Liestal

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Dieser Artikel behandelt die schweizerische Stadt Liestal. Zum gleichnamigen Bezirk siehe Liestal (Bezirk).
Liestal
Wappen von Liestal
Staat: Schweiz
Kanton: Basel-Landschaft (BL)
Bezirk: Liestal
BFS-Nr.: 2829i1f3f4
Postleitzahl: 4410
UN/LOCODE: CH LTL
Koordinaten: 622338 / 25929047.4847.735327Koordinaten: 47° 29′ 2″ N, 7° 44′ 6″ O; CH1903: 622338 / 259290
Höhe: 327 m ü. M.
Fläche: 18.21 km²
Einwohner: i13'807 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 758 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 25,5 % (31. Dezember 2011)[2]
Stadtpräsident: Lukas Ott (GPS)
Website: www.liestal.ch
Blick auf Liestal (Oristal, Bahnhof, untere Vorstadt, unteres Ergolztal, Frenkendorf)

Blick auf Liestal (Oristal, Bahnhof, untere Vorstadt, unteres Ergolztal, Frenkendorf)

Karte
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Liestal (schweizerdeutsch: Lieschdl [ˈliəʃdl]), früher Lihstal, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Liestal des Kantons Basel-Landschaft in der Schweiz.

Die Stadt Liestal ist der Hauptort des Schweizer Kantons Basel-Landschaft sowie des Bezirks Liestal. 20 km südöstlich von Basel gelegen ist sie Sitz kantonaler Behörden, Gerichte und Verwaltungen.

Geographie[Bearbeiten]

Liestal liegt an der Ergolz, welche den Ort von Südosten nach Norden durchfliesst. Linke Zuflüsse in die Ergolz sind auf Liestaler Boden die Frenke, der Orisbach und der Rösernbach.

Von den 1821 ha Stadtbann sind 1077 ha Wald. Der höchste Punkt Liestals liegt auf 614 m ü. M. (Alti Stell, Aussichtsturm) und der tiefste auf 287 m ü. M., wo die Ergolz im Niederschönthal den Stadtbann verlässt.

Zu den Nachbargemeinden zählen (von Norden im Uhrzeigersinn) Füllinsdorf, Arisdorf, Hersberg, Lausen, Bubendorf, Seltisberg, Nuglar-St. Pantaleon (Kanton Solothurn) und Frenkendorf.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Liestal hatte am 31. Dezember 2013 insgesamt 14'028 Einwohner mit folgenden Anteilen:[2]

  • Ortsbürger: 2'558
  • Schweizer: 7'898
  • Ausländer: 3'572

Das ergibt einen Ausländeranteil von 25,5 Prozent.

Wohnbevölkerung[Bearbeiten]

1900 1950 1980 1990 2000 2010 2012 2013
5'403 8'449 12'158 12'853 12'930 13'600 13'807 14'028

Religion[Bearbeiten]

Stadtkirche Liestal Quelle: Informationsdienst Stadt Liestal

Tabelle der Konfessionszugehörigkeit (Stand 31. Dezember 2013):

evangelisch-reformiert 5'090
römisch-katholisch 3'400
christkatholisch 42
übrige 5'239

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Exekutive der Stadt Liestal ist der Stadtrat. Er besteht aus einem Stadtpräsidenten und vier Mitgliedern. Diese stehen folgenden Bereichen (Departemente) vor:

  • Betriebe
  • Bildung/Sport
  • Finanzen/Einwohnerdienste
  • Sicherheit/Soziales
  • Stadtbauamt
  • Zentrale Dienste

Alle vier Jahre werden Stadtrat und Stadtpräsident vom Stimmvolk gewählt. Wahlberechtigt sind alle volljährigen Schweizer Bürgerinnen und Bürger.

Einwohnerrat[Bearbeiten]

In Liestal ersetzt der Einwohnerrat als Parlament der Gemeinde die Gemeindeversammlung. Auch dieser wird alle vier Jahre durch das Stimmvolk neu gewählt und besteht aus 40 Mitgliedern. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem:

  • Beschlüsse über Gemeindeordnung und die Gemeindereglemente
  • Ortsplanung
  • Budget
  • Finanzplan und Rechnung
  • Ausgabenbeschlüsse ab einer bestimmten Höhe
  • Oberaufsicht über den Stadtrat

Mit parlamentarischen Vorstössen (Motionen, Postulaten, Interpellationen und Kleinen Anfragen) können die Mitglieder, Fraktionen und Kommissionen des Einwohnerrats eigene Anliegen einbringen.


Der Einwohnerrat umfasst zur Zeit fünf Kommissionen und dem Büro. Diese dienen zur Vorberatung der Geschäfte sowie zur Ausübung der Oberaufsicht des Stadtrates. Die vier Kommissionen sind:

  • Die Bau- und Planungskommission (BPK)
  • Die Finanzkommission (FIKO)
  • Die Geschäftsprüfungskommission (GPK)
  • Die Kommission Gemeindeordnung und Reglemente (GOR)
  • Die Sozial-, Bildungs- und Kulturkommission (SBK)

Rund zehnmal jährlich tagt der Einwohnerrat im Landratssaal. Die Sitzungen sind öffentlich und finden immer an einem Mittwoch Abend statt.

Wappen[Bearbeiten]

Zur Zeit der bischöflichen Herrschaft (1305) erhielt Liestal den Bischofsstab, den es wie das Bistum in roter Farbe führte. Besondere Kennzeichen waren die sieben gotischen «Krabben» (Tupfen) am Knauf und der rote Schildrand. Nach der Trennung beider Basel übernahm die Landschaft den roten Stab als Kantonswappen. Um Verwechslungen zu vermeiden, machte man in Liestal ein seit 1407 bekanntes Stadtsiegel 1921 zum offiziellen Stadtwappen: Die untere Hälfte ist rot, die obere silbern. Darauf ein wachsender roter Bischofsstab mit sieben gotischen Krabben. Flagge: weissrot.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Futuro Liestal, Gräubern Quelle: Informationsdienst Stadt Liestal

Das Wirtschaftsleben von Liestal ist geprägt durch die kantonale Verwaltung sowie durch die zahlreichen kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und Unternehmen, die entweder die lokale Nachfrage bedienen oder aber als spezialisierte Zulieferer für grosse Unternehmen des Wirtschaftsraumes Nordwestschweiz produzieren. Als Produktionsstandort für klassische Industriegüter, vor allem Schwer- und Textilindustrie, spielte Liestal in früherer Zeit eine erhebliche Rolle (unter anderem Hanro und Tuchfabrik Schild). Die im Zentrum Liestals gelegene Brauerei Ziegelhof schloss 2006 nach 156 Jahren. In jüngerer Zeit haben sich einige Hightech-Unternehmen angesiedelt, so zum Beispiel die Nanosurf AG, die am Mars-Programm Phoenix der NASA beteiligt ist.

Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten]

Römerzeit[Bearbeiten]

  • Munzach (825 Munciacum), römische Villa rustica aus der Mitte des 1. Jahrhunderts Die Grabungen von 1950 bis 1973 förderten ein mit Mosaiken und Heizungen reich ausgestattetes Herrschaftshaus samt Landwirtschaftsbetrieb zur Versorgung der nahe gelegenen Kolonie Augusta Raurica zutage. Heute gehört die Römervilla zu den am besten bekannten der ganzen Schweiz und zu den grössten im Hinterland. Von Augusta Raurica, nur 5 km von der Kolonienstadt entfernt.
  • Römische Wasserleitung im Heidenloch und am Oberen Burghaldenweg
  • das (vermutlich römische) Steinenbrüggli über die Frenke.

Mittelalter[Bearbeiten]

Liestal Törli, 2004
  • Erhaltene Teile der Befestigungsanlagen: Das obere Tor (Törli Wahrzeichen), Thomasturm, Reste der Stadtmauer an der Büchelistrasse. Alte Stadtmühle (1422).
  • Ehemaliges Korn- und Zeughaus (um 1530 erbaut) seit 1981 Kantonsmuseum mit Ausstellungen zur Naturkunde, zur Archäologie und Volkskunde sowie zur Seidenbandweberei.
  • Rathaus (1568): Ratssaal mit Kabinettscheiben (16.–17. Jahrhundert);
  • Burgunderschale, silberne, zum Teil vergoldete Schale Karls des Kühnen, die vom Liestaler Wirt Heinrich Strübin in der Schlacht von Nancy (1477) erbeutet wurde;
  • Reformierte Stadtkirche (heutige Gestalt aus dem 16./17. Jahrhundert) mit frühgotischer Türe, Standesscheiben und Chorgestühl mit Flachschnitzerei von 1506.
  • Ergolzhof Feldmühle
  • Olsbergerhof (1571)

18. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • Hofgut Gräubern (1750).
  • Kantonales Regierungsgebäude (Spätbarock 1770–1779 und 1850) mit Landrats- und Regierungsratssaal.
  • Fassadenmalereien des Rathausneubaus von 1937 und Wandgemälde im Lichthof von Otto Plattner;
  • Kantonales Gerichtsgebäude, ehemals Gemeindeschulhaus
  • Palazzo beim Bahnhof, erbaut vom Architekten des Bundeshauses
  • Römisch-katholische Kirche (1961).
  • Kantonsbibliothek am Emma-Herwegh-Platz 4 (renoviert und umgebaut 2005)

Museen und Denkmäler[Bearbeiten]

  • Dichtermuseum (Spitteler, Widmann, Herwegh).
  • Museum.BL: Kantonsmuseum
  • Harmonium-Museum (Grosse und bemerkenswerte Kollektion von über 100 noch spielbaren Harmonium-Instrumenten)
  • Denkmäler für Georg Herwegh, Carl Spitteler
  • Wehrmannsdenkmal von Jacob Probst[3]
  • Bauernkriegsdenkmal
  • Heiny-Strübin-Brunnen

Geschichte[Bearbeiten]

An der Liestal-Hurlistrasse sind, neben einem Fund im Kanton Neuenburg, die ältesten Hinweise für die Anwesenheit der frühneolithischen La Hoguette Kultur in der Schweiz gefunden worden.

Obwohl vermutlich einiges älter, wurde Liestal erstmals 1189 urkundlich erwähnt. Beim oft zitierten Erstbeleg Liehstal von 1189 dürfte es sich nach neueren Erkenntnissen um ein gefälschtes Dokument aus späterer Zeit handeln. Für die Erklärung des Ortsnamens gibt es verschiedene Hypothesen: Liustatio, römischer Wachtposten zum Schutz der Strasse; Lucistabulum, Haus eines römischen Siedlers namens Lucius; Liubherestal, der Besitz eines Alemannen namens Liubirih; Lieschtal, der Ort, wo Liesche (Riedgras) wächst, wie zum Beispiel in der sumpfigen Gegend des späteren Weihers.

Die Gegend von Liestal war schon in vorrömischer Zeit besiedelt. Die römische Villa in Munzach und die römische Wasserleitung, die im Heidenloch und an der oberen Burghalde sichtbar ist, bilden gesamtschweizerisch bedeutende römische Bauwerke. Das Geviert des Kirchhofes geht mit grösster Wahrscheinlichkeit auf ein spätrömisches Kastell aus dem 4. Jahrhundert zurück. Seine Entwicklung verdankt Liestal seiner verkehrsgünstigen und strategisch wichtigen Lage an der Strassengabelung zu den beiden Hauensteinpässen.

Auf Burghalden thront eine erst partiell erforschte ausgedehnte Festungsanlage des 10. Jahrhunderts. Nach der Eröffnung des Gotthardpasses und nach dem Bau der ersten Rheinbrücke im nahen Basel wurde Liestal in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Frohburg zur befestigten Stadt und damit zum sicheren Etappenort an der Nord-Süd-Route gemacht. Liestal wurde mit Mauern, Toren und Türmen versehen. Der Markt wurde vom offenen «Altmarkt» in der Nähe des Zusammenflusses von Ergolz und Frenke in die sicherere Stadt verlegt. 1305 verkauften die Grafen von Frohburg die Stadt an den Bischof von Basel. Unter der Herrschaft des Bischofs erlangten die Liestaler weitgehende Selbständigkeit. 1374 verpfändete der Bischof von Basel Liestal mit Waldenburg und Homburg dem Herzog Leopold von Österreich, der sie bald den Grafen von Thierstein überliess. Als diese 1381 das Pfand nicht zurückgeben wollten, nahm Herzog Leopold Liestal ein und verbrannte das Städtchen. Doch schon im selben Jahr löste der Bischof das Pfand wieder ein und gewährte Liestal neue Rechte. 1400 kaufte die aufstrebende Handelsstadt Basel dem Bischof das Städtchen ab. Freiheiten und Vorrechte gingen wieder verloren und konnten erst im Laufe der Zeit zurückerobert werden.

Liestal um 1780.

Der freiheitsliebende und wehrhafte Geist Liestals verwickelte die Bewohner des Städtchens immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen. Als Untertanen der Stadt Basel waren die Liestaler 1444 mit ihrem eigenen Banner bei St. Jakob an der Birs dabei, wo sie 23 Mitbürger verloren. 1476 und 1477 kämpften Liestaler in den Burgunderkriegen. Entgegen dem strikten Neutralitätsbefehl der Stadt Basel unterstützten die Liestaler 1499 im Schwabenkrieg die Solothurner und die Eidgenossen. 1501 legte der Schultheiss von Liestal auf dem Basler Marktplatz im Namen seiner Mitbürger und Nachbardörfer den Eid auf den Schweizerbund ab. Es kam immer wieder zu Scharmützeln mit den habsburgischen Rheinfeldern. Liestal rebellierte immer wieder gegen die Bevormundung durch Basel, das seine Vormacht wenn nötig auch mit Gewalt durchsetzte. Unter dem Eindruck des süddeutschen Bauernkrieges erhoben sich 1525 auch die Baselbieter erfolgreich gegen die Stadt Basel.

Liestal erhielt 1525 einen Freiheitsbrief, der unter anderem die Leibeigenschaft aufhob. Wenig später schloss sich Liestal auch der Reformation an. 1653 beteiligten sich die Liestaler an der schweizerischen Bauernbewegung und revoltierten wieder gegen die Vorherrschaft Basels. Der Aufstand scheiterte, Liestal wurde von Basler Truppen besetzt und drei Liestaler Rädelsführer wurden in Basel enthauptet. Schon drei Jahre später erreichte Liestal die Wiederbewaffnung.

Als 1789 von Frankreich her der Ruf nach Freiheit und Gleichheit ertönte, verlangte Liestal als einzige Baselbieter Gemeinde 1790 die Wiederherstellung der alten Rechte. Begeistert feierte Liestal 1797 den durchreisenden Napoleon. «Liestal bien patriote» nannte er das Städtchen, das zum Mittelpunkt der Baselbieter Befreiungsbewegung wurde. Hier stand der erste Freiheitsbaum der deutschsprachigen Schweiz. Am 16. Januar 1798 zerrissen rebellische Liestaler die obrigkeitliche Fahne und hissten die Tricolore. Unter Führung Liestals erlangte das Baselbiet als erstes Untertanenland der Eidgenossenschaft die langersehnte Freiheit. Nach Napoleons Sturz bekam Liestal wieder die Vorherrschaft Basels zu spüren.

1830 sprang der Funke der französischen Julirevolution auch ins Baselbiet über. Nach einer kantonalen Volksabstimmung wird 1832 der Kanton Basel-Landschaft gegründet. Die endgültige Trennung findet erst nach dem Gefecht vom 3. August 1833 an der Hülftenschanze zwischen Pratteln und Liestal statt. Noch lange Zeit prägte die revolutionäre Gesinnung die Politik Liestals, das im 19. Jahrhundert viele politische Flüchtlinge aufnahm. 1854 erhielt Liestal mit der Hauensteinlinie Anschluss an das internationale Eisenbahnnetz; das war die Grundlage für seine Industrialisierung.

1862 wurde die Kaserne Liestal eingeweiht und 1877 ausgebaut.[4]

Liestal heute[Bearbeiten]

UNO Geschäftshaus Liestal Quelle: Informationsdienst Stadt Liestal

Liestal ist eine vitale, prosperierende Kleinstadt. In den letzten Jahren ist eine Dynamik entstanden, die Liestal zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort macht. Sicht- und wahrnehmbar ist etwas in Bewegung geraten. Neue Projekte konnten realisiert oder aufgegleist werden. Dass die Stadt Liestal deutlich an Fahrt aufgenommen haben, ist wichtig für die Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit Liestals, aber auch für die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung.

Die Stadt Liestal präsentiert sich vor allem als Wohnort mit höchster Lebensqualität, der indes auch mehrere besterschlossene Gewerbegebiete und -areale (Schild, Hanro, Oristal) aufweist. Die Gebiete im Zentrum der Altstadt, um den Bahnhof Liestal sowie in Liestal Nord befinden sich in einer grossen städtebaulichen Entwicklung mit Geschäfts- und Wohnraum an zentraler Lage.

Verkehr[Bearbeiten]

Liestal liegt verkehrsgünstig mit direkten Zugsverbindungen nach Basel, Zürich, Olten und Luzern und ist mit der A22 direkt an die Autobahn A2 angebunden. Der Flughafen von Basel (Euroairport) ist in rund 45 Minuten/30 Minuten (öffentlicher Verkehr/Auto) und der von Zürich in rund 75 Minuten/60 Minuten (öffentlicher Verkehr/Auto) erreichbar.

Brauchtum[Bearbeiten]

Chienbäse 2009, Feuerwagen vor der Durchfahrt durchs Obertor

Fasnacht[Bearbeiten]

Die Liestaler Fasnacht ist sehr stark von der Basler Fasnacht geprägt, wenn auch mit viel Lokalkolorit. Sie beginnt von einigen Vorfasnachtsveranstaltungen abgesehen – dem alten Termin der «Burefasnacht» folgend – am Sonntag vor dem Morgestraich der Basler Fasnacht mit einem grossen Strassenumzug. Dieser ist nach dem Cortège der Basler Fasnacht der grösste der Nordwestschweiz. Ein Konzert der verschiedenen Guggenmusiken am Vorabend verkürzt die Wartezeit bis zum Chienbäse. Am darauf folgenden Montag und Dienstag findet das Schnitzelbank-Singen statt, währenddessen der Mittwochnachmittag der Tag der Kinder ist, wiederum mit Strassenumzug und Maskenball. Die Fasnacht wird am darauf folgenden Samstag sechs Tage nach Beginn der Fasnacht mit einem Guggekonzert beendet, dem sogenannten Cheruus (Kehraus).

Chienbäse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Chienbäse

Am Abend des Fasnachtssonntags werden aus Föhrenscheiten (Kiefernholz) gebundene «Besen» von 20 bis 100 kg Gewicht brennend durch die verdunkelte Altstadt getragen. Dazwischen folgen einige funkensprühende, meterhohe Flammen aufwerfende Feuerwagen. Nachträglich gehen die Trommler und Pfeifencliquen mit ihren erleuchteten Fasnachtslaternen durch die Altstadt. Der Anlass zieht Zuschauer aus der ganzen Schweiz sowie aus dem Ausland an.[5]

Santichlaus-Ylüte[Bearbeiten]

Ein winterlicher Lärmbrauch ist das «Santichlaus-Ylüte» am 6. Dezember. Beim Einnachten besammeln sich die Liestaler Kinder mit grossen Kuhglocken und kleinen Schellen in der Allee, um dann unter ohrenbetäubenden Lärm durch die Gassen des «Stedtlis» zu ziehen.

Banntag[Bearbeiten]

Wie in vielen Baselbieter Gemeinden gehört in Liestal der Banntag fest zum Jahresablauf. Am Montag vor Auffahrt ziehen die Männer und Kinder von Liestal in vier Rotten aus, um die Grenzen der Gemeinde abzuschreiten. Als eine der letzten Gemeinden wird der Zug traditionell von Trommel- und Pfeiffenklänge sowie vom Knallen aus Vorderladen und Guidenpistolen begleitet. Die Männer tragen blumengeschmückte Hüte und einen Spazierstock.


Liestal vom Schleifenberg her gesehen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten]

  • Heinrich Strübin (vor 1450–1517), Wirt, Politiker, Überbringer der Burgunderschale
  • Karl Gauss (1867–1938), Pfarrer und Lokalhistoriker
  • Emma Herwegh (1817–1904), deutsche Revolutionärin und Ehefrau des Revolutionsdichters Georg Herwegh, ist in Liestal an der Seite ihres Mannes begraben
  • Georg Herwegh (1817–1875), sozialistisch-revolutionärer deutscher Dichter des Vormärz, ist in Liestal, «in freier republikanischer Erde» begraben
  • Martin Birmann (1828–1890), Schweizer Politiker
  • Joseph Victor Widmann (1842–1911), Schweizer Schriftsteller und Journalist, verbrachte seine Jugend im Pfarrhaus von Liestal
  • Bohuslav Martinů (1890–1959), tschechischer Komponist, in Liestal gestorben
  • Hermann Anselment (1905–1981), deutscher Maler, lebte ab 1954 in Liestal
  • Rolf Georg Otto (1924–2003), Schweizer Architekt, schuf zahlreiche moderne Bauten in und um Liestal
  • Jörg Shimon Schuldhess (1941–1992), Schweizer Maler, lebte 1983–1988 in Liestal
  • Paul Degen (1941–2007), Schweizer Illustrator, Karikaturist, Maler und Bildhauer

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Rudolf Heyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft, Band II: Der Bezirk Liestal. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1974 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 62). ISBN 3-7643-0727-7. S. 181–318.
  • Jürg Ewald, Lukas Ott (Red.): Liestal – eine neue Heimatkunde. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liestal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Zahlen und Fakten der Gemeinde Liestal. Abgerufen am 1. November 2012.
  3. Ruedi Brassel-Moser: Vom offenen Buch zum Helm: Deutungsmacht und Erinnerung am Beispiel des Baselbieter Wehrmannsdenkmals in Liestal, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, Bd. 51, 2001 (Volltext).
  4. PDF bei www.baselland.ch
  5. zur Geschichte der Chienbäse siehe www.chienbaese-verein.ch; abgerufen am 5. März 2014