Altdorf UR

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UR ist das Kürzel für den Kanton Uri in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Altdorf zu vermeiden.
Altdorf
Wappen von Altdorf
Staat: Schweiz
Kanton: Uri (UR)
Bezirk: (Der Kanton Uri kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1201i1f3f4
Postleitzahl: 6460
UN/LOCODE: CH ARB
Koordinaten: 691529 / 19288946.8808268.639446458Koordinaten: 46° 52′ 51″ N, 8° 38′ 22″ O; CH1903: 691529 / 192889
Höhe: 458 m ü. M.
Fläche: 10.23 km²
Einwohner: 9000 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 880 Einw. pro km²
Gemeindepräsidentin: Christine Widmer Baumann (CVP)
Website: www.altdorf.ch
Sicht auf Altdorf vom Kapuzinerkloster

Sicht auf Altdorf vom Kapuzinerkloster

Karte
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Altdorf, Kirchenviertel

Altdorf (in einheimischer Mundart (z/uf) Alteref [(ʦ/uf) ˈɑ̝ˑɫtəɾəf])[2][3] ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Schweizer Kantons Uri.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Altdorf gleicht demjenigen der deutschen Stadt Altdorf bei Nürnberg, mit der es eine Städtepartnerschaft unterhält.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ortskern von Altdorf liegt auf 458 m ü. M. in der Reussebene, wenig oberhalb der Mündung der Reuss in den Urnersee.

Zur Gemeinde gehört neben dem Dorf auch die Streusiedlung Eggbergen (1410–1'678 m ü. M.) am Westhang der Höch-Egg (1'785 m ü. M.).

235 ha oder 23,0 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind 116 ha Gebäude- und 27 ha Industrieareal sowie 69 ha Verkehrsfläche. Etwas umfangreicher ist die Landwirtschaftsfläche mit 367 ha oder einem Anteil von 35,9 %. Darunter befinden sich keine Alpgebiete. Dagegen sind 360 ha Wies- und Ackerland. Ausserdem sind 402 ha oder 39,3 % von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet umfasst den kleinen Rest des Gemeindegebiets, genauer 19 ha oder 1,9 %.

Die westliche Gemeindegrenze bildet die Reuss. Kurz vor ihrer Einmündung in den Urnersee dreht die Gemeindegrenze nach Nordosten, umschliesst in einem Halbrund die Streusiedlung Eggbergen und geht zur Höchegg. Von dort verläuft sie in südlichen Richtungen bergab bis kurz vor den Schächen(-Bach). Und schliesslich nördlich des Bachs in westlicher Richtung zurück zur Reuss. Durch die Gemeinde fliesst der Altdorfer Dorfbach.

Altdorf grenzt im Westen an Attinghausen und Seedorf, im Norden an Flüelen, im Osten und Süden an Bürglen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1837 1903
1850 2112
1880 2906
1888 2542
1920 4163
1930 4240
1950 6576
1970 8647
1980 8230
1990 8282
2000 8541
2005 8615
2010 8861

Die Einwohnerzahl erreichte um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Marke von 3000 Personen. Beim Franzosenüberfall (Errichtung der Helvetischen Republik 1798) erlitt das Dorf wegen des heftigen Kampfes gegen die fremden Truppen einen massiven Bevölkerungsrückgang als Folge des Einäscherns des Wohnungsbestands. Teile der Bevölkerung verliessen Altdorf und liessen sich in Nachbargemeinden nieder. In der Ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stagnierte die Einwohnerzahl. Danach wuchs sie bis 1880 stark an (1850–1880: +37,6 %). In den 1880er-Jahren schrumpfte sie massiv wegen der Wirtschaftskrise und dem darauf folgenden Einbruch des weit verbreiteten Heimgewerbes um 12,5 %. Zwischen 1888 und 1920 folgte ein grosser Wachstumsschub (1888–1920: +63,8 %). Gründe hierfür waren der Anschluss an die Bahn (Gotthardlinie) und die Ansiedlung von Industrie. Nach einer Stagnationsphase in den 1920er Jahren kam es zwischen 1930 und 1970 zu einem erneuten Wachstumsschub (1930–1970: +103,9 %). Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich also. Viele Leute aus dem oberen Kantonsteil und aus dem Ausland wanderten in dieser Zeit zu. In der Zeit der Erdölkrise in den 1970er-Jahren verliessen etliche ausländische Bewohner den Ort wieder (1970–1980: −4,8 %). Doch seit 1990 ist wiederum ein kleiner Wachstumsschub zu beobachten, so dass die heutige Einwohnerzahl wieder nahe dem Rekord von 1970 liegt.

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache Schweizerdeutsch (oft mit Urner Dialekt). Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 88,27 % Deutsch, 4,20 % Serbokroatisch und 2,48 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 6701 Personen waren katholisch (78,46 %). Daneben gab es 7,19 % evangelisch-reformierte und 3,56 % orthodoxe Christen, 4,50 % Muslime und 2,96 % Konfessionslose. 221 Personen (2,59 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 8615 Bewohnern waren 7424 (86,18 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Italien, der Türkei, Serbien-Montenegro, Kroatien, Deutschland und Sri Lanka. Bei der Volkszählung 2000 waren 7145 Personen (83,66 %) Schweizer Bürger; davon besassen 274 Personen eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Personen mittleren Alters (30–59 Jahre; 41,48 %). Der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren von 22,71 % der Ortsbevölkerung liegt leicht unter dem Anteil der Personen im Seniorenalter (60 Jahre und älter; 23,25 %). Auffallend ist die geringe Anzahl der Bewohner im Schulalter und der hohe Anteil von jüngeren Senioren zwischen 60 und 79 Jahren.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 646 896 398 1072 1935 1608 1497 489
Anteil 7,56 % 10,49 % 4,66 % 12,55 % 22,66 % 18,83 % 17,53 % 5,73 %

Politik[Bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten]

Das gesetzgebende Organ der Gemeinde Altdorf ist die offene Dorfgemeindeversammlung, welche zweimal jährlich stattfindet.

Exekutive[Bearbeiten]

Als ausführendes Organ (Exekutive) leitet der siebenköpfige Gemeinderat die Geschicke der Gemeinde. Der Vorsteher des Gemeinderates (Gemeindepräsident) ist Gemeindepräsidentin Christine Widmer Baumann (Stand 2011).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 gab es 49 Landwirtschafts- und Forstbetriebe, die 137 Arbeitsstellen anboten. Industrie und Gewerbe beschäftigten in 77 Arbeitsstätten 1748 Personen, der Dienstleistungsbereich in 403 Betrieben 3585 Personen (Beschäftigung auf Vollzeitstellen umgerechnet). Die Volkszählung 2000 ergab 52 Landwirtschafts- und Forstbetriebe mit 187 Beschäftigten. Die Betriebszählung 2001 kam auf 84 Industrie- und Gewerbebetriebe mit 1886 und 394 Dienstleistungsunternehmen mit 3230 Beschäftigten. Von den im Jahr 2000 4256 erwerbstätigen Personen Altdorfs arbeiteten immerhin 2618 (61,51 %) in der eigenen Gemeinde. Insgesamt bot der Ort 6392 Menschen Arbeit an, von denen nur 2618 (40,96 %) Einheimische waren.

Die 1638 Wegpendler verrichten ihre Arbeit grösstenteils in anderen Gemeinden des Kantons Uri. Darunter arbeiteten 409 Personen in Schattdorf, 161 in Bürglen UR, 134 in Erstfeld, 98 in Flüelen, 36 in Seedorf UR, je 27 in Attinghausen und Gurtnellen und 21 in Silenen. Es gab auch eine grosse Zahl von Pendlern in andere Kantone. Bedeutendste Arbeitsorte ausserhalb Uris waren die Stadt Luzern (117 Personen), die Gemeinde Schwyz (91), die Stadt Zug (62), Nidwaldens Hauptort Stans (34), die Stadt Zürich (34), Ingenbohl (26), Emmen (24) und Kriens (beide Kanton Luzern;19). Es gab aber noch mehr Zupendler, nämlich 3774 Personen. Diese kamen hauptsächlich aus den anderen Gemeinden des Kantons Uri. Die grösste Anzahl stellte Schattdorf (916 Menschen), gefolgt von Bürglen UR (552), Erstfeld (390), Seedorf UR (298), Flüelen (281), Attinghausen (249), Silenen (214), Spiringen (113), Unterschächen (106), Isenthal (55), Gurtnellen (46), Bauen UR (39) und Göschenen (34). Aus anderen Kantonen gab es relativ wenig Zupendler. Grössere Kontingente stellten nur die Schwyzer Gemeinden Schwyz (39 Personen) und Ingenbohl (35).

Geschichte und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

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Altdorf um 1900

Einzelfunde auf dem Gemeindegebiet von Altdorf gehn bis in die Bronzezeit zurück und häufen sich ab der späten La-Tène-Zeit. Die Anwesenheit von Alemannen ist für das 7. Jahrhundert nachgewiesen. Die frühste Erwähnung des Orts als Alttorf stammt aus dem Jahre 1223; der Ortsname ist allem Anschein nach eine Zusammensetzung aus den Wörtern alt und dorf und könnte darauf hinweisen, dass zur Zeit der alemannischen Einwanderung schon eine geschlossene Siedlung bestand.[2][3]

Das Dorfbild zeichnet sich durch prächtige Herrenhäuser und von heimgekehrten Söldnerführern errichtete Palazzi aus. Gut erhalten ist zum Beispiel der Herrensitz Im Eselmätteli (1684–1666) mit einer reichen Innenausstattung aus der Zeit des Spätbarock und Rokoko. Ein besonderes Ensemble ist der Kirchenbezirk, bestehend aus der Pfarrkirche St. Martin, der Beinhauskapelle St. Anna, der Ölbergkapelle und dem Friedhof.

Laut dem Stück von Friedrich Schiller ist Altdorf der Schauplatz des Apfelschusses von Wilhelm Tell. Nachdem dieser sich weigerte, Gesslers Hut auf der Stange zu grüssen, wurde er von Gessler dazu gezwungen, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schiessen. Dies soll sich auf dem Altdorfer Marktplatz ereignet haben, wo deswegen 1895 am Fusse eines alten Turms (Türmli) das Telldenkmal, eine Bronzestatue des Zürchers Richard Kissling, die Tell und seinen Sohn zeigt, errichtet wurde. 1899 wurde nahe dem Ort ein Theater (Tellspielhaus) eröffnet mit dem alleinigen Zweck, Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell aufzuführen.[4]

1899 wurde die Klausenpassstrasse eröffnet, die von Altdorf aus durch das Schächental und über den Klausenpass (1948 m) nach Linthal im Kanton Glarus führt.

2 km von Altdorf entfernt befindet sich an der Klausenpassstrasse das Dorf Bürglen, wo Tell geboren worden sein soll. Er soll auch dort gestorben sein, während er im Fluss Schächen das Leben eines Kindes rettete.

Am linken Reussufer, gleich gegenüber Altdorf, liegt Attinghausen, wo das zerstörte Schloss, das einst einem der Gründer der Schweizerischen Eidgenossenschaft gehörte, heute das kantonale Antiquitätenmuseum beherbergt.

Oberhalb des Ortes befindet sich das älteste Kapuzinerkloster der Schweiz, zugleich das erste Kapuzinerkloster, das nördlich der Alpen errichtet wurde, aus dem Jahre 1581. Im Jahre 2009 verliessen die letzten Kapuziner das Kloster. Heute ist es ein Kulturkloster (Kapuzinerkloster Altdorf).[5] Kapuzinerinnen waren von 1677 bis 2004 ebenfalls im Ort vertreten (Kapuzinerinnenkloster Altdorf), hier wird eine Nachnutzung gesucht.[6]

Altdorf brannte 1400, 1693 und 1799 ganz oder teilweise ab. Beim Grossbrand am 5. April 1799 - Altdorf war von den Franzosen besetzt - brannten 400 Gebäude, wovon 225 Wohnhäuser.[7]

Bilder[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Urs Kälin: Die Urner Magistratenfamilien: Herrschaft, ökonomische Lage Und Lebensstil Einer Landlichen Oberschicht, 1700-1850., Zürich 1991, ISBN 3-905278-86-3
  • Helmi Gasser und Hans Stadler-Planzer: Das Haus im Eselmätteli Altdorf., Schweizerische Kunstführer GSK, Band 645, Bern 1998, ISBN 3-85782-645-2
  • Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri Band 1: Altdorf 1.Teil Geschichte, Siedlungsentwicklung, Sakralbauten., Kunstdenkmäler der Schweiz Band 96, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2001 ISBN 3-906131-00-9, S. 13–372.
  • Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri Band 1.2: Altdorf 2.Teil Öffentliche und private Bauten., Kunstdenkmäler der Schweiz Band 104, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2004 ISBN 3-906131-79-3, S. 17–386.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Altdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Gabrielle Schmid: Altdorf UR (Uri) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 85; angegebene Lautschrift: [ˈɑˑɫtərəf].
  3. a b Altdorf unter ortsnamen.ch; angegebene Lautschrift: ts, uf ạ̄́ɫtərəf.
  4. Sigi Blarer, Sara Baumann: Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf, Altdorf UR. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1830 f.
  5. Kulturkloster Altdorf abgerufen am 1. August 2012
  6. Kirchliche Stiftung des Frauenklosters St. Karl
  7. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 66 f., Stichwort Altdorf oder Altorf  (Scan der Lexikon-Seite).
  8. Restaurierung, Beschreibung und Geschichte des Suworow-Hauses (PDF; 56 kB)
  9. Altdorf Online: Wakkerpreis 2007
  10. Schweizer Heimatschutz – Wakkerpreis (Übersicht seit 1972)
  11. Altdorf Online: Energiestadt
  12. Trägerverein Energiestadt