Hallschlag

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hallschlag (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Hallschlag
Hallschlag
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Hallschlag hervorgehoben
50.3536111111116.4383333333333480Koordinaten: 50° 21′ N, 6° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Vulkaneifel
Verbandsgemeinde: Obere Kyll
Höhe: 480 m ü. NHN
Fläche: 12,74 km²
Einwohner: 468 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner je km²
Postleitzahl: 54611
Vorwahl: 06557
Kfz-Kennzeichen: DAU
Gemeindeschlüssel: 07 2 33 214
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausplatz 1
54584 Jünkerath
Webpräsenz: www.hallschlag.de
Ortsbürgermeister: Dirk Weicker
Lage der Ortsgemeinde Hallschlag im Landkreis Vulkaneifel
Scheid Hallschlag Ormont Kerschenbach Reuth Stadtkyll Jünkerath Schüller Gönnersdorf Esch Feusdorf Lissendorf Birgel Steffeln Wiesbaum Berndorf Hillesheim (Eifel) Oberbettingen Basberg Kerpen (Eifel) Üxheim Nohn Oberehe-Stroheich Walsdorf Dohm-Lammersdorf Duppach Kalenborn-Scheuern Rockeskyll Pelm Berlingen Hohenfels-Essingen Gerolstein Neroth Birresborn Kopp (Vulkaneifel) Mürlenbach Densborn Salm Dreis-Brück Betteldorf Daun Dockweiler Hinterweiler Kirchweiler Kradenbach Nerdlen Sarmersbach Gefell Hörscheid Darscheid Utzerath Schönbach Steiningen Steineberg Demerath Winkel (Eifel) Immerath Strotzbüsch Mückeln Strohn Gillenfeld Ellscheid Saxler Udler Mehren Schalkenmehren Üdersdorf Brockscheid Bleckhausen Oberstadtfeld Wallenborn Niederstadtfeld Weidenbach Schutz Meisburg Deudesfeld Borler Bongard Boxberg Neichen Beinhausen Katzwinkel Hörschhausen Berenbach Kötterichen Höchstberg Kaperich Lirstal Oberelz Arbach Retterath Uersfeld Mannebach Bereborn Kolverath Sassen Gunderath Horperath Ueß Mosbruch Kelberg Gelenberg Bodenbach Reimerath Welcherath Brücktal Kirsbach Drees Nitz Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-Zell Landkreis Bernkastel-Wittlich Eifelkreis Bitburg-Prüm Nordrhein-Westfalen Landkreis Ahrweiler BelgienKarte
Über dieses Bild

Hallschlag ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Obere Kyll an, deren Verwaltungssitz in Jünkerath ist.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zwischen 490 m und 640 m über NN an der Grenze zwischen Rheinischem Schiefergebirge und der Vulkaneifel am Rande der Schnee-Eifel. Der Ort liegt in einer Talmulde und ist eingebettet in die reizvolle Landschaft der Mitteleifel. Hallschlag gehört zum Erholungsgebiet Oberes Kylltal. Drei Kilometer westlich befindet sich die belgische Grenze. Die Gemarkung grenzt im Westen, Norden und Osten an Nordrhein-Westfalen.

Zu Hallschlag gehören auch die Wohnplätze Frauenkronerweg, Köppheck, Siedlung, Steinebrück und Zur Kehr.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde 1322 erstmals urkundlich erwähnt. Hallschlag gehörte damals zur luxemburgischen Herrschaft Kronenburg. Im 15. Jahrhundert gelangte der Ort an die Grafen von Manderscheid-Schleiden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gehörte Hallschlag mit der Herrschaft Kronenburg der Blankenheimer Linie der Grafen Manderscheid-Blankenheim. Landesherrlich gehörte der Ort bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Herzogtum Luxemburg, das Teil der Österreichischen Niederlande war. Nach der Einnahme der Region durch französische Revolutionstruppen (1794) gehörte Hallschlag von 1795 bis 1814 zum französischen Departement Ourthe und war Hauptort einer Mairie im Kanton Kronenburg.

Der Ort wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Pfarrei erhoben.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kamen aus dem Departement Ourthe die drei Gemeinden Hallschlag, Ormont und Scheid zum Königreich Preußen. Die drei Gemeinden wurden der Bürgermeisterei Hallschlag im 1816 neu errichteten Kreis Prüm im Regierungsbezirk Trier zugeordnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hallschlag zu 80 % zerstört. Im Zuge der dortigen Kampfhandlungen während der Ardennenoffensive wurden bei Hallschlag am 25. Dezember 1944 u. a. der Professor der Universität Rostock Wilhelm Troitzsch (1900–1944) und der Reichstagsabgeordnete und SA-Obergruppenführer Generalmajor z. V.[3] Kurt Kühme (1885–1944) getötet.[4]

Im Rahmen der rheinland-pfälzischen Funktional- und Gebietsreform wurde Hallschlag zusammen mit 14 weiteren Gemeinden am 7. November 1970 vom gleichzeitig aufgelösten Landkreis Prüm in den Landkreis Daun (seit 2007 Landkreis Vulkaneifel) umgegliedert.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hallschlag, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[6]

Jahr Einwohner
1815 293
1835 390
1871 384
1905 369
1939 919
Jahr Einwohner
1950 419
1961 472
1970 457
1987 486
2005 557
Jahr Einwohner
2013 468

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Hallschlag besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden. Bis 2014 gehörten dem Gemeinderat zwölf Ratsmitglieder an.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Unter rotem Schildhaupt mit drei goldenen Kugeln, in Silber ein blauer, schrägrechter Wellenbalken.“ Die drei goldenen Kugeln im Schildhaupt sind Attribute des Heiligen Nikolaus, der Kirchen- und Ortspatron von Hallschlag ist. Der Wellenbalken ist aus dem Wappen der Ritter Holzappel von Basenheim übernommen, die in Hallschlag begütert waren. Am 1. März 1340 übertrugen Ritter Johann Holzappel von Basenheim und seine Ehefrau für 100 Heller ihren Hof zu Halczlach an Erzbischof Balduin von Trier.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pilgerkreuz der St. Matthias-Bruderschaft an der Straße nach Ormont, etwa 100 m hinter der ehemaligen Bahnbrücke
  • Reste und Relikte der ehemaligen Westwallanlagen westlich des Ortes

Siehe auch:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Windkraftanlagen[Bearbeiten]

Seit 1997 gibt es auf der Gemarkung Hallschlag einen Windpark mit 36 Windkraftanlagen.[9]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Ort führt die B 421.

Die Bahntrasse der ehemaligen Vennquerbahn wird gegenwärtig zu einem Wander-und Radverkehrsweg ausgebaut (RAVeL-Netz-Linie 45a Waimes-Jünkerath), mit Anschluss sowohl in Weywertz an die Vennbahnstrecke als auch in Jünkerath an das deutsche Radwegenetz.[10]

Ehemalige Munitionsfabrik Espagit[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung der Gemeinde Hallschlag bei Kehr ist das nach außen abgeschirmte Gelände der Giftgas- und Munitionsfabrik Espagit gelegen. Hier waren von 1915 bis 1920 rund zweitausend Menschen beschäftigt, bis die Fabrik schließlich im Mai 1920 explodierte. Das vormalige Betriebsgelände stellt bis heute eine immense Umweltgefahr dar, weil in dem Boden weiterhin noch unentdeckte Sprengkörper und Gasgranaten sowie andere Gifte vorhanden sind.[11]

Anfang der 1990er Jahre entschied sich das für Munitionsräumung zuständige Innenministerium in Mainz für ein Konzept, den hoch kontaminierten ehemaligen Produktionsbereich der Munitionsfabrik mit rund 13 ha Fläche nur oberflächig zu entmunitionieren. Im Anschluss daran wurde das Gelände durch eine Erdabdeckung und einem Drahtgeflecht gesichert, wodurch langfristig der direkte Kontakt zwischen belastetem Boden und Menschen verhindert werden soll. Das kontaminierte Sickerwasser wird im Rigolensystem erfasst und dann in einer Wasserreinigungsanlage behandelt.[12]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hallschlag – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 74 (PDF; 2,3 MB)
  3. Bundesarchiv, „Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik”, abgerufen am 11. November 2014
  4. Schubert, Werner (Hrsg.): Ausschüsse für Luftrecht, Luftschutzrecht, Kraftfahrzeugrecht und Rundfunkrecht, Peter Lang GmbH Internationaler Verlag der Wissenschaften Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-57301-3, S. XXXIV. Am 25. Dezember 1944 wurden im ganzen Eifelraum Angriffe der Alliierten geflogen. Vgl. Festschrift zum Pfarrfest der Pfarrei Üxheim, 1980, sowie Schulchronik Ahrdorf.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, S. 160, 161 (PDF; 2,1 MB).
  6. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen.
  8. Wappenbeschreibung auf der Internetpräsenz der Verbandsgemeinde Obere Kyll
  9. Liste von Windkraftanlagen in Rheinland-Pfalz, abgerufen am 11. November 2014
  10. Ganz locker über 28 Brücken radeln, Kölnische Rundschau, abgerufen am 6. Juni 2011
  11. Franz Albert Heinen: Die Todesfabrik. Espagit – Die geheime Granatenschmiede. Eine Dokumentation, Helios, Aachen 2000, ISBN 3-933608-14-7.
  12. Die Espagit wurde zum Millionengrab. Kölner Stadtanzeiger, 3. Juli 2008.