Zwenkau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Zwenkau
Zwenkau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Zwenkau hervorgehoben
51.217512.324166666667130Koordinaten: 51° 13′ N, 12° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 130 m ü. NHN
Fläche: 46,21 km²
Einwohner: 8813 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 191 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04442
Vorwahl: 034203
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 430
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bürgermeister-Ahnert-Platz 1
04442 Zwenkau
Webpräsenz: www.zwenkau.de
Bürgermeister: Holger Schulz (CDU)
Lage der Stadt Zwenkau im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Narsdorf Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Espenhain Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild
Zwenkau aus der Vogelperspektive von Süden, 2005

Zwenkau ist eine Stadt südlich von Leipzig im Landkreis Leipzig in der Leipziger Tieflandsbucht zwischen Weißer Elster und Pleiße, am Landschaftsschutzgebiet „Elsteraue“ und an der „Straße der Braunkohle“.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 15 km südlich von Leipzig und nordwestlich des Industriestandorts Böhlen/Lippendorf. Im Norden und Osten grenzt unmittelbar der Zwenkauer See. Zur Stadt Zwenkau gehören die Gemeindeteile

Zum Gemeindegebiet gehören auch Fluren der durch Braunkohlenabbau abgebaggerten Dörfer Eythra und Bösdorf.

Geologie[Bearbeiten]

Zwenkau befindet sich regionalgeologisch im Bereich des Nordwestsächsischen Tertiärgebietes. Die kristalline Basis (Grundgebirge) wird durch mesozonal-metamorphe Serien des nordsächsischen Sattels und marinen Abfolgen des Zechsteins und des Buntsandsteins gebildet. Diese räumliche Nähe stratigraphisch und petrographisch höchst unterschiedlicher Serien wird durch die Röthaer Störung bewirkt, an deren Nordflanke das Kristallin des Nordsächsischen Sattels kippschollenartig angehoben ist.

Über dem Grundgebirge folgen klastische Sedimente des Tertiärs, in denen die Braunkohlenflöze II („Bornaer Hauptflöz“) und IV („Böhlener Oberflöz“) eingelagert sind. Den oberen Abschluss dieser Sedimentfolge bilden die Böhlener Schichten mitteloligozänen Alters in die brackisch-marine, glaukonithaltige Feinsande eingelagert sind. Die sogenannten „Pödelwitzer Formsande“ wurden gewonnen und in Leipziger Gießereien verwendet. Den Abschluss des geologischen Normalprofils bildet weichselkaltzeitlicher bis jungholozäner Löss bzw. Lösslehm.[2]

Klima[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Zwenkau beträgt 8,8 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,5 beziehungsweise 18 °C und die kältesten Dezember und Januar mit 0,5 beziehungsweise -0,5 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Juni mit durchschnittlich ca. 63 Millimetern, der geringste im Februar mit durchschnittlich ca. 33 Millimetern.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Zwenkau und gehören zum Landkreis Leipzig bzw. zur Stadt Leipzig:

Leipzig Markkleeberg
Kitzen (Pegau) Nachbargemeinden Böhlen
Pegau Groitzsch Neukieritzsch

Geschichte[Bearbeiten]

Vorindustrielle Zeit[Bearbeiten]

Zwenkau um 1840

Vorgeschichtliche Besiedelung wurde in der Gegend von Zwenkau durch archäologische Funde für ca. 6000 v. Chr. nachgewiesen.

Zwenkau ist eine der ältesten Städte im heutigen Sachsen; als slawische Siedlung wurde die Stadt 974 erstmals urkundlich erwähnt und als Civitas im Gau Chutizi bezeichnet. Kaiser Otto II. übertrug die Stadt damals dem Bistum Merseburg.[5] 1195 wurde Zwenkau als Marktort (forum) bezeichnet, 1332 als befestigter Ort (castrum). Seit 1356 hat Zwenkau einen Bürgermeister. 1316 wird zum ersten Mal die Zwenkauer Kirche erwähnt. Um 1525 gehörten zur Pfarrei Zwenkau die Pfarrkirche St. Laurentius und die Filialkirchen von Imnitz (seit 1988 nicht mehr genutzt)[6] und Pulgar (1971 wegen der Kohleförderung abgerissen).

Nach der Reformation kam Zwenkau mit dem Gebiet des Merseburger Stifts 1561/65 unter kursächsische Herrschaft. Schon damals war die Stadt amtsangehörig, das heißt, sie hatte keinen Grundherren.

Zwenkau war 1730 von Hexenverfolgung betroffen. Johann Rappe, 63 Jahre alt, geriet in einen Hexenprozess.[7]

Mit der Einführung der sächsischen Städteordnung im Jahr 1833 wurden die Vorstädte, die bisher unter Verwaltung des Amtes gestanden hatten, dem Zwenkauer Stadtrat unterstellt. 1929 erfolgte die Eingemeindung der unmittelbar ans Stadtgebiet angrenzenden Dörfer Imnitz und Kotzschbar.[8]

Demografie[Bearbeiten]

Im Schatten des aufstrebenden Leipzig entwickelte sich Zwenkau nur langsam. 1748 wurden knapp 90 Haushalte gezählt. Das entspricht 450 bis 500 Einwohnern. Nach dem Siebenjährigen Krieg erlebte die Stadt einen gewerblichen Aufschwung und die Bevölkerung verfünffachte sich in weniger als 100 Jahren. Noch vor der eigentlichen Industrialisierung zählte man 1834 in Zwenkau 2419 Einwohner. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Zwenkau vor allem durch den Kohletagebau und die Folgeindustrien stark. Von 1950 bis 1990 verlor der Ort 40 Prozent seiner Einwohner. Der seitdem wieder zu verzeichnende Anstieg ist zum großen Teil auf die Eingemeindungen zurückzuführen.


Bevölkerungsentwicklung[8]

Zwenkau und die Braunkohle[Bearbeiten]

Von 1890 bis 1908 wurde durch das Braunkohlenwerk Zwenkau Kohlenabbau im Tiefbau betrieben. Wegen starken Grundwasserflusses musste der Abbau eingestellt werden.

Zwenkau war bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges hinein beliebtes Ausflugsziel der Leipziger Großstadtbevölkerung durch das einst nordöstlich an die Stadt grenzende Waldgebiet Harth. Dieses wurde infolge des 1921 erfolgten Aufschlusses des Tagebaus Böhlen (1969 in Tagebau Zwenkau umbenannt) abgeholzt und abgebaggert. Unter der hauptsächlich aus Nadelgehölzen bestehenden Harth befanden sich mächtige Braunkohlenflöze, die im Zeitraum von 1950 bis etwa 1975 abgebaut wurden. Aufgrund der Weiterführung des Tagebaus über das Jahr 1970 hinaus wurde die Abbaggerung der Orte Bösdorf und Eythra 1970 endgültig beschlossen. Daraufhin wurde in den Jahren 1974 bis 1977 die Weiße Elster zwischen Kleindalzig und Hartmannsdorf in ein Betonbett um den Tagebau Zwenkau geleitet, ebenso musste die Eisenbahnstrecke Zeitz–Leipzig zwischen Großdalzig und Leipzig-Knauthain verlegt werden.

Zwenkauer Wohnsiedlung mit dem Kraftwerk Lippendorf

Volkswirtschaftliche Braunkohleplanungen der DDR sahen ab den 1980er Jahren im Rahmen der von der SED verkündeten „radikalen Auskohlung“ aller vorhandenen Braunkohlenreservelagerstätten vor, das gesamte Stadtgebiet von Zwenkau und die südliche Elsteraue (die Kleinstädte Pegau und Groitzsch eingeschlossen) bis vor Zeitz in Etappen bis zum Jahr 2050 abzubaggern, um die Energieversorgung und Industrie der sozialistischen Planwirtschaft weiter aufrechtzuerhalten. Die politische Wende von 1989/90 machte diese Pläne zunichte. Eine Realisierung des Vorhabens hätte auch dazu geführt, den Raum zwischen Leipzig und Zeitz weitestgehend siedlungsfrei zu machen, das Naturschutzgebiet Elsteraue des Südraumes Leipzig wäre verschwunden und die Weiße Elster hätte in ein weiteres betoniertes Kanalbett verlegt werden müssen.

Die Abbaugrenze des sich entgegen der Uhrzeigerrichtung um Zwenkau von 1921 bis 1999 bewegenden Tagebaues Zwenkau(Böhlen) wurde nach Abwägen der Interessen von Stadt und Braunkohlenwirtschaft durch den Planungsverband Westsachsen 1993 festgelegt. Die Tagebauabbaugrenze markiert die ehemalige Straße Eythra–Zitzschen. Mit dieser Entscheidung blieben die Lindenallee des einstigen Schlosses Eythra sowie das Auenwaldgebiet Eichholz erhalten. Der letzte Kohlezug verließ am 30. September 1999 den Tagebau Zwenkau.

Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung 1990[Bearbeiten]

Nach 1990 setzte eine Revitalisierung der städtischen Struktur Zwenkaus ein, neue Wohnsiedlungen entstanden, die Einkaufspassage Weinhold-Arkade wurde errichtet, und mit dem umgesetzten Konzept "KAP ZWENKAU" am Zwenkauer See hat die Stadt ihren Anteil am entstehenden Leipziger Neuseenland.

Der 2003 eingeweihte Belantis Vergnügungspark liegt durch den Zwenkauer See von der Stadt getrennt im Norden Zwenkaus an der A 38.

Am 1. Oktober 1996 wurde Rüssen-Kleinstorkwitz als Ortsteil der Stadt Zwenkau eingemeindet.[9]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[10]
Wahlbeteiligung: 51,4 % (2009: 50,5 %)
 %
50
40
30
20
10
0
47,2 %
26,2 %
11,6 %
10,9 %
4,0 %
n. k.
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,3 %p
+5,9 %p
+1,7 %p
+2,9 %p
-2,2 %p
-2,2 %p
-2,0 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 9 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft "Gemeinsam für Zwenkau" e. V. (GfZ): 5 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1873–1912: Oswald Ahnert (NLP)
  • 1990–2008: Herbert Ehme (DSU/CDU)
  • seit 2008: Holger Schulz (CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Silber einen blaugekleideten nimbierten Heiligen, in der Rechten einen schwarzen Rost, in der Linken einen grünen Palmzweig haltend. Dargestellt ist der Märtyrer Laurentius, Patron des Bistums Merseburg, zu dem Zwenkau gehörte, und auch der Stadtkirche. Älteste Siegel aus dem 15. Jahrhundert zeigen nur den Rost, seit dem 17. Jahrhundert wird der Heilige selbst dargestellt. Das Führen des Stadtwappens wurde ab 1971 durch die damaligen Staatsorgane untersagt. 1992 wurde die Führung des Wappens in der heutigen Form vom sächsischen Innenministerium genehmigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtkirche St. Laurentius
Der Sattelhof, rechts die umgesetzte Scheune
Haus Rabe im Bauhausstil

Kulturveranstaltungen[Bearbeiten]

Während es in den 1990er Jahren in Zwenkau keine aktive Kulturszene gab, hat sich seit etwa 2000 die Kulturinitiative Zwenkau entwickelt, welche unter anderem ein Kinoprogramm veranstaltet sowie Konzerte organisiert. Sie saniert das alte Kulturkino in Zwenkau. Ebenfalls wichtig ist der Förderverein Ostrock Zwenkau der seit einigen Jahren Rockkonzerte von Ostbands organisiert. So war zum Beispiel das Konzert von Renft 2009 ein voller Erfolg.

Einer der Höhepunkte im Zwenkauer Veranstaltungskalender ist das Laurentiusfest, welches immer am zweiten Augustwochenende eines jeden Jahres stattfindet. Andere wichtige Ereignisse sind die Frühjahrs und Herbstwanderungen, eine Tradition, die vom vorhergehenden Bürgermeister eingeführt und vom jetzigen fortgeführt wird. Seit 2004 findet zu Pfingsten das Radrennen Neuseen Classics für Profis und Amateure statt. Das Rennen steht in der Tradition der in der DDR stattfindenden Rennen Rund um die Braunkohle.

Kirchen[Bearbeiten]

Zwenkau hat eine evangelisch-lutherische Kirchgemeinde mit der barocken Stadtkirche St. Laurentius aus dem Jahr 1727, die 2001 umfassend renoviert worden ist. Die katholische Pfarrei Heilig Geist entstand durch die Ansiedlung katholischer Industriearbeiter seit Ende des 19. Jahrhunderts. Seit 1926 sammelten die Katholiken Geld für einen eigenen Kirchenbau. 1938 wurde Zwenkau als eigenständige Pfarrvikarie von der Leipziger Propsteigemeinde abgetrennt. Von 1940 bis 1951 nutzten die Katholiken die evangelische Dorfkirche von Imnitz. 1951 zog man in die eigene Kirche um, diese war ein umgebauter Tanzsaal, das Haus Kronprinz.

Der Sattelhof[Bearbeiten]

Der Sattelhof ist eines der ältesten Gebäude Zwenkaus und wurde 1431 erstmals urkundlich erwähnt. Das Fachwerkgebäude wurde um 1500 erbaut. Teile des Gebäudes stammen von einem Vorgängerbau. Im Jahr 2000 übernahm das Ehepaar Schlegel/Tietze den Hof. Seit dieser Zeit kümmert sich der Sattelhofverein um die Erhaltung des Gebäudes. Der Verein hat auch eine Scheune aus Heuersdorf nach Zwenkau umgesetzt.[11]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Tempelruine „Trianon“ aus der Zeit um 1790 unweit der Lindenallee von Schloss Eythra als letzter Rest des devastierten Ortes Eythra
  • Landschaftsschutzgebiet Eichholz mit Altwasser führendem Arm des um den Tagebau Zwenkau verlegten Flusses Weiße Elster
  • Naturschutzgebiet Imnitzer Lachen
  • Stadtkirche St. Laurentius Zwenkau
  • Rathaus am Bürgermeister-Ahnert-Platz, siehe auch Burg Zwenkau (Schloss Zwenkau)
  • Waldbad Zwenkau
  • KAP ZWENKAU, ein Ausstellungspavillon mit Restaurants
  • Haus für Dr. Rabe in der Ebertstraße 26, Bauwerk der klassischen Moderne von 1930, erbaut nach den Prinzipien des Neuen Bauens (Bauhaus-Stil) durch Adolf Rading und Oskar Schlemmer - Professoren an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau.
  • Wasserturm, erbaut 1904 von Clemens Thieme, Höhe ca. 45 m
  • ehem. Bahnhof in Zwenkau
  • Kirchen in Großdalzig, Imnitz, Tellschütz und Zitzschen
  • Fachwerkbauten
  • Lärche in Großdalzig, Jahresringe verknüpft mit historischen Daten

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Grabstätten mit Gedenktafel für drei unbekannte sowjetische Kriegsgefangene, die 1944 ermordet wurden, von denen auf dem Friedhof des Ortsteiles Großdalzig zwei und der dritte auf dem Friedhof von Tellschütz begraben wurden
  • Grabstätten mit Gedenkstein auf dem Friedhof des Ortsteiles Rüssen-Kleinstorkwitz für zwei sowjetische sowie zwei unbekannte Personen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Ein Sowjetischer Ehrenhain mit Gedenkstein auf dem Friedhof an der Pestalozzistraße erinnert an 20 sowjetische Frauen und Männer, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Ein Gedenkstein vor der Grundschule Pestalozzistraße war zu DDR-Zeiten den örtlichen Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus gewidmet: Fritz Deus (1941 in einem Arbeitskommando des KZ Sachsenhausen gestorben) und dem kommunistischen Stadtverordneten Arthur Mahler (1945 im KZ Sachsenhausen ermordet). Seit 1995 ist die Inschrift allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Offizin Andersen Nexö
Klinik

Zwenkau ist eine Stadt im Kreis Leipzig und verfügt über zwei Gewerbegebiete. Die hier angesiedelten Gewerbe sind vielfältig, neben Unternehmen aus dem Elektrohandel und -großhandel, dem Baustoffhandel und des Druckereigewerbes gibt es in den zwei südlichen Gewerbegebieten außerdem noch seit 2011 eine Fabrik der Solarmodulfirma Solarion sowie eine Tankstelle, und zwei Fabriken zur Herstellung von Nahrungsmittelverpackungen.

Die Kliniken Leipziger Land, ein Regelversorger mit 480 Betten, besteht aus der Klinik Borna und der Klinik Zwenkau, welche eine Innere Medizin (70 Betten) mit Internistischer Intensivstation (6 Betten), die Radiologie sowie ein Geriatriezentrum als Rehabilitationsklinik umfasst. Die früher in Zwenkau vorhandenen Fachrichtungen wurden in Borna konzentriert. Seit dem 1. Februar 2014 gehören die Kliniken einer Gesellschaft des Gründers der Rhön-Kliniken Eugen Münch[12].

Die Offizin Andersen Nexö Leipzig hat ihren Sitz nach Zwenkau verlegt, wo ca. 200 Mitarbeiter arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Südöstlich der Stadt verläuft die Bundesstraße 2, südwestlich die B 186. Außerhalb des Gemeindegebiets, etwa 5 km östlich vom Stadtkern, vereinigen sich B 2 und B 95 und führen nach Norden. Nach weiteren 2 km wird die B 2/B 95 mittels der Zwenkau nächstgelegenen AS Leipzig-Süd an die A 38 angebunden. Richtung Göttingen quert die A 38 das Gemeindegebiet am Nordende des Zwenkauer Sees ohne Anschlussstelle, bevor mit den AS Leipzig-Neue Harth und AS Leipzig-Südwest an die B 186 im Westen weiter entfernte Anbindungen bestehen.

Vereinfachend beschrieben werden Stadt und See von einem Dreieck umschlossen, das sich durch die Kreuzungspunkte von A 38, B 186 und B 2 ergibt.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Am Ortsausgang liegt südöstlich der Stadt der Flugplatz Böhlen. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ca. 35 km und der Flughafen Leipzig-Altenburg ca. 25 km entfernt.

Personennahverkehr (ÖPNV)[Bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof Zwenkau

Bis 1966 bestand mit dem Bahnhof Zwenkau an der Bahnstrecke Gaschwitz–Meuselwitz ein Anschluss an das Schienennetz. Der Streckenteil Zwenkau-Gaschwitz wurde in der Folge vom ehemaligen Tagebau Zwenkau überbaggert. Das Bahnhofsgebäude wurde von 2006 bis 2009 als Wohnhaus saniert.

Die Stadt liegt im Verbundgebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Zwenkau liegt mit den Städten Rötha und Böhlen in der Tarifzone 152.

Der nächstgelegene Haltepunkt ist der knapp sechs Kilometer vom Zwenkauer Zentrum entfernte Haltepunkt Großdeuben, der durch die S 4 bedient wird. Im Gemeindeteil Großdalzig an der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella befindet sich zudem der Bahnhof Groß Dalzig. Diese Verkehrsstation wird von der RB51 (Leipzig-Zeitz-Gera-Saalfeld) bedient.

Durch die Regionalbus Leipzig wird Zwenkau mit den Linien 100, 101, 107, 120, 123, 124 und 144 in alle Himmelsrichtungen angebunden. Ein Busbetriebshof der Gesellschaft liegt im Zwenkauer Gewerbegebiet am Wasserwerk.

Die Linie 107 ist die wichtigste Buslinie und verkehrt als Stadt-Regionalbus. Sie übernimmt innerhalb der Stadt Zwenkau Verkehrsaufgaben und führt über Markkleeberg bis nach Leipzig-Connewitz. Der Takt der Linie 107 ist mit den Abfahrtszeiten der S-Bahn S 4 an den Bahnhöfen Großdeuben, Gaschwitz und Großstädteln abgestimmt.

Die Linie 100 verkehrt über die B 2 als PlusBus zwischen Groitzsch, Zwenkau und dem Bahnhof Markkleeberg und ersetzt die fehlende Anbindung an das Streckennetz der Bahn. Zweimal täglich verkehrt die Linie 412 der THÜSAC Personennahverkehrsgesellschaft und ergänzt dabei den Takt des PlusBus. Die 412 stellt eine Verbindung nach Altenburg im Freistaat Thüringen her. Zwischen Zwenkau und Leipzig verkehrt sie analog der Linie 100. An Samstagen, Sonn- und Feiertagen ist Zwenkau an das Nachtbusnetz der Stadt Leipzig mittels Nightliner N10 angeschlossen, dessen Streckenverlauf dem des PlusBus entspricht.

Touristischer Verkehr[Bearbeiten]

Treffpunkt touristisch ausgewiesener Radrouten bei Kleindalzig
Elster-Radweg Logo.svg
Signet Elster-Radroute
Signet Pleißeradweg.png
Signet Pleiße-Radroute

Mehrere thematische Rad- und Wanderrouten führen durch Zwenkau. Von Leipzig kommend treffen sich alle beschilderten Radrouten an der Elsterbrücke bei Kleindalzig. Mit Ausnahme des Äußeren Grünen Ringes, welcher über die Dörfer Kleinschkorlopp und Zitzschen erradelt wird, führen die Routen entlang des Westufers des Zwenkauer Sees auf einem asphaltierten, für den motorisierten Verkehr gesperrten Weg.

Ab Kleindalzig verlassen Elster- und Neuseenland-Radroute das Zwenkauer Land und führen gemeinsam über Wiederau nach Pegau in den Süden. Wer den Markierungen des 7-Seen-Wanderwegs folgen möchte, wandert bereits am Aussichtspunkt Zitzschen nach Osten und begibt sich an der Südseite des Zwenkauer Sees bis zur Lindenallee, welche den Wanderer an der künstlich angelegten Ruine Trianon mit dem Äußeren Grünen Ring verbindet. Gemeinsam führen diese weiter durch das Eichholz in das Zentrum von Zwenkau. Südwestlich der Stadtgrenze verläuft der Äußere Grüne Ring entlang der S 72 nach Böhlen mit Anschluss an die Pleiße-Radroute, während die 7-Seen-Wanderer die Stadt am Ostende des Sees in Richtung Gaschwitz und Neue Harth verlassen.

Nahe der Südstraße zweigt ein gemeinsamer Fuß- und Radweg Richtung Groitzsch ab, für den ein Teil der ehemaligen Bahnstrecke Gaschwitz–Meuselwitz umgenutzt wurde. Aufgrund bestehender Überbauung konnte dieser Weg in Zwenkau nicht durchgängig bis an den alten Bahnhof herangeführt werden.[13]

Schulen[Bearbeiten]

Die Grundschule in Zwenkau ist eine staatliche, während im Gemeindeteil Döhlen seit 2008 eine staatlich anerkannte Montessori-Ganztagsschule besteht. Neben der Grundschule wird in Zwenkau ein Freies Gymnasium durch die DPFA Akademiegruppe betrieben. Die Gründung einer Freien Oberschule in Zwenkau wurde erwogen.[14]

Die nächsten staatlichen Gymnasien befinden sich in Groitzsch und Markkleeberg, die nächstgelegene Oberschule in Böhlen.

Mehrere Schulen der Gemeinde wurden durch Sachsens Kultusministerium aufgrund zu geringer Schülerzahlen geschlossen, darunter auch die bis 2006 bestehende staatliche Mittelschule Zwenkaus in deren Gebäude heute das Freie Gymnasium besteht.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Volksmund wird Zwenkau auch „Zwenke“ genannt. Vom Mittelalter her hatte es den Spitznamen „Mausezwenke“. Weshalb, darüber gibt es viele Gerüchte. Eine Version stammt aus dem ehemaligen Wettbewerb zwischen Zwenkau und Leipzig um das Markt- und Messerecht. Händler, die aus dem Süden nach Leipzig zum Markt wollten, mussten in Zwenkau einen Strafzoll entrichten, der von den Leipzigern und den Händlern als Mausen (= Stehlen) bezeichnet wurde, womit Zwenkau als Mause-Zwenke bekannt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Oswald Ahnert (1843–1920), Jurist und Politiker, Bürgermeister von Zwenkau, MdL (Königreich Sachsen)
  • Luz Long (1913–1943), Leichtathlet, 1936 olympischer Silbermedaillengewinner im Weitsprung, war 1938–1940 Rechtsreferendar am Zwenkauer Amtsgericht

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Ehme, Maik Kunze, Peter Bringer, Hans J. Ketzer, Dietrich Wünschmann, Peter Thieme, Ingo Campen, Susanne Friederich, Jan Noack, Markus Cottin: Im Elsterland zwischen Zwenkau, Groitzsch und Pegau. PRO LEIPZIG e. V., 2002, ISBN 3-936508-92-5
  • Zwenkau: 974-1974; Dokumente. Rat der Stadt Zwenkau, 1974
  • Cornelius Gurlitt: Zwenkau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 146.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zwenkau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. L. EISMANN: Geologie des Bezirkes Leipzig; Naturkundliches Museum Leipzig, 1970
  3. Niederschlag Monatswerte 1961–1990 für Zwenkau-Zitzschen (DWD)
  4. Klimadaten für Zwenkau (sonnenlaender.de)
  5. CDS I A1, 18
  6. Die Imnitzer Kirche
  7. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 537.
  8. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDigitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Abgerufen am 12. August 2008.
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  10. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  11.  Karina Gärtner, Andreas Schönstedt: Stadtmagazin Zwenkau. 4. Auflage. Stadtmagazinverlag AS GmbH, Altlandsberg 2008 (Zwenkau08.pdf, abgerufen am 14. Dezember 2014).
  12. Pressemitteilung der Helios-Kliniken vom 27. Januar 2014
  13. SN 1.03 Groitzsch – Zwenkau. Auf: bahntrassenradeln.de, abgerufen am 13. November 2014.
  14. Mittelschule Zwenkau bleibt Vision. auf: lvz-online.de, abgerufen am 19. Dezember 2014.