Klettgau (Gemeinde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Klettgau
Klettgau (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Klettgau hervorgehoben
47.64258.4216666666667407Koordinaten: 47° 39′ N, 8° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Waldshut
Höhe: 407 m ü. NHN
Fläche: 45,87 km²
Einwohner: 7462 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 163 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79771
Vorwahl: 07742
Kfz-Kennzeichen: WT
Gemeindeschlüssel: 08 3 37 062
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Degernauer Straße 22
79771 Klettgau-Erzingen
Webpräsenz: www.klettgau.de
Bürgermeister: Volker Jungmann (SPD)
Lage der Gemeinde Klettgau im Landkreis Waldshut
Aare Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Lörrach Landkreis Konstanz Landkreis Tuttlingen Schwarzwald-Baar-Kreis Albbruck Bad Säckingen Bernau im Schwarzwald Bonndorf im Schwarzwald Dachsberg (Südschwarzwald) Dettighofen Dogern Eggingen Görwihl Grafenhausen Häusern Herrischried Höchenschwand Hohentengen am Hochrhein Ibach (Schwarzwald) Jestetten Klettgau (Gemeinde) Küssaberg Lauchringen Laufenburg (Baden) Lottstetten Murg (Hochrhein) Rickenbach (Hotzenwald) St. Blasien Stühlingen Todtmoos Ühlingen-Birkendorf Waldshut-Tiengen Wehr (Baden) Weilheim (Baden) Wutach (Gemeinde) Wutöschingen Schweiz RheinKarte
Über dieses Bild

Klettgau ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Klettgau liegt im unteren Klettgautal entlang der drei Bachläufe Klingengraben, Schwarzbach und Seegraben. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von 390 bis 670 Meter.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Klettgau grenzt an die Schweizer Gemeinden Trasadingen und Wilchingen im Kanton Schaffhausen sowie Wasterkingen im Kanton Zürich und die deutschen Gemeinden Wutöschingen, Lauchringen, Küssaberg, Hohentengen am Hochrhein und Dettighofen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Klettgau besteht aus den Ortsteilen

Die räumlichen Grenzen der Ortsteile sind identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Beistrich getrennt der Name des jeweiligen Ortsteils. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[2]

Zum Ortsteil Bühl gehören die Weiler Bühl, Mittelhof und Oberhof und die Höfe Berchenhof (Sommerau) und Kaiser(Keppele)hof. Zum Ortsteil Erzingen gehört das Dorf Erzingen. Zum Ortsteil Geißlingen gehören das Dorf Geißlingen und das Gehöft Heideggerhof. Zum Ortsteil Grießen gehören das Dorf Grießen, der Weiler Reutehof, das Gehöft Bergscheuerhof und die Häuser Alte Mühle und Brand, die Bahnstation Grießen und die Ziegelhütte. Zum Ortsteil Rechberg gehört der Weiler Rechberg. Zum Ortsteil Riedern a. S. (ehemalige Gemeinde Riedern am Sand) gehören die Dörfer Oberriedern und Unterriedern. Zum Ortsteil Weisweil gehören das Dorf Weisweil und die Höfe Burgstall(hof) und Nägele(Feld)hof.

Hauptort Erzingen vom Süden aus aufgenommen.
Der Klettgauer Ortsteil Grießen von Westen aus gesehen.
Das ehemalige Geißlinger Rathaus im Jahr 2005.
Bühl im Klettgau

Im Gemeindegebiet liegen die folgenden Wüstungen und abgegangenen Burgen: die Wüstung Hof Erwis (Ortsteil Bühl), im Ortsteil Erzingen die Wüstungen Harthausen, Schlatt, Stierenhausen und nicht mit Sicherheit im Ortsteil Erzingen Oberwiller; im Ortsteil Grießen die Wüstung Münchingen; im Ortsteil Riedern a. S. die wenigen Überreste der Burg Neukrenkingen und nicht mit Sicherheit im Ortsteil Riedern a. S. die Wüstung Häuserhof; im Ortsteil Weisweil liegt der Burgstall Weißenburg.[3]


Geschichte[Bearbeiten]

Erzingen wird urkundlich erstmals genannt in pago Chleggouve in villa Arcingen im Jahr 876 in einem Cartular des Klosters Rheinau.[4] In Erzingen gab es ein Dorfadelsgeschlecht, die Herren von Erzingen. In Urkunden ab 1353 werden sie erwähnt als Edelknecht oder Junker, sie waren verwandt mit denen von Bettmaringen und von Grießen. Um 1529 werden sie nicht mehr genannt. Die Kirchenrechte gingen im Jahre 1436 vom Bistum Konstanz an das Kloster Rheinau über. Dabei wird erstmals der in Erzingen noch heute verbreitete Familienname Indlekofer genannt. 1486 wurde Erzingen im Waldshuterkrieg von den Eidgenossen eingenommen. Erzingen gehörte zur Landgrafschaft Klettgau, war damit Teil der Herrschaft Schwarzenberg und kam mit dessen Verkauf an das Großherzogtum Baden.

Die Gemeinde Klettgau wurde am 1. August 1971 im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform aus den bis dahin selbständigen Ortschaften Erzingen, Grießen, Rechberg, Riedern am Sand und Weisweil gebildet. Am 1. Januar 1975 wurden Bühl und Geißlingen eingemeindet.

In Riedern am Sand bestand einst ein Quarzwerk zur Gewinnung von Quarzsand, hauptsächlich für Verputzarbeiten (Kellenwurf), die Sandgrube erschließt die Graupensande der Oberen Süßwassermolasse, die Sande enthalten neben den bekannten Fossilien wie Haifischzähnen auch Bohnerz. Das Bohnerz wurde im gesamten Klettgau- und Randengebiet aus Nestern, die sich im Kalkstein gebildet hatten durch auswaschen gewonnen. Das Bohnerz gleicht im aussehen etwa schwarzen Bohnen, daher der noch heute übliche Name Bohnenviertel für das Gebiet um Grießen.

In Bühl findet alljährlich das Notburgafest statt, die Wallfahrt zur Notburga von Bühl ist uralt, sie ist die Patronin des Klettgaus. In Bühl zogen sich in der Badischen Revolution die letzten Freischartruppen unter General Sigel und Joseph Weißhaar zurück. Bekannt ist Bühl auch bei Reitsportlern.

Wappen der ehemaligen Gemeinden[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte in der Gemeinde Klettgau zu folgender Sitzverteilung:

CDU: 10 Sitze
SPD: 3 Sitze
Grüne: 4 Sitze
FW: 6 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 9. November 2008 wurde Volker Jungmann (SPD) mit 98,22 % der abgegebenen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Obwohl er als einziger Bewerber antrat, lag die Wahlbeteiligung bei 48,95 %.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Klettgau unterhält seit 1976 partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Clisson in der Nähe von Nantes in Frankreich. Seit dem Sommer 2006 besteht eine Partnerschaft mit dem italienischen Sanza südlich von Neapel.

Kultur[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

In der Gemeinde bestehen über 100 Vereine. Sie teilen sich in Fasnachts-, Frauen-, Musik-, Gesang-, und Sportvereine auf. Größter Verein ist der Turnverein Erzingen mit über 800 Mitgliedern.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Anteil des produzierenden Gewerbes liegt bei 67 Prozent, Handel, Gastgewerbe und Verkehr umfassen 18 Prozent, die sonstigen Dienstleistungen betragen 15 Prozent. Die Markttradition in Grießen geht auf das Mittelalter zurück und heute finden noch alljährlich sechs Krämermärkte statt. Einst bestanden hier ein Ziegelei und eine Weberei.

Weinbau[Bearbeiten]

In Erzingen gab es schon immer Weinbau, die Weinberge um Erzingen und Rechberg sind vor allem mit den Reben der Sorte Spätburgunder bepflanzt, daraus wird Rotwein gekeltert. Rebanbau ist außerdem in den Ortsteilen Bühl und Riedern am Sand bekannt. Seit 2002 findet alljährlich im Frühjahr eine Weinmesse statt, die von der Gemeindeverwaltung organisiert wird. Der Großteil der Trauben wird von der Erzinger Winzergenossenschaft an die Genossenschaft Badischer Winzerkeller zur weiteren Verarbeitung gegeben. Alljährlich seit 1959 findet im Herbst das Erzinger Winzerfest statt. Tradition ist dabei die Wahl der Erzinger Weinprinzessin. Oberbadische Weinprinzessin[5] waren:

  • 1999 Sabrina Weißenberger
  • 1970 Monika Stoll
  • 1969 Bärbel Weißenberger
  • 1968 Veronika Netzhammer
  • 1967 Renate Stoll
  • 1966 Paula Indlekofer

Verkehr[Bearbeiten]

Klettgau liegt an der Bundesstraße 34 [Basel–Singen (Hohentwiel)]. Der Ortsteil Erzingen besitzt einen Bahnhof mit IRE- und RB-Halt mit einem geräumigen Parkplatz. Werktags verkehren hier die Züge im Stundentakt. Der Bahnhof im Ortsteil Grießen wird sporadisch bedient, vor allem für den Schülerverkehr. Die beiden Bahnhöfe liegen an der Hochrheinbahn Basel–Singen [-Ulm].

Medien[Bearbeiten]

In Klettgau ist die Monopolzeitung Südkurier mit ihrem Ableger Alb-Bote vertreten. Dazu kommen die Anzeigenblätter "WOM" und "Anzeiger Hochrhein". Online berichtet Hierzuland.info über die Gemeinde und die umliegenden Orte.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt zwei Grundschulen in den Ortsteilen Erzingen und Grießen und eine Hauptschule mit Werkrealschule in Erzingen. Weiterführende Schulen stehen unter anderem in der Kreisstadt Waldshut-Tiengen, Bad Säckingen und in Singen a. H. zur Verfügung. Außerdem besteht die Möglichkeit zum Besuch Schweizer Fachschulen und Universitäten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Johann Conrad von Grießen, 39. Abt des Klosters Rheinau 1483–1498
  • Maximilian Stoll (1742–1787), Arzt in Wien
  • Martin Zimmermann (1873–1957), Landwirt, Winzer und Bürgermeister in Erzingen
  • Walther Peinsipp (* 1906), Diplomat
  • Konrad Josef Heilig (* 1907; † 1945 bei Belluno), Historiker

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bürgermeister Franz Schmidt: Der Klettgau 1971
  • Hubert Roth: So isch es gsi... Das Leben im Klettgau. 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klettgau (Gemeinde) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Klettgau vom 13. Februar 2006 (PDF; 233 kB)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 984–988
  4. Albert Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 1904,
  5. Elfhundert Jahre Gemeinde Erzingen, Festschrift 26. - 27. 9. 1970, S. 40 u. 41,
  6. Hermann Stoll in: Elfhundert Jahre Gemeinde Erzingen. 1970, S. 29.