Hacke (Werkzeug)

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Junge Frau mit Hacke, DDR, 1951

Eine Hacke, landwirtschaftlich auch Hau, Haue, regional, vor allem oberdeutsch und österreichisch-deutsch auch Heindl, Heinl, Häundl, Häunl, Harke oder Krampen genannt, abgewandelt auch Karst, ist ein Handwerkzeug zur Bodenbearbeitung, insbesondere zur Lockerung und zum Lösen des Bodens.

Bauweise und Ursprung[Bearbeiten]

Zur Schäftung siehe: Schäftung (Vor- und Frühgeschichte)

Chinesische Figurinen mit Hacken und Schaufel. Tang-Dynastie (618–907)
Pickel [8] und Kreuzhacke [7] aus römischer Zeit, Pompeji, 79 n. Chr.

Im Unterschied zum Pickel (Spitzhacke, Pickhacke) hat die Hacke ein quer geschäftetes Blatt, an dessen hinterem Ende sich zur Aufnahme des Stiels entweder eine ringförmige Öse (das Haus) oder eine Dülle befindet, in die der Stiel eingesteckt wird. Bei vielen Bauformen mit Haus wird das Hackenblatt vom Griff her auf den Stiel gesteckt und nicht durch Gegenkeile, sondern durch die Verbreiterung des Stiels fixiert. Je nach Bauart und Verwendungszweck ist der Stiel etwa 1,00 m bis 1,40 m lang, bei Einhandhacken auch kürzer, bei Feldgeräten auch länger.

Ursprungsform der Hacke ist der knieförmige Grabstock, der den Anfang des Hackbaus als Stammform der Landwirtschaft markiert.

Ähnliche Werkzeuge sind die Dexel für die Holzbearbeitung und der Zweispitz für die Steinbearbeitung sowie die Steinhacke für die Gewinnung von Steinplatten.

Formen, Funktion und Verwendung[Bearbeiten]

Landwirtschaftliche Geräte: Unterschiedliche Hackenblätter, teils mit Sauzahn, teils als Karst, Centro Etnográfico de Soutelo de Montes, Pontevedra, Spanien

Feldhacke in der Landwirtschaft[Bearbeiten]

Als landwirtschaftliches Gerät auch Breithacke, Feldhacke, Haue, Feldhaue, Harke, Erdharke oder Feldharke genannt, sind Größe und Form des Blattes abhängig vom Einsatzzweck, insbesondere von der „Schwere“ und der Steinigkeit des Bodens. So haben sich regional vielfältige Ausformungen entwickelt.

Zum Lösen „schwerer“ – also lehmiger oder tonhaltiger – Böden wird ein kleines Hackenblatt verwendet, für lockere und sandige Böden hingegen ein großes und breites Blatt wie beispielsweise bei der Ziehhacke oder dem vergleichbaren Schuffeleisen.

Mit der Hacke wird der Boden nicht – wie beim Spaten oder beim Pflug – gedreht, sondern er behält seine ursprüngliche Schichtung.

Heutzutage wird die Hacke – abgesehen von der Kleingärtnerei und dem heimischen Garten – als landwirtschaftliches Gerät überwiegend nur noch in Entwicklungsländern verwendet; in Industrieländern wurde sie zumeist durch den Pflug, die Fräse und die Motorhacke verdrängt.

Rodehacke in der Rodung[Bearbeiten]

Als Werkzeug bei der Rodung (dem „Reuten“) von Sträuchern und Bäumen auch Rodehacke, Rodehaken, Rodehaue, Rodhaue, Radehacke (sächsisch), Reuthaue, Reuthacke, Reute oder Reithack genannt, wird zum Entfernen der Wurzeln – als Übergangsform zur Dexel – eine Hacke in besonders robuster Ausführung verwendet.

Spitzhacke, Kreuzhacke, Wiedehopfhacke[Bearbeiten]

Links: Kreuzhacke (Flachspitzhacke)
Rechts: drei Wiedehopfhacken
  • Die Spitzhacke, auch als Pickhacke bezeichnet, ist genau genommen ein Pickel mit zwei Spitzen anstelle des Hackblattes.
  • Die Kreuzhacke, auch Flachspitzhacke oder Flachkreuzhacke genannt, oberdeutsch auch als Krampen, im östlichen Europa als Krumpatsch (tschechisch Krumpáč), umgangssprachlich und als Handelsname als „Spitzhacke“ schlechthin bezeichnet, ist eine Hacke mit zwei unterschiedlich ausgeformten Blättern: Als Mischform aus Pickel und Hacke ist das eine Blatt (mehr oder minder) spitz ausgeformt, während das andere Blatt ein quer geschäftetes, abgeflachtes Hackenblatt bildet, das in einer flachen Schneide ausläuft. Die Kreuzhacke wird vor allem im Erdbau und im Tiefbau zum Lösen von steinigen und geröllhaltigen Böden eingesetzt.
  • Die Wiedehopfhacke besitzt ein quer geschäftetes Blatt und – ähnlich einer Axt oder einem Beil – ein längs geschäftetes Blatt; sie wird vor allem zur Arbeit in stark durchwurzelten Böden verwendet.

Abwandlungen und Kombinationen[Bearbeiten]

Hacken mit Zinken in zusätzlicher Funktion eines Erdrechens werden auch als Karst bezeichnet.

Auch hier finden sich vielfältige Varianten; diejenigen mit stark gekröpftem Hals oder steil rückständiger Blattspitze, auch Scharre genannt, bilden Übergangsformen zum Sauzahn (Kultivator).

Für das Unkrautjäten wurde die Schuffel entwickelt, bei der das Hackblatt horizontal angebracht ist.

Heraldik[Bearbeiten]

Da die Hacke Inbegriff mittelalterlicher Landnahme ist, enthalten viele Wappen Hacken als heraldisches Element. Die Hacke verweist dabei allgemein auf Feldbau oder Forstarbeit; bei einem Bezug zu Rodungen unter Verweis auf das Entstehen einer Siedlung wird oft eine Rodehacke blasoniert. Bei Rodungsnamen ist das Bild „sprechend“. Einzelne Hacken stehen in Bezug zu Metallverarbeitung (Werkzeugschmiederei).

Das Werkzeug ist eine „gemeine Figur“; eine bevorzugte Stellung im Wappenschild ist nicht belegt.[1] Diese Darstellungen sind auch werkzeugkundlich interessant, weil sie die Regionalformen abbilden.

Die Hacke als Wappenbild[Bearbeiten]

Region: Sortierbar nach NUTS, außerhalb der EU ISO 3166, so lassen sich gemeinsame Regionen zusammenstellen
Blason: Die Blasonierung (der Wortlaut) ist verbindlich, die Darstellung Freiheit des Heraldikers. Daher ist, wo bekannt, der präzise Blason angegeben
Vorletzte Spalte: Rodungsname (sortiert nach Wortstamm, siehe den Fachartikel)
Letzte Spalte: Form (Heft unten); ⋂ … biberschwanzförmig abgerundet; ♠ … spatenförmig breit auf spitz; ▲ … kellenförmig verjüngend auf schmale Schneide; ▐ … lange schmale, stichel- oder pickelförmige Klinge; ■ … undifferenziert breit; ▼ … spatel- oder axtförmig schmal auf breite Klinge auslaufend; 〪 … Form undefinierbar
Wappen Träger Region Blason und Anmerkungen
Wappen Bachum.svg Bachum Hochsauerland NW Hacke, golden, schräggestellt
Wappen Bad Homburg vor der Höhe.svg Bad Homburg vor der Höhe Hochtaunus HE
Wappen Bernitt.svg Bernitt Rostock MV Hacke, silbern (schräggekreuzt mit einem bischöflichen Krummstab, unten eine Pflugschar)
Chaloupky BE CZ CoA.gif Chaloupky Beroun ST tschechisch hornické motyky (‚Bergmannshauen‘),[2] silbern mit goldenem Stiel, gekreuzt
Cimer coa.svg Číměř nad Jihlavou Třebíč VY
Wappen Erdmannsweiler.png Erdmannsweiler Schwarzwald-Baar BW ? (gekreuzt mit einem Spaten)
südwestdeutscher Typus mit eingesenkter Kante, Darstellung sprechend (Erdbearbeitung)
Wappen Friedrichroda.png Friedrichroda Gotha TH Hacke, silbern mit schwarzem Stiel *
Hagen (SE) Wappen.png Hagen Segeberg SH Hacke, silbern (schräg gekreuzt mit einer Axt)
stark gebogene Form
*
Wappen Haynrode.png Haynrode Eichsfeld TH Rodehacke, golden[3] *
Wappen Herold (Rheinland-Pfalz).png Herold Rhein-Lahn RP Rodehacken rot, gekreuzt
früherer Ortsname: Herberod
*
De Coat Kefenrod.gif Kefenrod Wetterau HE *
Wappen Langendorf.png Langendorf Burgenland ST Rodehacke, silbern, silbern gestielt (und eine silberne Sense)
Wappen Langhagen.svg Langhagen Rostock MV Rodehacken, golden, schräggekreuzt *
Lappi.vaakuna.svg Lappi Westfinnland
Loucna nad Desnou CoA CZ.jpg Loučná nad Desnou Šumperk OL tschechisch motyky[2], golden
DEU Marienheide COA.svg Marienheide Oberbergischer Kreis NW Rodehacken, silbern mit goldenen Stielen, gekreuzt *
Wappen von Oberrod.png Oberrod Westerwald RP Rodehacke, silbern *
Piippola.vaakuna.svg Piippola Nordösterbotten
Wappen Pingelshagen.png Pingelshagen Nordwestmecklenburg MV Rodehacke, schwarz, gestürzt *
Wappen von Rammingen Unterallgaeu.png Rammingen Unterallgäu BY Reuthauen, golden, schräg gekreuzt
Wappen Reinholterode.png Reinholterode Eichsfeld TH *
Wappen von Rinchnach.png Rinchnach Landkreis Regen, Niederbayern BY zwei schräg gekreuzte silberne Reuthauen mit schwarzen Griffen
Rüti bei Büren-coat of arms.svg Rüti bei Büren Büren BE Reuthau[4] *
Rudersdorfwappen.jpg Rudersdorf Sömmerda TH Rodehacke, mit schwarzem Stiel und blauem Blatt (mit Baumstumpf) *
Escut de Sora.svg Sora Barcelona spanisch azada, katalanisch aixada, golden (gekreuzt mit einem Karst)
Wappen Weissenborn-Luederode.png Weißenborn-Lüderode Eichsfeld TH *

In Mecklenburg ist die Rodehacke auch in den Wappen von Möllenhagen und Rövershagen abgebildet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hacken (Krampen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Hacken (Hauen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Hacke/Beil in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hacke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Autorengemeinschaft: Pfälzisches Wörterbuch. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden-Stuttgart 1965–1997
  2. a b vergl. Motyka in der polnischsprachigen Wikipedia
  3. Haynrode, Eichsfeldprojekt
  4. Heraldry of the World