Anja Kling

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Anja Kling (2019)

Anja Kling (* 22. März 1970 in Potsdam) ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin. Bekannt wurde sie 1989 mit der Hauptrolle in Herrmann Zschoches Spielfilm Grüne Hochzeit. Im wiedervereinigten Deutschland war die Rolle der Helke Hagedorn in der ZDF-Serie Hagedorns Tochter ihr Durchbruch.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anja Kling wuchs gemeinsam mit ihrer fünf Jahre älteren Schwester, der Schauspielerin Gerit Kling, seit 1975 in Wilhelmshorst bei Potsdam auf.[1] Ihr Vater war bis 2007 Atelierchef im DEFA-Studio für Dokumentarfilme Babelsberg, ihre Mutter ist Kunsterzieherin und seit 1994 (ihre) Schauspieleragentin.[1]

Seit der ersten Schulklasse wollte sie Ärztin werden.[2] Mit 16 ging sie für ein Jahr an die Ballettschule Berlin. Nach ihrem Abitur 1989 an der Helmholtz-EOS in Potsdam wollte sie Medizin studieren.[1] Ihre Schwester, die bereits als Kind in Egon Günthers Anlauf (1971) debütierte, riet ihr, an einem offenen Casting teilzunehmen[3], was sie auch beherzigte und mit Erfolg absolvierte. Zunächst wurde sie für die DEFA-Produktionen Danke für die Blumen (1987, als zweite Gärtnerin), Mit Leib und Seele (1988, als Melanies Freundin) und Polizeiruf 110: Amoklauf (1989, als Mädchen) in Nebenrollen verpflichtet. Schließlich besetzte sie Herrmann Zschoche für die Hauptrolle in dem DEFA-Kinofilm Grüne Hochzeit, in dem sie die 17-jährige Fabrikarbeiterin Susanne spielt, die nach einer Liebesnacht mit ihrem Freund Robert (Marc Lubosch) ungewollt schwanger wird, heiratet und Zwillinge zur Welt bringt.[2] Mit diesem Film im Mai 1989 wurde sie einem größeren Publikum bekannt.

Für die Jugendsendung Elf 99 moderierte sie ab 1989 zwei Jahre lang das Mädchenmagazin Paula.[3] Nach eigenen Angaben floh Kling mit ihrer Schwester fünf Tage vor dem Mauerfall – also am 4. November 1989 – über die ČSSR nach Bayern.[4]

Nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1990er-Jahre begann sie ihr Schauspielstudium an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin, brach es aber wegen des Rollenangebotes der Helke Hagedorn in der ZDF-Serie Hagedorns Tochter wieder ab.[2] Die Rolle war für Kling der Durchbruch im wiedervereinigten Deutschland.[3] 1995 brachte ihr diese Rolle die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Nachwuchsschauspielerin“ ein. Kling gab an, später privaten Schauspiel- und Sprechunterricht genommen zu haben.[2] 1996 stand sie für die zehnteilige ZDF-Abenteuerserie Verschollen in Thailand erstmals an der Seite ihrer fünf Jahre älteren Schwester vor der Kamera.[3] Sie spielte die Nebenrolle der Katja, während Gerit die Hauptrolle der Constanze Strauten übernahm.[3] Für ihre Hauptrolle der Barbara Greenberg Altamura in der achten und neunten Staffel der italienischen Fernsehserie La Piovra 8 erhielt sie 1998 die Goldene Nymphe und den Internationalen Kritikerpreis des Fernsehfestivals von Monte Carlo.

Zur Jahrtausendwende war Kling in dem deutsch-weißrussischen Filmdrama Von Hölle zu Hölle, das in Weißrussland bereits 1996 uraufgeführt wurde, in der Rolle der aus Kielce stammenden Jüdin Helena Golde, die mit ihrem Ehemann Hendrik deportiert werden sollen, aber ihren KZ-Aufenthalt überleben, zu sehen. In Johannes Fabricks Fernsehzweiteiler Der Seerosenteich, nach dem gleichnamigen Roman von Christian Pfannenschmidt, agierte sie als beste Freundin der von Natalia Wörner dargestellten Modeschöpferin Isabelle Corthen. Anfang 2003 sah man sie an der Seite von Lisa Martinek als Gerit Raische in Uwe Jansons Kriminalfilm Jagd auf den Flammenmann. Im Oktober 2003 war sie neben Maja Maranow in Matti Geschonnecks Melodram Liebe Schwester in der Hauptrolle der an Brustkrebs erkrankten Judith Wlassek zu sehen.[5] Geschonneck besetzte sie für eine weitere Hauptrolle in dem Fernsehfilm Die Ärztin (März 2004), wo sie die nach dem privaten Glück suchende Gefäßchirurgin Inga Neumann, die vom Chefarzt befördert wird, indem sie Transplantationen selbst operieren darf, spielte. Im selben Jahr war sie in dem Kinofilm (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 zu sehen, in dem sie die Rolle der Königin Metapha übernahm, eine Parodie auf die Star-Wars-Figuren Prinzessin Leia und Padmé Amidala. Ebenfalls 2004 begann sie bei Christian Tramitz in dessen Comedyserie Tramitz & Friends mitzuspielen und erhielt dafür den Deutschen Comedypreis sowie einen Bambi.

In dem historischen Sat.1-Fernsehzweiteiler Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen (2008) übernahm sie Hauptrolle der jungen Mutter Katja Schell, die ihren bereits vor Jahren in den Westen geflüchteten Mann über die ungarische Grenze nachfolgen will, wo sie allerdings aufgegriffen wird und in der Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Hohenschönhausen inhaftiert wird.[4] Für ihre dort erbrachte schauspielerische Leistung wurden ihr drei Preise verliehen: Die Goldene Kamera (als „Beste Schauspielerin“), der Bayerische Fernsehpreis (als „Beste Schauspielerin in einem Fernsehfilm“) sowie als Ensemblepreis der Deutsche Fernsehpreis.[6] Im Februar 2009 war sie in den deutschen Kinos als Mutter von Lilli in dem Kinderfilm Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch zu sehen. Für die Fortsetzungen Hexe Lilli – Die Reise nach Mandolan (2011) von Harald Sicheritz und Hexe Lilli rettet Weihnachten (2017) von Wolfgang Groos wurde sie ebenfalls als Lillis Mutter besetzt, wobei die Hexe Lilli von drei verschiedenen Jungschauspielerinnen gespielt wurde.

Für die Titelrolle in dem Kriminalfilm Hannah Mangold & Lucy Palm der toughen Ermittlerin Hannah Mangold, die sie bereits 2009 in Die letzten Tage spielte, wurde sie 2012 mit dem Bayerischen Fernsehpreis als „Beste Schauspielerin in einer Serie und Reihe“ ausgezeichnet. In Thomas Schadts dokumentarischen Fernsehfilm Der Rücktritt (2014) übernahm sie als Bettina Wulff die Rolle der damaligen Ehefrau des zehnten deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff. In der deutsch-österreichischen Fernseh-Tragikomödie Chuzpe – Klops braucht der Mensch! (2015) war sie als Tochter des Holocaust-Überlebenden Edek Rotwachs (Dieter Hallervorden) zu sehen.

Im April 2015 startete das ZDF unter dem Sendetitel Die Wallensteins eine neue Kriminalfilmreihe mit ihr als Kriminalhauptkommissarin Bärbel Wallenstein in der Hauptrolle. Nach der zweiten Episode unter dem neuen Sendetitel Dresden Mord wurde die Reihe im Sommer 2016 wegen schlechter Kritiken und einer unter der Erwartung liegenden Einschaltquote von 4,96 Millionen Zuschauern eingestellt.[7]

Anja Kling (Mitte) bei der Premiere von Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft

In dem im Dezember 2015 nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Sabine Ludwig uraufgeführten Kino-Kinderfilm Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft war sie als strenge Schulrektorin Dr. Schmitt-Gössenwein, die von ihrem elfjährigen Problemschüler Felix auf Daumengröße geschrumpft wird, gespielt von Oskar Keymer, in einer der Hauptrollen zu sehen.[8][9] In der Fortsetzung Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft, war sie ab Januar 2018 erneut in dieser Rolle zu sehen.[10]

2019 sah man sie als Stefanie in einer der Hauptrollen in Jan Georg Schütte Improvisationsfilm Klassentreffen über eine Schulklasse, die vor 25 Jahren ihr Abitur absolviert hat, und sich nach all der Zeit wiedersieht.[11][12] Seit Oktober 2019 ermittelt Kling als Leiterin des Kommissariats 14 der Mordkommission Leipzig in der ZDF-Krimireihe Das Quartett.[13][14] Im März 2020 war sie an der Seite von Philipp Hochmair als Gräfin Sophia von Szápáry in einer der Hauptrollen der achtteiligen österreichisch-deutsch-tschechischen Fernsehserie Freud von ORF und Netflix zu sehen.[15]

Daneben betätigt sie sich seit Mitte der 1990er-Jahre auch als Synchronsprecherin, unter anderem synchronisierte sie 1997 die US-amerikanische Schauspielerin Meg Ryan, indem sie die weibliche Hauptrolle der Anastasia im gleichnamigen Zeichentrickfilm einsprach.

Sonstiges und Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 erschien Klings Autobiografie unter dem Titel Meine kleine Großfamilie: 6 Erwachsene, 3 Kinder und jede Menge Action beim List Verlag.[16] Im April 2020 veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Gerit in reiner Dialogform das Buch Dann eben ohne Titel… Wir konnten uns mal wieder nicht einigen: Zwei Schwestern, eine Geschichte, in welchem sie persönlich Erlebtes und private Geschichten von sich erzählen.

Sie nimmt regelmäßig gemeinsam mit ihrer Schwester an den Schlittenhunderennen der Baltic Lights, die sich für die Welthungerhilfe engagieren, teil.[17]

Kling lebt mit ihrer Schwester in Wilhelmshorst bei Potsdam, wo sie auch aufgewachsen war. Aus einer zwanzigjährigen Beziehung mit dem Aufnahmeleiter Jens Solf entstammen zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter. Im November 2012 gab Kling bekannt, dass sie und Solf getrennt leben.[18] Im September 2018 heiratete sie auf Schloss Blankensee den Filmbeleuchter Oliver Haas, den sie drei Jahre zuvor bei einem Filmdreh kennengelernt hatte.[19]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autobiografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007: Meine kleine Großfamilie: 6 Erwachsene, 3 Kinder und jede Menge Action. List, Berlin 2007, ISBN 978-3471795668
  • 2020: Dann eben ohne Titel… Wir konnten uns mal wieder nicht einigen: Zwei Schwestern, eine Geschichte. ARISTON, ISBN 978-3424202236

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 wurde beim Festival de Télévision de Monte-Carlo die achte Staffel der Miniserie La Piovra – Lo scandalo (Solange es Liebe gibt), in der Kling in der Rolle der Barbara Greenberg Altamura mitwirkte, sowohl mit der „Goldenen Nymphe“ als auch mit einem Kritikerpreis ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Anja Kling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Anja Kling im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. a b c d Jessica Schulte am Hülse: Anja Kling: „Ich möchte die DDR nicht zurückhaben“ Online-Ausgabe Die Welt vom 11. September 2005.
  3. a b c d e Anja Kling In: Prisma.de.
  4. a b "Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen": Anja Kling floh als Kind über die Grenze In: RP Online vom 6. Oktober 2008. Abgerufen am 9. März 2020.
  5. Doris Banuscher: Leute von Welt. Anja Klings Liebeserklärung an Hamburg. Die Berlinerin steht mit Maja Maranow für den Film „Erst träumst du, dann stirbst du“ vor der ZDF-Kamera In: Die Welt, 3. September 2002.
  6. Anja Kling Agenturprofil mit Vita. Abgerufen am 9. März 2020.
  7. Manuel Weis: ZDF macht Schluss mit «Dresden Mord» In: Quotenmeter.de vom 14. Februar 2018. Abgerufen am 9. März 2020.
  8. Neu im Kino: Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft In: Nordkurier vom 16. Dezember 2015. Abgerufen am 9. März 2020.
  9. Sebastian Loskant: Neu im Kino: "Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft" In: nord24.de vom 18. Dezember 2015. Abgerufen am 9. März 2020.
  10. Familienkomödie: „Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“ In: Focus Online vom 13. Januar 2018. Abgerufen am 9. März 2020.
  11. Klassentreffen: Die Darsteller und ihre Rollen In: Das Erste vom 6. März 2019. Abgerufen am 21. März 2020.
  12. "Klassentreffen" in der ARD: Impro-Film mit Anja Kling. In: Hamburger Abendblatt vom 6. März 2019. Abgerufen am 21. März 2020.
  13. "Das Quartett": Neuer ZDF-Samstagskrimi mit Anja Kling. Goldene Kamera. Abgerufen am 19. Oktober 2019.
  14. „Das Quartett“ löst ersten Fall – Auftakt wenig inspirierend. TV-Kritik. In: Berliner Morgenpost vom 12. Oktober 2019. Abgerufen am 19. Oktober 2019.
  15. Serie von ORF und Netflix: Die Leiden des jungen Freud In: Süddeutsche Zeitung vom 13. März 2020. Abgerufen am 21. März 2020.
  16. Literatur von und über Meine kleine Großfamilie: 6 Erwachsene, 3 Kinder und jede Menge Action im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  17. Baltic Lights-Rennen mit TV-Promis und 500 Schlittenhunden In: welt.de vom 26. Februar 2020. Abgerufen am 21. März 2020.
  18. Anja Kling nimmt Auszeit von ihrer Beziehung In: RP Online vom 9. November 2012. Abgerufen am 9. März 2020.
  19. Ildiko Röd: Schauspielerin Anja Kling hat „Ja“ gesagt. In: maz-online.de. 27. September 2018, abgerufen am 9. März 2020.