ihnen ist die Hemonystraat benannt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Marskrater mit einem Durchmesser von 38 km wurde nach Zutphen benannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand April 2016Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983. S. 4.
  3. Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983. S. 23.
  4. Illustration von Frans Hogenberg von 1591: Deß Staten Volck mitt list verkleydt, Inn frauwen kleyder suchen weydt, Dem Vihe zum futter schneyden graß, ... (Digitalisat)
  5. Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983. S. 99.
  6. Illustration von Frans Hogenberg von 1591: Nach dem es mitt der Schantz geluckt, Vor Zutphen seind sie fort geruckt, ... (Digitalisat)
  7. KNMI: Tropische dagen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zutphen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Zutphen – Reiseführer