Laon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Laon
Wappen von Laon
Laon (Frankreich)
Laon
Region Picardie
Département Aisne
Arrondissement Laon
Kanton Hauptort von 2 Kantonen
Gemeindeverband Laonnois
Koordinaten 49° 34′ N, 3° 37′ OKoordinaten: 49° 34′ N, 3° 37′ O
Höhe 63–183 m
Fläche 42,00 km²
Einwohner 25.219 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 600 Einw./km²
Postleitzahl 02020
INSEE-Code
Website Laon

Oberstadt von Laon mit der Kathedrale

Die französische Stadt Laon zählt 25.219 Einwohner (Stand 1. Januar 2013) und ist die Hauptstadt (préfecture) des Départements Aisne. Die historisch bedeutsame Stadt verfügt über viele mittelalterliche Bauwerke, darunter die berühmte Kathedrale von Laon. Mit der historischen befestigten Altstadt auf einem Tafelberg besitzt Laon die größte zusammenhängende unter Denkmalschutz stehende Fläche Frankreichs.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laon liegt im Norden Frankreichs; die etwa 160 m bis 175 m ü. d. M. und ca. 143 km (Fahrtstrecke) nordöstlich von Paris bzw. ca. 55 km nordwestlich von Reims gelegene Oberstadt auf einem fast zwei Kilometer langen Kalksteinfelsen überragt die Unterstadt um etwa 100 m.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtmauer mit Porte de Soissons
Stadttor Porte d’Ardon

Laon war im 5. Jahrhundert eine gallische Festung, Laudunum oder Lugdunum (ab 581 Lugdunum Clavatum)[1] genannt. Um 500 gründete Bischof Remigius von Reims das Bistum Laon. Von da an war Laon eine der wichtigsten Städte des Fränkischen Reichs und häufig umkämpft. Bereits unter den Merowingern gab es eine Grafschaft Laon. Die Stadt Laon gehörte zuerst zum Königreich von Soissons, dann zu Austrasien. 682 wurde sie von Giselmar, Hausmeier von Neustrien, erobert und geplündert. Pippin der Jüngere nahm die Stadt 742 ein, die nun im Besitz der Karolinger blieb. Karl der Kahle beschenkte die Kirche Laons reich. Ein Angriff der Normannen 882 scheiterte.

Im 10. Jahrhundert war Laon Residenz und eine der letzten Besitzungen der karolingischen Könige. Zwar hatte sich Odo von Paris ihrer 892 bemächtigt, doch eroberte sie Karl III. der Einfältige bereits 897 zurück. 920 konnte sich Robert I. vorübergehend Laons bemächtigen. Heribert II. von Vermandois brachte die Stadt 929 an sich. Aber 936 wurde hier Ludwig IV. der Überseeische gekrönt. Als er in die Gefangenschaft Hugos des Großen geriet, musste er Laon 946 an diesen abtreten, doch gelang es ihm 949/50, seine Residenzstadt wiederzugewinnen. Herzog Karl von Niederlothringen setzte sich noch 988, ein Jahr nach der Thronbesteigung Hugo Capets, in den Besitz von Laon und konnte Hugos Truppen abwehren, doch öffnete 991 Bischof Adalbero verräterisch die Tore der Stadt, so dass sie von einer Armee des Kapetingers eingenommen wurde. Dieser verlegte die Hauptstadt nach Paris.

Während der Herrschaft der Kapetinger kam Laon unter die Herrschaft seiner Bischöfe, die weitgehende Befugnisse besaßen. Im frühen 12. Jahrhundert wollten sich aber die französischen Gemeinden unabhängiger machen. Ein Volksaufstand in Laon brach im Jahre 1112 gegen Bischof Gaudry aus, weil dieser eine in seiner Abwesenheit genehmigte städtische Charta durch Ludwig VI. hatte aufheben lassen und das dem König dafür versprochene Geld auch noch von den Bürgern eintreiben wollte. Im Zuge der Insurrektion kam nicht nur der Bischof ums Leben, sondern auch ein großer Teil der Stadt und deren romanische Kathedrale gingen in Flammen auf. Die Aufständischen suchten daraufhin in der Burg Coucy des Thomas de Marle Schutz. Ludwig VI. eroberte die Burg 1113 und die ließ die dorthin Geflüchteten hängen, während von Anhängern des ermordeten Bischofs aufgehetzte Bauern des Umlandes Laon plünderten und weiter verwüsteten.

1128 erhielt Laon eine neue städtische Verfassung, die aber bereits drei Jahre später wieder beseitigt wurde. Ab 1155 begann der Bau der gotischen Kathedrale, die bereits nach 80 Jahren fertiggestellt war. 1174 erhoben sich die Bürger ein weiteres Mal gegen ihren Bischof, wurden dabei von König Ludwig VII. unterstützt und erhielten ihre Charta zurück, doch schaffte Philipp II. August bereits 1188 ihre Privilegien wiederum ab. Diese traten noch einmal 1239 in Kraft, ehe Philipp VI. die Kommune 1331 definitiv aufhob.

Während des Hunderjährigen Kriegs musste sich Laon 1411 Johann Ohnefurcht ergeben, vertrieb drei Jahre später die burgundische Garnison, wurde aber 1418 zurückerobert. Philipp der Gute übergab es den Engländern. Nach der Krönung und Salbung Karls VII. gelang den Franzosen 1429 die Wiedergewinnung Laons. Im späten 16. Jahrhundert schloss sich Laon der Heiligen Liga an, und König Heinrich IV. konnte die Stadt erst 1594 einnehmen.

Während der Französischen Revolution wurde 1790 das Bistum Laon aufgehoben. In der Schlacht bei Laon am 9. und 10. März 1814 wurden die französischen Truppen Napoleons von den Preußen unter Blücher geschlagen und zum Rückzug gezwungen. Nach der Schlacht von Waterloo versuchte sich die besiegte französische Armee 1815 vergeblich in Laon neu zu formieren; die Stadt ergab sich Blücher nach 15-tägiger Belagerung. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871 musste sich Laon am 9. September 1870 der 6. preußischen Kavalleriedivision ergeben. Beim Einzug der deutschen Truppen sprengte ein französischer Unteroffizier das Pulvermagazin der Zitadelle in die Luft, wodurch 70 Mann des 4. preußischen Jägerbataillons und 500 französische Mobilgardisten verwundet oder getötet und große Verwüstungen angerichtet wurden; so kam es etwa zur Beschädigung der Kathedrale und des alten Bischofspalasts.

Im Ersten Weltkrieg war Laon von 1914 bis 1918 Sitz der deutschen Militärkommandantur, während die Frontlinie am „Chemin des Dames“ verlief. Im Zweiten Weltkrieg waren auf den Flugplätzen um Laon starke Luftwaffen-Einheiten konzentriert.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2012
Einwohner 6.691 10.091 15.434 21.931 26.265 25.317

Das anhaltende Bevölkerungswachstum ist in erster Linie auf die Zuwanderung aus den ländlichen Gebieten im Umland zurückzuführen. Erst in den letzten Jahren scheint eine Stagnation einzutreten.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Umland von Laon ist seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägt, wobei die Viehzucht heutzutage kaum noch eine Rolle spielt. Die Stadt selbst diente als Marktort sowie als Handwerks- und Geschäftszentrum. Heute befindet sich hier die Industrie- und Handelskammer des Département Aisne; kleinere Gewerbebetriebe haben sich nahe der Autobahn A-26 angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation der Standseilbahn Poma 2000

Laon hat seit 1857 einen Bahnhof an der Bahnstrecke La Plaine–Hirson. Den in der Unterstadt gelegenen Bahnhof verband von 1899 bis 1971 eine Zahnradbahn mit der Altstadt. Seit 1989 verkehrt auf weitgehend derselben Trasse die Standseilbahn Poma 2000.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Bauten der Stadt sind als Monuments historiques anerkannt:

  • Kathedrale Notre Dame: Die Kathedrale von Laon ist eine der bedeutendsten frühgotischen Kathedralen Frankreichs. Der weitreichende Einfluss ihrer Architektur ist nicht nur in der englischen Gotik nachweisbar, sondern auch am Limburger, Bamberger und Naumburger Dom.
  • ehemaliger Bischofs-, heute Justizpalast neben der Kathedrale
  • Das alte Hôtel-Dieu de Laon aus dem 12. Jahrhundert, das älteste erhaltene Hospital Frankreichs[2][3]
  • Templerkapelle aus dem 12. Jahrhundert
  • Klosterkirche St. Martin: Kirche aus dem 12. Jahrhundert und Klostergebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
  • Stadtbefestigung: 7 km erhaltene Stadtmauer mit den Stadttoren Porte d, Porte des Cheminzelles und Porte de Soissons
  • Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg: Am Rande der Stadt gibt es einen deutschen Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg. Etwa 3500 deutsche Soldaten sind hier bestattet worden.
  • Rennstrecke (Eröffnung geplant 2015) auf dem ehemaligen Militärflugplatz Laon-Couvron.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michel Bur (Hrsg.): Histoire de Laon et du Laonnois. Toulouse 1987 (= Pays et villes de Frances).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Jakob Egli: Nomina geographica. Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume. Friedrich Brandstetter, 2. Aufl., Leipzig 1893, S. 525
  2. Bernhard Schnell: Medizin in Bild und Text. Zur medizinischen Sammelhandschrift Ms. 413 der Bibliothèque Municipale Laon. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 6, 1988, S. 67–88; hier: S. 82 f.
  3. Alain Saint-Denis: L'Hotel-Dieu de Laon 1150–1300. Nancy 1983