Marianne Groß

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Marianne Groß (* 28. August 1942 in Aschersleben) ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin. Als Synchronregisseurin und Dialogbuchautorin hat sie für den deutschsprachigen Markt ein breites Spektrum kommerziell erfolgreicher US-Kinoproduktionen bearbeitet. Ihre Stimme gewann insbesondere durch die Sitcom Die Bill Cosby Show an Bekanntheit, in der sie von 1987 bis 1992 als Synchronsprecherin von Phylicia Rashād als Claire Hanks-Huxtable fungierte.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marianne Groß wurde während des Zweiten Weltkriegs geboren. Ihre Eltern stammten aus Altenkirchen im Westerwald, verlegten ihren Wohnort jedoch nach Aschersleben in Sachsen-Anhalt, nachdem der Vater im dortigen Rathaus eine Anstellung als Stadtinspektor erhalten hatte. 1945 kehrte die Familie in ihre Heimat zurück. Der Empfehlung ihres Vaters folgend absolvierte Marianne Groß zunächst eine Lehre als Apothekenhelferin, trat parallel jedoch als Statistin am Düsseldorfer Schauspielhaus auf. In München absolvierte sie eine private Schauspielausbildung bei Ellen Mahlke und gastierte an dortigen Bühnen wie den Münchner Kammerspielen, der Kleinen Komödie und dem Rationaltheater.

Marianne Groß ist mit ihrem Kollegen Lutz Riedel verheiratet und lebt in Berlin. Ihre Töchter Sarah und Anna sind ebenfalls in der Synchronbranche tätig.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über einen Kollegen gelangte Groß zu Beginn der 1970er Jahre in die Synchronateliers und übernahm 1973 ihre erste Hauptrolle als deutsche Stimme von Monique van de Ven im niederländischen Filmdrama Türkische Früchte. Einem breiten Fernsehpublikum wurde Marianne Groß jedoch vor allem durch die Sitcom Die Bill Cosby Show bekannt, in der sie in acht Staffeln Phylicia Rashād als Claire Hanks-Huxtable synchronisierte. Als die US-Schauspielerin in der 95-teiligen Sitcom Cosby eine weitere Hauptrolle innehatte, erhielt Groß von 2001 bis 2005 erneut ein mehrjähriges Engagement. Mit Harriet Sansom Harris als Felicia Tilman in Desperate Housewives und Cherry Jones als Präsidentin Allison Taylor in 24 schlossen sich zwei zusätzliche Rollen in quotenstarken Serien an.

Seit Grifters (1990) wird Marianne Groß häufig für Anjelica Huston besetzt, darunter in Die Addams Family in verrückter Tradition (1993), Die Royal Tenenbaums (2001) und Choke – Der Simulant (2008). Infolge einer Erkrankung der Stammsprecherin Regina Lemnitz sprang sie 1990 für die Synchronisation von Whoopi Goldberg in deren oscarprämierter Rolle als Oda Mae Brown in Ghost – Nachricht von Sam ein. Darüber hinaus lieh sie ihre Stimme der Künstlerin Cher in Filmen wie Die Maske (1985), Mondsüchtig (1987) oder Tee mit Mussolini (1999), Meryl Streep in Der Tod steht ihr gut (1992), Am wilden Fluß (1994) und Familiensache (1998) oder Gemma Jones in Ich sehe den Mann deiner Träume (2010).

Dialogbuch und -regie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ergänzung zu ihrer Arbeit vor dem Mikrofon verfasste Marianne Groß bereits ab Mitte der 1970er Jahre deutsche Dialogbücher für fremdsprachige Film- und Fernsehproduktionen, so unter anderem für In der Glut des Südens (1978), Eine ganz normale Familie (1980), Ein Mann für gewisse Stunden (1980), Oz – Eine fantastische Welt (1985), Feivel, der Mauswanderer (1986) und Ein unmoralisches Angebot (1993). Später erweiterte sie ihr Betätigungsfeld um die Synchronregie. Mit ihrer deutschsprachigen Bearbeitung von Filmdramen wie Philadelphia (1993), Forrest Gump (1994), Shakespeare in Love (1997), Billy Elliot – I Will Dance (2000), Mystic River (2003) und J. Edgar (2011), Literaturverfilmungen wie Der Grinch (2000), Tintenherz (2008) und Der seltsame Fall des Benjamin Button (2008) und animierten Werken wie Spirit – Der wilde Mustang (2002) und Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche (2005) konnte Marianne Groß bislang Aufträge für viele kommerziell erfolgreiche, genreübergreifende Kinoproduktionen verzeichnen. In der Kategorie „Herausragende Synchronregie“ wurde sie für das Melodram Dem Himmel so fern für den Deutschen Preis für Synchron 2003 nominiert.[1] Im darauffolgenden Jahr gelang ihr mit der jeweils deutschen Fassung der Independentfilme 21 Gramm und In America in derselben Kategorie eine zweifache Auszeichnung. Für In America sowie die Tragikomödie Vergiss mein nicht! war sie 2004 ferner in der Kategorie „Herausragendes Synchrondrehbuch“ nominiert.[2] 2006 und 2008 gehörte Groß der Preisjury an.[3] [4]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Regie von Ulli Herzog arbeitete Marianne Groß von 1980 bis 1989 an der Seite ihres Ehemanns Lutz Riedel in der insgesamt 46-teiligen Jugend-Hörspielserie Jan Tenner, in der sie die weibliche Protagonistin Laura sprach. Neben Jürgen Kluckert war sie zudem als Wendys Mutter Heike Thorsteeg in der Hörspieladaption des für junge Mädchen konzipierten Pferdecomics Wendy zu hören. Wechselnde Gastrollen übernahm sie unter anderem in mehreren Episoden der Hörspielserien Geisterjäger John Sinclair, Sherlock Holmes, Lady Bedfort und Ordensschwester Amélie.

Sprechrollen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anjelica Huston

Cher

Cherry Jones

Phylicia Rashad

  • 1987–1992: Die Bill Cosby Show (Fernsehserie) als Clair Hanks Huxtable
  • 1998: Ein Besseres Leben als Desiree
  • 2001: Cosby (Fernsehserie) als Ruth Lucas
  • 2012: Steel Magnolias als Clairee

Stockard Channing

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004: Deutscher Preis für Synchron in der Kategorie „Herausragende Synchronregie“ für 21 Gramm und In America

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Preis für Synchron: Preisträger 2003 (PDF-Datei; 48 kB), abgerufen am 24. März 2012
  2. Deutscher Preis für Synchron: Preisträger 2004 (PDF-Datei; 41 kB), abgerufen am 24. März 2012
  3. Auf die Ohren kommt es an casting-network.de, März 2006, abgerufen am 24. März 2012 (PDF-Datei; 215 kB)
  4. Deutscher Preis 2008: Nominierungen (PDF-Datei; 6,5 MB), abgerufen am 24. März 2012

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]