Andre Agassi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andre Agassi Tennisspieler
Andre Agassi
Andre Agassi 2011 in Philadelphia
Nationalität: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Geburtstag: 29. April 1970
Größe: 180 cm
1. Profisaison: 1986
Rücktritt: 2006
Spielhand: Rechts, beidhändige Rückhand
Preisgeld: 31.152.975 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 870:274
Karrieretitel: 60
Höchste Platzierung: 1 (10. April 1995)
Wochen als Nr. 1: 101
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 40:42
Karrieretitel: 1
Höchste Platzierung: 123 (17. August 1992)
Grand-Slam-Bilanz
Olympische Spiele
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA und ITF (siehe Weblinks)

Andre Kirk Agassi (* 29. April 1970 in Las Vegas, Nevada) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Tennisspieler und Olympiasieger.

In seiner 21 Jahre dauernden Karriere gewann er 60 Einzeltitel, acht davon bei Grand-Slam-Turnieren. Als einer von sieben Spielern in der Tennisgeschichte konnte Agassi dabei alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewinnen. Zudem errang er 1996 die olympische Goldmedaille im Einzel und führte die USA zu drei Davis-Cup-Siegen. Aufgrund dieser Erfolge zählt er zu den dominierenden Spielern der 90er und frühen 2000er Jahre, für Einzelne auch zu den besten Tennisspielern der Geschichte.

Tenniskarriere[Bearbeiten]

Jugendzeit[Bearbeiten]

Agassi wurde bereits in jungen Jahren von seinem Vater auf eine Tenniskarriere vorbereitet. Der Vater sorgte z.B. dafür, dass Agassi schon früh mit Tennislegenden wie Jimmy Connors und Roscoe Tanner trainieren konnte. Mit 13 Jahren wurde Agassi dann in die Tennisakademie von Nick Bollettieri in Florida aufgenommen. Dort erwarb er sich bereits den Ruf eines Rebellen, durch den er in seinen ersten Profijahren weltbekannt wurde – unter anderem wegen seiner langen, wilden Haare und seiner Vorliebe für bunte und schrille Spielbekleidungen. Bereits 1986 im Alter von 15 Jahren verließ Agassi die Akademie, um der Profitour beizutreten.

Rebellenimage und erste Erfolge (1986–1991)[Bearbeiten]

Sein erstes Match auf der Profitour gewann Agassi im Februar 1986 gegen den Amerikaner John Austin. Im Saisonverlauf konnte er unter anderem beim Turnier in Stratton Mountain das Viertelfinale erreichen. Er beendete seine erste Saison als Profi auf Platz 91 der Weltrangliste. Zum Abschluss der Saison 1987 sicherte er sich seinen ersten Profititel in Itaparica in Brasilien. Schon zuvor gelangen ihm einige Viertelfinal- und Halbfinalteilnahmen sowie ein Finaleinzug. Er beendete die Saison auf Platz 25 der Weltrangliste.

In der Saison 1988 hatte Agassi erstmals nennenswerte Erfolge bei wichtigen Turnieren. So erreichte er bei den French Open und den US Open jeweils das Halbfinale; damit schaffte er den endgültigen Sprung unter die besten Spieler der Welt. Er beendete das Jahr mit sechs Turniersiegen auf Platz 3 der Weltrangliste und sorgte mit seinem Rebellenimage weiter für Aufsehen. Ab der Saison 1988 verzichtete er drei Jahre lang auf die Teilnahme am prestigeträchtigen Turnier in Wimbledon. Nach außen kritisierte er die starre Kleiderordnung des traditionsbewussten Turniers. Es gab aber auch berechtigte Zweifel, ob Agassis Spielweise für den schnellen Rasen der British Open überhaupt geeignet sei.

In der Saison 1989 wurde Agassis Aufstieg an die Spitze des Welttennis erstmals gebremst. Er gewann erst im Oktober des Jahres seinen ersten Saisontitel und scheiterte bei den French Open bereits in der dritten Runde. Bei den US Open spielte sich Agassi dagegen erneut ins Halbfinale vor, wo er wiederum Ivan Lendl unterlag. In der Weltrangliste rutschte Agassi auf Platz 7 ab. Die Saison 1990 brachte ihn aber wieder nach vorne; so konnte er bei den French Open erstmals das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. Im Endspiel musste er sich allerdings Andrés Gómez geschlagen geben. Auch bei den US Open erreichte Agassi das Endspiel, dieses Mal unterlag er seinem jungen Landsmann Pete Sampras. Diese Niederlage bildete den Auftakt für eine jahrelange, medienwirksame Rivalität, die sich Agassi und Sampras auf und neben den Tennisplätzen bieten sollten. Zum Saisonende gelangen Agassi noch zwei große Erfolge mit dem Gewinn des Daviscups mit der amerikanischen Mannschaft und dem Sieg bei der ATP Weltmeisterschaft im Finale gegen Stefan Edberg. Damit beendete Agassi die Saison 1990 mit insgesamt vier Titeln auf Platz 4 der Weltrangliste.

In der Saison 1991 musste er seine dritte Niederlage in einem Grand-Slam-Finale hinnehmen, in seinem zweiten French-Open-Finale musste er sich Jim Courier beugen. Daraufhin entschied sich Agassi, erstmals seit drei Jahren wieder beim Turnier in Wimbledon anzutreten. In traditioneller weißer Sportbekleidung spielte er sich dort bis ins Viertelfinale. Die zweite Saisonhälfte verlief weniger erfolgreich mit einer Niederlage im Davis-Cup-Finale und dem Scheitern im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Zwei Saisonsiege reichten gerade noch für das Verbleiben in der Top-Ten der Weltrangliste.

Durchbruch und Etablierung in der Weltspitze (1992–1996)[Bearbeiten]

Rekord-Weltranglistenerste im Herreneinzel
Rang Tennisspieler Wochen
1. SchweizSchweiz Roger Federer 302
2. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Sampras 286
3. TschechoslowakeiTschechoslowakei Ivan Lendl 270
4. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jimmy Connors 268
5. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten John McEnroe 170
6. SerbienSerbien Novak Đoković 157
7. SpanienSpanien Rafael Nadal 141
8. SchwedenSchweden Björn Borg 109
9. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Andre Agassi 101
Stand: 27. Juli 2015

Die Saison 1992 sollte den endgültigen Durchbruch für den mittlerweile 21-Jährigen bringen. Nach mäßigem ersten Saisondrittel scheiterte er zunächst bei den French Open im Halbfinale an Courier. In Wimbledon spielte sich Agassi dagegen mit Siegen gegen ehemalige Titelträger wie Boris Becker und John McEnroe ins Finale, in dem er Goran Ivanišević in fünf Sätzen bezwang – der erste Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Bei den US Open unterlag Agassi im Viertelfinale wieder einmal seinem Landsmann Courier. Im Dezember gelang ihm dann der zweite Daviscup-Sieg mit der amerikanischen Mannschaft. In der Weltrangliste konnte sich Agassi zum Saisonende durch seine drei Titel um einen Platz auf Position 9 verbessern.

Statt der erwarteten weiteren Steigerung brachte die Saison 1993 vor allem Verletzungssorgen und relativ frühe Niederlagen bei den wichtigen Turnieren. Agassi konnte in diesem Jahr nicht an den French Open teilnehmen und scheiterte in Wimbledon schon im Viertelfinale an Pete Sampras. Bei den US Open schied er bereits in der ersten Runde aus und im Winter musste er sich einer Handgelenkoperation unterziehen. Mit zwei Saisontiteln im Frühjahr beendete er die Saison auf Platz 24 der Weltrangliste.

Nach einem guten Saisonstart 1994 in Scottsdale mit seinem ersten Turniersieg seit einem Jahr und einer Finalteilnahme in Miami musste sich Agassi sowohl bei den French Open als auch in Wimbledon in der ersten Turnierwoche geschlagen geben. In der Hardcourtsaison gelang ihm allerdings ein Comeback mit dem zweiten Saisontitel in Toronto. Bei den US Open musste er dennoch als ungesetzter Spieler antreten und er konnte im Finale Michael Stich bezwingen. Bei seinem zweiten Grand-Slam-Titel war Agassi so der erste Spieler, der die US Open als ungesetzter Teilnehmer gewinnen konnte. Seine Saisontitel vier und fünf brachten Agassi zum Saisonende auf Platz 2 der Weltrangliste, für ihn die bis dahin höchste Position.

Die Saison 1995 sollte Agassi noch weiter nach vorne bringen. Für Aufsehen sorgte erst einmal seine Entscheidung, sich die langen Haare, sein bisheriges Markenzeichen, abzurasieren. Im Jahr 2009 gab Agassi allerdings preis, dass es sich zu diesem Zeitpunkt längst nurmehr um ein Haarteil handelte, nachdem er immer mehr Haare verloren hatte.[1] Zu Jahresbeginn nahm er erstmals in seiner Karriere an den Australian Open teil und konnte diese auf Anhieb (im Finale gegen Pete Sampras) gewinnen. Im Saisonverlauf erreichte die Rivalität zwischen Agassi und Sampras ihren Höhepunkt. Bei insgesamt fünf Endspielen trafen die beiden aufeinander und Agassi konnte drei Spiele für sich entscheiden. Im April 1995 stand er erstmals an der Spitze der Tennis-Weltrangliste. In Paris und in Wimbledon musste sich Agassi dann zweimal überraschend vorzeitig geschlagen geben. Rechtzeitig zur amerikanischen Hardcourtsaison nahm das Duell zwischen Agassi und Sampras noch einmal an Intensität zu. Agassi galt als Turnierfavorit beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, nachdem er seine vier Vorbereitungsturniere auf die US-Meisterschaften allesamt gewonnen hatte und mit einer Siegesserie von 20 Spielen bei den US Open antrat. Sampras dagegen hatte nach seinem Turniersieg in Wimbledon nur ein weiteres Finale erreichen können und dieses gegen Agassi in Montreal verloren. Wie von der Öffentlichkeit erhofft, spielten sich Agassi und Sampras relativ problemlos ins Finale der US Open vor. Agassi musste nur in seinem Zweitrundenmatch gegen den Spanier Àlex Corretja über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen. In einer engen Partie konnte Sampras schließlich mit 6:4, 6:3, 4:6 und 7:5 triumphieren. Erst im Oktober griff Agassi wieder ins Turniergeschehen ein und verlor im November die Führung in der Weltrangliste wieder an Sampras.

In der Saison 1996 konnte Agassi seinem Landsmann Sampras nicht die erhoffte Konkurrenz bieten. Agassi erreichte im Saisonverlauf zwar bei den Australian Open und US Open jeweils das Halbfinale, musste sich jedoch jeweils Michael Chang geschlagen geben. Mit insgesamt drei Saisontiteln beendete Agassi die Saison auf Platz 8 der Weltrangliste. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta gelang ihm dann sein größter Saisonerfolg mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille gegen den Spanier Sergi Bruguera.

Absturz und Comeback (1997–1999)[Bearbeiten]

Die Saison 1997 bildete den Tiefpunkt in Agassis Karriere. Bei den Australian Open, den French Open und in Wimbledon konnte er nach einer erneuten Handgelenkverletzung nicht antreten. In San José hatte er noch das Halbfinale erreicht, danach dauerte es jedoch bis zu den US Open im August, bis er wieder drei Matches in Folge gewinnen konnte. Dazwischen lagen insgesamt sieben Erstrundenniederlagen. Mehr noch als sein Auftreten auf dem Tennisplatz sorgte aber die turbulente Ehe mit der Schauspielerin Brooke Shields für Aufsehen. Nach dem Aus bei den US Open im Achtelfinale fiel Agassi aus den Top 100 der Weltrangliste und musste im November an zwei Challenger-Turnieren teilnehmen, um sich mit einem Turniersieg und einer Finalteilnahme von Platz 141 wieder langsam nach vorne zu arbeiten. In seiner 2009 erschienenen Autobiografie gab Agassi zu, während seiner Leistungskrise 1997 die Droge Crystal Meth konsumiert zu haben.[2]

Ab der Saison 1998 konzentrierte sich Agassi wieder ganz auf seine Tenniskarriere. Er begann mit konsequentem Fitnessprogramm, auch veränderte er nach und nach sein Verhalten auf dem Platz. Damit wurde Agassi in den folgenden Jahren sogar zu einem Vorbild für jüngere Spieler. Die Umstellungen zahlten sich relativ schnell auch sportlich aus. Bereits im Januar 1998 erreichte Agassi wieder ein Halbfinale auf der ATP Tour und das Achtelfinale bei den Australian Open, im Februar gelang ihm in San José wieder ein Turniersieg der höchsten Kategorie. Bei den weiteren drei Grand-Slam-Turnieren blieb Agassi zwar der große Erfolg verwehrt, aber mit insgesamt fünf Saisontiteln spielte er sich zurück in die Top Ten der Weltrangliste. Er beendete die Saison auf Platz 6.

1999 war sein erfolgreichstes Jahr und er schrieb mit seinen Erfolgen auch Tennisgeschichte. Im Juni gelang ihm bei seiner dritten Finalteilnahme der erste Sieg bei den French Open. Im Endspiel bezwang er den Ukrainer Andrij Medwedjew, nachdem er bereits mit zwei Sätzen zurückgelegen hatte. Damit war Agassi der insgesamt fünfte Tennisspieler der Geschichte (nach Fred Perry, Don Budge, Rod Laver und Roy Emerson), der alle Grand-Slam-Turniere in seiner Karriere mindestens einmal gewinnen konnte. Zuletzt war dies Rod Laver dreißig Jahre zuvor gelungen (nach Agassi wurde Roger Federer 2009 [nach dem Gewinn der French Open] der sechste und Rafael Nadal 2010 [nach dem Gewinn der US Open] der siebte Spieler, denen dies gelang). Er war dabei allerdings der erste Spieler, der auf drei verschiedenen Belägen siegreich war. Auch in Wimbledon konnte Agassi das Finale erreichen, in dem er allerdings seinem Dauerrivalen Sampras klar unterlegen war. Dennoch eroberte Agassi mit dem Finaleinzug wieder die Spitzenposition der Weltrangliste, musste diese in der von Sampras dominierten Hardcourtsaison allerdings wieder abgeben. Kurz vor Beginn der US Open verletzte sich dann der klare Turnierfavorit Sampras, und Agassi konnte im Finale des Turniers seinen Landsmann Todd Martin bezwingen. Zum ersten Mal in seiner Karriere gelangen Agassi damit zwei Grand-Slam-Erfolge in einer Saison. Nach Sampras' verletzungsbedingtem Ausfall wurde Agassi wieder die Nummer 1, die er dann auch bis zum Saisonende verteidigte. Bei der abschließenden Weltmeisterschaft unterlag er Sampras im Finale wieder deutlich. So beendete er das Jahr als bester Saisonspieler, obwohl er in fünf Duellen gegen Sampras vier Niederlagen hinnehmen musste. Im selben Jahr wurde Agassi von der französischen Sportzeitung L’Équipe zum Weltsportler des Jahres gewählt.

Erfolge in Australien (2000–2003)[Bearbeiten]

Agassi begann die Saison 2000 so, wie er die vorhergehende abgeschlossen hatte. Gleich bei den Australian Open im Januar konnte er im Finale gegen Jewgeni Kafelnikow triumphieren. Er hatte damit vier Endspiele bei Grand-Slam-Turnieren in Folge erreicht, was zuletzt 1969 Rod Laver gelungen war, allerdings nicht auf vier verschiedenen Belägen. In Wimbledon unterlag Agassi dagegen in einem dramatischen Halbfinale dem Australier Patrick Rafter. Zum Jahresende hatte Agassi sogar die Möglichkeit, die Saison wieder auf Platz 1 abzuschließen, doch der Finaleinzug beim Masters-Cup reichte nicht aus. 2001 folgte gleich die Titelverteidigung bei den Australian Open gegen Arnaud Clément. In einer Neuauflage der Halbfinalpartie aus dem Vorjahr unterlag Agassi in Wimbledon in einem ebenso knappen Match Patrick Rafter. In einem dramatischen Viertelfinale bei den US Open unterlag er Pete Sampras (7:6, 6:7, 6:7, 6:7), ohne ein einziges Aufschlagspiel abzugeben. Auch 2002 spielte Agassi wieder eine starke Saison, indem er drei Turniere der Masters Series gewann und das Jahr auf dem zweiten Platz der Weltrangliste beendete. Bei den US Open kam es zum letzten Duell Agassi gegen Sampras, und Sampras hatte am Ende wieder die Oberhand und gewann auch das Turnier. Ein Jahr später sollte Sampras seine Karriere beenden, ohne ein weiteres Spiel absolviert zu haben. 2003 folgte für Agassi der dritte Sieg in vier Jahren bei den Australian Open, diesmal im Finale gegen den Deutschen Rainer Schüttler. Später im Jahr eroberte Agassi noch einmal Platz 1 der Weltrangliste und hielt diese Position für weitere 13 Wochen. Am Saisonende reichte es immerhin noch einmal für Platz 4 im Ranking.

Die letzten Jahre (ab 2004)[Bearbeiten]

Andre Agassi 2005 bei den Australian Open

Gute Resultate sorgten in der Saison 2004 immerhin dafür, dass Agassi sich in den Top Ten der Weltrangliste halten konnte, auch wenn große Siege der Vergangenheit angehörten. In der Saison 2005 kamen immer wieder Gerüchte auf, Agassi werde seine lange und erfolgreiche Karriere nach den US Open oder zum Jahresende beenden. Nachdem er einen Großteil der Saison durch Verletzungen beeinträchtigt war, gelang ihm ein Comeback mit dem 60. Turniersieg seiner Karriere in Los Angeles und einem Finaleinzug in Montreal. Damit zählte Agassi 2005 für die US Open zum weiteren Favoritenkreis und er wurde den Erwartungen mit seiner Finalteilnahme auch gerecht. Im Endspiel brachte er Roger Federer zwar in Bedrängnis, musste sich aber schließlich mit 3:6, 6:2, 6:7 und 1:6 geschlagen geben. Agassi beendete die Saison auf Platz 7, nachdem er beim Tennis Masters Cup seine Teilnahme nach nur einem Match aufgrund einer Verletzung hatte zurückziehen müssen. Bei seiner letzten Wimbledon-Teilnahme 2006 erreichte Agassi mit Siegen über Boris Pašanski und Andreas Seppi die dritte Runde. Dort unterlag er dem Spanier Rafael Nadal in drei Sätzen und wurde anschließend dennoch vom Publikum gefeiert.

Am 24. Juni 2006 gab Agassi gegenüber der Presse bekannt, dass er seine Karriere nach den folgenden US Open beenden würde. Nach hart erkämpften Siegen über Andrei Pavel und Marcos Baghdatis verlor er dort am 3. September 2006 nach 3:03 Stunden in der dritten Runde in vier Sätzen (5:7, 7:6, 4:6, 5:7) gegen den deutschen Qualifikanten Benjamin Becker. Anschließend erklärte er unter stehenden Ovationen des Publikums und mit Tränen in den Augen seine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Karriere als Tennisprofi für beendet.

Anfang November 2009 geriet Agassi in die Schlagzeilen, als er wie bereits erwähnt in seiner Biografie zugab, in seiner Laufbahn zum Aufputschmittel Crystal Meth gegriffen zu haben[3] und bei einer Dopingkontrolle 1997 positiv getestet worden zu sein.[4] Das Drogen-Vergehen selbst war zwar zu diesem Zeitpunkt zwar verjährt, doch hätte er wegen der seinerzeit getätigten Falschaussage vor Gericht noch belangt werden können. Er hatte ausgesagt, versehentlich von dem Getränk eines Kollegen getrunken zu haben, das mit der Dopingsubstanz verunreinigt gewesen sein soll.[5]

Am 20. Januar 2011 wurde Andre Agassi in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.

Davis Cup[Bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2005 spielte er 36-mal für das Davis-Cup-Team der USA mit einer Bilanz von 30:6 Siegen.

Im Kader der USA stand er zudem bei den Davis-Cup-Triumphen 1990 und 1992. Das Team von 1992 mit den Spielern Pete Sampras, Jim Courier, Andre Agassi und John McEnroe kann dabei als das beste aller Zeiten angesehen werden, da es aus vier Akteuren bestand, die entweder bereits an der Spitze der Weltrangliste gestanden hatten oder aber kurzer Zeit später diese Position einnahmen. 2005 musste Agassi vor heimischem Publikum eine bittere Niederlage gegen Ivan Ljubičić hinnehmen; sie bedeutete das Erstrunden-Aus der USA gegen Kroatien.

Persönliches[Bearbeiten]

Sein Vater Emmanuel Agassi war ein iranischer Boxer armenisch-assyrischer Herkunft und zweifacher (1948 und 1952) Olympiateilnehmer im Boxen.[6][7] Seine Mutter ist die Amerikanerin Elizabeth „Betty“ Dudley, die der Vater nach der Auswanderung in die USA 1958 heiratete.

Von 1997 bis 1999 war Agassi mit der Schauspielerin Brooke Shields verheiratet. Seit Oktober 2001 ist er mit der ehemaligen deutschen Tennisspielerin Steffi Graf verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder, Jaden Gil (* 26. Oktober 2001) und Jaz Elle (* 3. Oktober 2003).

Agassis Mittelname Kirk ist dem Multimilliardär Kirk Kerkorian gewidmet, da dieser der Familie Agassi in schwierigen Zeiten finanziell geholfen und für deren Lebensunterhalt gesorgt hat. Agassis Vater Mike, der wie Kerkorian ebenfalls armenischer Herkunft ist, arbeitete im MGM Grand Hotel, das nach einem Brand im November 1980 geschlossen werden musste, was die Entlassung der Mitarbeiter zur Folge hatte. Kerkorian übernahm auch die Kosten einer Herzoperation bei Agassis Vater im Jahr 1995.[8]

Erfolge[Bearbeiten]

Bilanz[Bearbeiten]

Turnier 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006
Australian Open - - - - - - - - - S HF - AF AF S S - S HF VF -
French Open - 2 HF 3 F F HF - 2 VF 2 - 1 S 2 VF VF VF 1 1 -
Wimbledon - 1 - - - VF S VF AF HF 1 - 2 F HF HF 2 AF - - 3
US Open 1 1 HF HF F 1 VF 1 S F HF AF AF S 2 VF F HF VF F 3
Turniersiege 0 1 6 1 4 2 3 2 5 7 3 0 5 5 1 4 5 4 1 1 0
Weltrangliste 91 25 3 7 4 10 9 24 2 2 8 122 6 1 6 3 2 4 8 7 19

AF = Achtelfinale, VF = Viertelfinale, HF = Halbfinale, F = Finale, S = Sieg, Ziffer = Vorrunde

Siehe auch[Bearbeiten]

Hörbuch[Bearbeiten]

  • Andre Agassi: Open. Das Selbstporträt, gekürzt gelesen von Heikko Deutschmann, 6 CD, Der Hörverlag, München 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Falsche Lockenmähne, spiegel.de, 30. Oktober 2009
  2. Agassi admits using crystal meth, AFP, 28. Oktober 2009
  3. Mitteilung auf news.de. Abgerufen am 21. September 2012.
  4. Putzteufel auf Speed, sueddeutsche.de 17. Mai 2010
  5. Einleitung eines Verfahrens?, sport.ORF.at
  6. http://www.imdb.com/name/nm1152468/bio
  7. http://www.webcitation.org/5gzbWaTky
  8. Kerkorian’s generosity will influence generations, Las Vegas Sun, 21. Juni 2015, abgerufen am 26. Juni 2015

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andre Agassi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien