Hanwha Q-Cells

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Q-Cells)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hanwha Q CELLS
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1999
Sitz Bitterfeld-Wolfen, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 2.379 (2010)[1]
Umsatz 1,023 Mrd. Euro (2011)[2]
Branche Photovoltaik
Website www.q-cells.com
Q-Cells Thalheim (Bitterfeld-Wolfen)

Die Hanwha Q CELLS GmbH ist ein führender Anbieter von Photovoltaiklösungen mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen, Sachsen-Anhalt. Die Firma ging aus der Q-Cells SE hervor. Da Hanwha auch die Rechte am Namen Q-Cells erworben hatte, wurde die Q-Cells SE in Global PVQ SE umbenannt.[3]

Das Angebot umfasst Solarzellen, kristalline und Dünnschicht-Solarmodule sowie komplette Photovoltaik-Systeme im Kraftwerks-Maßstab. Nach vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 erzielte Q-Cells mit mehr als 2000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 1,023 Milliarden Euro, was einem Rückgang von etwa 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1999 gründeten Anton Milner, der inzwischen verstorbene Reiner Lemoine, Holger Feist sowie Paul Grunow in Berlin die Q-Cells mit dem Ziel, eine Solarzellenproduktion in Deutschland aufzubauen.[4] Lemoine und Grunow waren zuvor schon bei der Gründung der Solon AG, einem Solarmodulhersteller, beteiligt, Feist war dort beschäftigt. Im Juli 2001 nahm die erste Produktionslinie für polykristalline Solarzellen in Thalheim den Betrieb auf. Die erste funktionierende Solarzelle lief am 23. Juli 2001 vom Band.

Im Februar 2008 wurde dem Unternehmen das Siegel „Deutschlands bester Arbeitgeber 2008“ vom Great Place to Work Institute Deutschland in Kooperation mit dem Forschungsinstitut psychonomics AG, der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und dem Wirtschaftsmagazin Capital verliehen. Im April 2009 folgte die Auszeichnung mit dem European Business Award in der Kategorie „Business of the Year“. Mit diesem Preis werden Unternehmen geehrt, die außergewöhnliche Finanzergebnisse, starkes Wachstum und Marktführerschaft in ihrem Bereich mit innovativen Geschäftsstrategien verbinden.

Im Juni 2009 übernahm das Unternehmen die Solibro GmbH, die CIGS-Dünnschichtsolarzellen basierend auf Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid fertigte. Diese Module werden unter der Produktkategorie Q.SMART vermarktet und erreichen mit einem Wirkungsgrad von 13,4 % den weltweit höchsten Wirkungsgrad für Dünnschichtmodule in Serienproduktion.[5]

Im März 2010 wurde Q-Cells für die Kommunikations-Kampagne „Sonne-Sonne-Sonne“ mit dem „Sustainable Energy Europe Award“ ausgezeichnet. Der Preis ging an die Kampagnenpartner Q-Cells, Sharp und MTV für das besondere Engagement im Bereich Energieeffizienz, umweltfreundlicher Transport und Förderung Erneuerbarer Energien.

Seit Juli 2011 ist das Unternehmen Werbepartner von Borussia Dortmund. Die Partnerschaft ist auf fünf Jahre angelegt und umfasst auch die Realisierung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Signal Iduna Parks. Zum Einsatz kamen die Q.SMART genannten Dünnschichtmodule von Q-Cells.[6]

Ebenfalls im Juli 2011 nahm das Unternehmen eine Fertigungslinie für kristalline Solarmodule am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen in Betrieb. Damit erweiterte Q-Cells den Standort zehn Jahre nach dem Start der Zellproduktion um eine Modulfertigung. Die Produktionskapazität wird mit 130 MWp angegeben und soll vor allem für die Produktlinie Q.PEAK zur Verfügung stehen.[7]

Am 3. April 2012 beantragte das Unternehmen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht Dessau-Roßlau.[8] Im Juni 2012 wurde eine Vereinbarung über den Verkauf der Tochtergesellschaft Solibro an das chinesische Unternehmen Hanergy Holdings Group bekannt gegeben.[9] Das Insolvenzverfahren über Q-Cells wurde am 1. Juli 2012 eröffnet, vorerst sollte es aber keine Entlassungen von Mitarbeitern geben.[10]

Im August 2012 gab das südkoreanische Unternehmen Hanwha ein Angebot zur Übernahme von Q-Cells ab.[11] Ebenfalls Interesse hatte das spanische Unternehmen Isofotón bekundet.[12] Am 29. August 2012 stimmte die Gläubigerversammlung der Veräußerung von Q-Cells an Hanwha zu, nachdem bereits am 26. August das südkoreanische Unternehmen und der Insolvenzverwalter einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet hatten. Hanwha werde betriebsbezogene Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 220 Mio. Euro und einen Kaufpreis von 40 Mio. Euro in bar akzeptieren. Beabsichtigt wird, den Großteil der Q-Cells-Gruppe weiterzuführen, inklusive des Standortes Bitterfeld und des Werks in Malaysia, sowie drei Viertel der 1550 Arbeitsplätze zu erhalten.[13] Dem Kaufvertrag musste noch das Bundeskartellamt zustimmen.[14] Nach dem Vollzug erfolgte eine Umbenennung der insolventen Q-Cells SE in Global PVQ SE, die von Hanwha übernommenen Unternehmensteile firmieren nunmehr als Hanwha Q-Cells GmbH.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Q-Cells schrieb im Geschäftsjahr 2011 erhebliche Verluste. Mehr als die Hälfte des Grundkapitals ist aufgezehrt. Auch im Geschäftsjahr 2012 erwartet das Unternehmen rote Zahlen. Mit einem Zahlungsaufschub von 500 Millionen € unterstützten die Gläubiger eine Restrukturierung.[15] Da der Sanierungsplan voraussichtlich nicht zum Erfolg führen wird, stellte das Unternehmen am 3. April 2012 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.[16] Nach Unternehmensangaben soll erst im Geschäftsjahr 2013 wieder ein positives EBITDA erwirtschaftet werden.[2]

Geschäftsjahr Umsatz
(in Mio. )
EBIT
(in Mio. )
Mitarbeiter Produktionsleistung
(in MWp)
2002 17,3 0,9 82 9,3
2003 48,8 5,3 207 27,7
2004 128,7 19,6 484 75,9
2005 299,4 63,2 767 165,7
2006 539,5 129,4 964 253,1
2007 858,9 197,0 1.707 389,2
2008 1.251,3 205,1 2.568 574,2
2009 790,4 −362,5 2.780 551
2010[1] 1.354,2 82,3 2.379 1.014
2011[2] 1.023 −720 > 2.000 783

Stand: 6. März 2012

Aktie[Bearbeiten]

Mit Wirkung zum 5. Oktober 2005 folgte die Erstnotierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Am 19. Dezember 2005 rückte Q-Cells zusammen mit ErSol Solar Energy AG in den TecDAX der Deutschen Börse auf.[17] Am 6. März 2012 wurde das Ausscheiden mit Wirkung zum 19. März 2012 bekannt gegeben; die Aktie wurde durch Euromicron ersetzt. Von seiner Einführung am 4. Juni 2007 bis zum 15. Juni 2012 war die Aktie auch im ÖkoDAX gelistet, wurde aber am 24. September 2012 wieder aufgenommen, nachdem der Anlagenbauer Centrotherm photovoltaics ausgeschieden war.

Der Kurswert stieg von 20 Euro bis auf rund 80 Euro zum Jahresende 2007, fiel dann aber – vor allem bedingt durch die Konkurrenz in Asien – bis auf 0,50 Euro. Im Juni 2011 gab es rund 27 Millionen Aktien, auf die für die Geschäftsjahre 2009 und 2010 eine Dividende von jeweils 0,03 Euro ausgeschüttet wurde.

Im Herbst 2011 wurde die Aktie zunehmend Ziel von Spekulanten.[18] So boten die Banken BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank und die DZ Bank sogenannte Call- und Put-Optionen als Derivate an, mit denen auf steigende oder fallende Kurse gewettet werden kann. Diese Derivate wurden teilweise in Millionen Stückzahlen gehandelt und übertrafen in der Summe die Zahl der tatsächlich vorhandenen Aktien. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg unterlagen 45 Prozent der Q-Cells-Aktien auf diese Weise der Spekulation. Am 9. November 2011 wurden rund 30 Millionen Aktien an der Börse gehandelt.

In der Folgezeit stieg der Anteil der Aktien in Streubesitz von 80 (November 2011) auf fast 97 Prozent (September 2012), da einige Anleger sich aus der Beteiligung zurückzogen. Nachdem die Notierung im Prime Standard gekündigt wurde, schied die Aktie aus dem ÖkoDAX wieder aus.

Produkte[Bearbeiten]

Q-Cells produziert mono- und multikristalline Solarzellen aus Silizium. Der größte Anteil entfällt dabei auf multikristalline Solarzellen, die aktuell einen Wirkungsgrad von bis zu 17,4 Prozent erreichen.[19] Die monokristallinen Solarzellen von Q-Cells erzielen Wirkungsgrade von bis zu 18,8 Prozent.[20]

Die Solarzellen werden sowohl an externe Kunden verkauft als auch zur Herstellung kristalliner Solarmodule verwendet, die das Unternehmen seit Mitte 2010 unter der Marke Q-Cells vermarktet. Multikristalline Solarmodule werden in den Produktreihen Q.BASE und Q.PRO angeboten. Als Q.PEAK bezeichnet Q-Cells seine monokristallinen Solarmodule, die mit deutlich höheren Wirkungsgraden aufwarten können. Hiervon existiert auch eine ganz in schwarz gehaltene Version.[21]

Neben auf kristallinem Silizium basierenden Produkten arbeitet Q-Cells auch an Photovoltaikmodulen der zweiten Generation – den sogenannten Dünnschichtmodulen. Hierbei konzentriert sich das Unternehmen inzwischen auf die CIGS-Technologie. Diese Module werden unter der Bezeichnung Q.SMART geführt. Ende März 2011 gab Q-Cells den jüngsten einer Reihe von Weltrekorden beim Wirkungsgrad von CIGS-Dünnschichtmodulen aus der Serienfertigung bekannt: Messungen des Fraunhofer ISE konnten eine Modulleistung von 100,3 Watt peak und einen Wirkungsgrad von 14,7 Prozent bezogen auf die Aperturfläche bestätigen. Dieser Wert liege nach Abgleich mit der im „Progress in Photovoltaics“ veröffentlichten Rekordtabelle an der Weltspitze für Dünnschichtmodule.[22]

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten]

Das Unternehmen hat sich wie in der Produktion auch im Bereich F&E in der Wertschöpfungskette auf Zellen und Module spezialisiert. Nur in geringem Maß werden zu Forschungszwecken Siliziumingots aus eigener Kristallisation hergestellt. Allerdings forscht das hundertprozentige Tochterunternehmen Solibro im Bereich der CIGS-Dünnschichtphotovoltaik.

Im Juli 2011 verkündete Q-Cells einen Forschungserfolg in der kristallinen Photovoltaik. So wurde ein multikristallines Modul mit einem Wirkungsgrad von 18,1 Prozent bezogen auf die Aperturfläche vorgestellt. Das Modul basiert auf einer neuen Zellgeneration, die Q-Cells Q.ANTUM nennt. Bisher lag der Rekord bei 17,8 Prozent.[23]

Unternehmensführung[Bearbeiten]

Nedim Cen war Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand seit März 2010 (im Vorstand seit Juni 2009, Finanzvorstand seit November 2011). Im Vorstand war zudem Andreas von Zitzewitz seit August 2011 für Produktion und Technologie sowie Marketing und Vertrieb zuständig, er wurde als einziger in die neue Geschäftsführung von Hanwha Q-Cells übernommen.

Seit Juni 2010 war Karlheinz Hornung Vorsitzender des Aufsichtsrats. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender war Christian Reitberger. Der Aufsichtsrat bestand aus insgesamt neun Personen.

Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens lag die Entscheidung in der Unternehmensführung nicht mehr beim Vorstand, so dass auch der Aufsichtsrat keine gesetzlich legitimierte Funktion mehr hatte. Aufgrund von Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter, dem Betriebsrat und dem neuen Eigentümer Hanwha werden voraussichtlich 1300 Mitarbeiter übernommen.[24]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Monika Maron: Bitterfelder Bogen. S. Fischer, Frankfurt/Main 2009, ISBN 3-10-048828-8 (Beschreibung der Ursprünge bei Wuseltronik und Gründerjahre bei der Wiedervereinigung).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Q-Cells SE: Geschäftsbericht 2010. Abgerufen am 29. März 2011 (PDF).
  2. a b c d Q-Cells veröffentlicht vorläufige Zahlen für das vierte Quartal sowie das Gesamtjahr 2011. Q-Cells SE, 6. März 2012, archiviert vom Original am 10. März 2012, abgerufen am 10. März 2012.
  3. Global PVQ SE: Zwischenmitteilung 2. Halbjahr 2012 (PDF; 45 kB) Abgerufen am 2. Februar 2013.
  4. Vorstandsvorsitzender Anton Milner tritt mit sofortiger Wirkung zurück. photovoltaik-guide.de vom 11. März 2010
  5. Q-Cells SE stellt Wirkungsgradrekord für CIGS-Dünnschicht-Solarmodule auf. Abgerufen am 20. Mai 2011.
  6. Q-Cells und der Deutsche Fußball Meister Borussia Dortmund vereinbaren Partnerschaft. Abgerufen am 17. September 2011.
  7. Q-Cells startet eigene Modulfertigung am deutschen Standort Thalheim. Abgerufen am 17. September 2011.
  8. Pressemitteilung/Ad hoc-Mitteilung der Q-Cells SE vom 2. April 2012, abgerufen am 2. April 2012.
  9. Hanergy kauft Solibro. handelsblatt.com vom 5. Juni 2012
  10. Insolvenzverfahren: Q-Cells verzichtet auf Entlassungen.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter FTD vom 2. Juli 2012
  11. Q-Cells: Hanwha übernimmt deutsche Solarfirma für 250 Millionen Euro. Spiegel Online vom 27. August 2012
  12. Q-Cells: Spanische Isofoton will insolvente Q-Cells übernehmen (Version vom 6. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today) bei ftd.de, 27. August 2012 (abgerufen am 28. August 2012).
  13. Solarkonzern: Q-Cells-Gläubiger billigen Verkauf nach SüdkoreaVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter bei ftd.de, 29. August 2012 (abgerufen am 29. August 2012).
  14. Hanwha darf Q-Cells übernehmen bei photovoltaik.eu, 29. August 2012 (abgerufen am 29. August 2012).
  15. Zahlungsaufschub: Gläubiger verschaffen Q-Cells Luft. In: manager magazin Online. 28. Februar 2012, archiviert vom Original am 9. März 2012, abgerufen am 9. März 2012.
  16. Q-Cells will Insolvenz – Phoenix Solar unter Druck, stern.de, 3. April 2012.
  17. Deutsche Börse AG: Deutsche Börse entscheidet über Zusammensetzung ihrer Indizes. 5. Dezember 2005, abgerufen am 31. März 2010.
  18. Ralf Drescher: Plötzliche Kursverdopplung: Q-Cells versetzt Spekulanten in Panik. In: Handelsblatt.com. 4. November 2011, archiviert vom Original am 9. November 2011, abgerufen am 9. November 2011.
  19. Die mit bis zu 17,4 % Wirkungsgrad leistungsstärkste und ästhetischste multikristalline Standard-Solarzelle.. Abgerufen am 17. September 2011.
  20. Q6LMXP3 ist mit bis zu 18,8 % Wirkungsgrad die leistungsstärkste und ästhetischste monokristalline Standard-Solarzelle.. Abgerufen am 17. September 2011.
  21. Q-Cells Produkte Solarmodule. Abgerufen am 17. September 2011.
  22. Q-Cells stellt mit 13,4 % Wirkungsgrad neuen Weltrekord für CIGS Dünnschicht-Solarmodul aus Serienfertigung auf. Abgerufen am 17. September 2011.
  23. Q-Cells SE erzielt vierten Weltrekord im laufenden Geschäftsjahr mit multikristallinem Solarmodul. Abgerufen am 17. September 2011.
  24. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/insolventer-solarbauer-q-cells-eigner-will-weniger-stellen-streichen/7136612.html